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H?2.
Montag den 27. Juli.
1874.
Diejenigen im diesseitigen Bezirk sich aufhaltenden Invaliden, deren Invalidität durch einen im letzten Kriege wider Frankreich im Dienste erlittene Beschädigung herbeigeführt worden ist und welche neben der ihnen zustehenden Pension mit dem Civilversorgungsschein abgefunden worden sind, an Stelle des Letzteren jedoch, in Gemäßheit des Gesetzes vom 4. April cr. die Anstellungsentschädigung von 2 Thaler monatlich zu erhalten wünschen, haben ihre Ansprüche unverzüglich unter Abgabe des Civilversorgungsfcheines bei den betreffenden Bezirks-Feldwebeln geltend zu machen.
Das Recht zur Wahl erlischt am 22. October 1874.
Desgleichen haben diejenigen Invaliden, welche in Gemäßheit des ß. 76 des Gesetzes vom 27. Juni 1871 wegen Nichtbenutzung des Civil- versorgungsscheins zur nächsthöheren Peiisionsklasse anerkannt worden sind und welchen gemäß §. 12 des Gesetzes vom 4. April cr. gegen entsprechende Minderung dieser Chargenpension eine Pensionszulage von 3 Thaler monatlich für Nichtbenutzung des Civilversorgungsscheins gewährt werden kann, ihre Ansprüche ebenfalls unverzüglich bei den betreffenden Bezirks-Feldwebeln anzumelden.
Die Anmeldefrist für die auf den Krieg von 1870/71 zu begründenden Ansprüche auf Juvaliden-Verforgung ist bis zum 20. Mai 1875 festgestellt.
Königliches Kommando des Reserve-Landwehr-Bataillons (Frankfurt a. M.) Nr. 80.
Wird veröffentlicht.
Hanau den 15. Juni 1874.
Der Landrath: Schrötter.
T u g L è s ch a u.
— Die Reisedispositionen des Kaisers haben der „D. R. C." zufolge neuerdings einige Aenderungen erfahren. Danach wird Kaiser Wilhelm noch einige Tage länger, als ursprünglich in Aussicht genommen, in Gastein verweilen und dann nicht direct hierher zurückkehren, sondern erst dem Könige von Bayern auf Schloß Berg am Starnberger See einen Besuch abstatten. Nach dem Eintreffen des Kaisers in Babelsberg wird der Aufenthalt daselbst nur ein sehr kurzer sein und der Monarch sich sehr bald zu den Truppenübungen begeben.
— Berlin, 23. Juli. Der heutige Tag, so schreibt der „Schw. Merk.", ist der erste, an welchem hier keine telegraphischen Nachrichten aus Kiffingen eingegaugeu sind, und es scheint also, daß sich hort all- mälig wieder die Ruhe herstellt. Um so lebhafter wogt hier der Kampf zwischen den verschiedenen Parteien, doch ist die Stellung derselben erfreulicher Weise eine sehr einfache. Die gesammte nationale Presse billigt das Vorgehen der Regierung gegen die katholischen Vereine. Dagegen treten nur die Radikalen von der Farbe der Vossischen und die Ultramontanen selbst auf. Die radikalen Theoretiker mögen nicht einsehen, daß das Vereinswesen, wie es in den Händen der Ultramontanen entwickelt wird, eine Macht ist, die in wenigen Jahren so weit gediehen sein kann, daß sie den Staat lahm legt.
— Berlin, 25. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." bespricht die Unterstützung der Carlisten Seitens Frankreichs, und erinnert daran, daß im Jahre 1870 Frankreich wegen der nicht vorhandenen, nur vermeintlichen Einmischung Preußens in spanische Angelegenheiten den Krieg begann. Dasselbe Blatt vernimmt, das bei der Insel Wight stationirte deutsche Geschwader werde die Bestimmung erhalten, einige Zeit an der spanischen Nordküste zu kreuzen.
— Ber lin, 25. Juli. Die „Bank- und Handelszeitung" meldet: Dem deutschen Delegirten für den Brüffeler Congreß, General von Boigts-Rhetz, wurden ein bayerischer General, ein, sächsischer Major und der Professor Bluntschli aus Heidelberg zur Assistenz beigegeben. Der General von Voigts. Rhetz reist morgen nach Brüssel ab. ‘
— Wie die „Germania" mittheilt, hat eine längere Unterredung zwischen dem Senior des hiesigen „vorläufig geschlossenen" katholischen Gesellenvereins, Aloys Kriener, und dem Vertreter des Polizeiprüsiden- ten, Frhrn. v. Hertzberg, stattgefuuden, als deren Resultat sie zur Kenntniß bringt, daß die Krankenkasse des Meister- und Gesellenvereins
und die Sparkasse des Gesellenvereins von den gemeldeten polizeilichen Maßregeln unberührt bleiben. Die Geschäfte beider Kassen werden ungestört weiter geführt, selbstverständlich unter der Voraussetzung, daß sie nicht zu Agitationen im Sinne der vorläufig geschlossenen Vereine „ausgebeutet" werden.
