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KriegSbesorgniß «iederschlagende Worte an Stadtrath Wolfrum, ein langjähriges Mitglied des ReichSrathr, richtete. So freudig die kaiser­lichen Worte von denen begrüßt wurden, welche sie mit anhörten, so wird gewiß ganz Europa von denselben erfüllt werden. Die freudigste Genugthuung darüber, daß die beiden Kaiser sich im vollsten Einver- ständniß getrennt haben, werden vor Allen aber zwei Männer empfinden, der Kaiser Wilhelm und sein Kanzler, welche beide seit dem Auftauchen der »rientalischen Frage im Sinne deS Friedens wirkten. Der Kaiser Alexander paisirte am Samstag Dresden zweimal früh 7 Uhr 40 Min. und Abends 5 Uhr 45 Min. Bei der Rückkunft wurde der Kaiser im hiesigen böhmischen Bahnhof im Ramm des in der Schweiz weilenden KönigS Albert von dem Prinzen Georg begrüßt. Die Stimmung deS Kaisers war eine sichtlich freudige. Er sah so munter und frisch aus, und blickte so muthig drein, wie man er nur von einem ganz gesunden und zufriedenen Mann erwarten kann. (es*. wert)

K i ssin g e n, 12. Juli. Lord Rüssel'ist hier angekommen.

DemDaily Telegraph* war auS Paris gemeldet worden, daß die Absichten Frankreichs nicht so friedlich seien, als man glaube, und daß trotz dem Anschein vom Gegentheil die Politik der Abenteuer bei den Franzosen noch zahlreiche Anhänger habe. An der Spitze der Re­gierung stehe ein Soldat; einer der bedeutendsten Minister, zugleich ein besonderer Freund deS Marschalls Mac Mahon, General Cissey, sei ebenfalls Soldat; der Herzog v. Äumale, dessen Einfluß auf die jetzige Regierung für Niemanden ein Geheimniß sei, dürste nach militärischem Ruhme. Die Neutralität Frankreichs hänge also von der Laune deS MarschallL und seiner Umgebung ab. Gegen diese Behauptungen pro- testiren die DöbatS:Wir können dem Korrespondenten versichern, daß er unsere Regierung nicht besser kennt, als unser Land. Frankreich würde sich nicht durch eine Kriegßproklamation verblenden lassen; der Pulvergeruch würde es nicht so stark berauschen, daß es in einem Tage die Frucht bjähriger Besonnenheit und Arbeit verlieren könnte. Auch die Regierung ist nach denDöbats* nicht kriegerisch gestimmt. Mac Mahon habe keinen Gedanken dieser Art. Dir ganze Korrespondenz sei ein Roman.Wenn eS in diesem Augenblicke in Europa eine Macht gibt, welche dem Frieden aus Ueberzeugung, aus Neigung und aus In­teresse zugethan ist, so ist Frankreich die Macht.* Ohne Zweifel drücken hiermit dieDebaW* dir Meinung der großen Mehrheit der Franzosen aus. Diese Mehrheit hat die bestimmte Ueberzeugung, daß eS noch mehrere Jahre bedarf, ehe Frankreichfertig* ist.

Nach einem Berichte der Times aus Belgrad herrscht großer Mangel an Medizinern, und die Belgrader Studenten, die et­was von Medizin verstehen, werden zur Ausfüllung der Stellung ver­wendet. Ueberdies werden die Zöglinge in den Lyzeen in den ein­facheren chirurgischen Operationen wie Bandagemacher u. s. w. unter­richtet. Die Kirchen werden zu Hospitälern eingerichtet und die Fürstin hat alles das, was für Pflege der Verwundeten erforderlich ist, unter ihrer persönlichen Aufsicht organisirt. Viel Erstaunen wird über die Zahl der Russen ausgedrückt, die hierher kommen und mit unserer Sache sympathisiren, auch viele französische Offiziere wünschen sich den Frei­willigen anzuschließen. Große Bäckereien sind errichtet worden und die alten Pensionäre, sowie die Gefangenen sind mit der Anfertigung von Zwieback für die Truppen beschäftigt.

