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mehr eine ansehnliche Kreditforderung zu diesem Zwecke vorge­legt werden.

Darmstadt, 19. Juni. DieDarmstädter Zeitung" publicirt die Ernennung des Kreisraths Küchler zu Dieburg (derselbe ist fortschrittlicher Landtagsabgeordneter) zum Provin­zialdirektor in Darmstadt.

Am Sonntag den 28. Juni findet in Ingolstadt im Münchener Hof" eine Landesversammlung derDeutschen Volks-- partei in Bayern" statt.

Im Großherzogthum Weimar ist endlich durch Gesetz auch für die Erziehung taubstummer und blinder Kinder Sorge getragen, indem eine Geldstrafe bis zu 150 Mark resp. Gefäng­niß angedroht wird, falls Eltern, die nicht durch Privatlehrer für solche Kinder sorgen, dieselben von den Landesanstalten für Taubstumme und Blinde fern halten. Eltern, Verwandte, even­tuest die Gemeinden sind zur Ausstattung des Kindes mit Klei­dung und Wäsche, sowie zur Zahlung eines bestimmten Pflege- geldes verpflichtet. Die Wirkung dieses Gesetzes wird sich vor­aussichtlich als sehr segensreich herausstellen.

In M etz ist bekanntlich Seitens des Bezirkspräsiden­ten der Geistlichkeit verboten worden, Processionen in den ver­schiedenen Pfarreien der Stadt öffentlich abzuhalten. Seitdem jenes Verbot bekannt geworden ist, circulirten verschiedene Ge- rüchse in der Stadt von Demonstrationen, welche der französische Dheit der Bevölkerung in Scene zu setzen beabsichtigte. Diese Gerüchte bestätigten sich nicht, vielmehr verliefen die innerhalb der Kirchen abgehaltenen gestrigen Feierlichkeiten ohne Störung. Der gebildetere Theil der Einwohnerschaft könnte sich der von der Geistlichkeit eifrig verbreiteten Ansicht, daß das Verbot der öffentlichen Processionen gleichbedeutend sei mit derGefährdung der katholischen Religion und dèr heiligsten Interessen der Kirche," unmöglich anschließen, er mußte einsehen, daß auch keine Will­

kürmaßregxl der Regierung vorliegt, sondern daß letztere einfach das französische im Reich^lände noch gütige Gesetz in Anwen­dung brachte, das die Ausführung öffentlicher kirch icher Auszüge in allen Orten verbietet, in denen sich kirchliche Behörden einer andern vom Staate anerkannten Confession befinden. Daß aber trotzdem über die deutsche Regierung losgezogen wird ist selbst- verstänhlich.

Wie man aus Straßburg schreibt, wird an den linksrheinischen Forts mit bedeutender Thätigkeit gearbeitet, so daß sich voraussehen läßt, daß die Werke auf der Höhe zwischen Reichstett und Lingolsheim im nächsten Monat vollständig ver- theidigullgèfähig jein werden. Eine geeignete Bewachung soll botst 1. Oktober ab in der Weise otggaisirt werden, daß die Forts mit größeren Wachtkommandos unter einem Officier be­legt werden, welche dann vollständig von ihrem Truppentheil ab- kommandirt sind, ihre eigene Wirthschaft haben und bei denen ein Wechsel nur allmonatlich stattfindet. Gegenwärtig ist man mit Herrichtung der WohntäuMe für diese Wachtkommandos be­schäftigt.

DerFigaro" macht den Franzosen das Compliment, daß ihnen Himmel und Erde Alles aufs beste gegeben hätten, ein schönes, gesegnetes Land, eine fleißige und sparsame Bevöl­kerung: leider sei dieses sonst so wohl ausgestattete Polk ver­rückt, leider leide es an hiner intermittirenden Verrücktheit. So- iafe ^er FrahMse auf die .Politik komme, zesge er sich fürs Narrenhaus reif. DerFigaro" belegt diese Verrücktheit aus der Geschichte der letzten hundert Jahrè, besonders aber auch aus der der letzte» Tage. Dann setzt aber getrostFigaro" hinzu: Da Frankreich trotz aller Tollheiten, Narrheiten und Verbrechen

Ha Frankreich trotz aller Tollheiten, Narrheiten und Verbrechen och lebt, seinen Weg verfolgt und heute vernichtet, was es gestern eifrig geschaffen hat, so muß doch wohl in ihren dunklen Wegen die.Vorsehung es noch zu großen Zielen vorbehalten haben. Beugen wir uns und Karten wir die Zeit ab!"

