tene kleine bessarabische Gebiet wieder erlangen sollte, und wer weiß was noch sonst dazu nehmen? Wir unsererseits sind sehr geneigt, die wiederholten öffentlichen Versicherungen der Dreikaisermächte höher zu stellen, als alle unbeglaubigten Gerüchte, und wenn die russische Regierung sich veranlaßt sehen sollte, solche ihrer Loyalität zu nahe tretenden Nachreden zurückzuweisen, so ist der Zweck, weßhalb wir dieselben anführen, erreicht.
— Köln, 17. Febr. In Folge des Thauwetters haben in den letzten Tagen mehrfache Abrutschungen und Ausspülungen am Bahnkörper der Rheinischen Bahn stattgefunden, so daß die Strecke nach Aachen nicht befahren werden kann. Der Verkehr nach Belgien und weiter geht deshalb vorläufig über Gladbach-Aachen.
— Aus Bayern, den 14. Februar. Die Frage, wie sich die ultramontane Partei im Landtage gegenüber der Regierung und ihren Vorlagen stellen werde, beschäftigt alle potitischen Kreise. DaS hiesige Organ der Deutschen Volkspartei in Bayern äußert sich über den Land- tag dahin: „in Kombinationen wolle es sich nicht verlieren, aber was zu geschehen hätte, wußte es wohl. Die Majorität sei es sich und dem Landtage schuldig, daß sie mit dem gegenwärtigen Ministerium ernstlich ins Gericht geht und wenn sie zur Steuerverweigerung nicht greifen will, wenigstens alle anderen Mittel anwendet, um dieses Ministerium zum Weichen zu bringen. Die Adresse und was damit zusammenhängt, hat gezeigt, daß der Konstitutionalismus in Bayern unter diesem Ministerium sticht so gewahrt ist, als er gewahrt sein sollte. Der Kon- stitutionalismus müsse als Prinzip bestehen, nicht aber blos für die Nationalliberalen gelten. Ferner sei gegenüber Berlin ein Ministerium nothwendig, das sozusagen Haare auf den Zähnen habe. Es gebe gottlob auch noch Leute, die weder dem Ultramontanismus noch dem modernen Liberalismus oder Nationalliberalismus huldigen." Es ist wohl zu bezweifeln, daß die Ultramontanen nach diesem Rezept handeln werden; denn es gehören dieselben nicht zu denjenigen, welche sich für eine Idee zu erhitzen pflegen, und für Andere, etwa gar für volksparteiliche Staatsretter, die Ministerstühle sauber fegen würden. Der Volksfrennd persiflirt gewisse Wichtigthuereien mit der Kenntniß von Planen und Zielen der bayerisch patriotischen Partei und schließt seine Betrachtung über die bevorstehende Landtagssession mit den Worten: „dem katholischen Volke können wir die Versicherung geben, daß die Männer seines Vertrauens fest und unentwegt stehen und ihre Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen einzulöjen gewillt sind." Das Vaterland glaubt an einen ruhigen Verlauf der Session nur, — „wenn die Führung der Partei nicht in andere Hände gelangt." Das Vaterland meint, Jörg habe sich mit seiner Annexionspolitik regierungsfähig für den größten Bundesstaat im Reich zeigen wollen und mit solchen Führern solle man jedenfalls sehr vorsichtig sein. Die Steuerverweigerung wird nach den bekannten staatsrechtlichen Gutachten, welche die ultramontane Partei erhielt, von dem Programme abgesetzt sein; dagegen wird der Guerrilla- krieg in voller Blüthe stehen und mit allem nur möglichen erlaubten und unerlaubten Geschütz gezogenen und ungezogenen Kalibers geführt werden. Darauf darf man sich gefaßt machen. Die bei Eröffnung des Landtages ausgegebene ultramontane Parole: schonungslose Ausnützung der Macht wird auch fürderhin gelten und so werden wir denn auch für die Fortsetzung der Session das bisherige Direktorium beibehalten.
cAugSb. Abdztg.)
