63
aller Scheine haftbar sein, welche mit staatlicher Erlaubniß und Autorität al« „Geld" fungiren.
— Am 24. Januar findet im Saalbau zu Frankfurt am M. eine außerordentliche Generalversammlung sämmtlicher Mitglieder des Vereins deutscher Eisenbahnen statt. Die Verhandlungen werden, mehrere Tage dauern. 3t- ”•
Fulda, 14. Jan. Die gestern dahier durch den altkatholischen Pastor Dr. Tangermann au« Köln vollzogene oltkatho- lische Taufe des dem Herrn Belriebsinspektor Schilling kürzlich geborenen Sohnes ist in den Kreisen unserer Ultramontanen natürlich nicht unbeachtet geblieben. Man ist über die vollendete Thatsache nun um so mehr aufgebracht, al« es gerade wieder die Bischossstadt Fulda ist, in welcher eine solche Demonstration gegen Jnfallibilität und Jesuilenherrschast erfolgte, kv-n. M-«.
— Auf der am vorigen Sonntag in Kaiserslautern abge- haltknen Zusammenkunft von Abgeordneten pfälzischer A tkatho- liken-Gemeinden waren 21 Gemeinden vertreten. DaS bitherige Cenhralkomitee wurde für 1873 wieder gewählt, dann wurden RechnungSangelsgenheiten erledigt, und ferner mitgetheilt, daß in Offenbach a. M. und Oberstein an der Nahe sich zwei neue Alt- katholiken-Gemeinden gebildet haben; letztere Gemeinde hat sich dem pfälzischen Cenlralkomitee unterstellt, in ersterer wird die Seelsorge durch Pfarrer Micheli« von Heidelberg au« besorgt. — In Landau begab sich nach der „Kais. Ztg." am Neujahrr- tage eine Abtheilung Genic-Solraten mit ihrem Offizier an der Spitze in die altkatholische Kirche.
— Höflichkeit i m Elsaß. Straßburg, 10. Jan. Die Elsässer haben bisweilen über Mangel an höflichen Formen in Erlassen der reich-ländischen Behörden geklagt. Ihrer Klage ist wenigsten« in dem neuen Formular der Steuer-Mahnzettel gründlich Abhülfe geschehen. Dasselbe lautet: „Ich benachrichtige Sie, daß Sie an verfallenen Steuern ... Fr. ... Cts. zu entrichten haben, und ersuche Sie, diesen Betrag gefälligst recht bald an mich gelangen zu lass n. Ich würde sehr bedauern, wenn dadurch, daß diese Angelegenheit sich verzögern sollte, ich zu den weiteren gesetzlichen Maßregeln Behuf« Beitreibung der Rückstände genöthigt würde. Nach der Vorschrift des Gesetzes könnte ich nicht umhin, solche Maßregeln einzulcitrn. wenn Sie länger als acht Tage mit der Zahlung säumen sollten. Mit Hochachtung u. f. w." Die Höflichkeit ist hier so weit getrieben, daß sie fast wie eine ironische Uebertreibung auf jene Klage klingt. E« fehlt nur noch, daß der Steucreinnchm-r vor der Schlußformel hinjusetzte: „ober Sie würden mich nöthigen, den Betrag für Sie au« meiner Tasche zu erlegen."
— Durch die Zeitungen gehen wieder einmal Aeußerungen, Welche bekunden, wie der König von Baiern sich in die neuen politischen Verhältniße findet. Der König soll sogar den ausdrücklichen Wunsch au«gesprqchen haben, daß seine Aeußerungen in weitesten Kreisen bekannt würden. Der Anlaß, der diese Aeußerungen hervorrief, war ein der Stadt Füßen um Weih nachten abgestatteter Besuch, wobei Magistrat und Gemeindekol- legium den König ehrfurchtsvollst begrüßten. Der König erwi-
de»;te darauf, Worte genügen nicht, er halte sich an die Thaten. Aste der darüber erschreckte Magistrat um Aufklärung über diese isnhuid bat, tadelte eS ver König scharf, daß die Stadt Füßen dèm deutschen Kronprinzen bei der Truppeninspektion im gerbst einen zu begeisterten Empfang bereitet habe. Auf die Erwide. rung, el hätte die« dem Sieger von Wörth und Führer der bar rischen Truppen gegolten, entgegnete der Köni,, in dieser Eiaen- schaft sei dem Kronprinzen bei dem Truppeneinzug in München ein Genüge geschehen, indem er ihm selbst seinen königlichen Dank ausgesprochen. Im Herbst sei nun der preußische Kron- Prinz als Inspektor der verbündeten bairischen Armee in Füßen gewesen, und da sei es illoyal gewesen, preußische und neupreußische Fahnen âuSzuhängen, während nur bairische una höchsten« schwarz-roth-goldene «m Platz gewesen seien. Man könne nicht zugleich Baier und Preuße sein. Dieser königliche Unwille er- weckt in uns, sagt die „Nationalzeitung.", nur das eine Be- dauern, daß nämlich Seine bairische Majestät eine so grosse Ab- Neigung gegen Reisen außerhalb seiner Staaten haben. Seine Majestät würden dann gewiß die in dem Au-Hängen der Fahnen sich verkörpernden Thaten milder beurtheilen. In Berlin hân- gen sehr oft Fahnen von Weimar aus und bei dem Besuche der
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern de« vereinigen eoangel. Wailenhausè«, unter Verantwortlichkeit de« Faktor« G. PH. Weißbrod.
