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kann sich da an Ort und Stelle überzeugen, wie die Geschichte seinem geflügelten Wort: „Kein Fuß breit von unserm Boden, kein Stein von unsern Festungen", entsprochen hat.
— In der „Salzburger Chronik", Organ des Erzbischofs von Salzburg, steht folgende Mittheilung: „Se. Eminenz hat den durch das Ereigniß von Kissingen berühmt gewordenen Vikar von Walchsee, Hrn. Sigmund Hauthaler, zum Personalpfarrer ernannt. Möge ihm diese Anerkennung von Seite seines Oberhirten Trost und Ersatz bieten für die Fluth von Ehrenaugriffen, denen er so lange in schuldlosester Weise ausgesetzt war." Zu dieser Mittheilung bemerkt die „D. Ztg": Da seh' doch einmal Einer, wie es mit dem Avancement in unserm niedern Klerus steht! Wird so ein armer Weltgeistlicher 63 Jahr alt, ohne es weiter als bis zum Vikar gebracht zu haben, plötzlich wird er durch einen Zufall irrthümlich für den Mitschuldigen an dem Attentate auf einen „Feind der katholischen Kirche" gehalten, und das genügt, um ihn im Handumdrehen zum Personalpfarrer zu ernennen. Geistliche, die befördert werden wollen, wissen nun, wie sie es anzustellen haben. (Augsb. Abdztg.)
— Wien, 22. August. Der „Schw. Merk." schreibt: Es war bisher für die ausländischen Kapitalisten ein wenig dankbares Geschäft, ihre Gelder in ungarischen Eisenbahnunternehmungen anzulegen. Denn in Uugarn herrschten bisher in dieser Beziehung sehr elastische Grundsätze, und man meinte, das ausländische Geld sei eben gut genug, um von dem Abgrund der ungarischen Eisenbahnwirthschaft verschlungen zu werden. Freilich wurde in der Folge das ausländische Kapital auch etwas spröde und mehr als einmal mußten die Ungarn in ihrer Geldnoth vergeblich an den Thüren der Geldaristokratie anklopfen. Man konnte sich endlich nicht länger der Ueberzeugung verschließen, daß man ganz andere Grundsätze annehmeu müsse, wenn Ungarn nicht ganz seinen Kredit verlieren solle. Der Anstoß, den der Finanzminister Ghyzy zur Reform in der Finanzwirthschaft gab, äußerte auch seine Rückwirkungen auf die Eisenbahnbauunternehmungen. Der Verkehrsminister Zychi hat angeordnet, daß die Ersatzansprüche der Bauunternehmer geprüft und nun gemäß den Rechtsformen befriedigt werden sollen. Die ungarische Nordostbahn-Bauunternehmung, welche eine Mehrforderung von 23 Millionen Gulden beansprucht, ist guter Hoffnung, daß ihre Ansprüche befriedigt werden. Die bezüglichen Verhandlungen zwischen der Bauunternehmung und der ungarischen Regierung sind eben im Zuge.
:— Haag, 25. August. Nach eingegangenen osficiellen Meldungen von den niederländischen Truppen in Ätchin, welche bis zum 17. ds. reichen, haben die Niederländer das befestigte Lager von Poede ohne Verlust erobert und eine andere verschanzte Stellung der Atchinesen mit nur geringem Verluste genommen. Der Gesundheitszustand der Truppen ist befriedigend. — Der Häuptling Tvekoenek ist gestorben.
— Wegen des Königs von Bayern sind die Franzosen in ziemlicher Verlegenheit: sie wissen nicht recht, sollen sie ihn feiern oder nicht. Der Allerweltsschmeichler „Figaro" freilich widmet dem hohen Gast heute einen schwulstigen Artikel. Die Regierung übrigens läßt es an Aufmerksamkeiten für den König nicht fehlen: so werden während seines Besuchs in Versailles die großen Springbrunnen springen; eine große Ehre. Die Blätier wissen auch von einer beabsichtigten Zusammenkunft mit Mac Mahon zu erzählen, worin sie sich sicherlich täuschen.
