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in seiner Entwickelung aufgehalten. In ihren Beziehungen zu den auswärtigen Mächten kann die Politik nicht die Stetigkeit und Beharrlichkeit erlangen, welche allein auf die Dauer Ver­trauen einflößt und die Größe einer Nation aufrecht hält oder wiederherstcllt. Es ist die Festigkeit, welche der gegenwärtigen Gewalt mangelt, auch geht ihr häufig die Autorität ab: sie ist nicht genügend durch die Gesetze ausgestattet, um die Fraktionen zn entmuthigen und nicht einmal sich bei ihren eigenen Organen Gehorsam zu verschaffen. Die Presse gibt sich ungestraft Aus­schreitungen hin, welche schließlich zur Corruption des Geistes der Bevölkerungen führen muffen. Die Municipalitäten vergessen, daß sie die Organe des Gesetzes sind und lassen die Centralbe­hörde in vielen Theilen des Landes ohne Vertreter. Sie werden diese Gefahren erwägen und der Gesellschaft eine dauerhafte und starke Executivgewalt geben, welche für ihre Zukunft Sorge trägt und sie energisch vertheidigen kann. Nach Mittheilung der Botschaft verliest der Kammerpräsident einen Antrag auf zehn­jährige Verlängerung der Amtsgewalt Mac Mahon's. Echasseriaux beantragt die Nation zusammenzuberufen, damit sie die Regie­rungform wähle. Für den Verlängerungsantrag wird die Dring­lichkeit verlangt. Broglie befürwortet dieselbe, Dufaure will sie nur aunehmen, wenn die constitutionelle Vorlage und die Ver­längerung der Amtsgewalt ein und derselben Commission über­wiesen werden. Die Diècussion dauert fort.

Paris, 5. Nov. Noch Annahme der Verlängerung der Gewalten des Präsidenten Mac Mahon wird derselbe, dem Vernehmen nach, sein Amt bis zur Votirung der konstitutionellen Gesetze auf den bisherigen Grundlagen weiter fortführen. Zur Prüfung der konstitutionellen Vorlagen wird die Ernennung einer Kommission von 30 Mitgliedern beabsichtigt.

Versailles, 5. Nov. Die Nationalversammlung ist heute wieder zusammengetreten. Nach Verlesung der Botschaft des Marschall-Präsidenten verlas der Präsident Buffet den von Changarnier und den anderen Führern sämmtlicher Fraktionen der Rechten unterzeichneten Antrag auf eine 10jährige Verlänge­rung der Gewalten des Marschalls Mac Mahon. Echasseriaux (Bonapartist) beantragte die Zusammenberufung der Wähler auf den 4. Januar 1874, damit dieselben sich über die zukünftige Regierungsform und zwar ob Kaiserthum, ob Republick oder ob Königthum entscheiden. Goulard fordert für den Antrag Chan­garnier die Dringlichkeit. Dufure bekämpfte diesen Antrag zwar nicht, forderte aber die Ueberweisung der Anträge Changarnier und Echasseriaux an dieselbe Kommission, welcher die Prüfung der konstitutionellen Gesetze obliegen wird. Die Versammlung votirte hierauf die Dringlichkeit des Antrags Changarnier mit großer Majorität, nachdem sie die Dringlichkeit für den Antrag Echasseriaux abgelehnt. Jules Grövy hatte den Antrag auf Ueber- Weisung des Antrags Changarnier an die zur Berathung der konstitutionellen Gesetze niederzusetzende Kommission unterstützt und dabei namentlich ausgeführt, daß die Nationalversammlung gar nicht das Recht habe, eine Gewalt für einen Zeitraum zu konstituiren, welcher über ihre eigene Existenz hinausgehe. Hier­auf wurde der Antrag Dufure mit 362 gegen 348 Stimmen verworfen und in Folge dessen der Antrag Changarnier in Ueber­einstimmung mit der von der Regierung ausgesprochenen Ansicht einer besonderen Kommission überwiesen.

Paris, Donnerstag, 6. Nov., Morgens. Die Re­gierung glaubt nunmehr darauf rechnen zu dürfen, daß die bvna- partistischen Deputieren bei der Abstimmung über den Antrag Changarnier Betreffs Verlängerung der Gewalten des Marschalls Mac Mahon auf 10 Jahre für den voraussichtlichen Fall, daß der von ihnen eingebracht werdende Unterantrag auf nur drei­jährige Verlängerung dieser Gemalten abgelehnt werden wird, entweder zum Theil noch mr den Antrag Changarnier stimmen oder wenigstens der Abstimmung sich enthalten werden. Es würde damit in jedem Falle e ne erhebliche Majorität für den Antrag Changarnier gewonnen jeuu <M- u- @t ^

Die von mehreren Journalen gemeldete Nachricht von der Verhaftung des Obersten von Stoffel bestätigt sich nicht. Nach einer heute von ihm veröffentlichten Erklärung hat derselbe sich unmittelbar nach Beendigung des Verhörs am Dienstag mit

dem Verlangen an das Kriegs-Ministerium gewandt, ungesäumt wegen der Angelegenheit der angeblich von ihm unterschlagenen Depeschen vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden.

