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zu finden.*) Auf ihr mußten in den größeren Haushaltungen niedere Mägde tagtäglich in mühsamer Arbeit das für das tägliche Brot und den so beliebten Haferbrei' nötige Getreide zermahlen, denn das Treiben des Mühlwerks galt als ein verächtliches Gewerbe, das nur unfreien Knechten und Mägden zugemutet wurde." So singt z. B. ein Lied der Edda, der alt nordischen Lieder- und Sagensammlung, von zwei Mägden des Königs Frodi, die ihm das Korn mahlen mußten und denen dabei nicht länger Ruhe gegönnt wurde, als der Gauch (Kuckuck) schwieg und ein anderes: „Zur Mühle werden die Mägde geführt, die grauen Steine im Gang zu erhallen."
Im Laufe der Zeit nahm man in großen Haushaltungen zum Mahlen des Getreides auch die Arbeitskraft von Tieren in Anspruch. Es entstanden die Roß- und Eselsmühlen.
Erst vom vierten nachchristlichen Jahrhundert an traten in Germanien, zuerst an der Mosel und ihren Nebenflüssen, an die Stelle der Handmühlen Wassermühlen, die zu bauen man inzwischen von den Römern gelernt hatte.
Bei den Römern waren damals Wassermühlen schon lange im Gebrauch gewesen, findet sich doch bereits in dem Werke des zur Zeit des Kaisers Augustus in Rom lebenden Ingenieurs Vitruvius Pollio „Ueber die Baukunst" das Getriebe einer Wassermühle beschrieben, das eine schon längere Erfahrung der Römer im Bau von solchen Werken voraussetzen läßt.
Nachdem Vitruv in seiner Schrift ein durch die Strömung des Flußwassers in Bewegung gesetztes Schöpfrad besprochen hat, fährt er, ins Deutsche übersetzt, also fort: „Auf dieselbe Weise werden auch die Wassermühlen getrieben, bei denen sich sonst alles ebenso wie beim Schöpfrad veryält, nur daß die Radwelle an ihrem einen Ende ein Zahnrad trägt. Dieses Zahnrad steht senkrecht und dreht sich gleichmäßig mit dem Schaufelrad in derselben Richtung. In dasselbe eingreifend ist ein zweites wagrecht liegendes, kleineres Zahnrad angebracht, dessen eiserne Welle an ihrem oberen Ende zwei schwalbenschwanzartige Enden trägt, die in den Mühlstein eingekeilt sind. So bringen die Zähne des an der Schaufelradwelle sitzenden Zahnrades dadurch, daß sie in die Zähne des wagrechten Zahnrades eingreifen und es treiben, den Mühlstein zur Umdrehung. Ein über diesem Mühlwerk hängender Trichter führt den Mühlsteinen ständig das Getreide zu unb durch die Umdrehung des einen von ihnen wird es zu Mehl gemahlen."
Die Frage, aus welchem Material die Mühltriebwerke der Römer hergestellt wurden, berührt hiernach Vitruv nur insoweit, als er besonders hervorhebt, daß die Welle des wagrechten Triebrads, die auf ihrem oberen Ende den beweglichen Mühlstein trug, aus Schmiedeeisen bestanden habe. Daraus darf geschlossen,werden, daß die übrigen Teile eines römischen Mühltriebwerkes, im besondern auch die Triebräder, ebenso wie das Schaufelrad, von dein es bezeugt wird, aus Holz ge- zimmert gewesen sind. Mit den römischen Wassermühlen, die ja für die ©ermanen etwas ganz Neues waren, gewann auch ihre römische Bezeichung Heimatrecht in Germanien. Aus dem in der römischen
*) Noch heutigen Tages sind, wie Herr Lüders-Schlüchtern aus eigener Anschauung mitteilt, derartige Handmühien in Ostpreußen in der Gegend der Masurischen Seen in jedem Bauern- Hause anzutreffen, weil dort die Gestaltung der Erdoberfläche die Anlage von Wasser- und Windmühlen nicht gestattet.
