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Betrage von 6000 Thlr. befand er sich seit dem Mai c. in Untersuchungs­haft und sollte jetzt vor das Schwurgericht kommen. Früher war der­selbe viele Jahre hindurch der Begründer und Leiter des Progymna­siums in Kauernik, das von 200 bis 300 Schülern besucht wurde und sich eines guten Rufs erfreute.

Leipzig, 1. Septbr. Der Bischof Ketteler hat mit seiner Brandschrift gegen die Sedanfeier, nach derN. Frankf. Pr.", auch hier ein gutes Werk gestiftet. Ein Bürger, der schon oft für deutsch­patriotische Zwecke Opfer brachte, hat unter ausdrücklichem Hinweis auf jene Handlung des römischen Kirchenfürsten dem hiesigen Stadtralh das Kapital von 1000 Thaler mit der Bestimmung übergeben, daß von den Zinsen alljährlich am Vorabend des 2. Septbr. ein Freudenfeuer be­stritten werden soll. Dieses Feuer wird nach der weiteren Bestimmung des Geschenkgebers auf der kleinen Anhöhe südöstlich von Leipzig, auf welcher Kaiser Napoleon I. die Völkerschlacht leitete und wo er seine Macht in Trümmer sinken sah, dem sogenannten Napoleonstein, ange- zündet werden. Es konnte zu diesem Werk kaum irgend ein geeignete­rer Platz gefunden werden. Am heutigen Abend wird das Feuer zum ersten Mal die Gefilde jener Riesenschlacht beleuchten, in welcher unsere Väter den französischen Uebermuth züchtigten.

Mainz zeigte sich am 2. September im schönsten Flaggen­schmuck. Daß sich, sagt dieMainz. Ztg.", nicht mehr Häuser durch den Mangel einer Fahneauszeichneten", als es der Fall war, muß in einer Stadt wie Mainz, wo ein Bischof Ketteler seinen Sitz hat und wo verschiedene Parteien, mitunter auf Kosten des Anstandes, gegen die Nationalfeier eifern, in Wahrheit verwundern, und es geht aus der reichen Beflaggung der Gebäude und der lebhaften Theilnahme der Bevölkerung unzweideutig hervor, daß dieselbe noch für die Einheit und Größe des Vaterlandes ein Herz hat und auf die Würde der Stadt Werth legt. Die Stimmung der Bevölkerung war überwiegend eine feierliche; in der Seele gar vieler ertönte das Echo der weltgeschicht­lichen Botschaft vom 2. September 1870:Besiegt und geschlagen das tapfere Herr, und der Kaiser, der Kaiser gefangen!" (Augsb. Abztg.)

Nürnberg, 3. September. Die gestrige glänzende und all­gemeine Feier hat auf das evidenteste erwiesen, daß die Gesammtbevöl- kerung Nürnbergs den 2. September, als den Geburtstag des neuen deutschen Reichs, zum nationalen Festtage erhoben hat, der nicht von oben herab decretirt worden, sondern aus dem innersten Gefühle des Volkes hervorgewachsen ist. Ungeheuer war der Zudrang von aus­wärts und dichte Menschenmassen durchzogen vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein unsere in reichem Schmucke prangende Fran­kenstadt. Der Festzug war imposant und der kastanienbeschattete Ju­denbühl sah noch nie bunteres, fröhlicheres Menschengewühl. Ohne jegliche Störung endete der herrliche, sonnenklare Tag und Nürnberg darf es der Welt verkünden, daß in seinen Mauern Vaterlandsfeinde keine Stätte haben.

München, 4. September. Der König hat anläßlich der Sedanfeier aus verschiedenen Landestheilen und auch von auswärts zahlreiche Huldigungstelegramme erhalten.

