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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb' Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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â 286.

Mittwoch den 10. Dezember.

1873.

Tagesschau.

Se. Majestät der König haben Allergiiädigst geruht: dem Staats-Minister Grasen von Königsmarck unter gleichzeiti­ger Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rath mit dem Prä­dikateExcellenz" die nachgesuchte Dienstentlassung zu ertheilen und den Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten, Staats-Minister Dr. Achenbach einstweilen mit der oberen Lei­tung des Ministeriums für die landwirthschaftlichen Angelegen­heiten zu beauftragen.

Berlin, 9. Dez. Der Evangelische Ober-Kirchenrath hat einen Nachtrag zu seiner Instruktion vom 31. Oktober d. I. zur Kirchengemeinde- und Synodal-Ordnung erlassen, welcher die Möglichkeit eröffnet, je nach Bedürfniß die Wahlen der Kir­chenältesten und der Gemeindevertreter in einem Akt innerhalb gewisser begrenzter Stunden vollziehen zu lassen, event, die Wahl­akte auf verschiedene Sonntage zu vertheilen und auch außerhalb der Kirchen vornehmen zu lassen.

Das dem Charles Gordon in London unter dem 16. September 1872 ertheilte Patent: auf ein Verschlußstück an Hinterladungskanonen, soweit dasselbe als neu und eigenthümlich erkannt worden ist, und ohne Jemanden in der Anwendung be­kannter Theile zu beschränken, ist aufgehoben.

DieBerl. Trib." schreibt in ihrer Tagesschau: Der Reichsanzeiger hat soeben die Geschäftsordnung des neuen Ge­richtshofes für kirchliche Angelegenheiten publicirt und damit gleichsam den Tisch gedeckt, zu dem Herr Graf Ledochowski in nächster Zeit geladen werden soll. Daß er der Einladung Folge leiste, wäre kaum erwartet worden, auch wenn er seinem Refus keine so trotzige und hoffärtige Motivirung gegeben, wie er es in seinem jüngsten Schreiben an den Oberpräsidenten von Posen gethan. Eine Wirkung aber wird das bevorstehende Verfahren vermuthlich haben, die nicht gering anzuschlagen ist, nämlich die Ueberzeugung im ultramontanen Lager, daß der Staat es wirk­lichwagt", auch die äußersten Consequenzen seiner Gesetze zu ziehen, daß er nicht, wie man sich und Andern einredete, vor­dergeheiligten Stellung eines katholischen Bischofes erschrocken inne hält." Der Staat zieht zwischen der geistlichen und welt­lichen Stellung des Bischofs eine sehr deutliche Grenze, die dieser allerdings nicht anerkennt. Alles was von der bischöflichen Stellung jenseits des geistlichen Gebiets liegt, hat absolut keinen Anspruch auf andere Behandlung, als das Verhältniß irgend eines anderen Staatsangehörigen zum Staate, und diese Grund­bedingung eines erträglichen Zusammenlebens von Staat und Kirche zur Erfüllung zu bringen, ist der einzige und berechtigte Zweck der neuen Gesetzgebung. In welche Situationen uns die­selbe hineinführen wird, ist für jetzt freilich noch kaum abzusehen. Wir tragen uns über die unmittelbare Wirkung der Gesetze auf die Oberhäupter der Kirche durchaus mit keinen Illusionen, glau­ben vielmehr, daß diese Herre» zu dem Martyrium mit dem Executor gern auch noch dasjenige der verlorenen Residenz und des verlorenen Einkommens hinzufügen werden. Aber der Bau der Hirarchie, der angestaunte jahrhundertalte feste Organismus

^mischen Klerus geht unter dem Starrsinn seiner Obern allmählich dem Bruche entgegen, der Keim der Jndisciplin wird in die Reihen der niederen Geistlichkeit getragen, deren äußere Existenj die Lust zum Widerstande erheblich abkühlt. Wenn die

