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Nr. 2 ^c^^^^ß,^^^^^ Unsere

Aufsehen und Widerhall gefunden hatten. Aber noch immer bestand die Spannung mit seiner Familie. Er war ja nur ein Poet o. H. er war nichts in den Äugen des Alten auf der Steckelburg. Die väterliche Burg blieb ihm nach wie vor verschlossen. Da fand sich Gelegenheit, allen denen, die den Namen Hütten führ­ten, einen Dienst zu tun mit der Waffe, die er als Streiter für Wahrheit, Recht und Freiheit so meister­lich zu führen gelernt hatte, mit der verpönten Feder. Im Jahre 1515 war Ulrichs Vetter Hans von Hütten vorn Württemberger Herzog, in dessen Diensten er stand, meuchlings erschlagen worden. Selbst in einer Zeit, wo Mord und Totschlag an Fürstenhöfen nichts seltenes war, erregte diese Tat großes Aufsehen und bei dein ganzen Hutten'schen Geschlecht tiefste Ent­rüstung. Ulrich wurde Wortführer und Sachwalter sei­ner Familie. 5 Schriften schrieb er gegen den Mör­der, in denen er Kaiser und Reich zur Rache an dem Tyrannen aufrief. Weil er für die Ehre seiner Familie so kräftig eingetreten war, nahm ihn endlich sein Vater wieder in Gnaden an. Er durfte heimkehren. Lange hielt es der unruhige Geist nicht aus auf der einsamen Burg. Von seinem Vater mit Geld versehen und mit der Weisung, seine Rechtsstudien zu vollenden, zog er wieder nach Italien. Aber auch jetzt trat das Stu­dium halb zurück. Aus alten Büchern Gelehrsamkeit sich aneignen, war nicht Hutten's Sache. Die Gegen­wart zog ihn immer wieder in ihre Kämpfe hinein. Stellungnahme zu den Fragen, die die Geister be­wegten, selbst eingreifen, der Wahrheit zum Siege ver­helfen, das entsprach seiner Art. Wer so sich hincin- stürzte in's volle Leben, schonungslos angriff und seine Streiche qusteilte, durfte sich nicht wundern, wenn ihm mit gleichem vergolten wurde. Wälsche Tücke be­reitete ihm Nachstellungen. Er fühlte sich im Lande des Gifts und des Dolches nicht mehr sicher und kehrte nach Deutschland zurück. Dort erwartete ihn eine höbe Auszeichnung. Kaiser Marimilian krönte ihn in Augs­burg vor versammeltem Hofstaat im Sommer 1517 mit dem Lorbeerkranz. Das war die größte Ehre, die einem Dichter widerfahren konnte. Und Ulrich war stolz auf diese Auszeichnung. Auf den Titel seiner Schriften setzte er fortan zu seinem Namen die Bei­fügung: „gekrönter Dichter", und auf dein Bilde aus jener Zeit sieht man ihn mit dem Dichterlorbeer ge­schmückt. Weniger stolz scheint der Vater gewesen zu sein, als der junge Dichterkönig im Herbst 1517 für ein paar Wochen auf der Steckelburg Einkehr hielt. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn er ihn statt als Dichter als einen berühmten Rechtsgelehrten hätte be­grüßen können.

Den Aufenthalt auf der Steckelburg benutzte Hütten zur Neuherausgabe der schon 80 Jahre vorher er­schienenen, aber ganz in Vergessenheit geratenen Schrift von Laurentius Valla über die Constantin'sche Schen­kung. In dieser Schrift wird die Urkunde, in welcher Kaiser Constantin dem Bischof von Rom die weltliche Herrschaft über ganz Italien einräumt, als plumpe Fälschung nachgewiesen und der darauf basierende Glau­be in's Reich oer Legende verwiesen. Hütten war so dreist, die neu herausgegebene Schrift dem Papst Leo X. zu widmen. Andere Päpste, sagte er in seiner Zuschrift, hätten die Schrift verboten, Leo dagegen würde sie lieben, weil er ein Freund der Wahrheit sei. Das war Hutten's erster Vorstoß gegen die weltliche Machtstellung des Papstes. Die Verweltlichung der Kirche, die Sittenlosigkeit ihrer Diener hatte er schon

Heimat ^^^^c^^^^^t^^c^ Seite 59 in mancher Schrift und manchen: Gedicht bald ernst bald mit Spott und Witz gebrandmarkt („Briefe der Dunkelmänner", die er zwar nicht versaßt, aber be­einflußt hat).