Die Insurgenten von. Carthagena haben den neuesten Nachrichten zufolge eine Entscheidung in nahe Aussicht gerückt, vorausgesetzt nämlich, daß der von ihnen gebotene Anlaß zur Intervention des deutschen Geschwaders benutzt wird. Sie haben nicht nur den griechischen Vicekonsul, sondern auch den stellvertretenden deutschen Consul und einen andern deutschen Unterthan unter nichtigem Vorwande verhaftet und damit die Grenze überschritten, welche für die Neutralität der deutschen Flotille inne zu halten war. Bereits ist die letztere telegraphi­scher Anweisung zufolge auf dem Wege von Malaga nach Car­thagena. Der Augenblick zum Handeln scheint gekommen; der Zustimmung des englischen und sranzösischen Commandanten bedarf es in diesem Falle nicht, die nationale Ehre muß hier allein den rechten Weg weisen. <Triv).

DieNeue Frftr. Pr." schreibt unterm 6. November aus Frankfurt a. M.: Gestern Abend 7 Uhr 28 Minuten reiste die Großfürstin Helene von Rußland, welche im russischen Hofe hier- felbst Wohnung genommen hatte, mit der Hanau-Bebraer Bahn nach Berlin ab. Der nächstjährige Frühjahrspferdemarkt soll dem Vernehmen nach am 27., 28. und 29. April 1874 abgehal­ten werden. Das vorjährige Gesammtdefizit der Schulkasse beziffert sich auf nicht weniger als 115,783 fl. 42 kr.

Lokales und Proinzielles.

Hanau, 7. November.

^ In dem gestrigen Abendblatte derHanauer Zeitung" Nr. 258 befindet sich ein Artikel, der in scharfer, fast persönlicher Weise gegen den Plan des Herrn Lehrers Lucas, am hiesigen Platze eine Vorschule für Knaben zu gründen, vorgeht.

Die 2 höheren Schulen, die hier bestehen, sind auf eine einzige Vorschule angewiesen, die so überfüllt ist, und es auch nach dem Neubau bleiben wird, daß es manchen Eltern sehr er­wünscht sein kann, für Jungen, die entweder körperlich zart oder lebhaften Geistes und zerstreut, eine Anstalt zu wissen, in welcher bei geringerer Anzahl von Kindern, reinere Luft für die zarten, schärfere persönliche Beobachtung für die lebhaften sich findet. Der Correspondent benutzt bei seinem Angriff als Hauptmoment die Gehaltsfrage der Lehrer und appellirt an den zukünftigen Stadtrath, damit dieser als erste Arbeit für bessere Dotirung derselben sorge.

Es steht zu erwarten, daß diese Frage auch in Zukunft mit aller Objectivität behandelt werden wird, und denkt sich Schreiber dieses das Verhältniß des Lehrers zum städtischen Körper, wie das des Universitäts-Professors zur Staatsregierung.

Warum auf Kosten der Entwicklung der Kinder, um Lehrer besser dotiren zu können, alle Concurrenz unterdrückt werden soll, ist unerfindlich.

Wasserstand des Mam-Pegels heute srüh 7 Uhr 0,30 Meter.

Kassel, 4. Nov, Bei der gestern stattgehabten zweiten Besprechung der Kasseler Frauen waren saft 4Ö0 zugegen. Es wurde beschlossen, fest an den gestellten Lebensmittel-Preisen zu halten. An die Ochsen- und Kuhmetzger soll die Frage gerichtet werden, zu welchem Preise sie das Fleisch liefern wollen, wenn sich 4 bis 500 Familien verpflichten, dasselbe von dem Billigst­fordernden zu beziehen. Erfolgt binnen drei Tagen keine Ant­wort, so soll Fleisch von außerhalb bezogen werden.(Mannh. sagst)

Am 3. d. Mts. starb Carl Sigismund Freiherr Waitz von Eschen auf Winterbüren bei Cassel, Vize-Marschall der althessischen Ritterschaft und Mitglied des preußischen Herren­hauses, im 78. Lebensjahre.

Hotel Adler.

Fremden-Liste vom 7. November 1873.

1) Die Herren: Falkenbach, Lederfabrikant aus Steinberg. 2) Reich­wagen, Kaufmann aus Stralsund. 3) Palme, Kaufmann aus Frankfurt. 4) Pfaff, Holzhändler aus Kronach. 5) Mallmann, Holzhändler aus Boppardt. 6) Müller nebst Familie, Kgl. Preuß. Zahlmeister aus Kassel. 7) Dautsch, Kaufmann aus Mannheim. 8) Kreutzer, Architekt aus Berlin.