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gefüllt worden war, mit herunter und ließ ihn so hart auffallen, daß er barst und die durch eingedrungenen Regen bereits teilweise zerstörten Schriftstücke blos- legte. (Also schon damals Lötersatz!) Ich glaube, der Gockel ist „den Kram müde" und will selbst als Zuschauer „über den Höhen der Menschheit" nicht mehr mitmachen — wie so mancher Staatsbürger, Nichtver- diener und kleine Rentner, die auch beim großen Ramsch nur das Zusehen haben. Viele preisen sogar selig den oder die, die vom überall tätigen Führer Tod angerufen, still beiseite treten und sich dann seinem großen Zuge anschließen. „Ach, ich bin des Treibens müde!" So verabschiedete sich auch nach 83jähriger Erdenwanderung der in der Kreisheimat wohlbekannte Pfarrer B o d e, der Jahrzehnte in Wallroth und Hintersteinau gewirkt hat, bis ihn wiederholte Schlag- anfälle zur Niederlegung seines Amtes nötigten. Der reckenhafte, finster aussehende Mann war allerorten beliebt und geschätzt. Wer sein Pfarrhaus betrat, fand dort in urwüchsig guter Form herzliche Gastfreundschaft, staunte und bewunderte den unter starken Händen froh sprießenden Blumenflor im Garten wie in allen Ecken und Fensternischen und fühlte sich schnell heimisch im Gespräch mit dem sonst schweigsamen, aber daheim gesprächigen und heiteren Riesen, der nie hat anders scheinen wollen als er war. Als er in Langenselbold, wo er seine letzten Lebensjahre zubrachte, zu Grabe getragen wurde, da traten aus vielen Häusern und Häuschen Teilnehmende hinter die Reihe der leidtragenden Angehörigen und Freunde und bildeten ein Gefolge, das Zeugnis für die Wertschätzung ab- legte, die er wie seine beiden Töchter durch ihre Herzensgüte und stete Hilfsbereitschaft gefunden haben.
Wer in Schlüchtern hat nicht die „S ch w e st e r Charlotte" (Brenker) gekannt? Sie ist einst 10 Jahre hier der Kranken und Schwachen treue Hilfe und Trost gewesen. Im Jahre 1915 erlitt sie' einen Schlaganfall und lag seitdem krank im Mutterhause, nun selbst Liebe und Pflege fast 7 lange Jahre empfangend. Es wird von ihr gerühmt, daß sie ein Vorbild von Geduld in ihrem schweren Leiden und voll Dankbarkeit gegen Gott, der ihr den herrlichen Beruf geschenkt habe, gewesen sei. Nun ist sie im Alter von 65 Jahren heimgeholt worden.
Auch der Lehrer Bodenburg in Hohenzell ist aus dem Leben geschieden. Plötzlich raffte den noch kräftigen und arbeitsfähigen Mann die Grippe hinweg, ohne Rücksicht darauf, daß er sich noch Aufgaben für seine jüngsten Kinder gestellt hatte, deren Versorgung ihm am Herzen lag.
