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Nr. 46/47

Unsere Heimat

Seite 337

Das alte Gymnasium zu Schlächtern Quellenstücke und Berichte aus seiner Beschichte von Med.-Rat V r. Lauer, Schlächtern

VI. Die Rektoren und Lehrer des alten

Schlüchterner Gymnasiums.

28. Kollaborator Johannes Appelius aus Steinau. 1588:1597.

Johannes Bppel ist in Steinau an der Straße als Sohn eines Bürgers dieses Städtchens geboren wor­den. Seine Schul- und erste theologische Bildung mag er als Stipendiat in der Rlofterschule zu Schläch­tern erhalten haben. Im Jahre 1588 ist er zuerst als Lehrer an der lateinischen Schule des Klosters Schlächtern nachweisbar, denn in der Rlofterrech- nung für dieses Jahr finden sich unter den Gehalts­empfängern folgende Lehrer des Schlüchterner Gym­nasiums aufgeführt: „Rector scholae Magister Pankratius Rullmannus, die Tollaboratores Jo­hannes klppelius, Johannes Lotichius und der Tantor Petrus hamannus".

Mitte der 90er Jahre des 16. Jahrhunderts bezog Johannes Appelius die Universität zu Marburg. Spä­ter verteidigte er daselbst unter dem dortigen Profes­sor RuMpt/ Gocklenius seine philosophischen Thesen. Danach wandte er sich nach Herborn, um an der streng reformierten hohen Schule daselbst seine Stu­dien noch fortzusetzen. In der Matrikel der hohen Schule daselbst findet sich! sein Harne unter den im Jahre 1595 neu aufgenommenen Studierenden. Nach- seiner Rückkehr nach Schlächtern betätigte sich Joh. Appelius wieder als Lehrer an der dortigen Rloster- schule, bis ihm im Jahre 1598 das Pfarramt zu iGundhslm übertragen wurde, das er bis zu seiner im Jahre 1606 erfolgten Versetzung nach Steinau innegehabt hat. Im Jahre 1612 war er Pfarrer zu Bltenhaßlau, 1618 zu Bergen. "Am 13. Juli 1622 trat er, wie Rullmann mitteilt, das Amt des ersten Pfarrers und Inspektors der Gbergrafschaft Hanau zu Steinau an.

AIs während des 30jährigen Kriegs, im Jahre 1634, die Kroaten Jfolanis Steinau besetzten, floh Snfpektor Appelius von dort zunächst nach hanau unb dann nach Frankfurt. Erst im Mai 1635, als Stein­au wieder frei von feindlichem Kriegsvolk geworden war, kehrte er nach Steinau in sein Amt zurück.

Im Sommer desselben Jahres brach in Steinau die Pest aus. Neben vielen Einwohnern Steinaus wurde auch Inspektor Appelius von dieser Seuche befallen. Am 1. August 1635 erlag er ihr. Tr fand sein Grab in der dortigen Ratharinenkirche neben dem seines einstigen Vorgängers im Pfarramte dieser Kirche, des Pfarrers Nikolaus Lotichius.

29. Kollaborator Magister Adam Musculus 1588.

Ueber die Herkunft des Magisters Abam Musculus ist nichts Sicheres bekannt, vielleicht ist er ein Sohn des Grasmus Musculus zu Steinau gewesen, der sich noch im Jahre 1619 als der alte Stadtschreiber in einer Steinauer urkundlichen Nachricht erwähnt findet. Sein Name findet sich zuerst in der Klafter« rechnung für das Jahr 1588 erwähnt, nach der das Kloster in diesem Jahre nicht nur für die Bekleidung des Magisters Abam Muskulus, sondern auch! für Reifen, die er als gebetener Gevatter zwecks Teil-

(Sortfe^ung) nähme am auswärtigen Tauffeierlichkeiten zu ma­chen hatte, Zuschüsse aus seiner Raste leistete. Um 1598 heiratete Magister Abam Muskulus Ratha­rina Lotichius, die Tochter des Roadjulors Lhri- stian Lotichius zu Schlächtern. Einige! Jahre spä­ter, im Jahre 1602, ist Magister A. Muskulus Pfar­rer in Marjotz.

In dem Protokolle der in diesem Jahre durch den Abt Wankel aus Schlächtern, den Amtmann Melchior Neidhard von Lauter aus Steinau unb den Pfarrer und Inspektor Valentin Ricolai aus Steinau vorge­nommenen Rirchenvisitation findet sich über seine Eig­nung 3um geistlichen Beruf bemerkt: „An Abamo Musculo ist zwar seiner Erudition fGelehrsamkeitj halber kein Mangel,' allein er hat „Natura impedi- mentum linguarum" [von Natur einen Sprachfehlers welches dem auditori sZuhörers verdrießlich und schädlich. So hat er auch feine Toncionem spredigts nicht ordine disp!oniert und consignirt fnicht ord- nungsgeriläß eingeteilt und aufgezeichnets gehabt, unb derowegen et fusius et confusius sdurcheinanderge- worfen] tractiret; ist ihme gleichwohl sobald unter­sagt worden."

Im Frühjahr 1620 war Pfarrer A.. Muskulus in Marjoß leidend und mußte aus diesem Grunde von Pfarrer Feylingius aus Schlächtern vertreten werden. Am 5. April 1628 verlor er seinen Sohn Johann Abam, nachdem dieser im Krankenhaus zu Schläch­tern eine Zeit lang „an einem krätzigen Hautaus- schlag" behanbelt worden war, durch! den Tod.

Bald nachher muß er selbst auch gestorben sein.

30. Kollaborator Nicolaus Stein. 1588.

Nikolaus Stein wird im Jahre 1588 in der Klo« sterrechnung neben anderen, von denen bekannt ist, daß sie damals Lehrer an der Rlofterschule gewesen sind, als Gehaltsernpfänger aus der Rlofterkasse auf­geführt. Er wird daher damals auch! zu den Lehrern der Rlofterschule gehört haben.

Ueber seine Herkunft unb die Dauer seiner Tätig­keit als Lehrer an der Rlofterschule ist nichts be= bannt. Auch nichts über seinen weiteren Lebenslauf.

Denkbar wäre es, daß er ein Sohn des Pfarrers Mob Stein zu hintersteinau gewesen sei, der zur Zeit des Abts Petrus Lotichius im Kloster Schläch­tern erzogen und im Jahr 1543 zum Pfarrer in Hintersteinau bestellt worden ist.

31. Kollaborator Johannes Ochs aus Schlüch- tem. 1588:1593.

Joh. Gchs stammte aus Schlächtern, wo laut einer .Bürgerliste aus dem Jahre 1571 in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein Bürger Namens Hans Gchs gelebt hat, dessen Sohn er gewesen sein könnte.

Johannes Gchs wird als Stipendiat des Klosters Schlächtern die Rlofterschule besucht unb alsdann Theologie studiert haben. In der Klosterrechnung für das Jahr 1588 findet er sich bereits als Lehrer der Rlofterschule aufgeführt. Im Jahre 1593 waren au­ßer ihm noch der Magister Abam Muskulus und Peter Hammann als Lehrer der Rlofterschule tätig.