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Unsere Heimat
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U r ä m e r g a s s e in Schlächtern um 1 8 8 0 / Aufnahme Joh. Freund Wann wird man ihr den alten ehrlichen Namen wwdergeben?
ler bedeutenden Pädagogen wird davor gewarnt. Doch das wußte ich ja damals noch nicht und konnte in- fclgedessen auch unmöglich meine Großmutter eines Besseren belehren. Ich hätte es vermutlich auch nicht getan, wenn ich's gewußt hätte, denn erstens blieb keine Zeit dazu, zum zweiten taten den Alten die Streiche, die ich durch ihr Dazwischentreten nachher nicht empfing, ganz gewiß schon vorher weher als mir, und drittens hatte ich eine gründliche Abneigung gegen das beißende Gerichtsinstrument überhaupt, das zweifellos durch den Mißbrauch an mir entweiht wurde. Darum kann ich, beim besten Willen zu besserer Erkenntnis, auch heute noch! den gewährten großmütterlichen Schutz nicht im mindesten als 5 e h- ler, sondern nur als Wohltat empfinden, denn wo Vater hinschlug, wuchs kein Gras mehr. Und es wäre ja an dem gewissen Grte, nach' dem der Spann- riemen zielte, auch ohnedies keins gewachsen. Aud) Heute noch bin ich überzeugt, daß Angst, Furcht und körperliche Züchtigung nicht das vollbringen, was man ihnen auch dort zutraut, wo heute der Ernst und das Gleichmaß in der Erziehung neben echter Liebe fehlen. Die größten Tierfreunde haben die Bän- digung und Zähmung schlimmer Wildlinge tatsächlich auf bem gegenteiligen Wege erreicht, und aiucfy Trotz- Köpfe und Faulpelze von heute sind schließlich keine wilden atzten Germanen mehr. Die Furcht hütet den Wald, ia, aber sie hat noch selten einen gepflanzt. Es gibt einen Ersatz für Prügel, ausgenommen bei Bosheit und Roheit! denn auch in Häusern, in denen man an das Ghrfeigenwunder glaubt, fehlt die Hauptsache, wenn man nichts mehr von dem weiß und auf den achtet, der ein Herr ist beider, der Eltern und Rinder. Deshalb glaube ich auch!, daß anderes, das mir im Elternhause auch noch zuteil wurde, viel mehr dazu beigetragen hat, mein Leben zu fördern, als jene Verhütung des Graswuchses. Selbst
verständlich habe ich — man gestatte den an sich ungehörigen Ausdruck um des Sinnes willen — meinem Vater längst völligen Losspruch für jeden hieb im Jähzorn — denn darunter litt er — erteilt, aber meinen Großmüttern für ihre unwissenschaftlichen Lrziehungsbeihilfen auch!
Waren also diebei- denFrauen, dieLorey und die Flemmig, sich darin völlig gleich und einig, mir Schutz und Schirm vor Argem zu gewähren, so waren sie selbst als Persönlichkeiten sehr verschieden.
Ich erzähle von ihnen zuerst, nicht nur darum, weil
Damen der Dortritt gebührt, sondern weil ich leider keinen meiner Großväter gekannt habe und von meinem Großvater väterlicherseits nur zwei Geschicht- lein weiß, die auf seine Frau auch ein Licht werfen, also hierher gehören. Als Großvater im „tollen Jahr" auch bei der Revolution mitmachen wollte und eines Abends mit außerordentlichem Mut geladen heimkam, hat sie ihn in die Lederkammer aus den Boden gesperrt und an dem Tage, an dem die Wogen im Städtchen am höchsten gingen, ihn nicht aus dem Auge und aus ihrem Befehlsbereich entlassen, bis die Flut sich verlaufen hatte. Und doch wird er mir von denen, die ihn kannten, als ein starker, breiter, kluger Mann geschildert, dem aber des Hauses Frieden über alles ging. Und wer möchte ihn deshalb schelten? An einem anderen Abend kam er freudestrahlend fyeim und verkündete, er habe soeben das damals noch' fast neue Noßbaumsche Haus in der (Übergabe gekauft, am sich gar kein schlechter Handel. Aber Großmutter hat nicht geruht, bis die Sache rückgängig gemacht war, und lieber Jahrzehnte hindurch an den 1000 Gulden Reukaufgeld abbezahlt, als das Erbhaus der Familie verlassen. Der apokryphe biblische Schriftsteller Sirach sagt in dem 25. Kapitel seiner Spruchsammlung : „Es ist ein schön' Ding, wenn Mann und Weib mit einander wohl umgehen. Wohl dem, der ein vernünftiges Weib hat!"
Und weil Lachen gesund sein soll, will ich auch noch ein drittes berichten aus der Zeit lange vor meiner Ankunft in der Krämergaffe. Wenn Großmutter es zum besten gab, pflegte sie vor Freude zweimal kurz hintereinander zu schnupfen. Also: Großvater hatte die Pocken oder „schwarzen Blattern". Das Haus war isoliert. An der Haustüre hing eine schwarze Tafel mit der Aufschrift: „Seuchengefahr! Eintritt unb Aus= tritt obrigkeitlich untersagt!" Nur der Arzt durfte hinein und heraus. Dabei stand Tag und Nacht ein