Hierzu die Str 3 der »Proviuziat-Correfpoudenz als Beilage.
beiden Kaiser sah man zahlreiche Fahnen von Oesterreich und Rußland in Berlin, ohne daß durch diese höfliche Aufmerksam- keit irgend ein Berliner sich als Weimaraner, Russe oder Oester- reicher gefüllt hätte. Wenn Seine Majestät einmal Berlin zu besuchen die längst erhoffte Gnade haben wollten, so würde unsere Bürgerschaft gewiß sich ein Vergnügen daraus machen, da« Herz des jugendlichen Monarchen durch Aushängen recht vieler bairischer Fahnen zu erfreuen. <rrt».>
— Wien, 16. Jan. In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde ein Gesetzentwurf über Aushebung der Steuer für Zeitungsinserate und ein anderer über die PensionSbehand- lung der SicherheitSmänner eingereicht. Die slavonischen und die tiroler Abgeordneten fehlten. Da« Rekrutengesetz für 1873 und die Resolution wegen Ermäßigung des Tarifs für Geld. und Fahrpostsendungcn wurden ohne Debatte angenommen.
— Paris, 14. Jan. Die „Korresp. HavaS" meldet: ,8« wurde im Ministerrathe beschlossen, daß die Bezeichnung deS exkaiserlichen Prinzen mit dem Namen Napoleon IV. al» strafbar anzusehen sei.
— Paris, 15. Jan. Heute, am Begräbnißtage Napoleons III., fanden in allen Kirchen von Paris Todtenmessen statt. Dieselben waren von Privatpersonen bestellt worden.
— Paris, 16. Jan. In legitimistischen Kreisen wird, der „Agence HavaS" zufolge, die Fusion der Legitimisten und Orlea- uisten als eine vollendete Thatsache angesehen.
— Rom, 16. Jan. Der Senat hat heute die Aufhebung des theologischen Unterrichts genehmigt.
— London, 14. Jan. Die Zahl der in voriger Woche angemeldeten Schiffbrüche an den Küsten Großbritannien« und Irland« beträgt 62, was für das bis jetzt verflossene Jahr 79 auSmacht.
— Chislehurst, 17. Januar. Die Kaiserin Eugenie empfing gestern eine große Anzahl von Bonapartisten vor deren Abreise; auch von dem Prinzen Napoleon verabschiedeten sich viele. (R..S1..A.)
— New - Aork, 16. Jan. (W. T. B.) Der Dampfer „Erie" auS Rio de Janeiro ist in der Nähe von Pernambuco durch ein auf demselben auSgebrochenes Feuer zerstört worden. Eine Ladung von 34,000 Sack Kaffee ist dabei verloren gegangen.
«Fokales.
Hanau, 18. Januar.
— Unter dem Titel „die Perle", Musterblätter für Juweliere und Goldarbeit'!, entworfen, gezeichnet und herau-gegeben von Martin Gerlach in Berlin, liegt uns das dritte Herr eine» Werkes vor, dessen kunstg-werklicher Werth dasselbe auf das Lebhafteste empfehlen läßt. Nicht nur sind die darin vorhandenen Abbildungen von Schmucksachen, als Armbänder, Ohrgehänge, Halsschmuck u. bergt, von der geschmackvollsten, kunstreichsten Erfindung, e« zeichnet sich auch deren Wiedergabe in gediegenem Farbendrucke und sonstige erfreuliche Ausstattung und Ausführung auf das Bortheilhasteste au«. Somit dürfte besonder« Fachgenossen, da der Herausgeber selbst zugleich Fachmann ist, eine Gelegenheit geboten sein, ihre Wirksamkeit auf diesem Gebiete wesentlich zu bereichern und zu fördern, und die« um so bequemer, all bisher derartige Unternehmen zumeist nur vom Auslanve. Frankreich u. f. w. auSgegangen sind, hier aber wieder ein Beweis vorliegt: um etwas Tüchtiges zu suchen und zu findest, braucht man nicht eben in die Ferne zu schweifen. Von diesem Gesicht-punkte au« sei auch diese« vaterländische Unternehmen begrüßt und ihm daß beste Gedeihen gewünscht. X
7- Der heutige, gut befahrene Markt ist, wenn man, die therzren Ileisch- und Lebensmittelpreise überhaupt in A -schlag bringt, ein billiger zu nennen. Butter, welche gegen 9 Uhr 35, 36 und 38 kr. galt wurde um 11 Uhr zu 32, 33 und 34 kr. verkauft, Eier per Stück 2z kr. im Hundert fl 3. 12. Käse per Mück von II bi« 2 fr., fette Gänse per * Kilo 26—24 ist., Fische wurden zu 6 kr. und gute Sorten zu 24 kr. abgegeben, Holz, reichlich angefahren, hatte den Preis von fl. 6. 20, 25 und 30 kr. per Meter. —d.
— Wasserstaue des Main Pegels heute früh 9 Uhr 0,52 Meter.