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Unsere Heimat
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bei?® geringen Vorrat die (Erinnerung an die überreiche Ernte des Vorjahres und die Hoffnung auf die Kommende, für die sich> unsere srüchtefpmdenden Freunde in Garten und Feld ausgeruht haben. Und was die Gemüseernte betrifft — den Raupen gehört auch! einmal e.twas, weiss auch! im n ächtsten Jahre Schmetterlinge geben muß. Kurg: Wir haben für den Winter einen Mten Sommer hinter uns, und auch! Leute ohne Ar und Halm haben sich mit den Bauern von Herzen gefreut. Das gute Jahr bedeutet ein Rufatmen, obwohl die allgemeine Lebensunsicherheit bleibt, die in solchem Maße in der Geschichte selten verzeichnet, unserem Geschlechte aber nun einmal zu ertragen unb zu durchkämpsen beschieden ist. Es ist keine Wüste. auf '(Erben, in der man nicht (Quellen gesucht und ergra- bm hat für die, welche nach-her des Weges kamen. Und wenn einer sagen möchte, es sei doch! kaum noch zu ertragen, nicht zu wissen, was der nächste Tag für den einzelnen und Volk und Vaterland bringe, so ist zu antworten, daß das auch in besseren Zeiten und immer im Grunde so gewesen ist. Man war nur nicht immer so wach! für die Gefahren am Pfad durch die Zeiten. Wenn man’s recht bedenkt, weiß doch! der Mensch nie, was morgen sein wirb; denn der Tod erntet auch. Ja, so arm sind wir eigentlich!
von Freunden unserer Heimatsache hat der Tod ab= gerufen Helene 8 rehm, die hochbegabte Heimatdichterin, geliebt und verehrt von vielen auch! jenseits der Grenzen unseres Hessenlandes. Radjibem sie schon im Januar ds. Is. fälschlich totgesagt warben war, hat die fast Erblindete nach- schwerer (Operation noch einmal am geliebten Frühlingswald im Sichtbereich des Hermannsdenkmals Erquickung und Erholung gesucht unb gefunden. Dann aber ist sie in Rinteln Heimgegangen. Ruf ihren Wunsch wurde, als man sie zu Grabe trug, die unter den Glocken ihrer Rirchgemeinde gezogen, die sonst nur bei f r o = hen Anlässen in der Gemeinde zu erklingen pflegt. (Unserer Heimat war die Dichterin, seit sie einmal in ihr geweilt, von Herzen zugetan, unb unser Blatt hat sie Don Anfang an bis in die Woche vor ihrem Sterben mit ungewöhnlichem Interesse begleitet. Es verbanlit ihr manche schöne ®abe und auch finanzielle Hilfe. Sie wird in ihrer Schlichtheit und Treue dem Schreiber dieser Zeilen vor Rügen sein, bis auch! er den Weg geht, auf dem jeder allein wandert. In Schlüchtern läuteten die Heimatglocken dem Pfarrer Hermann Lambert, der einst von der „Luthrischul" aus den Weg ins Leben fand und nach! langjähriger Wirksamkeit in Hanau seinen Ruhestand! in Wiesbaden verlebt hatte, auf der Fahrt zur lebten Ruhestätte auf dem Heimatfriedhof. Auch! der vieljährige Vorsteher der israelitischen Gemeinde, bewährt in Jahrzehnten auch in mancherlei städtischen Remtern, I. h. Rothschild, trat seinen letzten Weg von der historischen „Schenk" am Rathaus zum alten jübi= fielen Friedhofe in Schlüchtern an. Die drei Genannten haben sämtlich den ersten Grenzstein, den der Sänger des 90. Psalms an den Lebenspfad! gesetzt, überschritten. Und vor kurzem ist nun auch! Nikolaus Günther, der bekannte Wirt aus der alten „Bier- Hülle", über achtzig Jahre alt, zur langen Rast in aller Stille heimgekehrt, plötzlich! aus dem Leben schied Fräulein Hufnagel, Lehrerin an der land-
wsttschaftlichen Schule in Schlüchtern, jahraus, jahrein tätig gewesen in allen Semeinben des Kreises. In Birftein hat man sie zur letzten Ruhe gebettet. Auch ein Mitbegründer unseres Heimatbundes, Bürgermeister H. Siemon in Gundhelm, ist im Laufe des Sommers heimgegangen, bekannt im ganzen Kreise, dem er in mancherlei Remtern treu gedient.
Seine Heimat, die alte Burg, verlassen müssen hüt auch das Amtsgericht in Schwarzenfels. Es ist, Nach Versetzung seines Richters, des Herrn v. Tam- Penhausen, eines Deutsd]i=Ba(ten, nach Friedewald, nach Schlüchtern gewandert, wo in Zukunft zwei Richter amtieren werden. Anlaß dieser Aenderung: (Eriparnisgrünbe. Dem Kreise Schlüchtern baeb das Geschick, mit vielen andern Landkreisen Preußens durch Verwaltungsreform sein Leben zu lassen, erspart. Das Schicksal des Finanzamts soll immer noch! Ungewiß sein. In der Schlüchterner Stadtschule ist am 1. Oktober Rektor Stapelfelb, seither in Langen- diebach, angetreten. Einen besonderen Gruß dem Gekommenen von dem, der ging! Und nun müßte ich eigentlich schließen,' denn wenn ich bei der lieben Schule ankomme, die ich verlassen, sangen immer noch die Gedanken an, still zu stehen und dann zurückgu- manbern. Wäre heilfroh, wenn das verginge, ehe ich meine Villa unterm grünen Rasen beziehe. Aber 3wei wunderschöne Sonntagnachmittage, die ich er= lebt, will ich den Heimatgenossen noch verraten, damit sie sich dieselben auch! gelegentlich zu Gemüte führen. Den einen feierte ich im Sonnenschein beim Beschauen der herrlichen Rundsicht auf der Straße von Wallroth nach Breitenbach! und- den andern am Reisbrunnen, als der Musikverein ein wirklich! in unserer Heimat noch! nicht bagewefenes herrliches .Kongert mit heimischen Kräften gab. Weil wir alle für solche Genüsse in der Heimat dankbar sein und sie nützen müssen, mußte ich auch das einmal nie- ber ^reiben. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? „Natürlich", höre ich ba sagen, „wenn aus das Daheimbleiben und sich- an der Heimat Gaben freuen die Rede kommt. dann bist du hellwach!" Bin ich auch! Grüß euch Gott! Wenn Ihr der Heimatblattkasse keine Not verordnet, sehen wir uns noch! einmal vor Weihnachten.
G. Flemmig
V O M WEINEN
Wer heute weint, weil er kein Brot hat, weint morgen, weil ihm der Appetit fehlt.
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(Es ist zu spät weinen, wenn der Hahn gekräht hat.
Mit Weinen fängt das Leben an, ohn Weinen man’s nicht enden kann.
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Mit Weinen kann man keine Munden heilen.
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Dhn Meinen und Mehe kommt man nicht in die Höhe.
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Meinen hilft nicht auf die Beine.
Meinen ist leichter als weinen sehen.
Weinen tut von Lünden reinen.