1144
wurde gestern von dem Parlamentsmitgliede Hrn. Samuel Marley ein Handwerker-Institut eröffnet, das zu dem Behufe gegründet worden, um gelernte Handwerker in den Stand zu setzen, sich den Studien von Geschichte, Volkswirthschaft, Moralphilosophie, Literatur, Kunst und Wissenschaft (einschließlich Mathematik, Physiologie, Chemie, Zeichnen u. s. w.) und fremden Sprachen zu widmen, und gleichzeitig Lehrlinge u. A. zu befähigen, ihre technische Bildung zu vervollständigen. Vorlesungen, Klaffenunterricht, Diskussionen, Lese- und Unterhaltungs-Meetings, sowie eine Bibliothek werden die Mittel zur Beschaffung dieser Vortheile bilden.
— Brüssel, 17. Okt. Die Nationalbank hat den Diskont von auf 4Vr Prozent erhöht.
— Ma drid, 17. Okt. Regierungsnachrichten zufolge haben die Carlisten gestern vier Beamte der Südbahn erschossen. Die Carlisten haben bei Amposta 2 Kanonen und 1000 Todte und Verwundete verloren. — Espartero ist erkrankt.
— Washington, 18. Okt. Das Departement für Land- wirthschast hat seinen Bericht über den Ausfall der diesjährigen Getreideernte veröffentlicht. Der Ertrag derselben kommt darnach dem Ernteertrage des Jahres 1870 gleich. (R. ». St. a.)
— Die „Neue Frfrr. Pr." schreibt unterm 19. Oktober aus Frankfurt a. M.: Da in letzterer Zeit die Marktpreise der Butter und Eier wieder unverhältnißmäßig gestiegen sind, so richtet der Vorstand des hiesigen Frauenverbandes an seine Mitglieder die Bitte, sich recht fest an ihn anzuschließen und ihren Bedarf von ihm zu beziehen. Zugleich wird das Publikum überhaupt recht dringend ersucht, dem Verband beizutreten; denn nur durch kräftige Unterstützung desselben ist es möglich, die schwierige Aufgabe, welche sich der Frauenverband gestellt hat, zu lösen. — In der Herberge zur Heimath im Rheinischen Hofe kehrten in dem ersten halben Jahre seit der Eröffnung 8540 Reisende ein, die zusammen 21682 Nächte logirt wurden. Dabei sind die vielen Hunderte von Reisenden nicht gerechnet, die die Herberge besuchen und am selben Tage wieder Frankfurt verlassen. Dieser colossale Andrang wird leicht erklärlich, wenn man sich einmal überzeugt hat, was in der Herberge geboten wird, und wie trotz der Masse von Menschen Ordnung, Reinlichkeit und Ruhe in diesem schönen geräumigen Hause herrscht. Autoritäten auf diesem Gebiete versichern, daß die Heimath in Frankfurt in jeder Beziehung die bedeutendste sei und den ersten Rang einnehme unter den Herbergen Deutschlands. — Herr Oberbürgermeister Dr. v. Mumm wird in der nicht öffentlichen Sitzung vom Dienstag, 20. ds., den Stadverordneten Bericht über das Resultatseiner Reise zu Sr. Maj. dem Kaiser, die er im Interesse städtischer Angelenheiten unternommen hatte, erstatten.
Rialto und Provinzreiles.
Hanau, 20. October 1874.
(Aus Versehen verspätet.)
— Herrn Repositar Heinemann hier wurde der Rothe Adler- orden vierter Classe verliehen.
— Im Hinblick auf die namentlich in Beamtenkreiscn verbreiteten vielfachen Irrungen über die thatsächlichen Ergebnisse des neuen Statuts zur Veranlagung der Gemeinde-Umlage geben wir hiermit folgende
Vergleichs-Tabelle
der Communalsteuer nach altem und neuem Statut bezüglich der Beamten mit festem Gehalt:
Da nach §. 4 der Verordnung vom 23. September 1867 die Beamten rc. nur mit der Hälfte ihres Gehaltes zu veranlagen sind, io zahlten dieselben seither
nach dem seitherigen Statut Thlr. Thlr.
bei 400 Geh. (Hälfte 200) 1. Cl. der Gemeindeuml. bei 8 Simp. ä fl. 1. 5., fl. 8. 40 jährt. „ 600 „ „ 300 ° " ~
600
800
1100
400
550
2.
3.
4.
8
8
8
â, â
1.40. „ 13. 20
2.20. „ 18. 40
3.-. „ 24. -
„ 1400,, „ 700 6.;; ; ;; ; 8 : ^£20^40. ;
Nach dem neuen Statut hat nun die Stadt zur Deckung von 8 Simpeln im Gesammtbetrag von fl. 60,000. — von der auf fl. 73,000. sich belaufenden Classen- und classificirten Einkommensteuer 82 Prozent zu erheben, da jedoch nach obigem Gesetz für Beamte nicht die halbe Classensteuer, sondern die Steuer des halben Gehaltes zur Grundlage zu nehmen ist, so stellt sich, weil die Classensteuer eine progressive Scala hat, das Ergebniß der Gemeindeumlage nach neuem Statut für dieselben wie folgt:
Bei 4Q0 Thlr. Gehalt macht die Hälfte von 200 Thlr. in Stufe 1: Thlr. 1 Klassensteuer jährlich, hiervon 82 °/o Gemeinde-Umlage THU. —. 248/s Sgr. oder fl. 1. 26. jährlich.
