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Schiffsnachrichten.
Newyork, 8. August.
(Per transatlantischen Telegraph.)
Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Hannover, Capt. F. Himbeck, welches am 23. Juli von Bremen und am 25. Juli von Southampton abgegangen war, ist gestern 6 Ahr Abends wohlbehalten hier angekommen. (Mitgetheilt durch Hauptagent Ad. Treusch, Vorstadt 22, Hanau.
Ankunft u. Appang der Dahnz^ttzr
vom 1. Juni IST« ab.
Bedra-Hanauer Eisenbahn.
Von Hanau nach Bebra: 6 U. 31 M. Vorm. (mit 1., 2., 3. und 4. 61.), *8 U. 42 M. Vorm. (mit 1., 2 und 3. 61.), 10 U. 8 M. Vorm. (mit 1., 2., 3. und 4. Cl.) *1 U. 10 Min. Nachm. (mit 1., 2. und 3. 61.), 3 U. 30 M. Nachm. (mit 1., 2. 3. und 4. 61), *7 U. 53
Die Schnellzüge (mit * bezeichnet) von und nach Bebra halten nur am Frankfurter Bahnhöfe.
M. Nachm. (mit 1. und 2. 6t.), 9 U. 30 M- Nachm. (mit 2., 3. und 4. 61.).
Von Bebra (Ankunft in Hanau): 6 U. 5 M. Vorm. (mit 2., 3. und 4. 61.), *8 U. 1 M. Vorm. (mit 1. und 2. 61.), 11 11. 13 M. Vorm. (mit 1., 2., 3. und 4. Cl.), *3 U. 31 M. Nachm. (mit 1., 2. und 3. 61.), 5 U. 40 M. Nachm. (mit 1., 2., 3. und 4. 61.), *7 U. 21 M. Nachm. (mit 1. 2. und 3. 61.), 8 U. 56 M. Nachm. (mit 1., 2. und 3. 61.).
— München, 8. August. Es ist nothwendig, von Zeit zu Zeit ein Paar Proben der Schreibweise der ultramontanen Blätter mitzutheilen. Der „Volksbote" ruft der bayerischen Regierung zu: „Der Traum kleindeutscher Reicksthümelei dürste als sehr kurz betrachtet werden, und um dem vollkommenen Sturz (des Königreichs Bayern) vorzubeugen, wäre es angezeigt, nicht weiter nach der nordischen Pfeife zu tanzen, sondern ein energisches „Bis hierher und nicht weiter" den Spreewasserhelden zu- zurufen. 43 Milliarden stehen Frankreich zur Verfügung, nachdem es 20 Milliarden eingebüßt hat, während Deutschland mit 5 Milliarden abgefertigt (!), Deficit über Deficit zu notiren hat." — Und das noch unfläthigere „Vaterland" sagt: „Frankreich kann mit Befriedigung feine Lebensfähigkeit constatiren; seine Leistungsfähigkeit ist wie sein Credit unvergleichlich. Eine solche Nation hat eine Zukunft, mögen die Preußen und die Sauhirten sagen, was sie wollen und sich ärgern, wie sie wollen. $^- 311 ^<
— Die „Berl. Ger.-Ztg." schreibt: Auf dem Kuhstall in der sächsischen Schweiz hatte sich vor einigen Tagen eine ziemlich beträchtliche Anzahl von Touristen, meist Berlinern, niedergelassen, um bei frugalem Frühstück von den Strapazen des ziemlich beschwerlichen Marsches auszuruhen. Speisen und Getränke waren leidlich gut, nur fand man allgemein die Preise, namentlich für das Bier, so hoch, daß hier und da das Wort „Prellerei" vernebmbar wurde. Die Wirthin wurde gerufen, und nun stellte es sich heraus, daß dieselbe durchaus unschuldig, ihr Kellner dagegen jeden der anwesenden Gäste betrogen und dafür, daß er so gütig gewesen, dies zu thun, noch die üblichen Trinkgelder in Empfang genommen habe. Ganz kleinlaut sagte der Herr Marqueur peccavi und zahlte einem Jeden die Beträge, um die er geprellt hatte, sowie das Trinkgeld zurück. Auf die Versicherung der Wirthin hin, daß sie den Biedermann sofort entlassen werde, nahm das erbitterte Publikum von einer Lynchjustiz Abstand und begab sich mit frischem Humor auf den Weg zum großen Winterberg.
— Paris, 7. August. Das „Journal Offiziel" veröffentlicht eine Uebersicht des Handels Frankreichs mit dem Auslande. Danach betrug der fünfjährige Durchschnitt (von 1865—1869) der Einfuhren 2,983,700,000 Frcs., der der Ausfuhren 2,991,100 000 Frcs. Im Jahre 1870 betrugen die Einführen 2,781,400,000 Frcs., die Ausfuhren 2,860,100,000; die Einfuhren von 1871 beliefen sich auf 3,393,200,000 Frcs., die Ausfuhren 2,865,600,000 Frcs. Das Jahr 1870 blieb demzufolge um etwa 200 Millionen bei den Einfuhren und um 130 Millionen bei den Ausfuhren hinter dem fünfjährigen Durchschnitte zurück, dagegen über- trifft das Jahr 1871 diesen Durchschnitt um 410 Millionen bei den Einfuhren, bleibt aber um 126 Millionen bei den Ausfuhren hinter demselben zurück.
— Paris, 8. August. Gestern wurde das Fort Jssy, dessen Mauern schon vor einigen Wochen demolirt waren, vollständig in Die Luft gesprengt. Das Fort soll an einer günstigeren Stelle wieder ausgeführt werden.
