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Nr. 40/42

Unsere Heimat

Seite 311

es bald wieder besser sein wird. Man hört hier so viel Beunruhigendes über Deutschland und ganz Euro­pa, daß mich manchmal eine Bangigkeit über eure Lage und Verhältniße, anwandelt, ich ersuche euch Häher dringenst, mir durch einen baldigen langen und ausführlichen Bericht über die Lage Deutschlands und der europäischen Nächte, aber hauptsächlich eure eigenen Familien Verhältniße, meiner peinigenden Un­gewißheit in der ich schwebe, ein Ende zu machen,' schreibt mir alles, verhehlt mir nichts, leidet ihr Man­gel (was Gott verhüten wolle) so freue i^ mich, daß ich im Staube bin, euch meine Erkenntlichkeit für eure an mir erwiesene Aufopferung und Liebe in früheren Jahren durch eine kleine Summe Gelte; die ich mir erspart habe, zu beweisen, habt ihr lieber, daß ich zu euch nach Hause Komme, um euch- dort in allem beizustehen, so bin ich bereit, um meinen Ab­schied anzutra- gen und so schnellwie mög­lich zu euch zu eilen um Freud und Leid mit -Luch zu teilen, könnt ihr es aber gut ohne mich thun, so werde ich ab- wartenbis mei­ne Zeit aus und euch erst dann einen Besuch abstatten. Wie ich aus deinem ersten Briefe er­sehen habe ist meine theure Mutter zuwei­len kränklich, wollte Gott daß es keine ernstliche

Folgen nach sich

liebender und getreuer Sohn

Marjoß

habe denn es ist mein inniger Wunsch euch alle noch einmal zu umarmen. Ich wünsche daß du meinen jüngern Bruder Philip nach einem guten Schmidt der seine Profeßion von Grund aus ver­steht in die Lehre schicken würdest, indem ich im Sinne habe, ihn wenn ich nach Deutschland komme mit mir hinüber nach Amerika zu nehmen, wo er als ein guter Schmidt sein Leben viel bester machen kann wie zu Hause. Nach den Gerüchten, die uns hier zukom­men, soll sich Bayern, Nhein Preußen, Belgien, Nie­derland und Portugal zu Freistaaten geschlagen ha­ben, ich wollte daß es ganz Deutschland gelingen würde sich zu einem freien Staatenbund herumzubil- den, in ihren Verfaßungen ähnlich den Vereinigten Staaten in Nord Amerika, wo jeder denken kann wie es ihm gefällt, es scheint mir die Seit sey gekommen wo das Volk daß eiserne Joch unter dem sie die Adelichen und Aristokraten gehalten haben, mit, Ge­walt von sich abschütteln soll. Wie ungerecht ist es z. Bspl. daß nicht jeder Mensch die nehmlichen Rechte hat wie ein anderer sich burcfy seine Talente von einer Stufe zur anderen emporzuschwingen wie zum

Beispiel: daß ein gemeiner Soldat sich« durch Muth und Tapferkeit nicht ebenso leicht zum General em­porschwingen kann wie ein Adelicher,' alles blos ver­faßungen um das Volk unter dem Joch der Aristo­kratie zu erhalten.

Glaubt ja nicht meine geliebten Eltern, daß ich blos meine, euch durch- schöne Worte zu meinen Gun­sten überzustimmen, nein, sondern es sind die tief- gewurzelten Gedanken und Gefühle eines Herzens das blos auf den Wink wartet um seine Versprechun­gen mit der That zu bekräftigen.

Grüßet mir alle meine Verwandten und Bekann­ten und Freunde, auch meine kleine Schwester Lies- ch-en, überhaupt alle die nach mir fragen.

In der zuversichtlichen Hoffnung recht bald- eine Antwort von -euch zu erhalten, verbleibe ich euer euch Peter Zehner.

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Fort Union am 4ten April 1852 Theuerste Eltern!

Nach langer Zeit ergreife ich die Feder, um Euch wieder ein Zeichen meines Daseins zu ge­ben. vergebens sind nun schon wieder zwei Jahre verstoßen ohne mich von Euch mit einem Bries zu trösten.

Aus welcher Ur­sache? Kannid} nicht begreifen. Doch zur Sache.

Was meine Wenigkeit anbelangt, so bin ich Gott sei's gedankt noch immer gesund und frisch- wie der Fisch im Wasser. Ihr schreibt mir, mich wieder nach Ablauf meinerDienstzeN) im alten deutschen Va­terland zu sehen. Obgleich ich- nun Euren versprechen nicht zu wider handeln will, so könnte und kann ich doch unmöglich keine gewiße Seit bestimmen wenn ich kommen werde. Su gleicher Zeit sehr ich mich veran­laßt, keinen andern Brief mehr von meinen Händen nach dem alten Vaterland zu senden. Und warum? Kömmt Seit, kömmt Rath. Obgleich- Ihr mir schreibt, daß ich- in keinem andern Welttheile in meinen jungen Jahren nicht finden würde als wie in Deutschland, so seid Ihr hier in dieser Hinsicht gewaltig getäuscht. Denn erstens wird nie kein Land in der Welt Amerika gleich kommen, für das erste ist es frei unabhän- g i g und mehr Zufriedenheit herrscht daselbst, als in einem jeden andern Theile der Welt. Ja dieses habe ich selbst blos aus meiner eigenen Erfahrung, zwei­tens ist es ein Land in welchem sich der Mensch so

3) wahrscheinlich Militärdienstzeit. 1848 ging der Krieg zwischen Mexiko und der Union zu Ende. D. Sd)riftIL