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Unsere Heimat
Nr. 40/42
Wirtshaus in Wüstwillenroth ein Hehlernest und der Eckard: röther Iude der Abnehmer des Diebsgutes gewesen.
Der Kirchenraub in der Kiesberger Kapelle wurde im Herbst 1809 von dem jüngsten Feldschersjungen zusammen mit einem anderen Gauner, dem Havn - 3örg aus dem Ful- dischen, wiederholt. Sie stahlen einige Rltartücher, einen Weihwasserkessel und einige Kreuzer aus dem aufgeschlagenen Gpferstock und brachten alles in die Heckenmühle bei Reichlos.
ßfandschelle aus dem Schloß Vrandensteili
In der H-imatsammlung.
Zeichnung von H. Fischer-Roch
-^esträuber. Folgende kleine Beobachtung sei 1 ben Lesern des Heimatblattes mitgeteilt:
Dem Schulgarten in vollmerz gegenüber steht jenseits der Straße ein alter, hohler Kpfelbaum, den ein Starenpaar zur Familienwohnung ausgewählt hatte. Eines Tages werde ich durch heftiges Gezeter der alten Stare von meiner Gartenarbeit aufgeschreckt und sehe, wie die Vögel die Nisthöhle ängstlich umflattern. In demselben Augenblick läuft ein kleineres Raubtier, anscheinend das Große Wiesel, auch Hermelin genannt (Putorius ermineus), am Stamm hinunter, eins der flüggen Stärlein im Maule fort« schleppend. Ich war gleich hinter dem Räuber her, der aber in dem hohen Gras meinen Blicken entschwand. Die Stareneltern hatten ihn besser verfolgt und verrieten mir die Stelle, wo er seine Beute hatte liegen lassen. Dem Stärlein war die Kehle aufgebissen und das Blut ausgesaugt. Kl. Butz
^us der Erdgeschichte unserer Heimat
Es ist nicht denkbar, daß die Kinzig zur Zeit des Urmains im Kittertiär schon existierte. Das Rupeltonmeer, dessen Südküste etwa von Büdes- Heim ostwärts über Büdingen, Eckardroth zog, den heutigen Kinziglauf ungefähr in der Gegend von Steinau querte, südlich vor Schlächtern vorüberziehend nach NE. und R. umbog und dann das Gebiet der Rt)ön erreichte, schließt das Vorhandensein des heutigen Flusses aus. —
Im Gber - Miocän setzte nun die vulkanische Tätigkeit in Vogelsberg und Rhön ein. (Karl Völker, Beitr. z. Morphol. d. Kinziglandschaft Fft. Geogr. hefte. 2. Jahrg. 1928, heft 2.)
Sondergaden für „Unsere Heimat"
Herr Pfarrer Buß, Eppingen 1.- Mk. Frau M. Lilie,n- feld, Helmstadt 8.— Mk. Frau 3rlinger, Bichl 8.— Mk. Herr Katasterdirektor Warner, Depnhausen 1.- Mk. Herr K. Schmerbach, Streitberg 1.— Mk. Herr Ioh. Strott, Essen 3.— Mk. Frau Elise Lübbert, Honnef 5.- Mk. Frau Hen- riette Haarmann, Bochum 5.- Mk. Herr G. Rschenbrenner, Stuttgart 3.- Mk. Herr D. Salomon, München 3.- Mk. Herr Rektor Rüster, Rhayd 6.— Mk. Herr Pfarrer Mepen- schein, Kassel 3.- Mk. Herr Dberschulrat Grau, Kassel 6.- Mk. Herr Förster Bode, Rosenthal L— Mk. Herr Lehrer 3ipf, Frankfw t a. M. 1.- Mk. (Forts, in der nächst. Nr.) Herzlichen Dank! Der Vorstand
ZWEI GEDICHTE
VON PETRUS LOTICHIUS
Macht der Töne
Rn Leonhard Münster
wenn du gewandt mit dem Daumen rührst die Saiten der Zither Und voll Empfindung dazu: „Lebe dir selber nur!” singst Und die Großen zu meiden rätst, und die Stimme sich lieblich Mit den Klängen vermählt, die du den Saiten entlockst: Dann vermein' ich', o Freund, mit den Musen im Tanze zu schweben.