— Der Versuch der Franzosen, den Deutschen das Institut der Einjährig-Freiwilligen nachzuahmen, wird schon jetzt als vollstänig verfehlt angesehen, da die Befähigung der bisherigen Freiwilligen nicht genügte, um der Armee brauchbare Offiziere zu liefern. Das Ministerium fühlt sich wegen des schlechten Eindrucks, den die Unterdrückung des Instituts Hervorrufen wird, sehr beunruhigt. Hatte man doch so viele schöne Hoffnungen darauf gesetzt!
— Paris, 25. August. Auf dem heute in St. Nazaire zu Ehren des Präsidenten Mac Mahon stattgehabten Banquet brachte der Deputirte Fidèle Simon (dem linken Centrum angehörig) einen Toast auf denselben aus, indem er der Befriedigung Ausdruck gab, welche der Handelsstand aus der Zuversicht geschöpft habe, daß der Präsident die ihm auf 7 Jahre übertragene Regierungsgewalt aufrecht erhalten werde. Der Redner knüpfte hieran die Erwartung, daß die künftige Nationalversammlung die konstitutionellen Gesetzentwürfe zu Stande bringen werde, welche der Präsident seiner Zeit in seiner Botschaft verlangt und von der gegenwärtigen Nanonalversammlung vergebens gefordert habe. Mac Mahon bemerkte in seiner Erwiderung, daß er denW.llen der Nationalversammlung stets achten werde, und betonte alsdann von Neuem seinen festen Entschluß, während der 7 Jahre an der Spitze der Regierung verbleiben zu wollen.
— London, 25. August. Der Kronprinz und die Kronprinzessin des deutschen Reichs und von Preußen haben mit ihren Kindern gestern Nachmittag über Antwerpen die Rückreise nach Deutschland angetreten. Der Sladtrath von Sandown überreichte bei der Abreise eine Dauk- und Beglückwünschungsadresfe, auf welche der Kronprinz alsbald dankend erwiderte. Von der versammelten Volksmenge wurden dem kronprmz- lichen Paare die herzlichsten Abschiedsgrüße nachgerufen.
— New-Jork, 25. August. Ueber die Verhandlungen, welche
zur Zeit zwischen der amerikanischen und spanischen Regierung im Gange sind, verlautet, daß das Washingtoner Kabinet seinen Forderungen gegenüber die Aufstellung von Gegenforderungen wegen der von Amerika aus gegen Kuba in das Werk gesetzten Flibustier-Expeditionen für unzulässig erklärt habe. Auch heißt es, daß die Regierung mit dem langsamen Gange der Verhandlungen über die der „Virginius"-Angelegenheit her von Spanien zu leistende Entschädigung unzufrieden sei. Für die übrigen Schadensansprüche dürfte möglicher Weise ein Schiedsgericht in Wirksamkeit treten.
— Die „Neue Fritr. Pr." schreibt unterm 25. August aus Frankfurt a. M.: Der Elephant im Zoologischen Garten wird demnächst Gesellschaft erhalten, indem die Verwaltung einen jungen afrikanischen Elephanten angekaust hat, welcher binnen Kurzem hier eintreffen wird.
— Heute Morgen sprang ein Patient im heiligen Geistspital in der Fieberhitze aus dem Fenster des zweiten Stockes und blieb auf der Stelle tobt. — Die Bevölkerung Frankfurts hat, wie wir hören, in dem ersten Semester dieses Jahres etwas über 4000 Seelen zugenommen. — Der hiesige Thierschutzverein hat, nachdem das Schlachten mit der „Buterrolle" sich bei unseren Metzgern den vollen Beifall errungen, die Anschaffung noch mehrerer dieser Schlachtapparate beschlossen.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 27. August 1874.