— Den Technikern C. Federow und O. Stegmeyer zu Charlottenburg ist unterm 22. Juli d. I. ein Patent auf einen Unter euerungs- und Expansiv s-Mechanismus für Dampfmaschinen in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenen Zusammensetzung,
auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats.
— Der deutsche Bäcker-Congreß ist jetzt definitiv für die letzten Tage des Monats September oder Anfangs Oktober und als Ort der Zusammenkunft Berlin in Aussicht genommen worden.
— Posen, 25. Juli. Die Regierung verfügte die Schließung der unter Leitung der Ursulinerinnen hier bestehenden Elementarschulen und Waisenhausprivatschule. Das Forbestehen der höheren Töchterschule der Ursulinerinnen ist nur unter ganz besonderen Bedingungen gestattet.
— München, 24. Juli. Der altkatholische Bischof Dr. Reinkens ist heute Vormittags 8 Uhr dahier eingetroffen und von den Mitgliedern des hiesigen Aktionskomitds am Bahnhof empfangen worden. Am nächsten Dienstag wird derselbe an 22 altkatholischen Firmlingen in der St. Nikolaikirche den Akt der Firmung vornehmen. Bischof Reinkens wird nächsten Sonntag in genannter Kirche die Predigt halten. Sein erster Besuch galr heute dem Pros. Dr. v. Dollinger. Dr. Reinkens wird auch in Mering, Kempten, in den fränkischen Orten, in Straubing und in der bayer. Rheinpfalz die Firmung spenden unh die erste neuerbaute allkatholische Kirche in Simbach a. J. einsegnen.
— Nürnberg, 24. Juli. Die allgemeinen Klagen über die hohen Fleischpreise haben die hiesige Gemeindevertretung veranlaßt, eine aus Mitgliedern der beiden gemeindlichen Kollegien gebildete Kommission niederzusetzen, welche sich mit der Berathung dieser Angelegenheit beschäftigen soll. Man geht hiebei von der Ansicht aus, daß es eine Verpflichtung der Kommune sei, dafür Sorge zu tragen, daß der Verkaufspreis eines unentbehrlichen Lebensmittel mit dem Ankaufspreise in Einklang stehe.
— Wien, 22. Juli. Die „Presse" schreibt: „Aus Brünn wird uns heute von dem dortigen Korrespondenten die überraschende Nachricht gemeldet, der Erzbischof von Olmütz habe den Betrag von einer Million Gulden als Stiftungs-Kapital für kirchliche Zwecke gewidmet. Die tiftung, so wird uns weiter mitgetheilt, dürfte schon in allernächster Zeit ins Leben treten. Das Kapital besteht theils in Grundstücken, theils in garantirten Papieren und sind aus dem jährlichen Erträgnisse in erster Linie hilfsbedürftige Kleriker der Olmützer Erzdiöcese zu betheiligeu. Die Verwaltung des Fonds wird in die Hände eines Ausschusses gelegt, der aus Geistlichen und Laien besteht. So lange der Stifter am Leben ist, find die Anträge wegen der zu verabreichenden Subventionen an seine Person behufs Genehmigung zu leiten; nach seinem Tode' ist der jeweilige Erzbischof von Olmütz Protektor der Stiftung. Unser Korrespondent schließt seine interessante Meldung mit dem weiteren Detail, daß Landgraf Fürstenberg namentlich alle seine Antheile an Zuckerfabriken der neuen Stiftung zugewendet habe. — Wir haben unlängst einen Ausweis veröffentlicht, aus dem Hervorgiug, daß die etlichen Kircheäoberen so sehr verhaßte Staatssubvention an bedürftige Kleriker allerorten in erheblichem Maße in Anspruch genommen wird. Um dieses Almosen zu paralysiren und für die Bewerber, entbehrlich zu machen, wurden bereits in mehreren Diöcesen Unter- stützungsfonds gebildet, aus deren Erträgnis; jene hilfsbedürftigen Priester, welche auf die Staatssubvention verzichten, betheilt werden sollen. Diesem Beispiele ist nun Landgraf Fürstenberg gefolgt; derselbe war bekanntlich seit dem Jnèlebentreten der Staatsunterstützung ihr eifrigster und unversöhnlichster Gegner. Wir selbst sind von dieser That des mährischen Kirchenfürsten sehr befriedigt. Durch die neue Stiftung wird ein gut Stück des Vermögens der Todten Hand einem wohlthätigen Zweck zugeführt und es kann nun der nicht zur Ausgabe gelangende