Thlr. ThlrD Thlr. Thlr. Sgr.
bei 600 Geh., Hälfte 300 Stufe 2 2 Klassenst. L82»/° 1 19'/s oder 2 fl. 52 kr. fährt " „ „ 400 „ 4 5 „ L „ 4 3 „ 7 „ 11 „ „
„ 1100 „ 1400
7 10
9 14
ä
8 6 „ 14
11 1402 „ 20
Es bei Thlr.
erhoben.
wird
400.
600.
800.
1100.
1400.
sonach bei den betreffenden Beamten
Geh. statt 8 Simp: mit fl. ff ff ff ff ff ff
ff ff ff ff ff ff
ff ff ff ff ff ff
ff ff ff ff ff ff
8. 40., nach neuem Statut fl. 1. 26. jâhrl
13. 20., „ ......2.52. _
18. 40, 24. —
34. 40.,
2.52.
„ 7.11. „ 14.21. „20. 6.
Aehnliche Verhältnisse finden in den Zwischenstufen statt.
Anstatt weiteren Commentars lassen wir diese Zahlen hier sprechen.
— Versammlungen für heute: Oratorienverein von 7—9 Probe für den ganzen Chor. Arbeiter-Bildungsverein Abends V29 Uhr Vereins-Versammlung in der „Centralhalle". Gold- und Silberarbeiter-Krankenkasse Abends 8 Uhr Generalversammlung in der „Centralhalle" und ist die Tagesordnung Gründung einer allgemeinen Kranken- und Sterbekasse.
— Im Hinterbau eines Hauses in der Schützengasse machte ein Dieb vergangenen Sonntag einen Besuch, und weil die Thür verschlossen, so benutzte er den Weg zum Wohnzimmer durch Fenstereinsteigen; im Zimmer erbrach er einen Koffer und stahl aus demselben eine erkleckliche Summe; hoffentlich wird es gelingen diesen Freibeuter dingfest zu machen.
— Marburg. Zu Mitgliedern der Commission für Abhaltung des Tentamen physicum an hiesiger Universität während des Jahres vom 1. Oktober 1874 bis dahin 1875 hat der Minister der Unterrichts- Angelegenheitep folgende Professoren der medicinischen und philosophischen Fakultät ernannt: 1) für das Fach der Anatomie den Prof. Dr. Lieberkühn, 2) für das Fach der Physiologie den Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Nasse, 3) für das Fach der Physik den Prof. Dr. Melde, 4) für das Fach der Chemie den Prof. Dr. Canusj 5) für die Fächer der Zoologie, Botanik und Mineralogie den Prof. Dr. Greeff.
— Hersfeld. In Obergeis hat, nach dem „H. I.", in diesen Tagen ein Bewohner, etwa 60 Jahr alt, in der Trunkenheit spät Abends seine Frau, mit der er in Streit gerieth, mit einer Hacke so auf den Kopf geschlagen, daß sie nach zwei Tagen verschieden ist.
Thermometerstand.
19. October: Höchster Stand des Thermometers + 17°, Abends 7 Uhr + 14°; 20. October: Morgens 6 Uhr 4- 12°, Vormittags 10 Uhr + 13 Vs °.
Verzeichnis
der bei dem ver. evangl. Waisenhause dahier vom 11. Juli bis 13.
Oktober d. J. eingegangenen Liebesgaben. —- â'
1874. A. An Geld.
August 13. Von
„ 14. „
" 15. „
» 31. „
Septbr. 19. „
Octobr. 1. „
» 3. „
„ 13. Bei
ft. kr. hlr Herrn Berberich hier bei Vermiethung einer
Wohnung..........— 24 —
einer ungen. Freundin der Waisen mit der Bitte das Lied: „Was Gott thut, das ist wohlgethan rc." singen zu lassen — 12 — Frau Oberst B. und Herrn G. D. bei
Er- und Vermiethung einer Wohnung . 1 10 —
Herrn Oekonom Bauer für die Erlaubniß seinen diesjähr. Fruchtertrag in der Waisenhaus-Scheuer ausdreschen zu dürfen . 1 30 —
einer ungen. Freundin der Waisen bei Miethung eines Logis, Schirnstraße 13 — 6 — Herrn Berberich hier bei Vermiethung einer Wohnung..........— 12 —
Herrn Oberst von C. und Herrn G. D.
bei Er- und Vermiethung einer Wohnung 1-- heutiger Ausleerung der Opferstöcke rc. fand sich vor:
1. in einem Papierchen mit der Inschrift: „Bei Vermiethung eines Logis . . — 6 —
2. in einem desgleich, mit der Inschrift: „Aus Dankbarkeit"......— 24 —
3. in einem desgleich, mit der Bitte, das
Lied: „Nun danket Alle Gott rc." singen zu lassen........1--
4. in einem desgleich, mit der Inschrift:
„Bei Vermiethung einer Wohnung" . — 18 —
5. in einem desgleich, ohne Inschrift . . 7 — —
6. „ „ „ .......- 12 -
7. „ „ — 6 —
8- .............1 3 2
9. bloß gelegen ....... 12 34 -7
Summa 27 17 ""2
oder 15 thlr. 17 sgr. 11 pf.
1874. » An Lebensmitteln rc.
Juli 11. Von einem Ungenannten bei Gelegenheit einer silbernen Hochzeit 3 Psd. Kaffee und 60 Bretzeln.
550
700
21
6