Stockholm, 27. Aug. Die permanente Kommission des in­ternationalen statistischen Kongresses ist heute Vormittag im Lokale des hiesigen statistischen Bureaus zusammengetreten und von dem Präsiden­ten Semenow (Rußland) begrüßt worden. Zum Vicepräsidenten wurde der Chef des schwedischen stat. Bureaus, Medizinalrarh Berg, erwählt, der in deutscher Sprache die Mitglieder der Kommission in der Haupt­stadt Schwedens willkommen hieß. Die anwesenden Mitglieder sind folgende: v. Baumhauer (Niederland), Becker (Deutsches Reich), Boc- cius (Mecklenburg), Bodio (Italien), Brachelli (Oesterreich), Correnti (Italien), v. Czörnig (Oesterreich), Engel (Preußen), Folbe-Hansen (Dänemark), Ficker (Oesterreich), Hardeck (Baden), Jakchitsch (Serbien), Keleti (Ungarn), Kjaer (Norwegen), Kummer (Schweiz), Körösi (Un­garn), Mayr (Bayern), Neßmann (Hamburg), Pencowitz (Rumänien), de Porto Seguro (Brasilien), Riecke (Württemberg), Semenow (Ruß­land), Schwabe (Stadt Berlin), Tisserand (Frankreich), Weikerd (Oester­reich) und Ioern^ (Frankreich). Die Diskussion wird abwechselnd in französischer und deutscher Sprache geführt. Zur Vorberathung für den im nächsten Jahre in Pest stattfindenden Kongreß liegen 17 Ge­genstände vor.

Brüssel, 3. September. Der spanische Gesandte, Herzog von Tetuan, hat seine Kreditive dem Minister des Auswärtigen über­reicht.

London, 3. September. Der spanische Gesandte Gomyn hat feine Kreditive im auswärtigen Amte übergeben.

Madrid, 3. September. Nach dem bisherigen Ergebniß der neuen Aushebung haben sich bereits 43,823 Mann zum Dienste bei der Fahne einschreiben lassen; der Betrag der Summen, welche für Be­freiung von der Verpflichtung zur Ableistung eingezahlt worden sind, beläuft sich auf 37 Millionen Realen. Wie aus Perpignan vom 3. September gemeldet wird, haben die Carlisten die Belagerung von Puycerda aufgegeben und ihren Abzug durch das Pyrenäen-Thal von Dalp bewerkpelllgt. Vor der Stadt sind keine carlistischen Truppenab-

theilungen mehr sichtbar. Die Thore sind geöffnet, viele Einwohner sind bereits in Bourg-Madame eingetroffen. 4. September. Das Ministerium Zabala hat seine Entlassung eingereicht und ist Sagasta mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt worden. Die neue Ministerliste ist folgende: Sagasta Minister-Präsident und In­neres, Ulloa Auswärtige», Colmenares Justiz, Serrano Bedoya Krieg, Camacho Finanzen, Arias Marine, Navarro Rodrigo Handel, Romero Ortiz Kolonien. (st -. St.-«n,.>

DieNeue Fritr. Pr." schreibt unterm 4. Septbr. aus Frank­furt a. M.: Bei der Anlage der neuen steinernen Treppe am Unter­mainthor mußte der Bauunternehmer eine höchst unangenehme Erfahr­ung machen. Die Wölbung des Canals, durch welchen der Arm des Mains geht, war so morsch und faul und stellenweise zusammengebro­chen, daß es wahrhaft Wunder nehmen muß, daß noch kein Unglück an dieser Stelle, wo Hunderte von Kindern täglich spielen, passirte. Das Fundament der Stiege konnte daher nicht auf das Gewölbe gelegt werden, sondern es mußte über der Canalwölbung noch ein Bogen ge­sprengt werden. Kommenden Sonntag veranstaltet der Sachsenhäu­ser Turnverein ein Preisturnen.

Lokales und Provinzielles.

Hanau, 5. Septbr. 1874.

