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Nr. 40/42

Unsere Heimat

Seite 309

Ulrich von Hütten in der Schenke zu Diterbo

Drei wertvolle Silber für unsere Heimat

Das erste Bild „Ulrich von Hütten" von Ludwig Herterich (geb. 1856) hängt in der Dresdener Galerie. Der Maler hat den Ritter neben den tot am Rreuz hängenden Thristus gestellt. Das ist ganz gewiß nicht sein Platz, denn Hütten hat sich nie Unters Rreuz gestellt, hat nie sein Rreuz getragen (sein leibliches höchstens männlich ge­schleppt) und sich auch nie als Kämpfer für den Gekreuzigten gefühlt, sondern stets als Streiter für Deutschlands Freiheit. Trotzdem gibt das Gemälde ein Wesensbild des furcht­losen Ritters ; ohne Anlehnung an irgend ein historisches Porträt hat der Künstler der er­fühlten geistigen Gestalt eine überzeugende leibliche gegeben, die uns Heutigen „richtiger" erscheint als alle ziemlich leblosen zeitgenössischen Darstellungen Huttens, zumal die tem­peramentvolle, sprühende Farbengebung und Pinselführung des Naturalisten dem Ungestüm des Dargestellten entsprechen.

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Das zweite Bild, gemalt von Wilhelm Lindenschmit im Iahre 1869, ist den Werken der deutschen Historienmalerei zuzurechnen. Der Künstler will nicht nur den Ritter Hütten möglichst so zeigen, wie er tatsächlich ausgesehen hat, sondern sogar einen bestimmten geschichtlichen Augenblick aus dessen Leben darstellen: Hütten in einer Schenke in Italien, in Diterbo, im Kampf mit französischen Edelleuten. Lindenschmit hat einen glücklichen Griff getan; es ist in der Tat die bezeichnendste Szene in Huttens Leben. Fünf Franzosen hatten sich in einer Weinschenke über den deutschen Kaiser lustig gemacht — den Degen ziehen, auf die Spötter eindringen, in blutrotem Jähzorn einen niederstechen, sodaß die andern wie vor dem leibhaftigen Teufel davonlaufen, das war Huttens Art, das ist gleichnis- haft geradezu Inbegriff seines ganzen Lebens. — Das Original befindet sich in Leipzig im Städtischen Museum der bildenden Künste.

Das letzte Bild ist ein Eduaro von Gebhardt. Zwei Rloster- schüler sitzen in der stillen büdjerei, zwei ernsthaft arbeitende Iünglinge. Rostbar gekleidet sind sie nicht. „Die reichen Iunkerlein, die der Beutel und der Vorrat drucket, studieren nit", sagt Luther einmal. Der zögernde Finger des einen unterstreicht Wort für Wort eines schwierigen Satzes; ein gründlicher, hartnäckiger Denker. Der Blick des zuhörend mitgehen­den Andern läßt erraten, daß in ihm auch die den Verstand ergänzenden Kräfte lebendig sind, daß der verbissene Grübler den rechten Freund ge­funden hat. Welches mag die Aufgabe sein, die man ihnen gab? Ober sind die zwei gar an der durch den Magister gegebenen Auslegung einer Lehre irre geworden und suchen nun heimlich auf eigene Faust hinter die Wahrheit zu kommen? Kein Idyll, eine spannende Erzählung — wie alle Bilder des Malers.

Diese drei Bilder sind in erstklassiger farbiger Wiedergabe als große Kunstblätter (etwa 18 X 24 cm) im Verlag L. A. Seemann in Leipzig erschienen. Ihrem Inhalt nach sind sie für uns „Heimatbilde r". In unseren Schulen dürfen sie darum eigentlich nicht fehlen; sie sind in gleichem Maße Anschauungsbilder und wertbeständiger Wandschmuck. Ihr billiger preis (1.— Mk.) macht selbst heute allen Freunden der Heimat­geschichte die Anschaffung möglich. Man wende sich an unsere Buch-

Die Rlosterschüler Händler.

1543 kehrte er nach Schlüchtern zurück und blieb den Winter über dort. Zu Ostern 1544 bezog er mit seinem Vetter Nikolaus Lotichius und mit Sieg­fried Hettenus die Universität Marburg, wo er be­sonders Philosophie, Rhetorik und Poesie studierte. Darauf ging er nach Leipzig zu dem Humanisten Joachim Tamerarius und von dort im Mai 1546 nach Wittenberg, um bei Melanchthon sein Studium zu beenden. In dem bald daraus ausbrechenden Krieg, den man den Schmalkaldischen Krieg nennt, nahm Petrus Lotichius Kriegsdienst im Heere des Schmalkaldischen Bundes. Er verfiel aber in ein heftiges Fieber, das sein Leben bedrohte und ihn zur Rufgabe des Soldatenlebens zwang.

3m Jahre 1548 weilte Petrus Lotichius zu Be= such in Schlüchtern. In seinem Dränge, sich noch weiter auszubilden, begab er fid) aber schon bald wieder nach Wittenberg, wo er den Grad eines Ma­gisters der Philosophie erwarb, und dann nach! Leip­

zig zu Tamerarius. Den Winter 1549/50 verbrachte er wieder in Schlüchtern bei seinem Gheim, dem Rbte im Kloster, wo er sich wohl, wenn auch! etwas leidend, als Lehrer an dessen Schule betätigt haben wird.

Im Frühjahr 1550 trat Petrus Lotichius II. als Hofmeister von 3 Neffen des Würzburger Domherrn Daniel Stiebar eine Reise durch! Frankreich! an, die ihn 4 Jahre lang von der Heimat fern hielt. 3m Sommer 1554 mit seinen Zöglingen nach. Würzburg zurückgekehrt, nahm er bald darauf einen kurzen Rufenthalt in Schlüchtern und reiste dann nach Leip­zig zu damerarius und von dort nach Wittenberg zu Melanchthon. 3m Spätherbst 1554 trat Petrus Lotichius II. eine zweite große Reise an, die ihn nach Italien führte . In Padua machte er länger hjalt, um sich daselbst noch weiter in der Medizin und der Naturwissenschaft auszubilden. Rls die Pest dort auf- trat, wandle er sich nach Bologna. Dort erkrankte er