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Vom Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche I Arbeiten ist dem Berg-Rath Julius von Sparre zu Ober­hausen unter dem 9. Oktober 1872 ein Patent auf einen Frei- fall-Seilbohrer, soweit derselbe als neu und eigenthümlich erkannt ist, auf drei Jahre, von jenem Tage an gerechnet, und für den Umfang des preußischen Staats ertheilt worden.

Der Umstand, daß in neuerer Zeit die von Ersatz­truppen mobiler Tr u p p e n t h e il e abgeschickten und an dieselben eingehenden, mit dem VermerkeFeldpostbrief" ver­sehenen Briefe mit Porto belegt worden sind, hat das Kaiser­liche General-Postamt veranlaßt, die Postanstalten darauf auf- merksam zu machen, daß die Sendungen, welche von den Ersatz­truppen der mobilen Truppentheile abgeschickt werden oder an dieselben eingehen, in Bezug aus Portofreiheit, bz. Portoermäßi­gung ebenso zu behandeln sind, wie die Postsendungen der mo­bilen Truppen selbst.

Nach der letzten Notiz über die Ausprägung der Reichs­goldmünzen waren bis zum 21. Sept. d. I. in den Münzstätten des Deu>,^^ Reichs in Zwanzigmarkstücken 273,466,860 Mark und in Zehnmarkstücken 29,654,480 Mark ausgeprägt worden. In der Woche vom 22. bis 28. September d. I. sind ferner ge­prägt in Zwanzigmarkstücken: in Berlin 4,195,780 Mark, in Hannover 164,920 Mark, in Frankfurt a./M. 1,404,980 Mark und in München 232,080 Mark; ferner in Zehnmarkstücken: in Hannover 766,240 Mark, in Frankfurt a./M. 693870 Mark und in München 392,690 Mark.

Die Gesamml-Ausprägung stellt sich daher bis 28. Septem­ber d. I. auf 310,981,900 Mark, wovon 279,464,620 Mark in Zwanzigmarkstücken und 31,517,280 Mark in Zehnmarkstücken be­stehen.

Berlin, 9. Oct. Welchen Umfang die über den Bischof von Ermland verhängte Temporaliensperre annimmt, darüber gibt es allmählich Licht, wie die@iml. Volksblätter" melden. Die Regierungshauptkasse zu Königsberg hat der BisthumSkasse zu Frauenburg Pro 4. Quartal die Raten für dies Domkapitel (die Vicarien einbegriffen) mit 3018 Thlr. 23 Sgr. 5 Pf., und für die Kathedralkirche mit 481 Thlr. 26 Sgr. 8 Pf., zusammen 3500 Thlr 20 Sgr. 1 Pf. bezahlt, dagegen auf höhere Anwei­sung die Zahlungen für den bischöflichen Stuhl sistirt und die betreffende Generalquittung im Betrage von zusammen 4651 12 Sgr. 9 Pf. zurückgeschickt. In letzterer Summe sind einbegriffen das persönliche Gehalt des Bischofes im Betrage von 2250 Thlr., die Gehälter der Räthe des Generalvicariats und sämmtlicher bischöflicher Beamten, ferner die Positionen für den Emeriten- und Demeritenfonds, wie auch für den s. g. Assistenzfonds, und endlich die Quote für 'den Baufonds der bischöflichen Amtswoh­nung lv-ff. m -stg.)

Als die hauptsächlichsten Abänderungen des den Commu- nalständen zur Begutachtung vorliegenden Gesetzentwurfs, betr. die Verwerthung der Forstuutzungen aus den Staatswaldungen in den vormals kurhessischen Landestheilen, gegenüber den Be­stimmungen des Gesetzes vom 28. Juni 1865, bezeichnet die w$eff. Morgenztg " die folgenden:

1) Nach dem Gesetze von 1865 Wurden gegen die gesetzliche Taxe abgegeben:

der Brennholzbedarf der öffentlichen Armen- und Wohl- thätigkeits-Anstalten unter bestimmten Voraussetzungen;

ferner ein den Verhältnissen entsprechendes Brennholz­quantum an die öffentlichen Nothholzmagazine;

Waldstreumaterial an die ihren Strohbedarf von eigenem Grundbesitz nicht erzielenden Staatsangehörigen, besonders in den rauheren Gegenden des Landes.

Diese drei Kategorien nebst einigen anderen weniger er­heblichen sollen gänzlich beseitigt werden.

2) Nach dem Gesetze von 1865 hatte ein jeder einen eigenen Haushalt führende Staatsangehöriger in den berechtigten Landstädten und Landgemeinden einen Anspruch bis zu 2 Klaftern oder Schock Holz u. s. w., während nach dem neuen Entwürfe das Brennholzquantum für jede Gemeinde nach dem Durchschnitte des in den drei Jahren 1868 1870 wirklich abgegebenen Holzes fixirt und dieses Fixum künftig maßgebend sein soll.

3) Während bisher das Holz jedem Berechtigten überwiesen wurde, soll künftig das gesammte einer Gemeinde zufallende Quantum dem Ortsvorstande im Ganzen überwiesen und die Bertheilung desselben durch den Gemeinderath, »jedoch bei vsrzugsweiser Berücksichtigung der ärmeren Gemeinde- angehörigen", bewirkt werden.

