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21L Freitag den 12. September. 1873.

Tagesschau.

Das General-Postamt macht unterm 10. September bekannt: Nachdem die deutsche Besatzung von Verdun und der dahin führenden Etappenstraße die Rückkehr nach der Heimath angetreten hat, können Feldpost-Privatpäckereien zur Beförderung nach Frankreich nicht mehr angenommen werden.

Von der Versendung gewöhnlicher und Geldbriefe an die betreffenden Truppen wird zweckmäßig so lange abzusehen sein, bis dieselben ihre Friedensgarnisonorte erreicht haben.

Nach § 6 des Einführungs-Gesetzes vom 15. Februar 1850 können Wechselklagen sowohl beim Gerichte des Zahlungs­ortes, als bei dem Gerichte, bei welchem der Verklagte seinen persönlichen Gerichtsstand hat, erhoben werden. Daß durch diese Bestimmung auch ein Ausländer, welcher einen in Preußen domi- cilirten Wechsel acceptirt, dem Gerichtsstände des Zahlungsortes als Gerichtsstand des Vertrages unterworfen wird, kann, wie das Kammergericht ausführt, keinem Zweifel unterliegen.

Constanz, 11. Sept. Gestern und heute trafen die Delegirten zum Altkatholiken-Congreß aus allen Theilen Deutsch­lands hierselbst ein. Bischof Reinkens ist gestern angekommen. Von hervorragenden Gästen sind zu nennen: Abb6 Michaud aus Paris, Erzpriester Wassilieff aus Petersburg, der Vorstand des Protestantenvereins Professor Holtzmann aus Heidelberg. Heute Abend findet die Vorversammlung im Conciliumssaal statt. Bischof Reinkens hält am Sonntag eine Predigt in der Angustinerkirche.

(Neue Franks. Pr.)

Posen, 10. Sept. DerPosener Zeitung" zufolge ist die kgl. Oberpräsidialverfügung von 1867, wonach die katho­lischen Schulkinder zum Zweck der Religionsprüfung zu den erz­bischöflichen Kirchenvisitationen erscheinen sollen, durch die könig­liche Regierung auf Grund des Schulaufsichtsgesetzes aufgehoben worden.

Straßburg, 10. Sept. Der Bezirkstag von Unter- Elsaß wurde heute Nachmittag 5 Uhr durch den Bezirkspräsi­denten feierlich geschlossen. Derselbe sprach im Namen der Regierung und der Bevölkerung seinen Dank für die von dem Bezirkstage bethätigte Wirksamkeit aus und die Hoffnung, die Versammlung im nächsten Jahre wieder vollzählig zu begrüßen.

Donnerstag, 11. September, Mittags. Die Neuwah­len für 12 Mitglieder des Bezirkstages und 9 Mitglieder des Kreistages im Bezirk des Unter-Elsaß sind auf den 11. resp. 12. Oktober d. J. anberaumt worden.

Basel, 10. September. DenBaseler Nachrichten" zufolge hat heute die Kommission des Nationalraths für Vor- berathung des bundesräthlichen Bundesrevisionsentwurfs den Ar­tikel 20 der Bundesverfassung, betreffend die Heeresorganisation, wie folgt zu redigiren beschlossen:

Der Bund ist Gesetzgeber in Militairangelegenheiten; seiner Genehmigung unterliegen die Kantonsgesetze. Der Bund beauf­sichtigt den gesammten Militairunterricht. Der Unterricht der Infanterie ist, soweit es möglich, in den Kantonen zu ertheilen. Der Bund bestreitet die Kosten des Unterrichts und der Bewaff­nung und ersetzt den Kantonen die Kosten der Ausrüstung und Bekleidung. Die Waffen bleiben in den Händen der Wehrmän­ner. Die Ausführung der Militairgesetze geschieht in den Kan­

tonen durch die Kantonalbehörden nach dem Bundesgesetze und unter der Aufsicht des Bundes. Der Bund hat das Recht, Waf­fenplätze und Militairgebäude gegen Entschädigung miethsweise oder als Eigenthum zu übernehmen. Die Zollentschädigung geht an den Bund über.

