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zu seiner Mündigkeit von ihm oder den Personen, die er zu diesem Zwecke bezeichnen wird, erzogen zu werden." »-A Stz.
— I er „Staats-Anzeiger" Nr. 42 enthält den Circular- Erlaß des Finanz-Ministeriums vom 30. Januar 1873, betreffend die Besetzung der Waldwärterstellen bei der Staatsforstver-' Wallung.
— Vom Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten ist dem Robert Brydon, James Shepherd Davidson, beide zu Whitehaven und Thomas Alfred Warrington zu Le- wisham unter dem 13. Februar 1873 ein Patent auf eine Vorrichtung an Gesteins-Bohrmaschinen zum Umstcuern und zum Umsetzen des Bohrmeißels in der durch Zeichnung und Beschreibung nachgewiesenes Zusammensetzung auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staat» ertheilt worden.
— Aus Baiern, 10. Februar, wird der „N. A. Z." geschrieben : „Vielleicht geben Sie in Ihrem geschätzten Blatt folgenden Zeilen Raum, als einem Zeugnisse, daß hie und da ein Pfäfflein zu finden ist, welches keineswegs mit Bewunderung auf das „Centrum" in Berlin blickt. Diese Reichensperger, Mallinck- rodt, Windthorst rc. sind für uns deutsche Katholiken kein Ruhm. Jede Unverschämtheit, um mit dem heiligen Vater zu reden, jeder Willkürakt, jede Gewaltthat Roms wird von diesen Männern nicht blos hingenommen, nicht blos vertheidigt, nein, auch noch in den überschwänglichsten Ausdrücken belobt, wogegen jede Ver- theidungsmaßnahme der deutschen Regierung als „Rechtsbruch" (cf. Mallinckrodt's AllocutionSrede) zu brandmarken gesucht wird. Diese Leute sind daran schuld, daß man in Rom Alles wagt, sie sind schuld an den gegenwärtigen Wirren. Wüßte man in Rom,! daß in Deutschland nicht Vertheidiger und Lobredner für Alles zu haben, daß da nur Männer sind, welche sich nicht jedes Joch aufladen lassen und zu rechter Zeit Widerstand zu leisten missen: so würde man im Vatican Manches anders und Manches gar nicht machen. Als der Papst am 23. Dezember v. I. seine Allocution hielt, wußte er wohl, daß sich ein Mallinckrodt finden werden, sie gehörig zu preisen. Die Centrumsherren erklären e» für Verleumdung, wie neulich wieder Reichensperger (Olpe) gegen Kardorff, wenn man ihnen jeden Patriotismus abspricht, aber die Beschuldigung ist in ihrer ganzen Stärke aufrecht zu erhalten. Wo sind denn die patriotischen Thaten dieser Herren? Man sieht sie stets nur für die Hierarchie in Eifer kommen. „Wir sind Föderalisten", sagte Reichensperger am 4. d. 'M. Wie könnt ihr denn in kirchlicher Beziehung Centralisten sein? Ihr Centrumsherren seid für Föderation, nicht weil Ihr glaubt, daß dabei da« Reich gedeihe, sondern weil Ihr wißt, daß so das Reich am ehesten zu Grunde zu richten sei. Ihr denkt so: die Kirche soll mächtig sein, der Staat ohnmächtig; darum dort Centralisation, hier Föderation".
— München, 14. Febr. Im nächsten Monat wird vom k. Kultusministerium dahier eine Kommission von Sachverständigen einberufen werden, welche ein Gutachten bezüglich der Zerlegung der Central - Forstlehranstalt nach München abzugeben hat.
— Wien und Berlin scheinen sich in Gründungen den Rang ablaufen zu wollen. Wir brauchen Wien aber gerade nicht zu beneiden, wenn die Kaiserstadt an der Donau den Sieges-Preis erringt. Einstweilen muffen zwar die Herren Gründer dort feiern, da in nächster Zeit für Oesterreich ein neues Aktiengesetz einge- führt werden soll. Wie Wiener Zeitungen melden, hat das Ministerium des Innern in dem letzen Tagen nicht weniger als 150 Bank-KonzessionSgesuche mit Hinweis aus die baldige Einführung des Aktiengesetzes abschlägig beschieden.
— Schweiz Bern, 14. Februar. Gestern und heute haben wieder gemeinsame Berathungen zwischen dem Bundes» rathe und der Deputation der Genfer Regierung, welche aus dem Staatsraths-Präsiventen Vautier und den Staatsräthen CambessedeS und Ormond besteht, stattgesunden. Zur Berathung standen die gegen Mermillod zu ergreifenden Maßregeln und die Ausführung derselben, falls derselbe auf Ausübung der Funktionen als apostolischer Vikar beharren sollte. Die Mermillod gestellte Frist für die definitive Antwort, welche man mit Bestimmt- heit als eine verneinende ansehen zu müssen glaubt, geht morgen Mittag 12 Uhr zu Ende. Heute trat in Solothurn die Baseler Diözesankonserenz behufs Wahl eines BisthumsverweserS zusammen.
