ENTSÄUERT
PAL 2019
Seite 68 £^^Cs^^^^^^^ Unsere Heimat ^t^l^^^C^l^C^t^C^C&C^ Nr. 2
tteimatbimbpost
Es ist heute wirklich keine Lust zu leben; auch der fortschrittliche Ritter von der Steckelburg, der es s. It. so fröhlich versicherte, würde heute mit solchen: Bekenntnis vermutlich zurückhaltender sein. Am betrüblichsten ist, daß er selbst davon den Schaden mit: tragen muß. Nur mit Unbehagen lasse ich die angekündigte Huttennummer in ihrer vorliegenden Gestalt hinauSgehen. Sie sollte doppelt so stark werden und es hätte an Stoff nicht gemangelt. Neben manchem, das noch geschrieben worden wäre, sollte Hütten vor allem selbst zu Wort kommen in seinem inhaltreichen, äußerst anziehenden Brief an den Nürnberger Patrizier und Gelehrten Wilibald Pirkheimer.
Auch ein Dichter sollte mithelfen, ihn und seine Zeit uns lebendig zu machen. Hans Freiherr von Hammerstein hat im vergangenen Jahr einen geschichtlichen Roman veröffentlicht (i. Bd. Ritter Tod und Teufel, 2. Bd. Mangold von Eberstein.) Sein Kern ist die Fehde, die Mangold v. Eberstein auf Brandenstein in den Jahren 1516—1522 mit der freien Reichsstadt Nürnberg austrägt. Wie die alte und die neue Zeit im damaligen Rittertum aufeinanderstoßen, hätte nicht wirkungsvoller zum Ausdruck gebracht werden können als durch ein Gespräch Ulrichs von Hütten, als des glühenden Vertreters des Neuen, mit seinem Oheim Mangold v. Eberstein, der in- trotzigem Festhalten am Alten zugrunde geht. Der Roman ist von leuchtender Anschaulichkeit, des öfteren von atemraubender Bewegung, zuweilen von erschütternder Derbheit. Wer sich ein anschauliches Bild machen will vom Wesen und der Lebenshaltung des ausgehenden Rittertums in unserer Heimat und fränkischen Nachbarschaft, wer wissen möchte, wie es damals zuging auf dem Brandenstein und der Steckelö- burg, in Altengronau und Zeitlofö, im Sinngrund und im Saaletal, am Main und im Spessart, wie auch in der freien und reichen Stadt Nürnberg, der wird in diesen Büchern reichliche Befriedigung finden. Sie sind freilich nur für Liebhaber, für Geschichts- kundige und Literaturfreunde. Für unsere Volksbibliotheken eignen sie sich nicht.
Das oben erwähnte Gespräch haben wir also auch nicht abdrucken können, weil es uns an Raum mangelte, d. h. weil wir ihn nicht bezahlen konnten. Und nun die Hauptsache mit dem traurigen Schluß: Diese Nummer, die nach vielen: Erwägen und Schwanken endlich herauskommt, kostet uns 600 Millionen Mark. Müßten wir das Papier rechnen, kämen noch ein paar hundert hinzu. Ein paar Millionen waren durch Sammlung und Spenden eingegangen — heute haben sie kaum noch Bedeutung. Einziger Trost ist uns ein Dollarschein, der freilich von Frau Weyrauch stammt, die schon so oft in der Geberliste stand. Für die einzelne N u m m er müssen wir also 500000 Mk. erbitten — in Wahrheit nicht viel, da ein Ei das doppelte kostet. Dennoch haben wir weder Mut noch den Willen, unter diesen Verhältnissen weiterzuarbeiten. Es wird ja alsbald offenbar werden, wieviele von unseren Landleuten zumal überhaupt gewillt sind, den Betrag für diese Nummer aufzubringen. Unsere Helfer
Als Manuskript gedruckt: H. Steinfeld Söhne, Schl Verlag des Heimatbundes in Schlüchtern.
müssen wir dabei bitten, sie nur gegen alsbaldige Bezahlung abzugeben und neben oder anstelle der alten einzelne besonders interessierte neue Leser zu gewinnen, was gerade diesmal möglich sein sollte. Denn da wir eine halbe Milliarde mindestens leihen müssen, geht es nickt an, daß wir Wochen oder gar Monate lang auf die Einsendung warten sollten. Bei unserer WährungS-Anarchie und deren Folgen ist aber der Vorstand nicht mehr in der Lage, den Druck jeder Nummer zu einem geschäftlichen Wagnis werden zu lassen und an die Mitglieder jedesmal mit einer Forderung herantreten zu müssen, tue vielen, da wir uns immer wieder von den Zahlen narren lassen, unerhört erscheinen möchte. Wir wollen Freude bereiten und nicht Ärgernis erregen. Um es kurz zu sagen: wir werden erst wieder eine Nummer erscheinen lassen, wenn sie von einer genügenden Anzahl gewünscht, d. h. aber auch vorher bezahlt wird. Wir mühten also jetzt 1 Million erwarten. Sollte das nicht geschehen, dann wäre die Huttennummer vorläufig wenigstens unsere letzte — so schmerzlich das zu sagen ist. Den langjährigen, stets eifrigen und selbstlosen Mitarbeitern brauche nicht ich erst, der ich am kürzesten dabei zu tun habe, öffentlichen Dank zu sagen; die Freude, mit der „Unsere Heimat" stets erwartet und gelesen wurde, war ihnen stets Lohn und Dank genug. Aber auch das kann ich in ihrem Namen sagerm sie werden jederzeit bereit sein, die Feder^wleVer zu ergreifen, sobald es begehrt wird.
Bei unzähligen Unternehmungen, die heute finan- zielle Nöte haben, denkt man an Amerika. Nun ist es soweit gekommen, daß selbst „höheren Orts" davor gewarnt wurde, weil man jenseits des Wassers anfängt, ungehalten zu werden ob der deutschen Bettelei. Auch uns fteht'ö nicht an, von amerikanischen Geschenken uns abhängig zu machen. Aber über eins wundere ich mich: daß „U. H." nicht mehr Lefer in Amerika hat. Es besteht dort seit langem ein Schlüchterner Freundschaftsband. Er hat dem Turnverein eine neue Fahne gestiftet, und wir gönnen sie ihm von Herzen, ebenso auch die besonderen Sympathien, die ihnen ihr Wimpel mit dem Sternenbanner, der schon früher geschenkt wurde, auf bem großen deutschen Turnerfest in München eingetragen hat — ihre Gruppe ist in der „Woche" als deutsch- amerikanische erschienen — sollten aber unter all den Schlüchternern nicht 1—2 Dutzend sein, die Interesse an unserem Heimatbund hätten und „Unsere Heimat" lesen möchten — und sie im Jahr mit einem Dollar bezahlten? Dann wäre uns geholfen. Aber das müßten einzelne aus ihrer Verwandtschaft besorgen.
In den „Fuldaer Geschichtsblättern", der Zeitschrift des Fuldaer Geschichtsvereinö, herausgegeben von Prof. Dr. Gregor Richter, ist in den Jahrgängen 1908 und 1909 eine sehr gründliche Untersuchung über „Ulrich von Hütten und das Kloster Fulda" vom Herausgeber erschienen, deren Lektüre allen Interessenten angelegentlichst empfohlen werden kann.
Mit herzlichen: Heimatgruß
F r i s ch k 0 r n.
totem. Echristleitung: Pfarrer Frischkorn, Wallroth. P tcheck-Konto 80311 in Frankfurt a. M.