Nr. 4/5/6 ^r^^^^^^^ß^t^ Unsere Heimat c^^^c^^^g^^c^rsk^g^ Seite 29
Industrie zum Opfer gefallen, wenn ihm nicht der Krieg mit seinen unseligen Folgen noch einmal zu neuem Leben verholfen hätte.
Die alten Vorrichtungen zum Walken des wollenen Tuches beruhen in Bezug auf ihre Bauart auf demselben Grundgedanken, wie die Schlagmühlen, denn auch bei ihnen hatten eine Anzahl von abwechselnd fallenden Stempeln das Tuch zu quetschen und dadurch zu verfilzen.
Länger als anderthalb Jahrtausende haben die kleinen nach römischem Vorbild erbauten Mahlmühlen unsern Vätern und Vorfahren treu gedient. Erst gegen Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fing man an, auch in Deutschland verbesserte Mühlwerke einzuführen, wie sie sich in Amerika und England schon länger durchgesetzt und bewährt hatten.
Vor mir liegt ein altes vergilbtes Zeitungsblatt der „Aschaffenburger Zeitung" aus dem Jahre 1826, in dem als besondere Neuigkeit berichtet wird, daß man in Berlin eine Mahlmühle nach dem Muster der amerikanischen Mühlen eingerichtet habe. Das feine Eisendrahtgewebe zu den Sieben in den Maschinen dieser Mühle sei in einer Berliner Fabrik angefertigt. Auch in Guben und Magdeburg habe man bereits nach amerikanischer und englischer Art eingerichtete Mühlen im Betriebe. Ja, in Amerika gebe es sogar bereits Mühlen, deren Triebwerk ganz von Eisen sei. Danach scheint in Deutschland zunächst nur der Beutel aus Gaze als größtes Schmerzenskind durch die sehr
viel haltbareren mechanisch bewegten Siebe, wie man sie in Amerika hatte, ersetzt worden zu sein. Erst später und viel langsamer haben sich, zumal in den ländlichen Mühlen, die ganz aus Eisen verfertigten amerikanischen Triebwerke eingeführt, so daß sich in einzelnen weitab vom Verkehr gelegenen heimatlichen kleinen Dorfmühlen, die nur die geringen Bedürfnisse wenig zahlreicher Dorfbewohner zu befriedigen haben, aus Holz gezimmerte Triebwerke, wie sie bereits zu Kaisers AugustuS Zeiten im alten Rom üblich gewesen sind, bis in die heutige Zeit hinein im Betriebe haben erhalten können. Erst wenige Jahre sind es her, daß der Schreiber dieses ein solches altes, ganz aus Holz verfertigtes Mühltriebwerk noch in der zwischen Sannerz und Sterbfritz an der Kinzig liegenden Klingmühle in vollem Betrieb hat laufen sehen.
Allzulange wird es freilich nicht mehr dauern, bis auch das letzte dieser gewerblichen Altertümer unserer Heimat für immer dahingegangen sein wird, denn der immer schärfer werdende Kampf um5 Dasein läßt es nicht mehr zu, daß überlebte und rückständige gewerbliche Betriebe auf die Dauer bestehen bleiben können.
Möge ihrer deshalb zum Wenigsten in unserem Heimatblättchen noch einmal in Wort und Bild etwas eingehender gedacht worden sein, ehe sie gänzlich dahin geschwunden sein und für immer der Vergangenheit angehören werden.
Vad Srückenau, Geschichtliche Aufzeichnungen zur V5 jährigen Jubelfeier im Sommer 1^22. Mitgeteilt von Alf 0 nS A g r i c 0 l a, Züntersbach.
er Osten des Kreises Schlüchtern ist wirtschaftlich weit mehr mit der unterfränkischen Bezirksstadt Brückenau verbunden als mit der Kreisstadt. Er wird deshalb an der 175 jährigen Jubelfeier des Bades entsprechenden Anteil nehmen und Interesse an seiner Geschichte haben.
Den Bewohnern des Sinntaleö sind die Mineralquellen an der Stelle, wo in der prächtigen Wiesenau eine Brücke über die Sinn führt, schon viele Jahrhunderte bekannt gewesen. Ein Schäfer soll sie um das Jahr 1000 zuerst entdeckt haben. Die Sage erzählt, daß er seine Schafe nicht von dem Wasser habe wegbringen können. Nachts seien sie ihm aus dem Pferch gebrochen und zu dem Wasser geeilt. Er habe dann selbst davon getrunken und seine Eigenart festgestellt. Die Schäfersfrau, welche dem Siechtum verfallen war, sei davon gesund geworden.
Stadt und Bad Brückenau bilden eine politische Gemeinde. Im Jahre 1242 wird die Stadt zum erstenmale in der Geschichte erwähnt. Es wurde nämlich in diesem Jahre zwischen dem Würzburger Bischof Hermann von Lobdeburg und dem Fuldaer Abte Konrad von Malkolz die sagenhafte Schlacht wegen der Befestigung der Stadt Hammelburg gefochten. Im Jahre 1260 wurde der Platz mit Mauern und Gräben umgeben, und Kaiser Heinrich VII. verlieh ihr am 27. Juli 1310 alle Rechte der Reichsstadt Schweinfurt. War schon das Städtchen durch die Fehden der Ritter arg mitgenommen worden, so verarmte die Bevölkerung vollständig während des zo jährigen Krieges, in welchem sie besonders unter dem Durchzug der 1642 aus
Thüringen kommenden bayerischen Armee zu leiden hatte. Daß die Stadt heute nicht mehr einen mittelalterlichen Eindruck erweckt, hat seinen Grund darin, daß am 14. August 1876 die Kirche, • bas Rathaus, das Bezirksamt, sowie 170 Wohn- und 84 Nebengebäude abbrannten. Auch die in allen fürstabtlichen Ansiedelungen reichlich vorhandenen Chroniken sind damals mitverbrannt.
Die eigentliche Geschichte des Bades beginnt erst im Jahre 1747, in dem der Fürstabt und nachmalige erste Fürstbischof von Fulda, Amand von Buseck, zu dessen Gebiet das Städtchen und der Bezirk Brückenau damals gehörte, die Stahlquelle fassen ließ. Die ebenfalls schon bekannten Wernarzer und Sinnberger Sauerquellen blieben noch ungefaßt. Der Fürst erwarb die umliegenden Wiesen und legte einen Kurgarten an. Der Sinnbrücke gegenüber, auf dem südlichen Abhang des Harthwaldes ließ er einen großen Garten terrassenartig anlegen. Die notwendigen Gebäude wurden in Fachwerk errichtet, sodaß der Kurbetrieb im Jahre 1749 ausgenommen werden konnte. Aus einem Felsen wurde in demselben Jahre eine zweite Quelle erbohrt, die in der Gemarkung von Wernarz liegt und deshalb Wernarzer Brunnen genannt wurde. Der Gründer des Bades wohnte anfangs selbst in Brückenau, als aber die Kurgäste sich mehrten, residierte er in dem Schloß zu Römershag, das i1/^ Stunde oberhalb des Bades liegt. Zur Zeit des Badegründers waren 7 Hauptgebäude errichtet worden. Rechts des Kurgartens standen die Häuser Lamm, Biber und Löwe, links Hirsch, Widder und