— München, 16. Februar. Schon in einer der ersten Sitzungen der Abgeordneten werden, wie die „Augsb. Abdztg." vernimmt, einige Abgeordnete der ultramontanen Kammerfraktion eine Interpellation an den Staatsminister des Aeußern richten, um zu erfahren, welche Stellung die bayerische Regierung zu dem Projekte der Erwerbung der Eisenbahnen für das Reich einnimmt. Jedenfalls wird man durch eine solche Interpellation Klarhstt in dieser sehr wichtigen Angelegenheit erlangen können.
— In Kuchen (Württemberg) ist am 12. ds. die Staub'sche Baumwollspinnerei und Zwirnerei abgebrannt. In dem niedergebrannten Gebäude waren 28,000 Spindeln im Gang. Der Schaden an Maschinen allein wird auf 1 Million M. angeschlagen. Auch das Magazin mit großem Vorrath von Rohmaterial ist abgebrannt.
— Flensburg, 13. Februar. In Biolderup bei Apenrade war in der Kirche für die im Krieg gegen Frankreich Gefallenen eine Gedenktafel errichtet. Mehrere dänisch gesinnte Mitglieder des Kirchen- vorstandes hatten dieselbe eigenmächtig entfernen lassen und sind dafür mit Gefängniß bestraft worden. Vor Kurzem ist nun wieder in die Kirche eingebrochen und die Gedenktafel zerstört worden. Eine Untersuchung ist eingeleiter; solche Vorkommnisse sind aber natürlich nur geeignet, die Behörden zu veranlaffen, die Zügel noch straffer anzuziehen und der dänischen Propaganda noch ganz anders auf die Finger zu klopfen. Bilde sich doch Niemand ein, daß man Dänemark nur die Hand zum Bruderbünde reichen dürfe, dann werde sich Alles von selbst machen. Jegliche Annäherung in der Presse ist von Kopenhagen stets aufs schnödeste zurück^ewiesen worden; der deutsch nationale Siolz erfordern nachgerade bei Jedermann, die Andern doch erst an sich kommen zu lassen. Rückgabe von Schleswig, heißt die Parole in Kopenhagen; dann wollen wir sehen, ob wir vielleicht es uns überlegen können, den I Gedanken einer Annäherung aus Deutsche Reich ins Auge zu fassen. !
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Solchem Unsinn dreht man am besten den Rücken und behält ruhig, was man hat. (s^. Merk.)
— Madrid, 16. Febr. Der König ist heute Abend 10 Uhr mittelst Extrazuges nach Vittoria abgereift. — Zum Senats-Präsidenten ist Barzanallana ernannt worden. — Nach weiteren hier eingegangenen Nachrichten haben die Regierungstruppen die Waffenfabriken der Car- listen in Eibar und Azcoytia zerstört. In Vergara haben die Carlisten Munition, Lebensmittel und Verwundete in großer Zahl zurückgelassen.
— Der „Franks. Anzeiger" schreibt unterm 17. Februar aus Frankfurt am Main: Am vorletzten Montag, den 7. d. M., fand im hiesigen Schuhmacherverein mit dem Berliner Centralausschuß eine Verhandlung statt wegen Abhaltuug des für dieses Jahr und für Frankfurt bestimmten allgemeinen Schuhmacher-Congresses für Deutschland. Die sehr ernsten Debatten führten jedoch zu keinem Ziel, da der Centralausschuß nicht geneigt ist, die früheren Congreßbeschlüsse zu erfüllen und Kasse und Akten an den Vorort Frankfurt abzuliefern, und steht es daher noch sehr in Frage, ob dieser Congreß hier stattfinden wird; wenigstens dieses Jahr nicht. — Unser Altmeister Heinrich Neeb ist auch in diesem Jahre unter die Stipendiaten der „Tiedgc-Stiftung" ausgenommen worden und es ist ihm abermals in Anerkennung seiner hohen Verdienste um die Hebung und Förderung des deutschen Mün- nergesangs eine Ehrengabe von 300 Mark von dieser Stiftung zuerkannt worden. Dieselbe wurde dem Componisten in diesen Tagen durch das Freie Deutsche Hochstift, dessen Ehrenmitglied und Meister er bekanntlich ist, durch eine Abordnung auf seinem Krankenbette überreicht. — Das Freie Deutsche Hochstift hat dem Dichter Joseph Viktor von Scheffel bei Gelegenheit von dessen am 16. d. M. stattgehabten 50. Geburtstag zum Ehrenmitgliede und Meister des Hochstifts erwählt und ist das Ehrendiplom am Festtage durch die Carlsruher Stifsge- nossen gemeinschaftlich und feierlich dem Jubilar Namens des Hochstifts überreicht worden. — Gestern fiel ein Spenglergeselle von einem Neubau am Reuterweg und verstarb kurze Zeit darauf in Folge einer schweren Hirnerschütterung.
