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Kirchengüter ist. In dieser Hinsicht citirt er eine Erklärung des Ministers von Ladenberg, wonach der Staat zur Zahlung in der bisherigen Weise nach den Forderungen der eignen Ehre verpflichtet ist." Davon, daß die Zahlung auch an einen Erzbi­schof erfolgen muß, der sich alle Mühe gibt, den Staat zu verhöhnen und seine Gesetze mit Füßen zu treten, steht freilich in der Ladenbergschen Erklärung nichts. Uebrigens wird die Temporaliensperre dem Grafen Ledochowski nicht allzu viel Kummer machen. Dieser Tage meldete sich bei ihm eine De­putation adeliger Ultramontanen, welche sich entschlossen haben, bei den bürgerlichen Ultramontanen Gelder einzukassiren, um den Erzbischof für die Beschlagnahme seines Staatsgehalts schadlos zu halten. Der Graf Ledochowski sollbis zu Thränen ge­rührt" gewesen sein und im Uebrigen das neue Peterpfennigs­anerbieten in Demuth angenomen haben; die Peterspfennige selbst sollen aber erst noch kommen.

Paris, 13. Nov. Das Zuchtpolizeigericht von Ver­sailles hat den Obersten Stoffel wegen Beleidigung des Gene­rals Rivière in der Sitzung des Kriegsgerichts vom 4. d. M. zu 3 Monaten Gefängniß und Tragung der Kosten verurtheilt.

Der Jesnitengeneral Pater Beckx ist mit seinem Stabe nach Löwen übergesiedelt. Vor seiner Abreise hatte er noch eine Schlußaudienz bei Pius IX., wobei ihn dieser beschwor, in der Stunde, da der Kirche Schaden und Gefahr drohe, an seinen Platz zurückzukehren eine Aufforderung, welche der Pater mit einem begeisterten Geständnisse seiner Treue für die Sache der Kirche und ihres Oberhauptes erwiderte. Man glaubt in Rom, daß der im Vatikan so mächtige Jesuitengeneral, der sich seines Einflusses wegen längst den Namender schwarze Papst" erwor­ben hat, nicht auf längere Zeit dem Sitze der geistlichen Ge­walt fern bleiben wird. (Augsb. mdztg.)

New-Jork, 13. Nov. Der Prozeß der übrigen Fli­bustier in Santiago soll, Nachrichten aus Kuba zufolge, aufs Möglichste beschleunigt werden. Die Aufständischen haben gestern einen Angriff auf Manzanillo gemacht, sind indessen nach dreistündigem Kampfe zurückgeworfen worden. Mehrere Pan- zerfregatten machen sich segelfertig, um nach Kuba abzugehen. Dem Vernehmen nach ist die Regierung entschlossen, in der An­gelegenheit desVirginias" mit der größten Bestimmtheit aus­zutreten und dem von den spanischen Freiwilligen getriebenen Unwesen ein Ziel zu setzen. Es wird erklärt, Amerika sei, wenn die Regierung in Madrid sich selbst kein Ansehen und keinen Respekt verschaffen könne, genöthigt, im Interesse seiner Ehre, die es schützen müsse, zur Anwendung von Gewalt zu schreiten, obschon äußerste Maßregeln bis zum Zusammentritte des Kon­gresses ausgesetzt werden würden. Die Aufregung wegen der Angelegenheit desVirginius" ist im Wachsen.

Washington, 14. Novbr. Staatssekretär Fish hat, nachdem von dem amerikanischen Konsul in Santiago gegen die von den spanischen Freiwilligen vorgenommene Hinrichtung der Gefangenen vomVirginius" die die spanischen Behörden zu verhindern bemüht waren erfolglos protestirt worden war, bei der Regierung in Madrid telegraphisch und mit der größten Entschiedenheit diesen Protest wiederholt und dabei den Vorgang als einen der Humanität und Civilisation, sowie als einen den Vereinigten Staaten angethanen Schimpf bezeichnet. In der von der Madrider Regierung eingegangenen Antwort wird anerkannt, daß dieselbe die Verantwortung für den Vorfall treffe. Zugleich werden die früheren Freundschaftsversicherungen erneuert, die Mißbilligung der Hinrichtung ausgesprochen und die Satisfaktion zugesagt. Staats-Sekretär Fish hatte eine längere Konferenz mit dem englichen und spanischen Gesandten. Es ist Befehl zur Instandsetzung der befestigten Hafenplätze in Süden gegeben.

(R. u. St. A.)