— Da« „Avenir militaire" berichtigt die Nachrichten über
den Prozeß Bazaine wie folgt: Es ist nicht wahr, daß der General de Riviere seine mühevolle Aufgabe vollständig beendet hat; sie wird eS nicht vor einem Monat fein. Man glaubt, das Kriegsgericht könne sich nicht vor Mitte Mai versammeln.
— Pari«, 13. Febr. Das offizielle Blatt enthält folgende Note: „Eine zweite Abschlagszahlung von 200 Millioncm auf die vierte Milliarde der Kriegsentschädigung wurde der deutschen Regierung am 6., 7. m d 8. d. M. g-macht. Die Ge- sammtsumme der auf die vierte Milliarde gemachten Abschlagszahlung beträgt jetzt 350 Millionen.
— Madrid. Die Antwortsadreste der Nationalversammlung auf die Botschaft des Königs Amadeus schließt mit der Erklärung, daß das spanische Volk nach Beseitigung der gegenwärtigen Gefahren und Schwierigkeiten dem Könige zwar die Krone nicht wieder anbieten könne, daß dasselbe ihm aber eine andere EhrenanSzeichnung, nämlich diejenige des Bürgers eines freien unabhängigen Volkes zu Theil werden lasten werde. Der Verzicht des Königs auf die Krone ist, wie der „Jmparcial" zu wissen glaubt, aus dem eigenen freien Entschlusse des Königs hervorgegangen und gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters erfolgt.
— Lissab on, 14. Febr. Abgeordnetenkammer. Der oppositionelle Abgeordnete Silva erklärt: daß, angesichts der spanischen Ereignisse, alle Portugiesen fest um die best hende Gewalt sich schaaren und allen Parteihader schweigen lassen müßten. Der Konseilpräsident erwidert: die spanischen Vorgänge seien keine Gefahr für die Unabhängigkeit und Ruhe Portugals, und dankt Silva für dessen patriotische Versicherungen. Die Pairs- kammer drückte gleiche Gefühle für den König und die Regierung aus. Agsb. Ab,ta.
— Washington, Freitag 14. Febr. Dem Kongresse ist eine Botschaft des Präsidenten Grant zugegangen, in welcher die Annahme der Gesetzvorlagen besonders empfohlen wird, durch welche Kompetenzlonflikte zwischen den Gerichtshöfen der Vereinigten Staaten und den Territorialgerichten im Territorium Utah künftig beseitigt werden sollen, damit namentlich die gesetzlichen Bestimmungen gegen die Polygamie und andere strafbare Vergehet künftig im vollstem Umfange zur Anwendung gelangen können. Die seitherigen Kompetenzstreitigkeiten seien der Anwen« " dung dieser Gesetze hinderlich, könnten leicht einen gewaltthätigen Charakter annehmen und zu einer militärischen Intervention führen, falls vom Kongresse nicht Abhlllfe geschafft werde.
— Butterfälschung. Wie weit die Lebensmittelverfälschungen, — eines der bedauerlichsten Zeichen vom wirthschaftlichen und moralischen Zerfall der Gesellschaft — bei uns schon gediehen sind, davon zeugt nach der „D. Fr. Ztg." überlaut der Umstand, daß z. B. auf dem Berliner Viehhose eine Fabrik existirt, welche aus thierischem Fett und anderen Ingredienzien eine sogenannte „chemische Butter" herstellt, d. h. einen Stoff, der äußerlich und im Geschmack der wirklichen Butter ähnelt, auch als solche stark in den Handel gebracht und genossen wird, aber entschieden ganz andere Wirkung auf Verdauung und Ernährung hervorbringt als echte Milchbutter.
«Lokales.
Hanau, 17. Februar.
— Von dem zur Kanalmühle gehörigen Garten kaufte vergangenen Samstag Herr Joh. Conr. Deines jun. ein Stück zur Vergrößerung seines in der Nähe des Schlachthauses befindlichen Holzlagers an. — d.
— Der Verein „Assemblee", besten Vereinigung mit dem Bürgerverein zu Stande kommt, wurde im Jahr 1715 unter dem Namen „Deutsche Assemblee" gegründet, besteht mithin 153 Jahre, und dürfte somit jedenfalls der älteste Verein in hiesiger Stadt sein. —d.
Für die Ostsee-Beschädigten sind bei der Cxpediton des „Hanauer Anzeigers" weiter eingegangen:
Von Herrn Bürgermeister Dietz zu Windecken in dasiger Stadt gesammelt 41 fl. 17 kr.
Zur Entgegennahme und Befördcrnng weiterer Gaben erklärt sich dieselbe gerne bereit.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,55 Meter.
Gedruckt und verlöt in der Buchdruckerei des vereinigten evangel. Waisenhauses, unter Verantwortlichkeit des Faktor« G. Ph. Weißbrod.