Madrid, 12. Juli. Das Comilä der spanischen Staats­gläubiger wird demnächst eine Petition an den Senat richten, in wel­cher die Aufhebung des vom Kongresse angenommenen Gesetzentwurfs betreffend die Regelung der öffentlichen Schuld gefordert wird.

Dom Kriegsschauplatze.

Aus Konstantinopel wird von heute Vormittag telegraphirt: Wie dieAgence HavaS-Reuter* meldet, haben sich zahlreiche Frei­willige, darunter auch einige Christen, für Die Armee anwerben lassen. Die Regierung hat die Armee-Kommandanten angewiesen, die Freiwilli­gen den regulären Truppen gleichzustellen. Gleichzeitig ist, wie der Agence Havas-Reuter* weiter gemeldet wird, den Armeekommandanten der Befehl zugegangen, darüber zu wachen, daß bei einem eventuellen Einmärsche in Serbien die Pflichten der Menschlichkeit gegen die fried­lichen Einwohner des Landes beobachtet würden. Der Sultan und seine Mutter haben 20,000 Pfd. Sterl. für Kriegszwecke gezeichnet. Wie aus Bagdad hierher gemeldet wird, rst die Pest dort fast ganz er­loschen.

Dem WienerTelegraphen-Korrespondenz-Bureau* wird aus Serajcwo von: 11. Juli gemeldet: Bei Wijchezrad (an der Drina, an der Südwestgrenze Serbiens) hat heute ein größerer Kampf zwischen den Serben und Türken stattgefundm. Der Ausgang desselben ist noch unbekannt. Demselben Bureau geht aus Scutari die Nachricht zu, daß am 11. d. M. auch zwischen den Montenegrinern und den Türken zwei größere Gefechte stattgefunden hätten, und zwar bei Kernika (Kraina) und bei Podgorizza. Novibazar wird von den Serben beschossen.

DerPolit. Korresp.* wird vom 12. Juli aus Widdin be­richtet: Osman Pascha benutzt die augenblicklich in den Operationen emgetntene Pause, um sein Corps durch die Heranziehung von Mann­

schaft und Kanonen zu verstärken. Ebenso sind die Serben mit der Orga« nisirung von Streif-Corps beschäftigt. 6m solches 3000 Mann starkes Streifkorps ist bis zu der 2 Stunden von Widdin entfernten Ortschaft Gangowa (Ghenzowa, nordwestlich von Widdin) vorgedrungen. Derselben Korrespondenz wird aus Belgrad gemeldet: Der Kriegs-Mi- nistet hat dem Oberst Leschjanin 7000 Mann Verstärkung geschickt; Leschjanin ist im Widdiner Paschalik bereits ziemlich weit vorgerückt und steht ein Zusammenstoß mit den feindlichen Streitkräften bevor. 'General Raneo AlimpicS organisirt bei Belina eine 6000 Mann starke Abtheilung Freiwilliger aus BoSnien; ebenso ist General Tscher- najeff bei Akpalanka mit der militärischen Organisirung zahlreicher Frei- schaaren beschäftigt. Die Drina-Arme« hat 3000 Man» Verstärkung erhalten.

Ei« Telegramm deS W. T. B. auS Belgrad vom 12. Juli lautet: Der Regierung wird vom Kriegsschauplatz gemeldet: Die mili­tärische Situation ist unverändert. Beide Theile behaupten ihre Stel­lungen. Es haben nur unbedeutende Zusammenstöße stattgefunden. Die türkischen Schiffe bombardiren die insurgirten türkischen Dörfer bei Widdin. Die Nachricht von der Einnahme SaitcharS durch die türki­schen Truppen beruht auf Erfindung. Oberst Leschjanin hat gestern einen Kampf provozirt und mehrere strategische Punkte besetzt. Die in Ghenzowa (Gangowa, nordwestlich von Widdin) bei Widdin stehenden serbischen Truppen haben die Türken bis zu der gegenwärtig geschlosse­nen Festung verfolgt und viele Lebensmittel erbeutet. Ein von den türkischen Schiffen auf daS von den Insurgenten bes tzte Dorf Nowozelo (nördlich von Widdin) gerichtete« Bombardement blieb erfolglos.

