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— Würzburg, 6. August. Gestern wurde eine größere Quantiät Bier vom polizeilichen Visitations-Commissär mit amtlichen Siegel belegt.
— München, 5. August. Die Königlich bayerische Feldpostexpedition hat ihre Thätigkeit beendigt und wird demnächst demobilisirt werden. Es sind daher von nun an die noch etwa vorkommenden Sendungen an die bayerischen Truppentheile der deutschen Okkupationsarmee an die betreffenden Garnisonsorte zu leiten und treten die Bestimmungen für die Feldpoftsendungen mit dem 5. d. M., dem Tage der Demobilisirung, außer Kraft.
— Königsberg, 6. August. Die „Ostpreußische Zeitung" meldet das nunmehr offiziell konstatirte epidemische Auftreten der Cholera, an der bis gestern 164 Personen erkrankt und 85 verstorben gemeldet seien. Die Zahl der täglichen Erkrankungsfälle beziffere sich auf 20 bis 25, die der Todesfälle 10 bis 12. Die „Ostpr. Ztg." fordert im Hinblick auf die Epidemie die Unterlassung des am 9. d. beginnen sollenden Manövers. (Neue Franks. Pr.)
— Kopenhagen, 6. August. Das höchste Gericht hat heute die gefangenen Führer der Sozialdemokraten verurtheilt, und zwar: Pio zu fünfjähriger, Brix und Geleff zu je dreijähriger Strafarbeit wegen Uebertretung eines Polizeiverbotes und wegen Versuchs, durch Organisation der Arbeiterbevölkerung Aufruhr zu erwecken, um nach kürzerer oder längerer Zeit die bestehende Verfassung mit Gewalt nmzustürzen.
— London, 5. August. Heute fand der Schluß der gegenwärtigen Parlaments-Session statt. Die Thronrede spricht die Hoffnung aus, daß die Heirath des Herzogs von Edinburgh ein neues Band der Freundschaft zwischen Rußland und Großbritannien sein werde, sie erwähnt ferner den Abschluß des Handelsvertrages mit Frankreich und die Auslieferungsverträge mit Italien, Dänemark, Schweden und Brasilien und konstatirt, daß, obgleich die Thätigkeit des Handels zwar etwas nachgelassen habe, doch die allgemeine Lage des Landes befriedigend sei.
— Perpignan, Donnerstag, 7. August. Heute sind hier 23 spanische Offiziere eingetroffen, welche in den Kämpfen bei Berga, Alpens und Jgualada von den Carlisten gefangen .und an die Grenze gebracht sind. Dieselben werden einstweilen auf der hiesigen Citadelkb untergebracht werden, bis ihnen die Rückkehr nach Spanien gestattel ist.
— In Niederländisch-Westindien ist die Emancipation der Neger jetzt vollendete Thatsache. Es ist von dort die Kunde eingegangen, daß die Neger in friedlicher Weise den 1. Juli festlich begangen haben, welcher sie von den Ueberwachungsmaß- nahmen seitens des Staates befreit hat.
— Die „Neue Frftr. Pr." schreibt unterm 7. August aus Frankfurt a. M.: Heute rückte das 5. rheinische Dragonerregiment mit Sack und Pack zu den Manövern ab. Wie wir vernehmen, ist es in den letzten Tagen wieder sehr fraglich geworden, daß die Dragoner den monumentalen Kasernenbau in Bockenheim bis zum Oktober beziehen können. — In einer der jüngst verflossenen Nächte hat sich ein Dieb die Mühe gemacht, einen der Packwagen auf dem Main-Weserbahnhofe zu öffnen und eine in demselben befindliche Kiste zu erbrechen. Dieselbe war wohlgefüllt, ihr Inhalt bestand, jedenfalls zum Aerger des Strolches, indeß nur aus Briefcouverts, von denen er denn auch nicht eines der Mitnahme für werth erachtete. — Gestern wurde in der Stein'schen Brauerei in diesem Sudjahre der 1021 Sud vollendet.
Lokales und Provinzielles.
Hanau, 8. August.
—n. Das diesjährige Stipendium der Kgl. Akademie von 100 Thalern zu einer Reise nach der Weltausstellung in Wien, wurde für das Modell eines Ziergefäßes — eigener Erfindung — dem Graveur Ferd. Killmer aus dem Gejchäfte des Hrn. Lautenschläger zuerkannt.
Albert Neumetzger, Juwelier aus dem Geschäfte der Herren Kreuter, wurde wegen einer Zeichnung eines Brillantschmucks, gleichfalls eigener Erfindung, Kgl. Regierung für würdig einer Reiseunterstützung zur Weltausstellung empfohlen. Im Ganzen hatten 4 Schüler an der Konkurrenz sich betheiligt.