— Paris , 10. August. Das „Journal osficiel" veröffentlicht heute ein Gesetz, betreffend die Anlage eines Kanals an der Mosel zwischen Toul und Pont St. Vincent. Dem Departement der Meurthe und Moselle ist behufs der Ausführung desselben gestattet worden, eine Anleihe von 2,000,000 Frcs. aufzu- nehmen. — Aus Algier wird berichtet, daß die Pockenepidemie in einzelnen Gegenden noch immer nicht erloschen ist.
— Die russische Regierung hat den deutschen Einzelregierungen die Mittheilung zugehen lassen, daß mit Bewilligung des Kaisers von Rußland im Herbst 1873 zu St. Petersburg eine Ausstellung der verschiedenen Arten von Pflanzen, Maschinen und Werkzeugen, welche zur Herstellung gewebter Waaren dienen, veranstaltet werden soll. Um diese Ausstellung so vollständig und instruktiv als möglich zu machen, ist die Betheiligung an derselben auch ausländischen Gewerbtreibenden gestattet und wird na
mentlich die Vorführung von Rohstoffen, welche in den verschiedenen, für Herstellung gewebter Waaren vorhandenen Etablissements zur Verwendung kommen, von Modell-n der bei jener Industrie verwendeten Maschinen nebst Beschreibung der beach- tenswerthesten Fabrikationsmethoden gewünscht. Ueber die Spezialitäten der Ausstellung rc. werden seitens der russischen Regierung noch weitere Mittheilungen gemacht werden.
— Asien. In Japan wurde am 12. Juni die Eisenbahn zwischen Iokohama und Shinagawa, die erste in diesem Lande gebaute Bahn, unter entsprechenden Feierlichkeiten eröffnet.
— Eine ganze Schiffsmannschaft im Eismeer erfroren. Ein amerikanisches Schiff begegnete in den ersten Tagen des Maimonats in der Behringstraße einem von Eisblöcken eingeschlossenen Wrack. Der amerikanische Capitän ging mit einigen seiner Leute an Bord und fand in den Koyen acht Leichen. Die verunglückten Seeleute schienen soeben erst gestorben zu sein. Im Schiffsjournal aber fand sich folgende Notiz: „Auf 70° vom Eise eingeschlossen, 5. Dezember 1871. Vier Matrosen sind schon erfroren. Wir acht Ueberlebenden wollen den Tod erwarten." Lebensmittel fanden sich nicht mehr an Bord. Die Leichen waren äußerst abgemagert, indessen schien der Tod nicht in Folge des Hungers, sondern durch den Frost eingetreten zu sein. Die Bedauernswerthen erhielten unter den üblichen Gebräuchen ein Seemannsgrab auf dem Meeresgrund. — Was die wunderbare Conservirung der todten Körper durch den Frost betrifft, so daß sie sich fünf Monate lang nicht veränderten, wird von dem „Journ. d. Del.", welches obige traurige Geschichte erzählt, auf einen andern Fall hingewiesen, in welchem (Anno 1777) eine im Jahre 1772 erfrorene Schiffsmannschaft noch nach 5 Jahren in ganz unverändertem Zustand gefunden wurde.
c£ o i a f c d.
Hanau, 13. August.
— Interessant ist die Legung der Rohre für die Frankfurter Quellwasserleitung der früheren Frankfurter Chaussee entlang und es verlohnt sich für Denjenigen, der sich einen Begriff von dem großartigen Unternehmen machen will, schon eines Ganges dorthin. — Weniger interessant bei den Arbeiten ist die zeitweise Sperrung der Chaussee durch die verwendeten Materialien, und sind dort mehrfach Plätze zu finden, wo Fuhrmann oder Kutscher sehr auf der Hut sein müssen, um glücklich vorbeipassiren zu können. Ein unangenehmer Zwischenfall wäre sicher, wenn sich an solchen Plätzen zwei Fuhrwerke begegneten, denn an ein Ausweichen ist nicht zu denken. — Dabei wäre jedenfalls erwünscht, wenn die fraglichen Stellen, wie es bei anderen Bauten Vorschrift ist, Nachts beleuchtet würden, denn die ganze Anlage kostet so viel Geld, daß es auf ein Paar Petroleumoder Oellampen auch nicht mehr ankommen kann. —d.
— Wir hatten vorige Woche versprochen, über das deutsche Turnfest in Bonn weiter zu berichten und würden a ch Wort gehalten haben, wenn nicht die von Freunden, welche das Fest besuchten, mitgetheilten Nachrickten so ungünstig lauteten, daß Schweigen jetzt das Beste ist. So viel Ewartungen sich Jeder von dem ersten deutschen Turnfest in unserem neuerstandenen „Deutschen Vaterlande" machte, so enttäuscht ging der größte Theil der Turner aus Bonn heraus mit dem Bewußtsein, daß die Wahl der Stadt für das Fest noch lange nicht die richtige war. - —d.
— Und die Welt steht doch noch! und beschämt muß sich Derjenige, dessen Weltuntergangs-Rechenexempel das Resultat des 12. August lieferte, sagen, daß er zum Dreckpropheten geworden ist! und die theuren Marktpreise sind auch nicht untergegangen und bestehen auch noch, denn das alte Lied lautet auch heute wieder: „Butter 44—46 kr, Eier pr. Stück 2 kr. im Hundert 3 fL, Gurken 1 fl. 45 kr. ä Hundert." — Holz war ziemlich angefahren und kostete 6 fl. — 6 fl. 15 kr., Fische, reichlich vorhanden, kosteten gewöhnliche pr. Pfd. 8 kr. Karpfen 30 und Hecht 37 kr. das Pfd.—