Nr. 43/45
Unsere Heimat
Seite 321
und geistlichen Anwendungen auch Gebeten aus jedes Kapitel" und — herrlichen Stichen. Ein Mann hat an dem Buch zu schleppen, Rud) sie hat mir einmal in einer Schreckensstunde beigestanden. Onkel £ub= wig, der Spengler, hatte im Hausflur einen unbeaufsichtigten Lötosen stehen und ich hatte den glühenden Kolben ahnungslos fest angefaßt. Seit der Zeit scheue ich das Feuer und betrachte jede Meerzwiebel mit einem gewissen Respekt, wie andere etwa vor der Kamille den Hut ziehen. Großmutter verband die verbrannte Hand gründlich, indem sie diese ihr werte Topfpflanze opferte, zerquetschte und au siegte. Als ich danach aus einem Schlaf aufwachte, den sie behütet, war ich tatsächlich schmerzfrei. Aber eins ist mir immer dunkel geblieben, was ich mit ihr erlebt habe, und unvergessen geblieben bis zu diesem Tage. Im Winter 1879/80 erfroren in unserer Gemarkung sämtliche Zwetschenbäume, nachdem sie im Herbste eine Ernte beschert, wie sie in jedem Iahrhundert vielleicht einmal vorkommt. In einer Bodenkammer unseres Hauses lagen die Früchte Hausenweise fast bis zur Decke und warteten auf das Anzünden des Dörrofens, der ein Viertel und mehr der Rüche einnahm.
Ich hatte gesehen ,wie sie andere Rinder des Verwandtenkreises aus der Schatzkammer reichlich beschenkt hatte. Ich aber war leer ausgegangen. Nachher stehe ich aus einmal vor der duftenden, lockenden Masse der Trauben des Oberlandes und fülle mir die Taschen. Da kommt Großmutter aus Seibanb= schuhen herein, und ich muß alles wieder hinwerfen. Ich erhalte nichts, weil ich nicht vorher gefragt hatte. Zur Zeit der Z'wetschsnernte jeden Iahres denke ich daran und frage heute noch wie einst: „G Großmutter, warum hast du das getan?" Ich! wäre froh, wenn ich es vergessen könnte, ehe ich selbst die Augen schließe, und erzähle es nur, weil ich daraus lernte, wie fest sich Wohltat und Wehtat, in frühester Rindheit erfahren, in die Seele eingraben, und bitte jeden, der dies lieft: „Sei vorsichtig und bedenks alles, was du vor Rindern sprichst und vor ihren Augen tust!" Gesegnet aber sei das Andenken der Alten, ob sie uns nun wohl- oder wehetaten! Sie waren Menschen — wie wir, fehisam und gingen auch ihren Weg unter Lasten, die niemand sah.
(Fortsetzung folgt)
Kampf ums Ceufelßlodi
/^teit Iahrtausenden bohrten und nagten die Wa[= ser an Stein und Erde, lösten sie und stürzten in geheimnisvolle Tiefe und trugen aus dunklen Wegen ihren Raub zu den Bächen. In der finsteren Erde wurden Dome, Kapellen; in erhabener Gotik gestalteten sich! Räume. Und wieder vernichtete das Wasser, was es so herrlich gebaut. Die Decke zerbrach, und den erschreckten Menschen zeigte sich ein tiefer Schlund, unheimlich, teuflisch. Sie brachten dem Fürsten der Unterwelt ihren Tribut. Db zur Befriedigung des Bösen, ob aus Trotz, wer weiß es? Hunde und immer wieder Hunde — ihre Zahl geht in die Hunderte — mußten in dem finsteren Grunde ihr Leben lassen. *)
Eine neue Zeit ließ den Teufelsspuk vergessen. Rinder warfen manchmal Steine in das Loch und freuten sich über das dumpfe Dröhnen des Aufschlags in ber geheimnisvollen Unterwelt.
Das 20. Iahrhundert nahte. Unser Bild zeigt sie, die Pioniere, die ewigen Deutschen, die, geladen mit Forscherdrang und Entdeckersreude, erfüllt von echter Heimatliebe, zum erstenmal ernsthaft und planvoll in den Leib der Erde einfuhren und der Heimat von den Wundern der Tiefe erzählten. Allen voran der Organisator der Teufelshöhlenforschu^ Herr Stra- Henmeister Lüders, mit ihm ihr stärkster Förderer, Herr Pfarrer Römheld, in der Mitte der getreue Helfer, der alte Methfessel (Uferwärter Bernhard Meth- fessel), alles Männer, die immer da zu treffen waren, wo gemeinnützige Arbeit geleistet wurde, wo es nicht um Geld, sondern um eine gute Sache ging. Das Bild zeigt auch noch« zwei andere Steinauer Mitarbeiter, Bernhard Euler und Peter Schmidt.
Nun führt ein neues Geschlecht die Arbeit dieser Männer fort. Ein langer Kampf ist noch erforder
*) Die Frage, wie die Knochen von über 300 Hunden die man 1910 im Teufelsloch aus grub, dorthin harnen, ist noch nicht befriedigend beantwortet.
lich, bis all' die verborgenen Herrlichkeiten des Berges geöffnet werden können. Darum werbt, Heimatfreunde! Unterstützt die Arbeit für die Heimat! Besucht die Teufelshöhle! Bernhard Nomelser
Einfahrt ins „Teufelsloch" am 14. 3uni 1898
Eingehend geschildert von dem Führer Straßenmeister Lüders in „U. H." 1910, Nr. 9