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rechte Verfolgung erleide. Der Verein untergräbt aber auch die Grundlage alles staatlichen Lebens, indem er den Ungehorsam gegen die Staatsgesetze, welche dem vermeintlichen Recht der Kirche auf volle Freiheit und Selbstständigkeit widerstreiten, als gerechtfertigt, ja! als verdienstvoll hinstellt. Die Theilnahme an derartigen Agitationen verträgt sich nicht mit den Pflichten des Großh. Staatsdieners. Obwohl deßhalb die Großh. Regierung voraussetzen darf, daß die Großherzogl. Beamten sich von dem „Verein der Deutschen Katholiken" bisher schon aus freien Stücken fern gehalten haben, und demselben ebenso künftig auch fern bleiben werden, so hielt sie es doch für ihre Pflicht, über ihre Auffassung nicht den mindesten Zweifel bestehen zu lassen. Indem wir Sie hiervon in Kenntniß setzen, beauftragen wir Sie, den Ihnen angehörigen und den Ihnen untergebenen Beamten und Bediensteten kathol. Konfession eine entsprechende Eröffnung mit dem Anfügen zu machen, daß ein Beamter, welcher sich trotz dieser Eröffnung als Mitglied oder in sonstiger Weise an dem Mainzer Katholiken-Verein betheiligen würde, eine disziplinarische Ahndung zu gewärtigen hätte. Sollten Fälle dieser Art zu Ihrer Kenntniß gelangen, so wollen Sie uns davon unverzügliche Anzeige machen. Was in obigem Falle von den Beamten gesagt ist, gilt in gleicher Weise von den an den öffentlichen Volksschulen angestellten Lehrern.
— Neben dem bezeichneten Ab^e Richard ist ein neuer Quellenfinder in der Person des Joseph Beraz in München aufgetaucht und hat letzterer schon massenhafte Erfolge erzielt.
— München, 14. August. Bezüglich des Beginnes der bevorstehenden größeren Truppenübungen kann folgendes mitgetheilt werden: I. Armee-Korps: Die Brigade-Uebungen beginnen: 1. Jnf.-Brigade am 20. ds. bei München; 2. Jnf.-Brigade am 20. ds. bei Landshut; 3. Jnf.-Briga.de am 29. ds. auf dem Lechfelde; 4. Jnf.-Brigade am 29. ds. bei Ingolstadt; 1. Kav.-Brigade am 17. ds. bei München und 2. Kav.-Brigade am 24. ds. bei Augsburg. Diese haben sich den eilf- tägigen Divisions- und Detachements-Uebungen unmittelbar anzuschließen -und sind dieselben von der ersten Division (in der Gegend von Mainburg) am 7. September und von der zweiten Division (bei Harburg) am 15 September zum Abschluß zu bringen. II. Armee-Korps. Die Uebungen der Brigaden der dritten Division haben am 20. August zu beginnen: die 5. Jnf.-Brigade bei Erlangen, die 6. Jnf.-Brigade bei Kadolsburg und die 3. Kav.-Brigade bei Heilsbronn. Bei der vierten Division beginnen die Brigade-Uebungen für die 4. Kav.-Brigade am 18. August bei Ansbach, dann für die 7. und 8. Jnf.-Brigade am 24. und resp. 18. August bei Würzburg, Germersheim und Metz. Die diesen sich anschließenden eilftägigen Divisions- und Detachements- Uebungen sind von der 3. Division (bei Herzogenaurach) am 5. September und von der vierten Division (bei Homburg und Zweibrücken) am 14. Septbr. zum Abschluß zu bringen. (Augsb. Abdztg.
— Die zehn Mitglieder, welche von der Delegirten-Versammlung gelegentlich des Deutschen Sängerfestes in München in den Gesammt- ausschuß gewählt wurden, sind folgende: Reichstagsabgeordneter Dr. Elben in Stuttgart, Profesfor Faißt in Stuttgart, Reichstagsabgeordneter Dr. Meyer in Thorn, Dr. Beckh in Nürnberg, Dr. Gerster in Regensburg, Mohr in Berlin, Frz. Arras in Dresden, Dr. Langer in Leipzig, Rutz in München und Dr. Umlauft in Wien.
