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VermisshieS.

sei der Haupturheber der Kirchenverfolgung in Deutschland, rr- muthigt durch seine Erfolge auf anderem Gebiete. Jeder Tri­umph ohne Bescheidenheit bleibe aber vorübergehend und ein Triumph, der mit einem Verfolgungssüchtigen Geiste gegen die Kirche auftrete, sei eitel. Den Schluß bildete eine von dem bekannten Maße kirchlicher Friedensliebe zeugende Erklärung, welche lautete:Die Kirche fürchtet Verfolgungen nicht, sie wird durch dieselben gekräftigt und geläutert. Erwarten wir Gottes Fügungen voll Vertrauen und Achtung, seien wir gefügig, aber nicht in Bezug auf Gesetze, welche den Satzungen der Kirche zuw id erlaufen.

London, 19. Juni. Die neuesten Nachrichten von Peru liefern einige Details über die jüngsten Erforschungen der neuen Guano feld er. Die Felder sind ungefähr 100 Meilen nördlich von Callao gelegen und dehnen sich von der Seehafen­stadt CaSma landeinwärts aus. Peruvianischen Journalen zufolge ist der Zugang der Schiffe zu den Feldern sehr leicht, und das Erträgniß wird auf ungefähr 1,000,000 Tonnen per Jahr be­rechnet.

Paris, 25. Juni. Die pariser Fabriken arbeiten im Au­genblick sehr wenig; eine Masse Arbeiter ist entlassen worden; Leute, die früher 200 Arbeiter beschäftigten, haben jetzt kaum noch zwanzig. Das Daniederliegen der Geschäfte wird hauptsächlich dem fortdauernden Aufenthalte der Nationalversammlung in Versailles zugeschrieben, der großes Mißtrauen einflöße und viele Fremde von Paris abhalte. Dazu kommt dann noch, daß die Rohalisten ihre Ausgaben so sehr als möglich einzuschränken und - überall Mißtrauen hervorzurufen suchen. Ihr Plan besteht be- ! kanntlich darin, die Republik dadurch in Mißcredit zu bringen, daß sie keine normale Zustände aufkommen lassen. Das elsaß« lothringer Comite in Paris hat einen neuen dringenden Aufruf an die Elsässer und Lothringer erlassen, vamit sie sich so schnell als möglich für die französische Nationalität entscheiden. Wie es scheint, hat die Zahl derer, welche sich für Frankreich erklä­ren, bedeutend abgenommen, seit man weiß, daß das französische ! Militärgesetz noch viel härter ist, als das.deutsche. (Gom. 3.)

Ueber ein Ersatzmittel für Steinkohlen und Holzfeuerung bringendie neuesten Erfindungen' einen Auf­satz. dem derReichs- und Staatsanzei^er" Folgendes entnom­men: Seit 4050 Jahren haben sich Tausende abgemüht, aus den Braunkohl en und dem Torfe einen, die Steinkohlen er­setzenden Brennstoff zu bilden; man hat große Summen und kostspielige Maschinerien, Pressen, Mühlen nutzlos verwendet, ! Techniker und Chemiker verzweifelten und erklärten, beide Urstoffe seien zu keinem industriellen Zwecke zu verwenden. Herr Brocke beschäftigte sich feit 32 Jahren mit beiden Stoffen. Seine Be­mühungen wurden schon vor 15 Jahren mit günstigem Erfolge belohnt, indem er mit den aus Braunkohlen g-sormleu Briquets ' die Lokomotive von Cöln bis Brühl 780 Meile weit heizte und 3 Minuten an Zeit gegen Koke von Steinkohlen gewann. Die Nassauer Regierung gab damals die Erklärung ab,diese Erfin­dung sei für keine industriellen Zwecke zu verwenden." Herr Brocke setzte seine Versuche fort und machte in Eleve und den ; Niederlanden Briqueis aus Torf, und erreichte auch damit die besten Erfolge. Vor 5 Jahren kam Herr Brocke nach Wien, auch ' hier wurden seine Versuche auf Essen und Lokomobilen als vor­züglich anerkannt; nachdem er dem Professor Dr. Kletzinskh sein Verfahren mitgeiheilt, nannte derselbe die Erfindung vortrefflich, erklärte aber, daß, wenn Herr Brocke 100,000 Ctr. gefertigt habe, er den Preis nicht mehr würde halten können, indem jene Zusätze, die Oesterreich und Ungarn liefern könnten, völlig aufgebraucht seien und durch Bezug aus dem Auslande theurer würden, als die wirkliche Steinkohle. Dies gab Brocke Veranlassung, eine neue Idee zu studiren, deren Ausführung ihm auch gelang und nun erhielt er das K K. Erfindungs-Privilegium. Brocke brennt die lufttrockene Braunkohle oder Torf, so daß sie in allen Brenn- eigenschaften die Steinkohlen überflügeln und diese ganz entbehr­lich sind. Während die Biquets ein großes Kapital, große Ar­beitskräfte, Mühlen, Pressen rc. benöchigen, beoarf Brocke's Methode nichts von Allem diesen.