Die Berathung des Revisionsentwurfs ist bis Artikel 34 vorgeschritten und konstatirt das Streben nach Verständigung zwischen der centralistischen und föderalistischen Partei.

Kopenhagen, 7. Sept. Der König hat, nach Mit­theilung derBerl. Tid.", seine Reise nach Rumpenheim über Hamburg nach Cöln angetreten und wollte sich von Cöln aus nach Bonn begeben, wo Se. Majestät im Jahre 1839 studirte.

Paris, 10. Sept. Die deutschen Okkupationstruppen verlassen, den zuletzt getroffenen Bestimmungen zufolge, am Mor­gen des 13. Verdun und halten in Molinville ihre erste Etappe. Am 14 erreichen dieselben Etain, wo Ruhetag gemacht wird, am 16. Gendelis, am 17. werden die ersten deutschen Quartiere von denselben bezogen. 11. Sept. Mehrere Abendzeitungen bringen gleichfalls die gestern imTemps" enthaltene Mitthei­lung, daß die Regierung die Absicht habe, eine Verlängerung der Gewalten des Präsidenten Marschalls Mac Mahon zu bean­tragen. DerTemps" hält auch heute die Richtigkeit seiner Nachricht aufrecht und will weiter wissen, daß sich der Präsident mit der Verlängerung seiner Amtsdauer einverstanden erklärt habe. Von derAgence Havas" wird indessen die Meldung als unbegründet bezeichnet; ihr zufolge wäre das Kabinet dieser Frage überhaupt noch nicht näher getreten.Z ____

Zu dem neuesten Hirtenbrief des Erzbischofs von Paris bemerkt dieRepubl. fr." :Der Erzbischof von Paris seufzt über die gegenwärtige Lage des Oberhauptes der Kirche; wir würden uns über seine Betrübniß nicht weiter wundern und hätten nichts zu bemerken, wenn er seine Beichtkinder lediglich auffor­derte, ohne Unterlaß zu Gott zu flehen, daß er den Leiden, welche die Christenheit heimgesucht haben, endlich ein Ziel setze. Um aber die Nothwendigkeit doppelter Gebete für die Kirche und den Papst nachzuweisen, hat der Erzbischof von Paris sich die Mühe genommen, seine Anschauung über die gegenwärtige Ver­fassung Italiens und über die voraussichtliche Dauer jener ita­lienischen Einheit darzulegen, welche sich nach hundertjährigen Leiden in der Knechtschaft und Kämpfen gegen die Bedrücker end­lich durch den Sturz der weltlichen Herrschaft vollzogen hat. Damit hat der Erzbischof von Paris unseres Bedünkens das Maß überschritten. Mit aller ihm innewohnenden Autorität, die er sogar noch übertrieben hat (denn wir könnten unschwer nachweisen, daß er die Grenzen seines heil. Amtes überschritten und sich gegen die Gesetze vergangen hat), hat der Oberhirt der bedeutendsten Diöcese von Frankreich eine wahre Anklageschrift voll bitterer Vorwürfe und heftiger Drohungen gegen eine be­freundete Macht erlassen, die alles Recht hätte, von der Regie­rung, mit welcher sie gute Beziehungen unterhält, mehr Rück­sichten und mehr Schutz gegen solche Ausschreitungen zu erwirken. Und in welchem Augenblick erläßt der Erzbischof von Paris sei­nen Hirtenbrief? In einem Augenblick, da die öffentliche Mei­nung in Frankreich mit Recht beunruhigt ist wegen einer Reise des Königs von Italien nach Wien und Berlin, welche bestimmt scheint, die Bande einer Allianz, welche alle guten Franzosen zu