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Unsere Heimat
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bringen. Schnell sagte ich zu dem fremden Herrn: »Hier kommt ’s eben selber aus dem Keller." Der Herr ging auf die Kellertreppe zu und grüßte den Gesuchten: „Guten Tag, liebes Stöffelche, wie geht Dir’s denn!' verlegen sah der Gefragte den Frager an : „Ich kenn Ihne aber niet". „Rch", erwiderte der Fremde, „sagen wir doch du zueinander, ich bin ja dein alter Spielkamerad Grimm." „Welcher", war die schnelle Rückfrage, „der Jacob oder der Wilhelm?" Dabei ließ er seine Kugel Ton auf die Treppe gleiten, und als ihm Jacob Grimm die Hand drücken wollte, wehrte sich der Töpfer: „Sie ist ja zu dreckig." Grimm erfaßte sie doch und drückte sie recht herzlich. Darauf verschwanden die beiden durch die Haustüre im Hause. Das Rlter- Stöffelche hieß Lhrisloph Luler und war Töpfer. Es bewahrte seinen Ton im Keller auf, damit er feucht blieb, und holte ihn nach Bedarf in etwa zentnerschweren Kugeln oder Klumpen in die Töpferstube, diese auf den Knien vor sich herschiebend.
Wenn die Töpfer ihren Rnzug ausziehen, steht er allein aufrecht vor lauter Ton. In solch beschmutzten Kleibern war das Ulter-Stöffelche von seinem Iugend- freunde überrascht worden.
Es dauerte aber nicht lange, da kam es im besseren Rnzuge wieder zum Vorschein und verschwand im Keller, um gleich darauf mit einer Flasche eigenen Gewächses zu erscheinen. Es war nämlich Weinbergbesitzer und nicht wenig stolz auf sein Erzeugnis. Freudig erregt rief es uns zu: „Ihr Jungen, das ist einer von den Brüdern Grimm. Wenn ihr erst älter seid, dann werdet ihr mehr von den Brüdern hören, es sind gar gescheite Leute!" Nach etwa einer Stunde verabschiedeten sich die beiden Iugendgespielen und küßten sich vor der Tür herzlich zum Rbschied. Als Jacob Grimm bei uns Jungen vorüberging, zog jeder sein Schmelz- pfännchen vom Kopfe und grüßte ehrerbietig.
Nach H. E. „Hessenland"
Das alte Gymnasium zu Schlüchtern Quellenstücke und Berichte aus feiner Geschichte von Med.-Nat Dr. Lauer, Schlüchtern
(Fortsetzung)
VI. Die Rektoren und Lehrer des alten
Schlüchterner Gymnasiums.
16. Präzeptor Balentinus Gerlacius. 1558:1562.
Die Heimat des Valentin Gerlach ist nicht mit Sicherheit festzustellen; doch ist es nicht unwahrscheinlich, daß Gerlach aus Schlüchtern gestammt hat, wo im Iahre 1577 mehrere Bürger dieses Hamens nachweisbar sind.
Abt Lotichius sagt im Iahre 1565 von ihm: „Diesen hab ich von seiner Jugenb an bei mir auf- genommen und erzogen". Am 16. Januar 1558 wurde Gerlach in Hanau durch den dortigen Pfarrer Mag. Nikolaus Krug zum Pfarrer ordiniert, nachdem er zuvor durch die Pfarrer Kleffius zu Nesselstadt, Büchner zu Hochstadt und Torvinus geprüft worden war. AIs Diakon in Schlüchtern versah Gerlach im Iahre 1562 eine Lehrerstelle an der dortigen Rlosterschule. In dem zu dieser Seit bei einer Nirchenvisitation aufgenommenen Protokoll heißt es von dem Stadtpfarrer Siegfried Het- tenus und seinem Diakon Valentin Gerlach: „Sie trugen das Meßgewand." Im Wahlprotokoll des Abts Siegfried hettenus vom 25. Juni 1567 hat sich Valentin Serladf als Pfarrer von Marjotz unterzeichnet. Dieses Pfarramt scheint er bis zum Iahre 1585 bekleidet zu haben. Die Seit seines Todes ist nicht bekannt. Obwohl Gerlach verheiratet war, hatte er mit noch anderen verheirateten Schlüchterner Konoentualen communem mensam (gemeinsamen Tisch) im Kloster.
17. Präzeptor Georg Bischer aus Würzburg.
„G. Vischer wurde", wie A. Heimpel mitteilt, (Unsere Heimat, 24. Iahrg. (1932) S. 313), „nach der Rückkehr des Petrus Lotichius secundus von Montpellier auf dessen Empfehlung Lehrer an der Rlosterschule zu Schlüchtern unb ging später nach Würzburg zurück.
Kurz vor oem am 23. Juni 1567 erfolgten Tode des Abts Petrus Lotichius war der Bischof von
Würzburg vor allem bar auf bedacht, sich das Klo=
ster Schlüchtern zu sichern. Er schickte deshalb den früheren Lehrer der Schlüchterner Klostersdyule Georg vischer, der sich damals noch in Würzburg auf- hielt, mit der Botschaft na dp Schlüchtern, daß er bereit sei. Thristian Hettenus zunächst zum Toadjutor jGehilfenj des Abts Petrus zu ernennen, wenn er fid} ihm schriftlich verpflichten würde.
Weitere Nachrichten über diesen ehemaligen Lehrer der Rlosterschule zu Schlüchtern sind nicht bekannt.
18. Präzeptor Sebastian Bamberg aus Schlüchtern. 1565.
Sebastian Bamberg ist, unbekannt wann, in Schlüchtern ■ geboren, wo nach einer alten Bürgerliste im Iahre 1571 ein Kraft Bamberg und ein Thomas Bamberg als selbständige Grtsbürger gelebt haben. Abt Petrus Lotichius schreibt über ihn in dem Rechenschaftsbericht, den er gegen Ende seines Lebens (1565) verfaßt hat: „Diesen [Sebastian Bamberg] hab ich vor wenigen Iahren auch, aufgezogen,' ist itzund ein Schulmeister in unserem Kloster." Nachdem Sebastian Bamberg die erste Sdfulbilbung in der Schule des Klosters genossen hatte, wurde er 1544 von Abt Petrus mit noch einigen andern Schülern der Schlüchterner Rlosterschule nad) Marburg zum Studium der Theologie geschickt. Nachdem er sein Studium daselbst beendet hatte, wurde er Lehrer an der gelehrten Schule in Schlüchtern. Ueber den weiteren Verlauf seines Lebens fehlen Nachrichten.
19. Präzeptor Nikolaus Schönbub gen. Daniel aus Schlüchtern. 1545:1546.
Nikolaus Schönbub war der Sohn eines Schlüchterner Bürgers. Er besuchte als Stipendiat die Rlosterschule seiner Vaterstadt und bezog Ostern 1544 zusammen mit Petrus Lotichius, Nikolaus Bamberg und Sebastian Paul, drei anderen Schlüchterner Mindern, die Universität Marburg zum Stubium der Theologie. Nach Beendigung des Studiums in Marburg wurde N. Schönbub Diakon in Schlüchtern und