London, 17. Juni. Rochefort, begleitet von Oli­vier Pain, ist gestern Abend in dem irischen Hafèn Queenstown angelangt und gleich davon überzeugt worden, daß die Irlän­der seine Freunde nicht sind. Am Landungsplätze empfing ihn ein großer Volkshaufe mit Geheul nnd Zischen und verfolgte ihn mit gleichen Kundgebungen der Gesinnung bis in das Queen's

noch

Hotel. Auch als Rochefort sich von dort nach dem Bahnhof begab um nach Dublin zu fahren, begleitete ihn die unangenehme Eskorte, und nur mit Mühe gelang es der zahlreich vertretenen Polizei, den Reisenden vor derber Lynchjustiz zu schützen. Einem Telegramm aus Dublin zufolge harrte heute um 2 Uhr Mor­gens eine zahlreiche stürmische Menge auf dem Bahnhöfe zu Dublin der Ankunft des mißliebigen Gastes, offenbar entschlossen, den Queenstownern nichts nachzugeben.

Madrid, 18. Juni. Der amtlichenGaceta" zufolge ist eine carlistische Druppenabtheilung von 12,000 Mann unter Don Alphons bei Alcora vollständig geschlagen worden. Der Sohn des Jpfanten, Henri von Bourbon ist in der Schlacht ge­fallen. Diè Carlisten haben sich bei Monte Jurra konzentrirt. Alle in der Umgegend von Estella befindlichen Lebensmittel, Wagen und Pferde sind von ihnen mitgenommen. Der Fi­nanzminister wird das Budget in einigen Tagen veröffentlichen. Eine Gruppe von Bankhäusern Host deyi Staatsschätze 55 Mil­lionen Realen vorgeschossen; darunter befindet sich die Bank von Spanien mit 25 Millionen.

DieLiberta" berichtet: Die Jesuitenpartei imVatican besteht auf der Ernennung neuer Cardinale, namentlich eines Jesuiten. Ihr Lieblingscandidat ist der Pater Fugger, welcher in letzter Zeit sowohl in wie außer der bayerischen Kammer so viel von sich reden gemacht hat. Aber der Cardinal Antonelli hat sich standhaft widersetzt, und so werden nun wahrscheinlich weder Graf Függer noch Pater Völlig, ihr zweiter Eaiididat, den Purpur erhalten und überhaupt keine neuen Cardinäle vor der Hand ernannt werden.

DieNeue Frftr. Pr." schreibt unterm 19. Juni aus Frankfurt a. M.: Gestern Vormittag wurde eine Razzia gegen maulkorblose resp, herrenlose Hunde abgehalten. Es wurden hierbei 8 Hunde eingefangen. Neun anderen gelang es bei dem Versuch des Einfangens zum Theil zu entkommen, zum Theil aber wurden sie sofort durch die betreffenden Besitzer reclamirt. Gestern wurde in einer Droschke auf der Allerheiligengasse ein Juwelenhäfldler, Namens Feuerstein, vom Schlage mit tödt- lichem Erfolge gerührt. Tödèsfälle dieser Art waren in der letzten und dieser Woche außèrördentlich häufig. Wie vorsich­tig man beim Einbrennen von Fässern sein muß, beweist folgen­der Vorfall. Ein hiesiger Weinhändler bekam von einem Kun­den Fässer geschickt und wollte sie einbrennen. Kaum hatte er dgmit begonnen, so erfolgte eine heftige Explosion, welche das Faß zertrümmerte, einem gegenüber liegenden vollen S^eiufgffe den Boden èinschlug und den Weinhändler selbst noch verletzte. Es stellte sich nun heraus, daß ihm der Geschäftsfreund FHer, in welchen Spiritus gewesen, gesandt hatte.

Lokales und Provinzielles.

Hünau, 20. Juni 1874.

Achtes Mainthal-Sängerfest zu Hanau.

In der gestrigen Sitzung wurde dem Ce,vtral-ComiM für das 8. Maioâl-HäWèxfâ Seitens, des Exekutiv-Comitö's Vortrag über dessen seither entwickelte Thätigkeit gehalten und insbesondere dgs von letzterem ausgestellte Programm verlesen, dasselbe auch vom Gesärnnitausschätz im Ganzen und in seinen EiNzelnheiten genehmigt. Aus demselben dürfte vorerst zu veröffentlichen sein, daß das Mst ant 5. Juli Morgens 4 Uhr mit Weckruf beginnt und urn 5 Uhr Böllerschüsse öf fiele II das­selbe ankündigeü; gegen 8 Uhr werden die Sängergäste am Bahnhöfe in Empfang genomMèn, mit Musik vor das Rathhaus geleitet, woselbst die Festrede gehalten werden soll; hierauf Führung der Sänger züM Festplatz (Altstädter Schloß) ; 11 Uhr General­probe und nach derselben Verbringung der Sängergäste in ihre Quartiere; Nachmittags 3 Uhr Festzug durch verschiebend Straßen; um 5 Uhr Beginn des Concerts, welches burd). seine billigen Eintrittspreise Jedem zugänglich gemacht ist; Abends 8 Uhr Mclitairconcert in den Räumen des Festplatzes, ausgeführt von der Kapelle des 88. Jnf.-Reg. zu Mainz. Montag Vormit' tag Spaziergang und Frühstück zu Wilyelmsbad, sowie Nach-