Nr. 48
Unsere Heimat
Seite 347
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geistliches
Lied
Vorbemerkung: Herr General v. Rühne (Berlin), der uns folgendes Lied mitteilt, schreibt dazu: „Beim Durchsehen alter Schriftstücke fand ich ein Blatt von der Hand des Vaters der Brüder Grimm, auf dem ein geistliches Lied ausgezeichnet ist. Da ich das Lied in Gesangbüchern nicht finden kann, so halte ich es, im Zusammenhang mit dem Worte dabam und der Angabe eines bestimmten Tages, für eine Dichtung ph. W. Grimms". ((Es ist auch möglich, daß es sich um ein Stammbuchblatt handelt. Der Schriftleit.)
Herr 3efu du hast mich geführet, alß meiner Seelen Bester Freund, daß ich am ende Stets gespühret, Wie gut du es mit mir gemeint, Hast du es nicht wie ich gedacht, Hast du doch alles wohl gemacht.
Wein Fleisch und Blut hat oft geklaget, Wen du mir mein vermeintes Glück, nach meinem Willen hast versaget. Doch wenn mein He(r)tze denkt zurück, so seh ich wie du mich Bedacht, Und mit mir alles wohl gemacht.
Wie treulich hast du mich Begleidet? Wie seelich hast du mich geführt? Wie freundlich hast du mich geleitet? Wen mich die iammer Bahn Berührt. Wie hast du führ mein Heil gewacht? und mit mir alles wohl gemacht.
Du gäbest Jesu mir vor allen, Was mir zur Seeligkeit gedeyht, Das andere ist mir zu gefallen, aus Händen deiner güthigkeit So Reichlich hast du mich Bedacht und mit mir alles wohl gemacht.
Drum leg ich alle meine sorgen auf dich der du mein alles Bist, Herr 3eju Dir ist ohn verborgen, Des was mir nutz und Seelig ist du hast es eh ich es Bedacht auch mit mir alles wohl gemacht.
So mach es wohl in Freud und leiden Herr Jesu mach es wohl mit mir Wen ich von dieser Welt soll Scheiden der Todt Set) meines Lebens Thür, So sing ich wen mein lauf) voll Bracht Wein Gott hat aller wohl gemacht.
Finis coronat opus
Steinaviae dabam decimo quinto Calendarum Junii
A. o. R. S. C13 I 3 C C L X VIX
Philippus, Wilhelmus, Grimmius, st. Phil. (Das Ende krönt das Werk. Steinau gegeben am 15. Juni. Im Jahre des Königs des Heils 177? Philipp Wilhelm Grimm.)
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Zwei Vergwinkler schreiben aus Hm eri ka
Birmingham, den 4ten Oktober 1863.
Vielgeliebte Eltern, Geschwister und Verwände!
Nach langem Warten auf einen Brief von Luch finde ich mich- genöthigt, Luch zu erst zu schreiben und ich will von Herzen wünschen, daß Luch diese paar Zeilen noch alle bei guter Gesundheit und Wohlergehn auffinden möchten, id)i bin bis jetzt Gott lo-b Inoch immer gesund gewesen und noch! keine Noth gehabt -denn wenn man hier in diesem Lande seine Gesundheit hat so kommt jeder durch wer schaffen will aber etwas muß ich schreiben daß ich seit dem letzten Brief den ihr von mir bekommen habt schon manches freudiges aber auch! sehr betrübtes erfahren habe nehmlich voriges Jahr am 12ten April hatte Mir der liebe Gott eine junge Tochter geschenkt diese Freude war mir aber bald geraubt denn sie starb schon da sie kaum 4 Monate alt war nach meiner Schwester Margarete ihren Namen getauft, f Sonst Neues weis ich nicht viel der Georg Schnitzer und einer aus Bellings namens Michael Heilmann haben ein Schutzmachergeschäft in NIeghenj ange- fangen dies ist ungefähr 2,Meilen von hier wo« ich! wohne ich- war heute bei ihm er will seinen Leuten auch! in der Kürze schreiben. Diesen Sommer war es sehr heiß manchen Tag war es so heiß daß man nicht schaffen konnte und des Nachts. auch, nicfyt schlafen. Die Ernte war ziemlich! gut hier. Die Geschäfte gehen hier sehr gut alle Fabriken gehen Tag und Nacht und die Nrbeitsleute sind rahr denn durch den bösen Krieg haben die Leute abgenommen
dieser Krieg hat jetzt schon über eine Milion Men- schen gekostet und ist noch gar nichts bezweckt worden.
Turwensville Oktober
Vielgeliebte Eltern Geschwister und Verwände!
wenn Luch! unser Schreiben noch- bei Gesundheit Leben und Wohlergehen wie wir hoffen andrifft soll es uns alle von Herzen sehr erfreuen, wir befinden uns Gott sei dank in unseren jetzigen Zustand so weit noch Gesund in der Zeit wo- wier in diesem Land Leben darin Krieg Seuchen aller Art Dürre Auflagen und Theurrung herscht. All was unser Bürgerkrieg noch- bezwekt hat ist daß Line Million Menschen Leben gekostet hat hundert taufende Verkrüppelte Waisen und Wittwen und daß Land in Schulden wär weiß wie tief das sind Goldene Zeiten die uns verheißen wurden von den schwarz Re= publikanern befür Sie ihren presedent Abraham Lincoln an der Regiergung Hätten sobald er gewählt war fiel der Süden vom Norden ab und wählte Ihre Eigene Regiergung der Süden hat Sklaven der Norden nicht welche diese parthei befreit will haben was der Süden und Demokratie nicht eingieng wo- durch unser Krieg entstand. So Kriegen wir schon 3 Iahre und der Nord hat den Süden noch nicht unterjo-gt mit AU es das Blut schon in Strömen geflossen hat. Sobald dieser presedent den Thron be= stieg war kein Gold Und Silber nicht mehr zusehen weiter nichts als Papiergeld als 5—10 — 25 — 50