Das Wirken im Dienste der Gesamtheit hinterläßt bleibende Spuren bis in's dritte und vierte Glied. Waren gar die Lippen und Hände der Wirkenden gesegnet, so wird ihre Arbeit ein dauerndes Gedenken finden und die Dankbaren zur Betätigung rufen. Diese Tatsache darf auch festgestellt werden für die Einwohner Schlüchterns, die es für Pflicht halten, den im Kriege für's Vaterland gefallenen Helden ein dauerndes Kriegerdenkmal zu setzen. Die widerstrei- tenden Meinungen über die Art und die Stätte dieser Denkmals erschienen geklärt: Ein Gedenkstein mit den Namen der Gefallenen soll im Klostergarten gegenüber der Klosterrenterei errichtet werden; die Sammlung der Gaben zur Bestreitung der Kosten ist bereits im Gange. Doch erscheint Vielen die Periode der Kriegerdenkmäler nicht mehr zeitgemäß (hier und da ist die Enthüllung durch Bälle gefeiert worden!) und dem heutigen Em
pfinden nicht mehr entsprechend. Es ist s e h r s ch a d e, daß der Gedanke des Baues eines Gemeindehauses als Denkmal nicht hat verwirklicht werden können, ein Gedanke, der vom Herrn Superintendenten Orth zuerst ausgesprochen, gerade von den meisten Hinterbliebenen und Trauernden um die Gefallenen nachgefühlt worden ist. Dieses Gemeindehaus, das natürlich auch die Namen der Helden und die entsprechende Widmung tragen sollte, würde sehr oft einen lebensvollen Inhalt erhalten haben in Gestalt von Feiern, Vorträgen, Beratungen, Versammlungen ernster und würdiger Art, eine Stätte besonders für unsere Jugend, die gerade hier sich sammeln möge zu Zwecken ihrer Weiterbildung und zur Förderung sittlich-religiöser und vaterländischer Gesinnung wie auch des Genießens veredelnder Kunst. Gab und gibt es denn auch jetzt noch kein Mittel, diesen guten Gedanken zu v erwirkli che n ? Die Toten werden gern noch einige Jahre und noch länger warten, wenn sie so geehrt werden! Für die Sammlung ist jetzt, später und immer die rechte Zeit!
Stärker als die Denkmalsfrage berührt unsere Kreis- stadt der nun fest beschlossene völlige Abbau des Seminars. Vom Herbst 1922 ab werden nur noch drei Seminarklassen vorhanden sein. Als Ersatz wurde die „Ausbauschule" begrüßt, die nach mehreren, freilich unverbindlichen Mitteilungen von Landtagsabgeordneten für Schlüchtern zum 1. April 1922 im Ministerium beschlossen sein sollte. In mehreren Artikeln der „Fuldaer Zeitung" wurde die Aufbauschule für F u l d a gefordert. Eine von den Städtischen Körperschaften gebildete Deputation begab sich darauf in Begleitung des Herrn Landrat von Trott zu Solz als Vertreter des Kreises nach Berlin, um im Ministerium zu erfahren, daß die erste Aufbauschule in Fulda für 1922 schon seit Wochen beschlossen sei und Schlüchtern die zweite 1923 erhalten solle. Es dürfte in allen Kreisen interessieren, maß wir von dieser neuen Schulgattung zu erwarten haben. Schüler der Volksschule können vom 13. Lebensjahre ab 6 Jahre lang die „Ausbauschule" besuchen; solche, die Volksschullehrer werden wollen, müssen, wie auch die von anderen höheren Schulen Abgegangenen noch 2 Jahre an der Hochschule ihre pädagogische Ausbildung erhalten; Söhne von Landwirten dagegen sollen wieder in die Landwirtschaftsbetriebe zurückkehren und ihre gute höhere Bildung soll für eine allgemeine geistige Hebung der'Bevölkerung anregend und fördernd wirken. Wenn sich zunächst von jedem Dorfe auch nur ein begabter Schüler fände, diese Schule zu besuchen, so würden die Klassen alsbald gefüllt sein. Um die Kosten zu verbilligen, würde die Aufbauschule Jnter- natsbetrieb haben. — Die hiesige Lateinschule soll durch die neuen Schulpläne in ihrer Existenz zunächst nicht gestört werden; die Pläne, sie sogar auszubauen und evtl. eine „Oberschule" aus ihr herauswachsen zu lassen, werden solange nicht zurückgestellt werden, als der Plan der Aufbauschule unausgeführt bleibt. Die städtischen Behörden fühlen sich verpflichtet, die Gefahren, die unsere Bildungsanstalten bedrohen, im Auge zu behalten und sein Mittel unversucht zu lassen, daß Stadt und Kreis einen Ersatz für die im Absterben begriffene Lehrerbildungsanstalt erhalten.
Die „brennende" Frage des Losholzes hält noch alle Gemüter in Spannung. Die berechtigten Empfänger wollen nicht auf ihr R e ch t des Bezugs verzichten; demgegenüber wird der D e r z i ch t der Vermögenden auf