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— Bombay, 12. September. Das britische Kriegsschiff .„Daphne" hat unweit der Seychelleninseln ein Sklavenschiff ge- fiommen, auf dem sich 300 Personen befanden. Nur 50 davon blieben am Leben, alle übrigen waren den Blattern erlegen.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 13. Septbr. aus Frankfurt a. M.: In der Kunstausstellung im Palmengarten ist gegenwärtig eine größere Anzahl Bilder aus Privatbesitz des erst vor Kurzem verstorbenen Malers Fritz Bamberger ausgestellt. Die Ausstellung bietet auch sonst wieder so viel Schönes und Gediegenes, daß sich ohnehin ein Besuch derselben sehr lohnt. So finden wir z. B. 10 Bilder des so sehr geschätzten verstorbenen Malers Bürkel, aus dessen verschiedenen Perioden. Ferner ein sehr schönes Bild des Italieners Sorbi, das Refectorium von Riefstahl aus Karlsruhe, welches bereits in dem Stcidel'schen Kunstinstitut schon viele Bewunderer gefunden hat. Ein Bild von Calame aus dessen früherer Zeit, eine wahre Perle an Feinheit und Schönheit in Ton und Durchführung. Zwei Landschaften von Lessing aus letzter Zeit, eine große Landschaft von Oswald Achenbach, und eine große Anzahl gediegener Bilder, durch welche unfere hiesigen Künstler vertreten sind. Da die Ausstellung Ende Sept, geschlossen wird, dürfte sich gegenwärtig ein Besuch derselben doppelt empfehlen. — Wie wir vernehmen, ist das Pro- ject, die fünf großen Fenster des Domchors mit Glasmalerei zu schmücken, zur Ausführung reif geworden, indem ein Fenster durch den Vorstand der katholischen Gemeinde, eines durch hiesige Künstler, eines durch einen Geistlichen und zwei durch die Familien A. Th. Brentano und von Arnim ausgeführt werden wird. — Für die Abhaltung der 12 Museumsconcerte während des kommenden Winters find folgende Tage festgesetzt: Freitag, der 10. und 24. October, der 7. und 21. November, der 5. und 19. December c., der 9. und 23. Januar, der 6. und 20. Februar und der 6. und 20. März nächsten Jahres.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 15. September.
+ Das mit höherer Genehmigung von der hiesigen Civil- kapèlle gestern im Altstädter Schloßgarten veranstaltete Concert hatte sich, wie die vorhergegangenen Concerte dieser Kapelle im Park zu Philippsruhe, wieder einer sehr regen Theilnahme des kunstsinnigen Hanauer Publikums zu erfreuen. Zur Eröffnung - wurde der Choral „Eine feste Burg ist unser Gott" gespielt, ferner verdient noch erwähnt zu werden, daß das Ständchen von Herfurth: „Gute Nacht", die „Preis-Ouverture" von Gürtner und mehrere andere gediegene Piecen so recht verständnißvoll zum Vortrag gelangten.
Zum Schluß wurde sodann noch der prachtvolle, von Koh-
Bekanntmachung.
Packetsignaturen betreffend.
Zur Signirung der Packete werden von einzelnen Absendern jetzt häufig Titelschilder in Anwendung gebracht, auf welchen die Firma des Absenders mit so großen Buchstaben 'vorgedruckt ist, daß die handschriftlich hinzugefügte Adresse des Empfängers dagegen fast verschwindet. So erwünscht es zwar ist, wenn auch der Absender auf der Signatur des Packets seinen Namen und Wohnort angiebt, so dürfen diese Angaben doch nicht die Ueber- sichtlichkeit der Adresse beeinträchtigen, da es sonst leicht vorkommen kann, daß während der Beförderung des Packeis Verwechselungen entstehen.
Im eigenen Interesse des Publikums wird daher ersucht, die Bezeichnung des Absenders auf den Packeten mehr in den
Hintergrund treten zu lassen und dagegen die Angabe des Namens und Wohnorts des Empfängers, auf welche es bei der Beförderung hauptsächlich ankommt, mehr hervorzuheben.
Berlin den 5. September 1873.
Kaiserl. General-Postamt.
Bekanntmachung.
Aufhören des Beförderungsdienstes für Feldpost-Privatpäckereien.
Nachdem die deutsche Besatzung von Verdun uNd der dahin führenden Etappenstraße die Rückkehr nach der Heimath angètreten hat, können Feldpost-Privatpäckereien zur Beförderung nach Frankreich nicht mehr angenommen werden.
