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vorbeugend helfen kann, und ließ uns durch Schauen ungezählter Präparate und der gesamten Einrichtung der Anatomie etwas ahnen von dem, was Opferwille von Menschenfreunden durch Gründung und Förderung wissenschaftlicher Arbeit und was diese selbst mit deutscher Gründlichkeit und aus Helfer trieb geborenem Fleiß zu leisten imstande ist. Wir danken dem unermüdlichen Meister, daß er uns dieser Erkenntnis gestärkt.
Weihnachten naht!
Es bleibt bei dem, was der alte Wilhelm Raabe schon vor Jahrzehnten gesagt: „Seitdem der Heiland in diese Welt des Hungers geboren, hat doch das Reich Gottes festen Fuß auf Erden gefaßt. Die Völker schauen das große Licht. Die Menschheit hält keine selbst-
gefertigten täuschenden Mantel mehr um ihre blutenden Wunden und gefesselten, zerschlagenen Glieder. Sie erträgt'S nicht mehr. In ihren sehenden Gliedern kniet sie und horcht auf die Stimmen aus dem tiefsten Innern und von oben. Wahrheit! jauchzt es vom Aufgang, Freiheit! vom Niedergang und Liebe! sangen die Engel über der Hütte der Erb- tochter Davids." Der Hunger danach stirbt nicht. Er ist im Grunde der Hunger nach dem Heiligen, nach dem, was uns erlöst aus allem Trügerischen, an den Tod Fesselnden, Liebefernen. Nun kommt Weihnachten mit seinem Wunderbaren: Sehet den Vater durch alles Dunkel! Lasset ihn den Herrn eures Lebens sein! O Weihnachten! Flg.
Sauer und Geistesbildung.
Von Alfons Agricola-Züntersbach.
en Bauer als „dumm" zu bezeichnen, ist heute mehr eine üble Gewohnheit aus früheren Zeiten, und das in Städten gangbare Schimpfwort: „Du dummer Bauer!", bezieht sich wohl mehr auf gesellschaftliche Umgangsformen als auf die Geistesbildung.
Die wahren Gebildeten aller Zeiten, wozu wir fast durchweg die Herren der Bauern in alter und mittelalterlicher Zeit rechnen können, haben immer eine große Hochachtung vor dem Bauernstande gehabt.
So meint Sokrates, der weiseste Grieche, welcher von 470—399 v. Chr. lebte, daß auch die glücklichsten Menschen des Feldbaues nicht ermangeln können. Er entzünde die Seele mit Fleiß und Eifer zur Arbeit und vergnüge sie zugleich mit süßer Lust. Er vermehre das Vermögen und übe den Leib. Hier lerne man die Gerechtigkeit von selbst, da diejenigen die besten Belohnungen genießen, die ihre Arbeit am besten verrichten. Der Feldbau lehre sie auch, einander beizuspringen und einander mit dem Mangelnden zu unterstützen. Auch lerne man hier am besten die Gottheit verehren, da von ihrer Regierung alles abhängt. Derjenige habe wohlgesprochen, der den Feldbau die Mutter und Säugamme aller übrigen Künste genannt hat. Denn wenn es 14m ihn wohlstehe, so gediehen die Künste. Der Römer Porcius Cato sagt: „Wollten unsere Vorfahren einen als guten Mann loben, so nannten sie ihn einen guten Bauern und einen guten Landwirt. Ein größeres Lob gab es nach ihrer Ansicht nicht." Wenn auch sein bedeutenderer Landsmann Ciccero meint, die landwirtschaftliche Arbeit vertrage sich nicht mit einer feineren Geistesbildung, so redet er ihr doch das Wort, als er vor Gericht sagte: „Unter allen Beschäftigungen, von denen man Nutzen zieht, gibt es keine vortrefflichere, angenehmere und eines freien Mannes würdigere als den Ackerbau."
Kurz vor der Geburt Christi lebten zwei römische Dichter Vergilius und Horaz. Der erstere sagt in seinem umfangreichen Gedicht über den Landbau: „Wie beglückt ist der Landmann! Ihm gibt aus ihrem Schoß die gerechte Erde, fern von den Waffen der bürgerlichen Uneinigkeit, seine leichte Nahrung. Sein Leben hat eine sichere Ruhe. Es mögen andere die unsicheren Meere durchschiffen, Städte und Häuser zerstören, es mögen andere aus Geiz ihre Reichtümer verbergen, der Landmann hat ganz andere, schönere Beschäftigung." Von Horaz sind uns die schönen Verse überliefert:
„Glücklich der Mann, der fern von Geldgeschäften
Wie zu der alten Väter Zeiten
Die ererbten Felder
Mit eigenem Zuchtvieh beackert,
Schulden- und zinsfrei,
Den kein Gerichtshof plagt,
Und der nicht nötig hat, um die Gunst
Der Mächtigen zu buhlen."
Petrus de Crescentius schreibt im Jahre 1583: „Daß der Feld- und Ackerbau vor allen Hantierungen und Gewerben auf Erden ein uralt, nötig, nützlich und hochlöblich Werk sei, kann mit gutem und beständigem Grund und bewahrlichen Beispielen genugsam dargetan und erwiesen werden, denn bald nach Erschaffung der Welt und Bildung des Menschen hat Gott, der Allmächtige selbst, den Menschen, den er nach seinem Ebenbilde erschaffen, in den Lustgarten Eden, denselben ohne einige Mühe und Beschwernis zu bauen und zu pflanzen gesetzet, auch ihm desselben Früchte zu eigen gegeben und eingeräumt. Wie nun dieser Stano des Feld- und Ackerbaus schon im Paradies ist eingesetzt worden, so ist er auch nach dem Falle von den lieben Erz- und Altvätern erhalten und vermehrt worden. Weil denn der Ackerbau ein solch uralt, nötig, nützlich und lustig Werk ist, daß er von Gott selbst zur Erhaltung und Ernährung menschlichen Geschlechts gestiftet und einge- setzet ist, ist er darum alles Lobes und Rühmens billig würdig."
Nach F r i e d r i ch d e m Großen ist „die Landwirtschaft die erste aller Künste, ohne sie gibt es keine Kaufleute, Dichter und Philosophen, nur das ist wahrer Reichtum, was die Erde hervorbringt."
Auch Wilhelm v. H u m b 0 l d t (gest. 1835) behauptet, daß in den Händen der Landwirtschaft das Vermögen und die Kraft des Staates ruht. „Wie sehr zeichnet sich der Charakter aus, welchen der ungestörte Landbau in einem Volke bildet!" Der Dichter und Kulturhistoriker Gustav Freytag sagt in „Soll und Haben": „Des Landwirts Leben ist ein unaufhörlicher Kampf, ein endloser Sieg. Ihm stählt die reine Gottesluft die Muskeln des Leibes, ihm zwingt die alte Ordnung der Natur auch die Gedanken zu geordnetem Lauf. Er ist der Priester, der Beständigkeit, Zucht und Sitte, die ersten Tugenden eines Volkes, zu hüten hat."
Wir sehen, daß die Hochachtung aller wahren Gebildeten vor dem Bauernstande nicht nur auf der prak-