Man muß sich darüber wundern, daß Hütten mit feiner antirömischen schriftstellerischen Vergangenheit und Gesinnung es wagte, seine Dienste dem ersten deut­schen KirchensPrsten anzubieten, und noch mehr, daß Erzbischof Albrecht von Mainz ihn in seine Dienste nahm. War's bei Hütten die Aussicht auf ein sorgen­freies Leben am Mainzer Hof, die Sehnsucht nach Ruhe, was ihn seine Bedenken zurückstellen ließ? War's bei bem schöngeistigen Kirchenfürsten die Freude an dein aufrechten, wenn auch maßlos leidenschaft­lichen Dichter? Genug, er ließ ihn kommen und ge- währen, ließ es zu, daß die gefährlichsten Schriften Hutten's in Mainz gleichsam unter seinen Augen ge­druckt wurden. Freilich lange konnte dies Verhältnis nicht dauern, zumal Hütten immer rücksichtsloser sei­nem Herzen Luft machte. Eine Brandschrift übertraf die andere an Freimut, aber auch an verletzender Form (Febris, das Fieber, trias Romana, die römi­sche Dreifaltigkeit u. a.). In: Jahr 1519 trat Hütten aus den: Mainzischen Dienst, ben er bei seinem unge­stümen Freiheitsdrang je länger je mehr als eine Fessel empfinden mußte. Friedlich scheinen Gönner und Schützling sich getrennt zu haben. Als der Papst von dem gefährlichen Treiben Hutten's am Mainzer Hof unterrichtet, den Erzbischof mit heftigen Worten zur Rede stellte, konnte dieser ihm antworten, er habe Hütten aus seinem Dienste entlassen, und könne jetzt nichts mehr gegen ihn ausrichten, da er sich in sicheren Burgen hielte und eine große Schar Bewaffneter um sich habe. Seinen Buchdrucker habe er in's Gefängnis werfen lassen und den Verkauf seiner Schrift ver­boten.

In diese Zeit fällt die erste Berührung Hutten's mit Luther. Beide Männer hatten manches gemein: das heftige Temperament, die packende Sprache in ihren Schriften, auch bekämpften sie denselben Feind. Und doch wie grundverschieden waren beide in ihrem Wesen und in ihrem Ziele. Hütten im Grunde eine weltliche, Luther eine tiefreligiöse Natur, Hütten Humanist, be­geistert für Bildung und Geisteöreform, Luther Tbeo- loge, dem das Ewige und das Seelenheil in erster Linie stand. So wenig Verständnis hatte Hütten anfangs für Luther und feine Sache, daß er noch im April 1519 an einen Freund schreiben konnte: „Zu Wittenberg in Sachsen ist, was Ihr vielleicht noch nicht wißt, eine Partei gegen die Gewalt des Papstes aufgetreten, wäb< rend die andere den päpstlichen Ablaß verteidigt. Von beiden Seiten nimmt man einen gewaltigen Anlauf und bietet viel Kraft auf. Mönche stehen an der Spitze der Kämpfenden. Die Heerführer sind rasch und hitzig, voll Mut und Eifer. Bald rufen sie und schreien, bald jammern sie und klagen das Schicksal an. Neuestens haben sie sich auch an das Schreiben gemacht. Die Buchdrucker bekommen zu tun. So, hoffe ich, werden sie sich gegenseitig zu Grunde richten. Fresset einan­der, bamit ihr von einander gefressen werdet! Ja, gebe Gott, daß alle zu Grunde gehen und aussterben, welche der auffeimenben Bildung hinderlich sind." Die anfängliche Ablehnung verwandelte sich aber bald in eine begeisterte. Dagegen würbe Luther von Monat zu Monat gegen Hutten's Freundschaft kühler. Was Hütten mit Ungeduld begehrte, Krieg und Gewalt, ver- warf Luther. Er wollte eine Reformation auf dem