— Der „St. A. f. W." schreibt: „Es ist davon die Rede, daß das deutsche Schützenfest im Jahr 1875 in Stuttgart gefeiert werden soll. Ueber den Festplatz, die Deckung der Kosten und andere wichtige Fragen, von denen das Zustandekommen des Projekts abhängt, ist übrigens noch nichts festgestellt."
— Für die Stimmung in der Provinz Posen ist es bezeichnend, daß die Artikel des „Wiarus", welche gegen die falsche und verderbliche Kirchenpolitik der leitenden geistlichen Kreise unserer Provinz gerichtet sind, unter der niederen polnischen Geistlichkeit großen Anklang finden. In einer seiner letzten Nummern rieth der „Wiarus" derselben, in einer Versammlung sich gegenseitig über die Mittel und Wege zu verständigen, welche geeignet wären, sie vor dem materiellen Ruin zu bewahren. Heute lesen wir im „Ognisko", daß ein gewisser Geistlicher das Großherzogthum bereise, um nicht nur die niedere Geistlichkeit, sondern auch angesehene Laien zu einer Manifestation, die auf „Auswege" abziele, zu gewinnen. Der betreffende Geistliche soll bereits die Kreise Kosten nnd Wongrowitz besucht und sich am vergangenen Montag auch in Posen befunden haben.
— Köln, 15. August, Morgens. Bazaine ist in Begleitung seiner Frau und seines Schwagers gestern Abend 10 Uhr mit dem von Basel komnkenden Schnellzuge hier eingetroffen und hat im Hotel du Nord übernachtet. Derselbe erwartet das Eintreffen seiner Kinder von Spaa und wird, wie die „Kölnische Zeitung" vernimmt, einige Tage hier verweilen.
— Die „Kölnische Zeitung" bringt einen Bericht eines Mitarbeiters, der Bazaine und dessen Gemahlin gesprochen hat. Hiernach leisteten Bazaine bei der Flucht nur dessen Gemahlin und deren Bruder Beihülfe. Nach den verabredeten Signalen ließ sich Bazaine Abends 10 Uhr an einem 80 Fuß langen Seile herab, wobei er sich
an Händen und Füßen verletzte. Bazaine gelangte in ein von seiner Gemahlin und deren Bruder bereitgehaltenes Boot, nachdem er wiederholt von den Wogen an den Felsen geworfen war. Die weitere Flucht verlief ohne Hindernisse. N. Friftr. Pr.
— Wien, 14. Aug. In beiden Häusern des Reichstags wurde heute ein Königliches Reskript verlesen, wonach die jetzige Reichstags- Session für geschloffen erklärt und der Beginn der nächsten Session auf den 24. Oktober d. J. festgesetzt wird.
— B er n, 14. August. Heute sind die Ratifikations-Urkunden, betreffend den am 31. Januar d. J. vereinbarten Nachtrag zu der am 23. Dezember 1865 in Paris geschlossenen Münzkonvention, ausgewechselt worden. Die gedachte Uebereinkunft ist damit in Kraft getreten.
— Paris, 14. August. Generalgouverneur Chanzy wurde gestern früh bei seiner Ankunft aus Algier sofort vom Marschall Mac Mahon empfangen und begab sich alsdann zum Minister des Innern und Stellvertreter des Kriegsministers, General V. Chabaud Latour. Man spricht davon, das Chanzy ins Ministerium eintreten werde. Ferner verlautet, der Marschall Mac Mahon werde auf seiner Rundreise eine Gelegenheit ergreifen, um sich über den Wortbruch des Flüchtlings von St. Marguerite auszusprechen.
— Dem „Fanfulla" zufolge soll man im Vatikan beabsichtigen, ein Jubeljahr für die Christenheit auszuschreiben, weil der Peterspfen- mg feit 8 Monater sehr stark abgenommen hat. Diese Mittheilung wird auch von anderen Blättern bestätigt.