Und zu Helikons Hain wird mir der Drt, wo du singst. welcher Unsterbliche schwellt dir die Brust mit Begeistrung und lehrt dich
Dieses bezaubernde Spiel, das uns so mächtig bewegt? Nicht so ergreifend klagt Philomele im Schatten der Pappel, ward auch der Schmelz ihres Lieds sonst keinem Vogel verlieh'n. Nicht so rührend ertönt an der klaren Flut des Kaystrus Lines sterbenden Schwans wehmuterfüllter Gesang. So erklang einst zur Zither Demodokus' Stimme beim Festmahl, Und zu Tränen gerührt lauschten die Hörer ihm all. Lieder bieten dem Herzen Genuß, die Lerer dem Dhre; Mich erfreut der Gesang, der zu den Saiten ertönt. Beides find' ich bei dir. Zum Danke dafür will ich flehen, Daß du, geliebtester Freund, immer dir selber nur lebst.
El. V, 4 (Burm). - 3n Wittenberg gedichtet. - Leonhard Münster, Universitätsfreund des Dichters, Sohn des mit Melanchthon verschwägerten wittenberger Rechtslehrers Sebald Münster, Schwager des Zweibrückener Rats Ulrich Sitzinger, gest, in Rom. - Lebe dir selber nur usw., vgl. <vvid, Trist, III, 4, V. 5 „Lebe dir selbst und meide, so viel, es dir möglich, die Großen." — Kaystrus, Fluß in jonien, reich an Schwänen, — Demodokus, s. Gdyssee 8, v. 43 ff., 62 ff., 471 ff. und 13, v. 27.
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Ins freie!
An Georgius Tracovius und M. Lucanus
Liebste Freunde Georgius und Lucanus,
Die ihr zierliche Verse in lateinischem
Und in griechischem Silbenmaße dichtet,
Kommt, entflieh» wir dem lästigen Getümmel
Und Getöse der Stadt und laßt uns wieder
wie schon oft auf den grünen Auen wandeln
Längs den Fluten der angeschwollnen Elbe!
© wie sehnen sich nun die müden Glieder
3n der lieblichen Luft des heitren Lenzes
Sich gemächlichen Schrittes zu ergehen,
während reizende Lieder zarter Vögel
In den schattigen Hainen laut ertönen,
Und die Erde, von tausend muntren Büchlein
Sanft durchrieselt, sich schmückt mit bunten Blumen.
© du wonnige Einsamkeit des Landes!
© ihr grünenden Wälder! Seid gepriesen,
Nymphen, Quellen und luftige Gefilde!
Müßiggängern bereitet ihr Serftreuung,
Uns gewährt ihr Erholung von der Arbeit.
Sorglos schwinden die Tage, und es fesselt
Süßer Schlummer die ganze Nacht das Auge.
Dem hat bei der Geburt das Glück gelächelt,
Der, sich selber genügend, still dahinlebt
Und den Rauch aus der väterlichen Hütte
Steigen sieht, wenn im Herd die Flamme knistert.
© wie glücklich ist doch ein solches Dasein, Liebste Freunde Georgius und Lucanus!
Uebersetzt v. A. Englert
Tarm. I, 16 (Burm). - Georg Tracow und M. Lucanus, wittenberger Universitätsfreunde des Dichters. Der erste, geb. in Stettin 1525, war längere Zeit Professor in Wittenberg, später Geheimer Rat in Dresden. Auf das An= stiften gehässiger Gegner ins Gefängnis geworfen, starb er daselbst 1575.
AIs Manuskript gedruckt: H. Steinfeld Söhne, Schlächtern. Schriftleitung: Wilhelm Praesent, Breitenbach Ruflager 1000 Stück. Verlag des Heimatbundes in Schlächtern. Postscheck-Konto 80311 in Frankfurt a. M.