Ein komisches Intermezzo unterbrach die Berliner Schwur­gerichtssitzung am 9. Oktober auf kurze Zeit. Als Belastungs­zeuge nämlich wurde der wegen Diebstahls mit 3 Jahren Ge­fängniß bestrafte Arbeiter Wusowsky vernommen, welcher zur Zeit diese Strafe in dem neuen Strafgefängniß am Plötzensee verbüßt. Nach seiner Vernehmung nun hielt derselbe in weiner­lichem Tone ungefähr folgende Rede:Herr Gerichtshof, jetzt habe ich noch eine Bitte an Ihnen; ich bin vollständig gebessert, begnadigen Sie mir, fünf Monate habe ich verbüßt Kaiser Wilhelm, gut und bieder, gib mir meine Freiheit wieder, also bitte, schenken Sie mich die Freiheit!" Der Vorsitzende be­deutete hierauf den Improvisator, sein Gesuch in Prosa an die V. Deputation der Untersuchungsabtheilung, welche das Straf- urtheil wider ihn gefällt habe, zu richten, weil der Schwurge­richtshof nicht kompetent sei, auf die vorgetragene Bitte zu ent­scheiden.

Die Gründer der Breslau-Warschauer Bahn haben einige für sie recht unangenehme Prozesse verloren. Sie forder­ten seiner Zeit zur Aktienzeichnung auf, unter der Versicherung, die Konzession für die preußische Strecke sei ertheilt, für die rus­sische Strecke werde die Konkessivnirung bald folgen. Es waren bei der Sache einige hohe Herrn betheiligt, u. A. Prinz Biron von Kurland, dessen Sitz Poln.-Warttenberg von der Bahn be­rührt wird. Trotzdem ist die Konzession von russischer Seite bis heute nicht ertheilt, und die preußische Abtheilung Oels (bei Breslau) russische Grenze bei Podzamcze, deshalb eine Sack­bahn geblieben. Darauf hin haben einige Zeichner die Abnahme der Aktien verweigert und die Gründer haben am 4. d. M. vor dem Leipziger Oberhandelsgericht eilf Prozesse verloren, bei denen es sich um 15,000 Thlr. handelt. (SrW.)

Ein Miether, der aus einem Hause der Straußberger Straße in Berlin über Nacht hinter'm Rücken des Wirthes aus­gezogen ist, ohne die rückständige Miethe zu bezahlen, hat, wie derSpen. Z." mitgetheilt wird, nichts zurückgelassen, als die Abschieds-Verse auf der Stubenthür:Lebe wohl, du altes Haus, Wir ziehen ohne Miethe aus." (Schöne Verse von einem Fer­sengeld gebenden Miether!)

Därmst adt, 10. Oktober. An Stelle des auf seinen Wunsch von den Funktionen als Großherzoglicher Bevollmäch­tigter $ Bundesrath des Deutschen Reichs enthobenen Groß­herzoglichen Ober-Steuerdirektors Ewald ist unter dem 3. d. M- der Großherzogliche Minister-Rath im Ministerium des Großherzoglichen Hauses und des Aeußern Dr. Carl Neid- h ardt als Großherzoglicher Bevollmächtigter zum Bundesrath des Deutschen Reichs ernannt worden.

Essen, 8. Oktbr. DieEss. Ztg." erzählt:Die traurigen Vorkommnisse bei der hiesigen Volksbank, über die wir berichteten, haben bereits eine schauerliche That zur Folge ge­habt. Der Bruder des inhaftirten Geschäftsführers der Volks­bank, der bisher Prokurist in einem der ersten Bankgeschäfte un­serer Stadt, in letzter Zeit jedoch Theilhaber einer Eisengießerei zu Berge-Borbeck, geworden war, hat sich gestern Nachmittag gegen 1 Uhr im Keller seiner Wohnung an der Logenstraße durch einen Schuß in den Kopf getödtet. Die Motive zu der schreckli­chen That, durchweiche eine junge Frau mit einem kleinen Kinde in die furchtbarste Lage versetzt worden ist, dürften darin zu suchen sein, daß der Betreffende zu den Vorkommnissen bei der Volksbank in naher Beziehung gestanden zu haben scheint."

Die Badischen Bahnen, über deren Verkauf mehrfach unterhandelt wurde, sollen nach nunmehr vorliegender badischcr officiöser Auskunft gar nicht verkauft werden, weder an die Dis- konte-Gefellschaft, noch an das Reich.

Straßburg, 7. Oktbr. Das neue große Absatzgebiet nach Deutschland hat die Güte der elsässischen Weine bereits er­kannt, und wird der Wein, der durch geringen Säurengehalt sich auszeichnet, zum Verstiche der Haardt-Rhein- und Rhein- gauer-Weine verwendet, was die kolossale Ausfuhr nach dem Mittelrheine und der beträchtliche Preisausschlag heute schon be­stätigen. Deshalb sind die Bodenwerthe nicht mehr dieselben, wie zur Zeit vor dem Kriege, wo Elsaß die Konkurrenz der billi­gen französischen Weine bestehen mußte, und wird aus diesen Gründen der Weinbau im Reichslande eines ungeahnten Auf­schwungs für die Zukunft sich zu erfreuen haben.

Straßburg, 10. Oktbr. Dieser Tage fand hier die Prüfung für Einjährig-Freiwillige im Bezirk Unter-Elsaß statt. Es waren 135 Adspiranten angemeldet. Von diesen erhielten 39 den Berechtigungsschein ohne Examen auf Grund ihrer wissen-