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Unsere Heimat
Nr. 40/42
Das alte Gymnasium zu Schlächtern Quellenstücke und Berichte aus seiner Beschichte Don Med.-Rat Dr. Lauer, Schlächtern
V. Die Rlosterschule des Abts Lotichius ein Gymnasium.
(Berichtigender Nachtrag)
err Geheimer Studienrat Hafner zu Hers seid, der als geborener Schlüchterner den Bestrebungen
und Veröffentlichungen unseres Heimatbundes sein besonderes Interesse entgegenbringt, hat bei der Durchsicht von alten Akten aus dem Marburger Ltaatsalchiv, die er im Frühjahr des vorigen Jahres bei seinen Stubien über die ältere Geschichte des Hersfelder Gymnasiums vorgenommen hat, Material über den Rektor Pankratius Ru[[mann aus dessen Hersfelder Zeit gefunden, das er uns in dankenswerter Weise mitgeteilt hat. Er schreibt: „Pankratius Rullmann nennt sich in einer Eingabe an den Landgrafen Moritz vom Jahre 1621 einen „alten 72= jährigen Schularbeiter", der bis 46 Jahr im Schul- dienst stehe. Danach müßte er also etwa 1549 geboren und 1575 in den Schuldienst eingetreten sein. In Schlächtern blieb er Rektor bis zum Jahre 1597, wo zum letzten Mal Besoldung an ihn gezahlt worden ist. Im Jahre 1598 ging er an die Schule in Rassel über, blieb aber hier nur 2 Jahre und folgte 1600 einem Rufe an die Spitze des Hersfelder Gymnasiums. Hier hatte er mit großen Schwierigkeiten zu Kämpfen) besonders gelang es ihm nicht, mit dem hessisch-hersfeldischen Samt-Schultheißen in ein leidliches Verhältnis zu kommen, was zu ärgerlichen Konflikten führte. Rullmann war ein streitbarer Herr, der auch einmal in einem Konflikt zwischen Rlosterschälern und Soldaten des Land-Busschusses selbst tätlich wurde und mit dem Schultheißen immer auf Rriegsfuß lebte, so daß er sich, wenigstens zeitweise, die Ungnade des Landgrafen zuzog.
Rullmann blieb in Hersfeld bis zum Jahre 1610. Im Oktober 1610 erhielt er von Hanau aus seine Berufung nach Schlächtern, wo er Aussicht hatte, sich um 100 fl. zu verbessern. Dort muß er also etwa Neujahr 1611 sein Amt angetreten haben. Sein Bbzug von Hersfeld wurde ihm von hessischer Seite sehr übelgenommen. Er wurde nicht nur in Ungnaden entlassen, sondern man forderte auch von ihm die Rückzahlung von 200 spanischen Talern, die er vom letzten Bbt aus der Schulkasse erhalten hatte. Jahre lang hat Rullmann um Erlaß dieser Forderung gekämpft, indem er in langen juristischen Buseinanderfetzungen nachzuweisen suchte, daß ihm der Betrag vom Bbte geschenkt worden sei. Ueber den Busgang erfahren wir leider nichts.
Der Rektor, der 1602 nach Schlächtern kam, muß demnach ein anderer gewesen sein, vielleicht hat ja der Bericht des Pfarrers Martin Rücker gerade zur Rückberufung Rullmanns geführt, von dem man sich wohl eine Wiederherstellung der Schulzucht versprach."
Bei einer im Hinblick auf diesen freundlichen Hinweis noch einmal vorgenommenen genauen Durchsicht des aesammelten Ouellenmaterials haben sich die bisher übersehenen Buszeichnungen zweier alter Rirchen- bucheinträge gefunden, die wegen des interessanten Aufschlusses, den sie in Bezug auf die Neubesetzung
(Fortsetzung) der Schlüchterner Rektorstelle im Jahre 1602 zu geben vermögen, hier wörtlich mitgeteilt zu werden verdienen.
In dem Verzeichnis der Verstorbenen bezw. der Begrabenen, welches das Rirchenbuch enthält, findet sich eingetragen: „1607 Oktober 14 Rectoris Töch- terlein Iohannis Werneri Schefferi", und in demselben Verzeichnis 25 Jahre später: „1632 den 17 August sepelitur der alt Eonrector Wernetus Schef- ferus, ante hac Rector hujus scholae", welcher Eintrag in unserer heutigen Ausdrucksweise lautet: „1632 den 17. August wird beerdigt der alte Kon= rektor Werner Schefser, der vor dieser Zeit Rektor der hiesigen Schule gewesen ist."
Daraus geht mit Sicherheit hervor, daß im Jahre 1602 noch nicht wieder, wie wir annehmen zu dürfen geglaubt haben, der Rektor Pankratius Rullmann, sondern ein anderer Schulmann namens Johann Werner Schefser mit der Verwaltung des Rektorats der Schlüchterner Lateinschule betraut worden ist und daß dieser Rektor nach der Zurückberufung des Pankratius Rullmann im Jahre 1611 noch eine Zeitlang weiter als Konrektor bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Dienste der Schule geblieben ist.
Die im Jahre 1609 von dem Schlüchterner Pfarrer Rücker verfaßte scharfe Verurteilung hat sich demnach nicht gegen den Rektor Rullmann, sondern gegen die Tätigkeit des Rektors Iah. Werner Schefser gerichtet und dadurch den Bnlaß für die Zurückberufung des Rektors pankratius Rullmann gegeben.
VI. Die Rektoren und Lehrer des alten Schlüchterner Gymnasiums.
Ursprünglich ist beabsichtigt gewesen, hier lediglich eine einfache Bneinanderreihung der Namen der Lehrkräfte mit kurzen Notizen über ihre Herkunft und die Zeit ihrer Tätigkeit zu geben. 3m Laufe der Zeit hat sich aber über die persönlichen Verhältnisse der meisten von ihnen ein umfangreicheres Material an= gesammelt, so daß es schade gewesen wäre, wenn es unbenutzt hätte bleiben sollen. Es ist deshalb zur Bb- fassung kurzer Lebensbeschreibungen der einzelnen Lehrer verwandt und so zu erreichen versucht worden, von den nicht nur in pädagogischer, sondern auch in heimatgeschichtlicher Beziehung bemerkenswerten RTünnern ein etwas eindrucksvolleres Bild zu geben.
Hoffentlich findet dieses den Beifall der Leser unseres Heimatblättchens. Daß es möglich geworden ist, haben wir in nicht geringem Maße Herrn Kreis= Pfarrer Rohlenbusch in Meerholz zu verdanken, der uns aus seiner Sammelmappe für die Personalien der früheren Pfarrer im Hanauerland in freundlichster Weise mit reichem Material versehen hat. Ihm sei auch an dieser Stelle noch! einmal herzlicher Dank dafür ausgesprochen.
1. Magister Johannes Fennel aus Erfurt.
Er wurde 1508 als Studiosus in Erfurt immatrikuliert und im Jahre 1513 auf Grund seiner Studien zum Magister der freien Künste ernannt. Lehtrte im Jahre 1535 in der gelehrten Schule in Schlüchtern. Später