? In Ihrem Blatte vom 3. l. Mts. bringen Sie eine Zu­sammenstellung von Fleischpreisen, aus einigen benachbarten Stäbten, gegen welche demnach der hiesige Preis zu 22 kr. per Pfd. noch ein verhältnißmäßig niedriger zu nennen wäre. Nun will es uns schei­nen, als wenn der betr. Herr Einsender dabei in Berücksichtigung zu ziehen vergessen hätte, daß albr Wahrscheinlichkeit nach gerade auch in diesen Städten die Metzger einig sind und den höchstmöglichen Preis nehmen. Es wird dies dort auch nur gerade so lange währen, bis die Bürger sich zu Gegenmaßregeln vereinigen und dadurch die Coalition der Metz­ger sprengen, event, zum Nachgeben zwingen Was hierbei das Haupt­sächlichste wäre und darauf es allein ankommen kann, wäre eine Be­rechnung aufzustellen, wie viel einen Metzger das Pfund gutes Ochsen­fleisch kostet um darnach ermessen zu können, zu welchem Preis dasselbe mit gebührendem Verdienst abgegeben werden kann. Vielleicht findet sich ein unparteiischer Bürger, welcher hierin bewandert ist und geht uns mit einer richtigen Berechnung an die Hand.

In dem gleichen Blatt bringen Sie eine weitere Correspondenz, woraus wir entnehmen, daß der Herr Einsender, bevor an die Errich­tung einer Fleischbank gedacht werden kann, die Bildung eines Comitè's wünscht, welches die einleitenden Schritte zu thun und eventuell einer Versammlung der Interessenten seine Ideen vorzulegen hätte.

So weit geschrieben, ei halten wir soeben Ihr heutiges Blatt und entnehmen aus der Annonce mehrerer Hanauer Bürger, daß die Idee der Errichtung einer Fleischbank Anklang findet. Wir erlauben unS hieran anknüpfend eine Zufammenkunft auf Montag den 6. d. Mts., Abends 8 Uhr, in einem noch. näher zu bestimmenden Locale vorzu­schlagen und ersuchen zugleich diejenigen Hanauer Bürger, welche sich für die Sache interessiren, sofort ihre Adressen in Ihrer Redaktion ab­zugeben um eine Vorbesprechung zu halten.

Wenn denn einmal diese Sache in die Hand genommen wird, dann wäre die Agitation etwa dahin auszudehnen, daß dem zu wählenden Comité die Aufgabe gestellt würde diejenigen Schritte einzuleiten, welche das Herabdrücken aller Lebensmittelpreise, also nicht allein des Fleisches, auf den normalen den heutigen Marktpreisen entsprechenden Stand er­möglichen.

Wie aus dem heutigen Blatte ersichtlich, haben wir am 16. d. M. 2700 Mann nebst 132 Offizieren Einquartierung mit voller Ver­pflegung zu erwarten. Damit Niemand im Unklaren bleibt, wie es gehalten wird, diene zur Notiz, daß auch Diejenigen, welche umlagefrei sind, nach Maßgabe ihres Einkommens sich auf Einquartierung gefaßt machen müssen. Die Scala ist folgende: 1., 2. und 3. Classe erhalten 1 Mann, 4., 5., 6. und 7. Cl. 2 Mann, 8. und 9. Cl. 3 Mann, 10. Cl. 4 Mann, 11. Cl. 5 Mann, 12. Cl. 6 Mann, 13. Cl. 7 Mann, 14. Cl. 9 Mann, 15. Cl. 10 Mann, 16. Cl. 14 Mann, 17 Cl. 16 Mann, 18 Cl. 19 Mann. Wer seine Leute anderweitig einzuquartie­ren wünscht, muß sich sehr beeilen, weil dem Vernehmen nach schon nach dieser Richtung hin viel Schritte unternommen wurden.

In gestriger sehr stark besuchter Sitzung des Centralausschusses für das 8. Mainthal-Sängerfest wurde Seitens des Präsidiums des Exekutiv-Comitä's die erfreuliche Mittheilung gemacht, daß sich der seit längerer Zeit verzinslich angelegte Ueberschuß auf 1302 fl. 39 kr. be­läuft. Ueber dessen Verwendung waren sowohl Seitens des Exekutiv- Comitè's als auch Seitens der Herren I. A. Elsaß, Carl Seelig ob Amtsrichter O sius Vorschläge gemacht worden und fand der des letzterwähnten Herrn, welcher so recht den Wünschen dec Sänger ange­paßt war, am meisten Beifall; es wurde deßhalb eine Commission, aus folgenden 9 Herren: Gymnasial-Oberlehrer Spangenberg, Amts- ! richter Osius, I. A. Elsaß, Dr. Kellner, F. Waßmuth, W.