DieNeue Frstr. Pr." schreibt unterm 14. November aus Frankfurt a. M.: Zur besseren Orientirung des Publiums wird auch der Main-Neckar-Bahuhof an dem vor demselben hinlau­fenden Gitter durch zwei große weiße Blechtasem mit Aufschrift als solcher in nächster Zeit augenfälliger bezeichnet werden. Zur Abend- und Nachtzeit werden diese Tafeln durch die Thorlater­

nen resp, durch die Straßenlaternen deutlich erhellt. Vom 15. d. M. ab werden die Güterpost und die beiden Personenposten zwischen Frankfurt a. M. und Offenbach aufgehoben. Der Brief- nnd Fahrpostverkehr zwischen beiden Orten wird mittelst der vom genannten Tage an über Offenbach geleiteten Bebra-Hanau- Frankfurter Eisenbahn unterhalten. Gegenüber der anhalten­den Steigerung aller Fleischpreise hat der Lebensmittelverein im Interesse einer guten Volksernährung sein Augenmerk darauf ge­richtet, gutes, schmackhaftes Fleisch zu billigem Preis seinen Mit­gliedern zugänglich zu machen, und deshalb australisches Fleisch, eingekocht, in Blechdosen, eingeführt. Es enthält mit der Gelèe alle nährende Bestandtheile des Fleisches und ist fast um die Hälfte billiger, als das von dem Metzger erkaufte und in der Haushaltung zubereitete Fleisch. Nach stattgehabter Erprobung wurde das Fleisch in verschiedenen Familien eingeführt. Den Händlern, welche seither den Frankfurter Viehmarkt befuhren, wird von nächster Woche ab eine bedeutende Concurrenz erwach­sen, indem einer der der ersten Viehhändler Oesterreichs Herr Riedel auch unsern Markt beschicken wird.

Lokales und Proinzielles. Hanau, 15. November.

X Der Krug geht s o lange zum Brunnen bis erbricht. An verschiedenen Brunnen wurde in letzter Zeit Blei gestohlen und sind die Diebe nun entdeckt und in Nr. Sicher gebracht worden.

d. Wie aus einer Bekanntmachung König!. Landrathsamt ersichtlich soll die Vorbereitung zur Wahl für den Reichstag in der Weise beschleunigt werden, daß die Auslegung der Wähler­listen bis Ende d. M. statthaben kann.

d. Vom heutigen Markte, welcher ziemlich befahren, kann mit Vergnügen erwähnt werden, daß wenigstens die Butterpreise auch schon ziemlich zeitig (gegen Va 10 Uhr) billige waren, und kostete dieselbe 3640 kr., Eier 2^2 und 3 kr., Käse 6 7 und 8 Heller, Kartoffeln 2 fl. 48 bis 3 fl. per Malter und densel­ben Preis hatte Weißkraut int Hundert, Zwiebeln 8 kr. und Bohnen 1214 kr. â Doppelliter, Spanferkel galten: kleinere 54 kr. bis 1 fl. 12 kr. größere bis 2 fl. 48 kr., Gänse 2 fl. bis 2 fl. 30, gerupfte im Pfund 24 kr., Honig per Pfd. 30 kr., Stroh 1013 kr. â Geb und, Holz 3 schuhig 6 fl. 30 kr. und 4 schuhig 7 fl. 3040 kr.

Kassel, 14. Nov. Auf dem gestrigen Markte ward zum ersten Male für Rechnung des Fraueuverbandes Butter auf dem Königplatz, das Pfund zu 11 Sgr. 3 Pf. einschließlich des Wiegegeldes, an die Frauen des Vereins verkauft. Die Verkäufer der Ziegenhainer Butter sahen sich in Folge dieser Concurrenz veranlaßt, den Preis ihrer Butter auf 12 Sgr. herabzusetzen. Fuldaer fireW;

Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,21 Äèerer.

Wie man aus Kassel meldet, waren dem Unterstützungs- fouds für die renitenten Geistlichen bis zum 1. d. M. nahezu 1000 Thaler zugeflofsen und etwas über die Hälfte dieser Summe hat bereits Verwendung gefunden. Unter den frommen Gebern figuriren im neuesten Verzeichniß u. A. Regierungsrath v. Campe in Bückeburg, Landrath von Plüskow, Fran V. Massow, v. d. Decken in Preten rc. mit namhaften Beiträgen; dieDeutsche Volkszeitung" sogar mit 200 Thlr. Ein Theil der aufgehetzten Gemeinden hält jetzt mit ihren suspendirten Pastorenkirchen- ordnungsmäßige Gottesdienste, zunächst in der äußeren Form von Hausgottesdiensten", ab.

Fulda, 13. Nov. Heute Morgen nach 7 Uhr war der Thermometerstand 5, gestern morgen um die gleiche Zeit 4 Grad Reaumur. Die Witterung sowohl heute wie gestern war von Morgens 10 bis Nachmittags 4 Uhr prachtvoll. Das Thermometer zeigte heute zur Mittagsstunde + 4 Grad R.

Auszüge aus dem Oeffentlichen Anzeiger zum Amts­blatt der Königl. Regierung zu Cassel.

Bruchköbel. Auf den Antrag eines Pfandgläubigers ist der Zwangèverkauf der auf den Namen des Caspar Müller (Konr. Sohn) katastrirten Immobilien der Gemarkung von