— In Italien, wo die Sympathien für die spanische Republik besonders lebhaft sind, hat man „nach der „Trib.", den Gedanken gefaßt nach eingeholter Bewilligung der Regierungen von Rom und Madrid ein italienisches Freicorps anzuwerben, welches den romanischen Stammesverwandten zu Hülfe ziehen soll. Der jünste Sohn Garibaldis, Ricciotti, ist zum Führer dieses Corps ausersehen. Die spanische Regierung wird den Vorschlag gewiß gern acceptiren, und die italienische erhält dadurch Gelegenheit, gewisse unruhige Elemente nach Außen abzuleiten.
— Madrid, 15. August. Der Vertreter Spaniens in London hat, nach der „N. Fr. Pr.", hierher telegraphirt, England erkenne die Regierung des Marschalls Serrano an. Später traf auch eine telegraphische Meldung aus Paris ein, welche die Anerkennung der Regierung Seitens Frankreichs anzeigte. — Die Verluste der Carlisten in dem Gefechte von Oteiza sind amtlicher Ermittelung zufolge sehr beträchtlich. General Zabala hat Vittoria von Neuem mit Lebensmitteln versehen und ist darauf nach Miranda zurückgekehrt.
— London, 15. August, Vormittags. In Nottingham ist den Wirkern von ihren Arbeitgebern eine Lvhnherabsetzung von 25 pCt. in Aussicht gestellt; die Arbeiter weigern sich, darauf einzugehen und ist deshalb eine Arbeitseinstellung wahrscheinlich. — Cardiff, 14. Aug., Abends. Die Assoziation der gejammten Kohlengrubenbesitzer von Monmouthshire in Südwales hielt hier heute ein Meeting ab und beschloß, den Grubenarbeitern anzuzeigen, daß vom 1. k. M. ab eine Lohnreduktion von 10 Prozent eintreten werde. <R. u. ®t A.)
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 15. August aus Frankfurt a. M.: Ein Knecht Namens Johann Boch aus Niederhofheim, welcher gestern in der Schwager'schen Brauerei für seinen Dienstherrn in Niederhofheim Treber geladen hatte, stürzte bei der Rückfahrt auf der Mainzer Landstraße vom Wagen und fiel hierbei so unglücklich, baß er das Genick brach und auf der Stelle todt blieb. Der Mann war etwa erst 40 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und zwei Kinder in den dürftigsten Umständen. Dem Vernehmen nach soll derselbe ein ordentlicher und tüchtiger MeW gewesen sein, dem kein eigenes Verschulden an seinem Unglücke beizumessen ist. — Die Frankfurter Rudergesellschaft, welche bereits über hundert Mitglieder zählt, soll sich, wie wir vernehmen, demnächst wieder bei einer in Holland stattfindenden großen Regatta betheiligen. — Auf dem hiesigen Stadtgericht I wurden diese Woche nicht weniger als 5 Ehescheidungen verhandelt.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 17. August 1874.
— Vom herrlichsten Wetter, wie es nicht schöner zu einer solchen Festlichkeit gewünscht werden kann, war das gestern abgehaltene Sommerfest des hiesigen Turn- und Fechtclubs in Gemeinschaft mit der Frankfurter Turngesellschaft und dem Turnverein zu Aschaffenburg begünstigt. Gegen halb 3 Uhr trafen die Gäste, denen sich auch Nlcht- turner angeschlossen, ein und von Seiten unseres hiesigen Publikums war die Theilnahme, weil sich in letzter Stunde noch Viele hierzu entschlossen, eine rege. Den musikalischen Theil hatte die hiesige Stadtkapelle zur Ausführung und von Seiten der Frankfurter wurde das Neeb'sche Gesangsquartett mitgebracht, deren Vorträge recht angesprochen haben. Viel Heiterkeit erregten die verschiedenartigsten volksthümlrchen Belustigungen, als Wurstschnappen, Hahnenschlag, Damenwettlauf, an welchem sich ca. 50 Damen betheiligten (letzterer erregte viel Interesse), Mordgeschichte, Schießbude, Verkaufsstand, überhaupt das bewegte Leben