Rädelsführer der Partei deshalb den Staat zu immer tiefer ge­henden Eingriffen zwingen, wenn sie ihm durch aussichtslosen Eigensinn Gesetze abnöthigen, wie das über die Civilehe, so fragt es sich, ob sie mit dem Messer, das sie dem Gegner an die Kehle fetzen wollen, nicht tief iu's eigene Fleisch schneiden und das Gefüge ihrer Macht in Stücke gehen lassen. Graf Ledochowski wird schwerlich der einzige abgesetzte Bsichof im deutschen Reiche bleiben; wenn aber erst eine Reihe bischöflicher Residenzen ge­säubert ist, wird der untergebene Clerus bei dem dann einreißen­den Zustande der Verwirrung sich zu entscheiden haben, ob er in steter Sorge um die eigene Existenz leben oder in Sicherheit und Achtung vor den Staatsgesetzen seines Amtes weiter warten will. Zunächst freilich gehört dazu, daß der Staat auch die Mittel besitze, die von ihm ausgesprochene Amtsentsetzung prak­tisch zu vollziehen und zu verhindern, daß man sie illusorisch mache. Hier werden die Maigesetze eine harte Probe zu bestehen haben, über deren Ausfall wir nichts vorher zu sagen wagen.

Wertheim, 6. Dez. Die Unsicherheit im Güter­verkehr auf den Badischen Bahnen scheint neuerer Zeit wieder in bedauerlichem Grad überhand zu nehmen. Abgesehen von den kürzlich in Mannheim entdeckten Unterschlagungen ist es in den letzten Wochen mehrfach vorgekommen, daß bei Sendungen, die als Fracht- und Eilgut hier aufgegeben wurden, bei der An­kunft am Bestimmungsort ein Theil des Inhalts (besonders bei Lebensmittel) fehlte. Das Publikum wird gut thun, die größte Sorgfalt im Verschluß solcher Sendungen anzuwenden, bei vorkvmmenden Beraubungen die Anzeige machen behufs Er­mittlung des Thäters. <Mam,h. zaget)

Die Fleischpreise sinken auch in Pforzheim. Es wird dort ausgeboten : Rindfleisch 1. Qualität zu 18 kr., Schweinefleisch zu 24 kr., Kalbfleisch 22 kr. und Hammelfleisch 15 kr. per Pfuud.

München, 7. Dez. Wäre nicht die durch den Mangel von vorbereitetem Arbeitsmaterial und den gegenwärtig hier herr­schenden Gesundheitsstand verursachte unfreiwillige Kammerpause eingetreten, so wäre heute jedenfalls von der liberalen Partei des Abgeordnetenhauses eine geeignete Festlichkeit zu Ehren eines ihrer Mitglieder veranstaltet worden. Denn heute sind es 25 Jahre, daß der Abg. Herr Carl Krämer zum erstenmale jene Räume betrat, in denen er seitdem ununterbrochen seinen Sitz als Vertreter des Volkes einnahm, damals ein junger Mann, der ob mangelnder weniger Stunden zum gesetzlichen Alter eines Abgeordneten sich einer sofortigen Wiederwahl zu unterziehen hatte, jetzt noch eine der rüstigsten Arbeitskräfte des hohen Hau­ses, gegenwärtig Vorsitzender des wichtigsten der Ausschüsse, des Finanzausschusses. Die ganze, so unendlich reiche Geschichte die­ses seit 1848 verflossenen Vierteljahrhunderts, das in politischer, sozialer und nationaler Beziehung in unserm engern und unserm großen Vaterlande einen beispiellosen Um- und Aufschwung her­vorgebracht hat, hat er auf dem politischen Kampfplatze mit durchlebt, einer der begabtesten und tüchtigsten Vertreter des Volkes, ein unerschrockener Vorkämpfer für dessen Rechte, ein unermüdlicher, begeisterter Mitarbeiter an dem großen, durch Gottes Fügung in großen Ereignissen zu Stande gekommenen Einigungswerke der deutschen Nation. Aus den Verhältnissen eines einfachen Arbeiters hat er sich zur gesicherten Stellung ei-