Von der Versendung gewöhnlicher und Geldbriefe an die betreffenden Truppen wird zweckmäßig so lange abzusehen sein,
mann Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser gewidmete „Elsaß- Lothringer Marsch auf vielfaches Verlangen gespielt.
Schließlich sprechen wir noch den Wunsch aus, daß sich solche Concerte öfters wiederholen möchten.
—d. Mahnung zur Vorsicht. Am Samstag Morgen wurde auf dem Wochenmarkte der Frau eines hiesigen Bürgers in dem Momente, als dieselbe 6 kr. für ein gekauftes Krauthaupt bezahlen wollte, der Korb mit 2O2 Pfd. Butter Inhalt, Eiern und sonstigen Marktvictualien gestohlen, ohne daß der raffinirte Dieb oder die Diebin erwischt worden wäre.
E. Bei dem Gewitterregen am gestrigen Nachmittag, welcher wohl manchen Spaziergänger bis aus die Haut durchnäßt haben mag, stürzte an der „Wiener Spitze" das Wasser gleich einem Bächlein die Eingangs-Treppe herunter, die Ursache dieser Unannehmlichkeit liegt in einem Loche der Mauer und dürfte dieselbe recht bald zu beseitigen sein.
—d. Bis zum heutigen Vormittag war die Leiche des am vergangenen Freitag in den Stadtgraben gestürzten Kindes des Handarbeiters Fritz Schulz noch nicht aufgefunden.
— Wasferstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,47 Meter;
Kassel, 13. Sept. Das heute Mittag gefällte Erkenntniß des Gerichtshofs in der Strafsache gegen den Pfarrer Witzel zu Schemmern wegen Mißbrauchs der Kanzel lautete auf Verur- theilung des Angeklagten in eine zweimonatliche Festungshaft. Außerdem hat der Verurtheilte sämmtliche Kosten zu tragen.
Hess. Mgztg.
— Aus Mecklenburg-Schwerin schreibt man der „W. Z.": „Die auffällige Vorliebe, mit der hier die niederhessischen Vilmarianerpastoren gegen die Beschuldigung des Ungehorsams vertheidigt werden, scheint darauf berechnet, im Voraus eine Opposition zu beseitigen, falls solche Geistliche, die in Folge ihrer Auflehnung ihre Stellen vertieren, in Mecklenburg durch gute Pfarren entschädigt werden sollten. Mancherlei deutet darauf hin; auch früher hat man badische und preußische Altlutheraner hier gut bedacht. Jetzt würde eine Heranziehung der widerspenstigen Niederhessen nach den jüngsten Vorkommnissen geradezu eine Demonstration gegen den Kaiser selbst werden." Trotz alledem würden wir die protestirenden Vilmarianer den Mecklenburgern ganz gern lassen. » Mgztg.
Fremdèn-Liste vom 15. September 1873.
Hdtel Adler.
1) Diè Herren: Lovenzi, Juwelier aus Rom. 2) Emerich, Kaufmann aus Gotha. 3) Sardang, Kaufmann aus Pest. 4) Weinberg, Kaufmann aus Bamberg. 5) Ledat, Zahlmeister aus Mainz. 6) Schloß, Kaufmann aus Mergentheim. 7) Günther nebst Frau, Fabrikbesitzer aus Breslau. 8) Kramer, Kaufmann aus Edenkoben. 9) Ringlef, Kaufmann aus Bonn. 10) Camello nebst Sohn, Kaufmann aus Leipzig. 11) Schöner, Kaufmann aus Bremen. 12) Sieg, Kaufmann aus Lahr.
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bis dieselben ihre Friedensgarnisonorte erreicht haben.
Berlin den 10. September 1873.
Kaiserl. General-Postamt.
Hanan. Auf Antrag der Erben der Wittwe des Briefträgers Bernhard Köhler dahier soll das ihnen gehörende
Wohnhaus nebst Seitenbau, Reüiise, Hinterbau, Stall und Hofraum, an der Ecke des Kanalplatzes und der Römergasse, Nr. 2 des Kanalplatzes, öffentlich im Termin
den 22. September d. I.,
Vormittags 10 Uhr, dahier verkauft werden, wozu Kaufliebhaber eingeladen werden.
Hanau am 5. September 1873.
Königl. Amtsgericht, Abth. III. Malkmus.
(3267) vt. Kämpf k. A.