Volkssprache gebräuchlichen Molina wurde im althochdeutschen Mulina, Mulin, Muli, im mittelhochdeutschen Mül, Müle und schließlich im neuhochdeutschen das Wort Mühle, dessen wir uns noch bedienen, wenn wir heute von einer gewöhnlichen Wassermühle, in der das Getreide gemahlen wird, reden.
Zunächst scheinen die fränkischen Mühlbauer nur den Bau von verhältnismäßig kleinen je für einen Mahlgang ausreichenden Mühlrädern verstanden zu haben. Nur so läßt es sich ungezwungen erklären, daß in einer Schenkungsurkunde für das Benediktinerstift Stablo-Malmedy aus dem Jahre 677 unter den verschiedenen Schenkungöstücken auch „zwei Mühlen unter einem Dach" , aufgeführt werden. Erst später gelangte man dahin, mehrere Mühlgänge durch ein einziges hinreichend großes Mühlrad treiben lassen zu können.
Alle früheren an der Mosel und ihren Nebenflüssen nach römischem Vorbild errichteten Mühlbauten waren, wie die von Vitruv beschriebenen, sogenannte unter- schlächtige Mühlen, deren Triebräder einfach in daö Flußwasser getaucht waren und von dessen natürlicher Strömung getrieben wurden. Erst später kamen in Deutschland die oberschläcbtigen Mühlen auf, bei denen das durch ein besonderes Gerinne (Mühlgraben) zur Mühle geführte Flußwasser das Mühlrad von oben her nicht nur durch seine natürliche Strömung, sondern auch durch sein Gewicht zur Umdrehung bringt und in Gang erhält.
Da diese Art der Mühlen zu ihrem Antrieb nur eine verhältnismäßig geringe Wassermenge braucht, wurde es durch sie erst möglich, daß auch die Bewohner der nur von dünnen Wasseradern durchfloffenen Waldgebirge Deutschlands an den Segnungen, welche die Einführung der Wassermühlen der Menschheit gebracht hatte, voll teilnehmcn konnten. Unter den im altfränkischen Volksrecht, der sogenannten lex Salica, erwähnten Mühlen wird man wohl hauptsächlich solche kleine oberschlächtige Mühlen zu verstehen haben.
Wesentlich gefördert wurde der Bau von Wassermühlen im Ostfränkischen Reiche durch die Könige aus dem Hause der Karolinger. Dadurch, daß zum Beispiel Kaiser Karl der Große den Verwaltern der zahlreichen Königshöfe es zur Pflicht machte, dafür zu sorgen, daß keinem von ihnen eine Wassermühle fehle, schuf er zahlreiche Vorbilder, die den übrigen Grundbesitzern und besonders auch den Dorfgemeinden Anlaß zum Bau von eigenen Wassermühlen gaben. Spätestens im 12. Jahrhundert dürfte im westlichen Deutschland jede Gegend ihre Wassermühle gehabt haben.
Genauere Nachrichten darüber, wie die früheren deutschen Mühlen, im besonderen auch ihre Triebwerke in ihren Einzelheiten beschaffen gewesen sind, oder gar bildliche Darstellungen von solchen, besitzen wir nicht. Erst aus dem letzten Drittel des 12. Jahrhunderts ist uns die typische Darstellung einer altdeutschen Mühle erhalten geblieben, die nicht nur das sie treibende, von: strömenden Wasser getriebene unterschlächtige Mühlrad zur Anschauung bringt, sondern auch einen wertvollen Einblick in daö innere Getriebe eines damaligen Mahlganges gewinnen läßt. Sie entstammt dem sog. Hortus deliciarum (zu deutsch: Lustgarten), einer von der Äbtissin des elsässischen Klosters St. Odilien- berg, Herrad von Landsperg, für den Gebrauch beim Unterricht ihrer Klosterjungfrauen verfaßten Handschrift, die im Jahre 1870 beim Brand der Universitätsbibliothek in Straßburg leider ein Raub der