Einzelbild herunterladen
 

343

Bremen, 23. Juli.

DaS Postdampfschiff des Nordd. Lloyd

Hannover, Capt. F. Himbeck, hat heute die zweite diesjährige Reise nach Newyork via Southampton angetreten.

Dasselbe nahm außer der Post 208 Passa­giere und 625 Tons Ladung an Bord.

(Mttgetheilt durch Haupragent Ad. Treusch, Vorstadt 22, Hanau.!

VerLoosrrngen.

Frankfurt, 25. Juli. Bei der gestern fortges tzten Ziehung 4. Classe der 162ften Frankfurter Stabtlotterie haben nachbe­zeichnete Nummern die beigesetzten Haupt- preise erhalten: Nr. 10610 4000 fl., Nr. 23234 400 fl., Nr. 21644, 5403, 24540 je 200 fl.

Die nach Erlaß des Herrn Minister des Innern vom 26. Februar d. I. vorgeschrie­benen

Gesinde - Dienstbücher sind in der Waisenhaus'Buchhandlung in Hanau zu haben.

Vermischtes.

Auch heute wieder meldet derReichs- und Staatsan­zeiger" günstige Erndteberichte aus den Regierungsbezirken Er­furt, Düsseldorf und Trier. Solche gute Aussichten werden doch jedenfalls auf den Fruchtmarkt Einfluß haben und wir sehen sicherlich etwas billigeren Lebensmittelpreisen entgegen.

Die Zahl der bis zum 18. Juli angemeldeten Theil- nehmer beim 4. Allgemeinen Deutschen Turnfest zu Bonn belief sich auf 3000, die ihre Karten bereits gelöst hatten.

Nach derHess Morgenzestung" ist für das Fest folgendes Programm aufgest llt: Sonnabend, 3. August. Empfang der ankommenden Festgenossen aus dem Bahnhof und an den Dampf­schiffen, von wo dieselben zur Beethovenhalle geleitet werden. Daselbst befinden sich sämmtliche BüreauS, und werden die An­weisungen zum Zeltlager und zu Privalwohnungen ausgegeben; ebenso werden die Billete für die Dampsschifffahrt (a 10 Sgr.) dort verkauft. Die Vereinsfahnen werden in der am Zeltlager befindlichen Halle ausgestellt. Morgens 11 Uhr: Sitzung des Ausschusses der deutschen Turnerschaft in dem großen Saale der Lese- und Erholungsgesellschaft. Nachmittags 3 Uhr: Versamm­lung der Abgeordneten der deutschen Turnerschaft in demselben Lokal. Abenos 7 Uhr: Musik auf dem Markt. Abends 8 Uhr: Begrüßung der Gäste und Uebergabe deS FestpräsidiumS an den geschästssührenden Ausschuß der deutschen Turnerschaft in der Beelhovenhalle. Freie Vereinigung ebendaselbst. Der Eintritt ist nur gegen Vorzeigung der Fest- oder Abonnementskarte ge­stattet. Sonntag, 4. August. Morgens 7 Uhr: Weckruf in dem Zeltlager und in der Stadt. Morgens von 71/2 bis 9 Uhr: Morgenconzert auf dem alten Zoll (Arndts Denkmal) und in der Poppelsdorser Allee. Morgens 12 Uhr: Generalmarsch und Ausstellung des Festzuges auf der Cölner Chaussee. Nachmittags 1 Uhr: Festzug durch die Stadt. Nachmittags 3 Uhr: Anrede auf dem Turnplatz. Allgemeine Freiübungen. Schauturnen des VIII. Kreises (Rheinland-Westphalen). Abends 7 Uhr: Rück­marsch zur Stadt. Abends 8 Uhr: Conzert im Zeltlager von drei Musikcorps. Montag, 5. August, Morgens 6 Uhr: Weckruf in dem Zeltlager und durch die Stadt. Morgens 7 Uhr: Auf­stellung des Zuges; Abmarsch zum Turnplatz. Morgens 9 Uhr: Einzelvorführungen der verschiedenen teutschen Turnkreise. Mit­tags von 12 bis 3 Uhr: Pause zum Mittagsmahl auf dem Festplatze. Nachmittags 3 Uhr: Wettturnen. Begrüßung der Sie­ger und Austheilung der Ehrenkränze. Abends 6 Uhr: Rück­marsch zur Stadt und Conzerte in Kley's Garten, Hotel Stamm, in der Beethovenhalle, bei Linden und Daniels. Abends 11 Uhr: Schluß und Zug aus den einzelnen Lokalen zum Zeltlager. Dienstag, 6. August, Morgens 6 Uhr: Weckruf in dem Zelt­lager und durch die Stadt. Morgens 8 Uhr: Abfahrt der Dampf­schiffe nach Königswinter:c. Nachmittags 2 Uhr: Sammelplatz in Heisterbach. Abends 6 Uhr: Abmarsch nach Königswinter zur Rückfahrt. Abends 8 Uhr: Conzerte wie am Montag. Abends 12 Uhr Schluß des Festes.

Bis jetzt haben sich zum Journalistentag in München 50 auswärtige, nichtbayerische Zeitungen angemeldet.

