Nr. 37/39
Unsere Heimat
Seite 297
Das Vlausarbenwerk SchwarZenfels
Don Dr. jur. u. phil. Upel ch Marburg a. d. £.
o Konnte es kommen, daß trotz der vertraglichen Bindung die Fabrik Jahre lang ihre Erze von anderer Stelle bezog und sich die Kobaltvorräte unverkauft in Uichelsdorf häuften, während man in flauen Zeiten sich wieder nach Uichelsdorf wandle, dort aber bessere Erze nur unter der Bedingung bekam, daß man große Mengen von minderwertigen mit in Kauf nahm, die dann ungenutzt und durch die lange Lagerung immer untauglicher werdend in den Schwar- zenfelser Magazinen umherlagen. Die Sache ging noch, solange Uichelsdorf dem Farbwerk die Erze zum Selbstkostenpreis abgab. Das Bergwerk brauchte jetzt von dem Kobaltbetrieb keine Ueberschüsse abzu- geben, und das Farbenwerk zahlte einen mäßigen festen preis für das Material und brauchte den Uuhm der erzielten Ueberschüsse mit niemand anderm zu teilen. Seit man aber, angeblich um die Leistungen beider Werke besser voneinander scheiden zu können, in Wirklichkeit wohl, weil man hoffte, den Gewinn dadurch zu erhöhen, im Jahre 1774 festsetzte, daß die Fabrik die Erze nach billigem Mittelpreise von dem Bergwerk kaufen sollte, fing der Konkurrenzkampf zwischen den beiden Anstalten an; das Bergwerk suchte seine Erze über preis zu verkausen, das Farbwerk sie unter Preis einzukaufen, beide suchten sich unter den liebenswürdigsten Formen und heiligsten Versicherungen gegenseitig einzuseifen. Da Schwarzenfels jetzt nicht mehr in dem Maße wie früher auf Uichelsdorf angewiesen war, konnte es stärker auf die Preise drücken, sodaß der Ueberschuß des Kobaltwerkes sehr gering war und oft der Gewinn nur eben die Kosten deckte, aber das Farbwerk kam infolge der früher genannten Schwierigkeiten auch nicht in die Höhe. Und das Schlimmste war, man suchte einen Reingewinn vorzutäuschen, wie in Wirklichkeit keiner vorhanden war, indem man Schulden machte, natürlich in Uichelsdorf, wo man Jahre, Jahrzehnte lang die Kobaltlieferungen nicht oder nur teilweise bezahlte, vielleicht in dem Gedanken, daß beide Werke dem Fiskus gehörende Kameraden seien und daß es unter Kameraden ganz egal sei, wer das Geld habe, und dadurch nicht nur das Bergwerk in die peinlichste Verlegenheit brächte, sodaß es bei verschiedenen anderen Kassen Geld aufnehmen mußte, nur um seine Bergleute entlohnen unb den Betrieb aufrecht erhalten zu können, sondern auch! sich selber eine Schuldenlast aushalste, deren Verzinsung den Reingewinn immer meht illusorisch machte, unb in der man schließlich ersticken mußte.
Was man so gut wie gar nicht rechnete, das war der ungeheure Holzverbrauch der Fabrik. Die erste Frage, die das Promemoria von 1731 vor Anlage der Fabrik zur Erörterung stellte, ist die, wie viel Jahre man bei einem jährlichen Verbrauch von 1500 bis 2000 KL Holz sich Feuerung zu versprechen habe, und ob der Boden so beschaffen sei, daß man nach' Ab= lauf einer gewissen Zeit wieder schlagbare und zur Unfuhr gelegene Waldungen erhoffen könne? Der Klafter umfaßte nach heutigem Maße ungefähr 51/2 Raummeter, der Jahresverbrauch der Fabrik an Holz belief sich also auf 5250—7000 Raummeter, wahrscheinlich näher nach der hohen wie nach der nie-
(Schluß)
deren Zahl, da die späteren Gfenvorrichtungen den Bedarf noch erhöhten. Sie wurden damals nach der sehr niedrigen Forst- und Holztaxe bezahlt, aber es kam noch der preis der Anfuhr dazu, da die Fron- bauern hierfür den Hand- und Spanndienst immer mehr verweigerten, und der von Jahr zu Jahr höher wurde, je mehr die näher gelegenen Forsten abge- holzt wurden und man auf entfernter liegende angewiesen war. Schlimmer ist, daß die fürstlichen Waldungen um eines im Verhältnis nur mäßigen Gewinnes willen verwüstet und entwertet würben; denn ob sie bei dem enormen Verbrauch und der Bodenarmut der Schwarzenfelser Gegend sich in der normalen Zeit wieder hinreichend äussersten ließen, die Frage wurde damals leichtfertig bejaht und nachher niemals wieder gestellt. Buch die übrigen grundlegenden Fragen bes promemoria nach dem für den Fabrikbetrieb notwendigen Material sind damals rasch! beantwortet, aber die Folgezeit hat gelehrt, daß das dazu gesprochene „Ja" doch nur ein sehr bedingtes war. Wasser war in der Nähe, aber die später erforderliche, ziemlich schwierige und kostspielige Anlage einer neuen Wasserleitung hat bewiesen, daß es nicht ausreichte,' Pottasche mußte man schon nach kurzer Zeit in großen (Quantitäten und zu hohen Preisen von auswärts beziehen,' und das Hauptmaterial, das Kobalterz? 3a, das lieferten die hessischen Bergwerke, und das eine derselben, das zu Bieber, lag in nicht allzuweiter Entfernung, nahe bei Gelnhausen,' aber das andere, zu Nichelsdorf, auf dessen Nutzbarmachung es hauptsächlich ankam, lag ziemlich- weit entfernt, nahe der Sachsen-Eisenachschen-Grenzes und wenn auch der Abt von Fulda großzügig die zollfreie Durchfuhr durch sein Gebiet genehmigte, so verteuerte doch der weite Transport die Kosten des Erzes gan^ erhebliche 3m ganzen wird man dem Urteil des ersten Leiters der Schwarzenfelser Fabrik zustimmen müssen, daß das Werk aus falschem Grund und Platz angelegt und folglich wegen seiner Lage vielen Fehlern unterworfen sei. Es hat eine Zeit lang einen gewissen, aber mäßigen volkswirtschaftlichen Wert gehabt, hat sich aber wegen mancher Fehler in seiner Anlage und seiner Wirtschaft und wegen Aenderung der politischen, wirtschaftlichen und kommerziellen Lage nicht halten können. Sein Untergang bedeutet für die deutsche und speziell die hessische Volkswirtschaft keinen untragbaren Verlust.
Heimischer Volksmund
Die Zinse fresse met aus de Schösse!.
Hannelschaft is kaa Freundschaft.
Km Fordern is noch kann er d'rstickt.
Bu meh tveibrleut im Haus sein die Hardfeuer sHerd- feuer], do git's Streit.
(Es legt sich alles ohne Debolder.
Ber schimpft, der kauft. - Fleisch steht dem Hond schön.
Lm böse Honn git mer e Stock Flaasch meh.
(Es geht de Mensche bie de Leut.