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Unsere Heimat
Nr. 40/42
abermals schwer, so daß er, kaum wieder einigermaßen genesen, die Rückreise in die Heimat antreten mußte. 3 m Jahre 1557 traf er wieder inSchlüch- tern ein, in der Absicht, dort längere Zeit zu bleiben. Kurfürst Gtto Heinrich von der Pfalz hatte aber kaum von seiner Rückkehr in die Heimat Runde erhalten, als er an ihn einen Ruf als Professor der Medizin und der Dichtkunst an die Universität Heidelberg ergehen ließ, dem er Folge leistete. Am 21. April 1557 wurde Petrus Lotichius Lolitari- ensis dort als philosophiae et medicinae Doc- tor in die Matrikel der Universität eingetragen. Einem Rufe als Professor der Medizin nach Marburg, der im Sommer 1560 an ihn erging, lehnte Petrus Lotichius ab, weil er sich schon krank fühlte. 3m herbst 1560 nahm seine Rrankheit wieder ernsten Tharakter an, und am 7. Nov. 1560 erlag er ihr im Alter von 32 Jahren. Leine Leiche wurde in der Peterskirche zu Heidelberg beigesetzt.
15. Magister Christian Lotichius. 1550-1568.
Christian Lotichius, der Neffe des Abts Petrus Lotichius und jüngere Bruder des Dichters Petrus Lotichius Secundus (14), ist im Jahr 1530 oder 31 zu Niederzell bei Schlächtern geboren. Er erhielt feine Schulausbildung in der Rlosterschule zu Schlüch- tern, wo er sich besonders an seinen Lehrer Pedio- näus anschloß und, wie Georgius Fabricius Soli- tariensis berichtet, den Unterricht der Lehrer Michael Beuther und Abam Mylius genoß. Er studierte sodann in IDittenberg bei Melanchthon und später 1547—1549 in Heidelberg, wo er am 13. Sept. 1549 durch Mycillus zum Magister artium li= beralium sMagister der freien Künste] promoviert wurde.
Nicht lange nach seiner Promotion kehrte er von Heidelberg nach Lchlüchtern zurück und wurde 1550 daselbst Lehrer an der Rlosterschule des Abts Lotichius. AIs die Frage an ihn herantrat, Mönch im Kloster Lchlüchtern zu werden, weigerte er sich, diesen Schritt zu tun, blieb aber Lehrer an der Rloster-
schule und erließ einen strengen Stubienplan für die Schule in elfsilbigen Versen. Seine Lehrfächer waren besonders die griechische und die hebräische Sprache. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer gab er sich in Schlächtern eifrig theologischen Studien hin, sodaß er am 16. Januar 1558 in Hanau vor einer Prüfungskommission das Pfarrer-Examen ablegen konnte. Wie sehr sich Thristian Lotichius damals des Vertrauens des Grafen von Hanau 311 erfreuen hatte, geht daraus hervor, daß er von diesem mit der Aussicht über die hanauischen Schulen betraut wurde.
Am 9. Sept. 1563 wurde Magister Thristian Lotichius zum Toadjutor (Gehilfen) des alten Abts Petrus Lotichius erwählt.
Nach dem am 25. Juni 1567 erfolgten Tode des Abts Petrus Lotichius wurde Thristian Lotichius auch Toadjutor des neugewählten Abts Siegfried Hettenus in Schlächtern, seines Schwagers.
In seiner Verpflichtung zum Toadjutor des Abts Petrus Lotichius vom 10. 10. 1567 sagt er, daß ihm die Abminiftration der Toadjutorei folgendermaßen befohlen worden sei: „Also daß ich neben dem Herrn Abt die Gemeinde zu Schlächtern mit predigen, Administration der heiligen Sakramente und Haltung des Tatechismi zum fleißigsten vorstehe, auch in der Schule wöchentlich auf etliche bestimmte Tag ein lection oder zwei in artibus [ben Künsten oder Wissenschaften] und der Theologie der Jugend und angehenden Theologis sürlese".
Bereits am 20. Sept. 1568 starb Thristian £0= tichius im Alter von 37 Jahren an der Pest, die damals in Schlächtern herrschte. Der so früh verstorbene Magister Thristian Lotichius war, wie sein älterer Bruder Petrus Lotichius II, ein begabter Dichter. Seine Dichtungen sind später in zweiter Auflage unter dem Titel „Thristiani Lotichii poemata" von seinem Tnkel Johann Peter Lotichius Hrraus- gegeben worden.
(Fortsetzung folgt)
Sriefe eines ausgewanderten Marjoffers aus Mexiko und Neu-Mexiko
Mitgeteilt von 0. Füller, Marjoß
Thihuahua, den 20. May 1848
. Theure und Geliebte Eltern!
Es sind nun an diesem Tage gerade 4 Jahre ver- floßen, seitdem ich von euch Abschied genommen habe, um die mir bekannte und vertraute Heimath mit samt den Freunden, Bekannten und Anverwandten gegen einen mir fremden und in jeder Beziehung (auch sogar der englischen Sprache unbewußt) unbekannten Welttheil zu vertauschen. Manchmal wenn ich einsam und allein meiner Selbftbetrachtung übergeben bin, und in Gedanken in der unwiederbringlichen Vergangenheit in der Heimath zurückschwebe, drängt sich in meinem Innern die Frage an mich selbst auf: „Warum und aus was für Ursache hast du deine Eltern, die dich doch mit unverhehlter Liebe Und Fleiß auserzogen haben, verlaßen?" — auf welche Augenblicke mich immer eine Traurigkeit anwandelt, welche gewöhnlich- mit dem mir innerlich gemachten Eeständniße endigt, daß blos mein Leichtsinn und Ungehorsam in meinem früheren Betragen gegen euch
daran Schuld waren und es daher meine Pflicht und Schuldigkeit erfordert, euch um alle diese Vergehungen an eurer elterlichen Liebe um Verzeihung zu bitten, und euch anzuhalten, alle diese bittern Räckerinne- rungen in den Abgrund der Vergeßenheit zu werfen, indem all mein Bemühen und Bestreben dahin gerichtet sein soll, mich von nun an eurer elterlichen Liebe und Achtung Werth zu machen. Ihr werdet aus meinem vorhergehenden Schreiben, das ich vor ungefähr 4 Wochen an euch abgesandt habe, ersehen haben, daß ich Santa Fö *) verlaßen, und mich nun nach vielen durchgemachten Strapazen und Gefahren 700 Meilen weiter südlich in Thihuahua^) einer großen Stadt befinde, allwo ich wieder ziemlich viel Beschäftigung auf meiner Profehion hab, indem ich viel Pferde und Maulesel zu beschlagen habe, gestern Erhielt ich von einem Pferde einen Schlag! an bas linke Bein so daß ich jetzt lahm gehe, doch denke ich, daß
0 3m Territorium Neu-Mexiko in den Der. St.
2) 3n Mexiko, etwa 1400 Mtr. hoch.