— Seit einiger Zeit ist eine Anzahl Mitglieder des vorhinnigen hiesigen Arbeiterfortbildungsvereins unter dem Namen „Wirthschaftlicher Verein" zu einer Gesellschaft zusammengetreten, die sich die Aufgabe gestellt hat durch Ankauf von Lebensmitteln im Großen ihren Mitgliedern möglichst billige Waare zu liefern und wird der gezielte Gewinn denselben gutgeschrieben, nebenbei hat die Gesellschaft eine Spar-, eine Kranken- und eine Spielkasse errichtet und befindet sich bereits im Be- j sitze einer Leihbibliothek zu beliebiger Benützung ihrer Mitglieder; das Vereinslokal befindet sich im Vereinsbaus, Frankfurterstraße 16.
— Der beim Sängerfeste erzielte Uebcrschuß im Betrage von ca. 1200 fl. ist seit längerer Zeit verzinslich bei hiesiger Leihbank angelegt, und findet in nächster Woche eine Sitzung des Centralcomite's für das 8. Mainchal-Sängerfest statt, um über die Verwendung dieses Ue- berschusses Beschluß zu fassen.
— Herr Andreas Schäffer in der Bangertsgasse verkauft von heute an das Psd. Ochsen fleisch zu 18 kr.
D Bruchköbel, 27. August. Wie im vorigen Jahre so wird auch diesmal wieder die Sedanfeier in folgender Weise gefeiert: Am Vor?*' abend: Glockengeläute, um 8 Uhr Zusammenkunft des Kriegervereins im Saale „Zum Adler", -daselbst Abendunterhaltung. Am Festtage: Morgens 6 Uhr Glockengeläute und Böllerschüsse; um halb 10 Uhr Festgottesdienst, von 11 bis 12 Uhr Frühconcert in den Lokalitäten „Zum Adler", 1/a2 Uhr Aufstellung des Festzugs vor dem Lehning'schen Gasthause in folgender Ordnung: 1) Festreiter, 2) Schulkinder, 3) Musikkorps, 4) Festdamen, 5) Auswärtige Krieger, 6) Turnverein, 7) Gesangverein, 8) Knegerverein, 9) Festtheilnehmer. Der Zug bewegt sich durch sämmtliche Straßen des Dorfes in den Lehning'schen Garten, woselbst Festrede, Festessen, Concert und Tanz. Abends von 8 Uhr ab Kriegecball in den Lokalitäten „Zum Schwanen".
— Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: Den Amtsrichtern Köhler in Cassel, Dieterich in Fronhausen, Fulda in Cassel, Berner in Rodenberg und Zimmermann in Cassel den Charakter als Ober-Amtsrichter zu verleihen.
— Im Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel Nr. 33 findet sich das Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes uUd die Form der Eheschließung, vom 9. März 1874, abgedruckt.
— In der Generalversammlung des Vereins deutscher Eisengießereien, welche vorige Woche in Kassel tagte, wurden, wie man nachträglich erfährt, mehrseitig Anträge auf eine allgemeine Erhöhung der Verkaufspreise gestellt. Indessen beschloß die Versammlung, sich für die gegenwärtige Saison auf ein entschiedenes Festhalten an den bestehenden Preisen zu beschränken, zumal aus allen Gebieten Deutschlands eine Besserung des Geschäfts gemeldet wurde. (M- M^tg.)
— Fulda, 25. August. Die Berliner „Post" schreibt: Die Zeitungsnachricht aus Kassel, daß das katholische Lehrerieminar in Fulda von dort verlegt und mit dem in Montabaur vereinigt werden soll, entbehrt jeden Grundes. Dasselbe hat allerdings den ultramontanen Einflüssen gegenüber in Fulda eine schwierige Anfgabe, wird aber hoffentlich durch geeignete Umgestaltung in den Stand gefetzt werden, dieselbe zu lösen.
— Oberhessische Eisenbahnen. Der Verkehr auf den Oberhessischen Bahnen ist, nach der „F. Ztg.", seit Anfang dieses Jahres in fortwährendem Steigen begriffen, so daß bereits bis ultimo Juli eine Mehreinnahme von 26,595 fl. gegen denselben Zeitraum 1873 erzielt wurde. Berücksichtigt man nun, daß einerseits die eings- tretene Tariferhöhung — namentlich in den Herbst- und Winter-Mo-