Lokales «ud Provinzielles.
Hanau, 18 Februar 1876.
— Gestern legte der Verein „Museum", dessen Mitglieder sich die Pflege klassischer Musik zur Aufgabe gestellt haben, im Saale des Gasthofs „zum Riesen", vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft, mit dem ersten Concerte die Feuerprobe ab, hat dieselbe bestens bestanden und hiermit seine Lebensfähigkeit kundgegeben. Das sehr aufmerksame Auditorium belohnte mit Beifall jede vollendete Nr. und f^ien^tm allgemein mit den Leistungen recht zufrieden zu sein. Hoffentlich werden wir einen eingehenderen Bericht über dieses Concert in den nach sten Tagen liefern können, und knüpfen noch den Wunsch an, daß sowohl die Mitglieder als der Dirigent des Vereins „Museum" in dem seither bethätigten Eifer fortfahren möchten.
C. In Ihrer gestrigen Nr. findet sich ein Artikel aus Leipzig über Erhöhung der dortigen Hundesteuer von 9 auf 20 Mark mit der Bemerkung, daß die Zahl der Hunde alsbald von 4000 auf 2200 vermindert wurden. Wenn für Leipzig 4000 Hunde als zuviel erachtet werden, dann sind für unsere Stadt 1000 Hunde gewiß zu viel. Es wäre an der Zeit, daß unsere Behörden diese Frage ernstlich und abhelfend behandelten. Eine richtige Erhöhung bringt auch keine Steuer- verminderung, sondern das Gegentheil — wie Leipzig zeigt — und unsere Finanzen könnten das auch vertragen.
— Durch gestern Vormittag publizirtes Erkenntniß des kgl. Kreisgerichis, Strafkammer dahier, wurde nach der „Hanauer Zeitung" der verantwortliche Redakteur desselben Blattes, C. F. Kittsteiner, von der wider denselben in Folge einer Denunciation erhobenen Anklage wegen Vergehen gegen §. 184 Str.-G.-B. und § 21 des Preßgesetzes, unter Niederschlagung der Kosten freizesprochen. Der Staatsanwalt hatte wegen Vergehen gegen §. 184 Freisprechung, auf Grund des §. 21 des Preßgesetzes aber eine Geldbuße von 30 Mark beantragt.
Versteigerungs- & Verpachtungs-Kalender.
Morgen Vormittag 9 Uhr kommen in der Lehning'schen Gastwirthschaft „zum goldnen Faß" dahier verschiedene Partieen Eichen-, Buchen-, Birken-, Erlenj und Weichtzolz-Nutz- und Brennholz, aus der Oversörsterei Bruchköbel, zu öffentlicher Versteigerung (f. Nr. 37 „Han. Anz"). — An der Kinzig (in der Bulau) müssen zur Vornahme von Wasserbauten 136 Schock Faschinen und 12 Raumm. Psahlholz angefahren und verbaut, sowie ca. 150 Kubikmeter Kiesbänke ausge- hoden werden. Wer vorerwähnte Arbeiten zu übernehmen gedenkt, hat diesbezügliche Offerten bis spät stens morgen Vormittag 10 Uhr im Bureau des Körngl. Kreisbaumeisters Herrn Schuchard einzureichen (s. Nr. 36 „Han. Anz").
— Für heute. Stadttheater: Zum 2. Male: „Blindekuh", Lustspiel in 3 Aufzagen von Rubolph Kneifet (das Lustspiel erfreute sich in der Mittwochrvvrstelluag großen Beifalls). — AltkachoUscher-Verein: Abends 8 Uhr Generalversammlung im V-reinslokal „zur Post"; Tagesordnung: Jahresbericht und Vorstand-wahl.