—d. Morgen rückt unser Bataillon nach Wiesbaden aus, woselbst in den nächsten Tagen das Regimentsexerzieren stattfindet.
K. (Zur Calamität mit österr. Silbergeld!) Gegenüber der eingetretenen und noch fortschreitenden Entwerthung des öfter. Silbergeldes dürfte es umsomehr am Platze sein, das Publikum auf die Nachtheile aufmerksam zu machen, die ihm erwachsen, wenn es fortfährt, die betreffenden Sorten zum vollen Werthe zu nehmen, als mit einiger Bestimmtheit vorauszusehen ist, daß eine Erholung des Werthes derselben für die erste ; eit nicht zu erwarten ist.
Wenn auch einzelne Geschäftshäuser jetzt noch — nur um es mit ihren Kunden nicht zu verderben — sich selbst das Opfer eines effectwen Verlustes von vorläufig 2 Kreuzer am österr. Gulden auferlegen, so- unterliegt es doch keinem Zweifel, daß auch diese in aller Kürze gezwungen sein werden, das Stück nur noch zum jeweiligen Course — der heute annähernd fl. 1 8 kr. ist — zu nehmen, da jedes reelle Geschäft für die Dauer einen solchen Verlust nicht ertragen kann, der ihm rechtlicher Weise auch nicht zugemuthet werden darf. Bei fortdauernder Unbestimmtheit im Werthe dieser Sorten wird es also dahin kommen, daß zum Schlüsse Jeder verlieren muß, der noch theures österr. Silber in seinem Besitz hält, oder gar annimmt, und wohl am sichersten Derjenige, der allenfalls glaubt, dem Verluste dadurch entgehen zu können, daß er es auf unbestimmte Zeit liegen läßt. Demgegenüber liegt es im Interesse jedes Einzelnen, ganz besonders auch um dem Andrange der betr. Sorten nach hiesigem Platze möglichst entgegenzutreten, wie in anderen Städten, so auch hier einstimmig den österr. Gulden vorläufig nicht mehr anders als â fl. 1 8 kr. an Zahlung zu nehmen, um auf diese Weise in die Lage zu kommen, denselben ohne Verlust auch ebenso wieder ausgeben zu können. Wenn dadurch augenblicklich auch Einigen, die damit versehen sind, ein kleiner Schaden erwächst, so ist damit doch den ferneren Ausbeutungen der eingetretenen Schwankungen ein Ziel gesetzt.
— Wasserstand des Main-Pegels heute früh 7 Uhr 0,30 Meter; Mainwasferwärme 20 Grad.
— Kassel, 4. August. Die „Hess. Bl." berichten: „Wie wir vernehmen, liegt es in der Absicht der lutherischen Geistlichen Oberhessens, dem neuen Gesammtconsistorium sowohl als dem Gesammtstaatsministerium einen Protest gegen die erstgenannte Behörde, als gegen eine nicht rechtmäßige, zu überreichen und zu erklären, daß sie ihr nur insofern und insoweit gehorchen können, als dieselbe die lutherische Kirche Oberhessens lediglich nach ihrer Kirchenordnung und ihrem Bekenntniß regiere. Die Gemeinde Rengshausen hat mit 174 Unterschriften dem Kultusminister gleichfalls erklärt, sich dem Gesammtconsistorium nicht unterstellen zu können."
— Kassel, 6. August. Am vorgestrigen Abend stürzte sich eine Frau aus dem zweiten Stock ihres an der Fulda gelegenen Hauses in den Fluß, wurde jedoch noch rechtzeitig gerettet. Leider gelang dies nicht bei einem Manne, welcher gestern in Begleitung seiner Frau, um ärztliche Hülfe zu suchen, auf dem Wege nach dem Landkrankenhause war und sich von der Fuldabrücke aus ins Wasser stürzte. » Mgztg.
Fremden-Liste vom 8. August 1873.
Hotel Adler.
1) Gerecke, Dr. med. aus Moskau. 2) Kalkhoff, Kaufmann aus Köln.
3) Geitz, Kaufmann aus Frankfurt. 4) Stiederich, Kaufmann aus Eifenach.
5) Rothunge, Kaufmann aus Frankfurt. 6) Promnitz, Oberingenieur au- Nordhaufen. 7) Schönbeck, Kaufmann aus Bremen. 8) Lehr, Kaufmann aus Carlshütte. 9) Bömle, Kaufmann aus Stuttgart. 10) Scheuten, Kaufmann aus Crefeld. 11) Rehorst, Bauunternehmer aus Limburg. 12) Laßmann, Fabrikant aus Frankfurt a. d. Oder. 13) Frau Ströhm aus AlS- jClb.