Exploitirte Braunkohlenstücke brauchen nicht zerschlagen zu werden; sie werden in lichten, vor Nässe geschützten Schuppen dem Zugwinde zum Austrocknen überlassen; da die nickt im Wasser gelegene Braunkohle circa 45 pCt. Wasser hat, so ist es : genug, wenn sie ca. 30 pCt. verliert. Ein Gutachten des Hof-

Berlin, 26. Juni. Der kaiserliche General-Post- Direktor Stephan ist vor Kurzem aus Moskau hierher zurück­gekehrt, wohin er sich zum Besuch der dortigen Ausstellung be- geben hatte. Auf derselben befinden sich unter Anderem sämmt­liche Gegenstände, welche zur Ausrüstung einer Feldpost gehören.

Die Tagesschau derTrib." Nr. 73 enthält unter Anderem: DieVoce della Verita", das Preßgefäß des Vatikan, ist mit einer sehr gelehrten Abhandlung gefüllt, in welcher be­züglich deS Besuchs des piemontesischen Prinzenpaarcs am hie­sigen Hose endlich herausgebracht wird, daß Katholiken bei Pro­testanten gar nicht Gevatter stehen dürfen. Allerdings bestehe ein unbedingtes Verbot in dieser Beziehung nicht, aber die Theilnahme an einem solchen Taufakte sei an Bedingungen ge- knüpst, welche dieselbe vom GewiffenSstandpunkte nahezu uner­träglich mache. Autoritäten, wie Benedict XIV. und Paul V. müssen diese Ansicht begründen helfen, aus welcher man ersieht, daß das ganze politische Ereigniß für die Gelehrten des ultra- montanen Blattes nur vom kanonischen oder lithurgisch n Stand- punkte aus Interesse hat.

Karlsruhe, 26. Juni. Der Handelskammer der Stadt Freiburg ist, derCöln. Ztg." zufolge, auf ihre an den Reichstag gerichtete Petition vom 23. April 1872 um Errichtung eines Reichsconsulats (Berufs consulat) in Italien unterm 15. d. von dem Büreau des Reichstages die Antwort zugegangen, daß der Reichstag in der Sitzung vom 17. Mai beschlossen habe, besagte Petition durch die Annahme der Resolution: den Herrn Reichskanzler aufzufordern, die Errichtung von Berufsconsulaten in Italien in Erwägung zu ziehen, und zunächst wenigstens ein Berufs-Generalconsulat in Rom ins Leben zu rufen, für erledigt zu erklären. Nachdem diese Resolution am 15. d. auch in dritter Lesung die Zustimmung des Reichstages erhalten, machte man hiervon der Handelskammer Mittheilung.

Reisende, welche rheinische Dampsboote benutzen und in ihren Koffern bedeutende Werthe mit sich führen, werden wohl thun, dieselben auf dem Schiffe in Verwahrung zu geben, wofür nur eine geringe Gebühr zu entrichten ist. Vor einigen Tagen wurden einem Fremden, der auf der Reise von Berlin nach dem Eisaß begriffen war, aus der Fahrt von Cöln rheinaufwärts ein Reffekoffer mit 500 Thlrn. baarem Gelde gestohlen. Es konnte dies nur dadurch geschehen, daß der Dieb den Koffer als den (einigen bezeichnete und mit demselben das Boot an einer Zwi- schenstation verließ.

In Lindau fand das zweite Sängerfest des schwäbisch- baierischen Sängerbundes statt, an dem 38 Gesangsvereins mit 7800 Sängern theilnahmen; das Fest gestaltete sich durch die Gesänge kund Reden zu einem ächt deutsch-patriotischen, so­wohl an den Kaiser von Deutschland als den König von Baiern wurden Begrüßungstelegramme abgesendet, die beide auf das Freundlichste beantwortet wurden.

Br emen, 24. Juni. Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hat heute Morgen aus Langerooge die Nachricht erhalten, daß es der dortigen Rettungsstation geglückt ist, die Besatzung deS am Sonnabend in der Nähe der Insel gestrandeten englischen SchiffesBalmacarra", Kapitän Crisp, aus eilf Mann bestehend, zu retten. Das Schiff war von Bahia nach Bremen bestimmt und mit Tabak beloben.

Athen, 15. Juni. Bon Syra trifft die Nachticht ein, daß der englische DampferMisdory" von den dortigen Be­hörden mit Beschlag belegt worden ist, weil er beim Cap Malea das griechische SchiffPenaja", trotzdem letzteres ihn durch Feuerzeichen und Rufe warnte, niedergesegelt und versenkt hat. Man scheint auf dem englischen Schiffe mit Einschluß der Wache geschlafen zu haben. Mannschaft und Passagiere derPenaja" circa 70 Personen, wurden mit Ausnahme eines Einzigen gerettet. Der Capitän TzurvoS, welcher das verloren gegangene Fahrzeug comm^ndirte, fordert nun für Schiff, Ladung und Passagiergut eine Entschädigung von 200,000 Drachmen. Ferner wird aus Syra gemeldet, daß einige Meilen von dort ein samisches Schiff von Seeräubern, die sich ihm unter der Maske von Fischern in einem Boote näherten und um Wasser baten, dann aber plötzlich Waffen hervorzogen, ausgeplündert worden ist.

In einer Audienz, welche der Papst dem katholisch- deutschen Lesezirkel kürzlich ertheilte, hat derselbe Gelegenheit gefunden, auch gegen Deutschland eine an Jnvcktiven reiche Rede zu halten. Ein Premierminister, so sagte Se. Heiligkeit,