Die letzten telegraphischen Nachrichten, auS türkischer Quelle, melden eine Niederlage der Montenegriner bei Podgorizza. Die Türken scheinen durch ine katholische» Albanesenstämme deS Prokletjagcbirges: Hotti, Kastrati, Rioli und Schkrieli verstärkt worden zu sein, während sich die Montenegriner mit den Albanesenstämmen griechisch-orientalischen Bekenntnisses, mit den Kutschi und Drakalovitschi verbunden hatten. DiePresse* bemerkt dazu: Auffällig bleibt es, daß bereits seit acht Tagen zwischen Podgorizza und Medun keine montenegrinischen Siege gmeldet wurden und noch gefährlicher dünkt uns die Lage deS Kom­mandanten Petrovitsch Njegusch für den Fall, als Muschir Derwisch Pascha, der Besieger der Montenegriner im Jahre 1852, den Oberbe­fehl bei Podgorizza wirklich übernehmen sollte. Das würde auf eine namhafte Verstärkung der türkischen Truppen an der Südgrenze Mon­tenegros Hinweisen und alle bisher gemeldeten und nicht geschlagenen Schlachten bei Gacko müßten zum Rückzüge deS Fürsten nach Cettinje führen. Welchen SukkurS die Serben dann von den Montenegrinern zu erwarten haben, ist wohl von selbst einleuchtend.

Das WienerFremdenblatt* bestätigt laut Telegramm aus Wien vom heutigen Tage die Nachricht, daß die österreichisch ungarische Regierung die Schließung des Hafens von Klek angeordnet hat.

(S. x. öi^an?4

Lokales von hier und Umgegend, sowie Provinzielles.

Hanau, 14. Juli 1876.

Gestern gegen Abend fiel einem Dienstmädchen ein Zchn-Mark« stück in die Eintanche bei der Kaserne. Ein Bursche förderte dasselbe wieder zu Tage, verlangte jedoch aufs Entschiedenste 5 Mk. Finder lohn und gab das Gefundene nicht eher heraus, bis sich die Polizeibehörde in's Mittel legte und ihm den gesetzlichen Finderlohn (1 Mk.) be­stimmte.

Jmmobilien-Umsätze. Die beiden Hüge'schen Häuser an der franz. Allee gingen gestern um die Summe von 46,000 Mark an Herrn Heinrich Zeh (in Firma Zeh & Schien) über.

Eingesandt.

Rt. Unseren Hausfrauen dürfte anzurathen sein, falls sie an Solche, die ein ambulantes Geschäft treiben, Aufträge ertheilen, sich genau um den Preis zu einigen. So wurde dieser Tage einer Frau, welche eine Scheere zum Schleifen und eine Kaffeemühle zum Schärfen gab, für Erstere 50 Pf. und für Letztere 1,50 Mk. abverlangt und derselben auch noch, als sie sich über den Preis beschwerte, von dem Scherenschleifer bedeutet, daß er für ferne Arbeit nehmen könne, was er wolle.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem Realschul-Direktor a. D. Dr. Herwig zu Hanau den Rothen Adler- Orden dritter Klasse mit der Schleife zu verleihen.

Nächsten Sonntag findet zu Bornheim ein Schau- und Preis- Turnen des Maingau-Verbandes statt und wird die Betheiligung Sei­tens der hiesigen Turngemeinde eine starke, insbesondere wird sich eine erkleckliche Anzahl ihrer Mitglieder am Preisturnen betheiligen.

Einer Mittheilung derHess. Morggztg.* zufolge, hat der Kaiser auf Vortrag des Justizministers unter dem 30. Juni den wegen Raubmords, verübt an dem Rentner Elias, dessen Frau und Dienst­mädchen zu Gudensberg, am 5. April von dem Schwurgerichte zu Kassel zum Tode verurtheilten Taglötzner H. Vinzon aus Waldensberg (Kreis Gelnhausen) zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt.

Der Cultusminister Dr. Falk hat bezüglich des Handarbeit«