DieDresdn. Nachr." schreiben: Nachdem nunmehr die Herabsetzung des Postportos für Correspondenzkarten von 1 Gr. aus 5 Ps. erfolgt ist, werden unstreitig diese Karten zum schrift­lichen Verkehr weit mehr als früher benutzt werden. Leider ist aber durch die erhebliche Verkleinerung der Karte die Möglichkeit: für wenig Geld recht viel mitzutheilen, wesentlich beschränkt; man kann den zu Gebote stehenden Raum nur mit höchstens 150 Wörtern bedecken. Kein Wunder, daß sich auch hier wieder die Aufmerksamkeit auf die Stenographie lenkt. Mit dieser überaus nützlichen und noch lange nicht genug gewürdigten Schrift, wie sie in dem uns vorliegenden, von Professor Heinrich Krieg ver­faßtenLehrbuche der stenographischen Correspondenzschrift (stenogr. Nationalschrift) nach Gabelsbergergers Svstem" (Verlag von Gustav Dietze in Dresdeu. Preis 10 Ngr.) gelehrt wird, kann

man ganz bequem, klar und deutlich 750 Wörter, also mehr als eine Spalte unserer Zeitung, schreiben. Wir halten uns für verpflichtet, das correspondirente Publikum hierauf ganz besonders aufmerksam zu machen. Davon, daß sich das genannte Lehrbuch ganz vorzüglich zum Selbstunterricht eignet, haben wir den voll­gültigsten Beweis.

Im Wiener Eisenbahnverkehr ist in den letzten Tagen eine Neuerung eingetreten, welche voraussichtlich große Vortheile sowohl für das Publikum, als für die Bahnen selbst mit sich bringen wird. Sie besteht darin, daß die Fahrkarten für alle größeren Stationen des Inlandes wie des Auslandes nicht blos in den Bahnhöfen, sondern in allen Hotels ersten Ranges wer­den verkauft werden. Die Karten werden bei den Portiers zu haben sein und von denselben coupirt, so daß die Passagiere lange vor Abgang der Züge ihr Reffegepäck aufgeben und ohne sich im Bahnhöfe aufhalten zu müssen, sofort zu den Waggons gelangen können. Die österreichische Nordwestbahn ist es, welche zuerst diese Neuerung einführt und ohne Zweifel werden die an­deren Bahnen bald folgen. Die Karten werden für die Haupt­stationen der österreichischen, sowie für die Stationen der An­schlußbahnen im Auslande bis Berlin ausgegeben. Die Ein­richtung ist derjenigen, die sich in Amerika, wie in der Schweiz bewährt hat, nachgebildet.

Wie diePatrie" versichert, werden die Prozeßverhand­lungen über Bazaine nicht vor dem Monat November beginnen. Der General, welcher mit der Untersuchung beauftragt ist, hat bis jetzt nur die allgemeinen Thatsachen geprüft und ist noch nicht auf die Einzelheiten eingegangen. Vor dem 1. Oktober wird er seine Arbeiten nicht beendet haben. Erst dann wird dem An­geklagten die Zusammensetzung des Kriegsgerichts milgetheilt und die übrigen Formalitäten erfüllt werden. Die Zahl der Zeugen ist sehr groß; sie übersteigt 200. Mehr als 3000 Dokumente liegen vor.

Die Details, so schreibt dieTrib.", welche jetzt über den Mordversuch in Madrid bekannt werden, deuten darauf hin, daß es nur der Wachsamkeit einiger Getreuen des Königs zu danken ist, daß derselbe dem Verbrechen nicht zum Opfer gefal­len ist. Die spanische Botschaft in Paris und Admiral Topete hatten fast gleichzeitig von dem Komplott Kenntniß erlangt. Von der ersteren langte wenige Stunden vor dem AttSntate ein chif- frirtes Telegramm an, welches dem Könige von Zoriila unge­säumt mitgetheilt wurde. Amadeus weigerte sich entschieden, das für den Tag entworfene Programm auch nur in einem Punkte abzuändern, verlachte die Warnungen und begab sich in Begleitung seiner Gemahlin am Abend inS Concert. Eine Stunde vor Mitternacht kehrte er im gedeckten Wagen zurück. Ohne Wissen des Königs hatte der Palastmarschall im Einver­nehmen mit dem Gouverneur von Madrid Vorsichtsmaßregeln getroffen, die, wie sich bald herausstellte, nicht überflüssig waren. In dem Augenblicke, als der Wagen aus der Puerla del Sol in die an dieser Stelle sehr enge Arsenalstraße einbog, ließ sich eine furchtbare Detonation hören. Von allen Seiten stürzten die be­reit gehaltenen Polizisten vor und es entspann sich zwischen ihnen und den Attentätern ein sehr lebhaftes Handgemenge. Vor dem Wagen des Königs wurde eins oer Pferde getroffen. Die ganze Nacht verbrachte Amadeus wachend. Die lär nenden Kundge­bungen der Sympathie und der fortwährende Empfang der Spi­tzen aller Behörden ließen ihn nicht zu Bette kommen. Hof­fentlich beginnt von diesem Attentat eine neue Epoche in der mo­dernen Geschichte Spaniens, und wird die Dynastie, welche die Mörder durch ihre That zu vernichten dachten, durch dieselbe erst recht besestigt sein. Die verschiedenen Parteien Spaniens können nicht versöhnt werden, selbst wenn Amadeus der muster- hafteste König unter der Sonne wäre, vielleicht aber lernt das spanische Voik die Gegner des Throns nach den Mitteln, die sie anwenden, würdigen.