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Wohl schon vor dem Anfall dieser Mark an Fulda, etwa um das Jahr 886, war in der südlich vom Dorfe Salz liegenden Niederlassung Saluchin-mun- stri, d. h. Klosterzelle des Mönchs Salucho, eine Kirche geweiht worden, der nach einer von Kaiser Karl dem Großen getroffenen Anordnung alsbald ein Pfarr- resp. Zehntbezirk zugewiesen wurde. Die urkundliche Nachricht, durch die uns die genaue Umgrenzung dieses Pfarrbezirks überliefert worden ist, stammt aus der Zeit um das Jahr 900. Sie bezeugt, daß der Bezirk der neuen Kirche in Salmun- ster nicht nur die bereits oben erwähnte, nördlich der Kinzig gelegene Mark Salz, sondern auch noch einen mindestens ebenso großen Bezirk südlich der Kinzig umfaßt hat. Prof. Haas in Fulda hat in den Ful- daer Geschichtsblättern *) die in drei verschiedenen Fassungen überlieferte Grenzbeschreibung des Sal- münsterer Kirchenbezirks auf Grund eingehender lokaler Nachforschungen erläutert. Hiernach hatte die Grenze des Bezirks der Kirche in Salmünster folgenden Verlauf:
Von der Mündungsstelle des etwas unterhalb des heutigen Dorfes Nie'derzell in die Kinzig fließenden Ahlersbachs zog sie über den Bellinger Berg, hinüber nach dem in der Nähe des heutigen Talhofs gelegenen ehemaligen Dorf Bremenfeld, weiter zur Quelle des Rohrbachs und von da über den Dickenstein zur Jossa; an ihr aufwärts fortschreitend erreichte sie am Ehrlichenbrunnen uud an einigen jetzt nicht mehr nachweisbaren Waldorten vorbei den alten von Aura zum Kinzigtal führenden Höhenweg, lief ein Stück auf diesem Höhenweg fort, südlich und westlich um Orb herum, zum Schalksbrunnen und von dort zwischen den Ortschaften Aufenau und dem heute nicht mehr bestehenden Hergesfeld wieder an die Kinzig. Nachdem sie diesen Fluß ein Stück am linken Ufer flußabwärts bis zur gegenüberliegenden Mündungsstelle der Bracht begleitet hatte, überschritt sie die Kinzig, lief an der Bracht aufwärts bis zum Reichenbach, an ihm hinauf bis zur Einmündung des Sotzbachs; den Sotzbach aufwärts bis zur Stelle wo der Krötenbach, früher Arezbach geheißen, in ihn ein- mündet. Nunmehr nahm die Grenze im Tale des Krötenbachs ihren Fortgang bis zu seiner westlich von Katholisch-Willenroth liegenden Quelle, überschritt die Wasserscheide zwischen Bracht und Salza und verlief mit dem aus dem Waschweiher abfließenden Büchlein, dem alten Sundersbach, zur Salza. Sie ging dann an diesem Bache hinauf bis zur Einmündung des Fleschenbachs, an ihm aufwärts bis zu einer zwischen den heutigen Dörfern Holz- mühl und Fleschenbach liegenden Stelle, von der aus sie das Uerzeller Wasser erreichte. Ihm folgend gelangte sie in den Steinaubach, sprang von da aus den Kressenbach über, erreichte mit ihm wieder den Steinaubach, und folgte diesem eine längere Strecke. Nunmehr wandte sie sich nach Südwesten, überschritt den Ohl genannten Berg und erreichte die Kinzig wieder an der Stelle, von wo sie ihren Ausgang genommen hatte. Bis in unsere Zeit hinein hat sich dieser uralte Grenzzug vielfach als solcher erhalten, wenn auch nur als Gemarkungsgrenze einer der Ortschaften, die früher oder später auf dem Boden des ehemaligen Kirchenbezirks emporwuchsen.
9 Prof. Dr. Th. Haas, Alte Fuldaer Markbeschreibungen. Fuldaer Geschichtsblätter X. Jahrgang, Nr. 7.
Ob in dem Pfarrbezirke der Kirche zu Salmünster schon zur Zeit seiner ersten Abgrenzung außer dem Dorfe Salz auch andere der später zu ihm gehörenden Ortschaften bestanden haben, läßt sich urkundlich nicht feststellen. Es ist aber wohl mit einiger Sicherheit anzunehmen, denn welchen Zweck würde es gehabt haben, der Kirche in Salmünster diesen Pfarr- bezirk zu überweisen, wenn er außer dem nahen Salz unbewohnt gewesen wäre? Aber auch noch andere Gründe sprechen dafür, daß manche der Ortschaften, die erst später in dem ehemaligen Kirchenbeztrke urkundlich auftreten, bereits in der frühsten Zeit bestanden haben. So vor allen Dingen Steinau, wahrscheinlich aber auch Ulmbach; wirb man doch entsprechend dem Standpunkte, den die Ortsnamen- forschung heute einnimmt, als einigermaßen sicher anzunehmen haben, daß die mit bach, born, berg usw. zusammengesetzten Ortsnamen vorwiegend der merowingisch-karolingischen Epoche, d. h. dem 5. bis 8. Jahrhundert angehören. 2)
Die erste geschichtliche Nachricht, in der die Ortschaft Ulmbach genannt wird, findet sich in einer von Schanat und später auch von Dronke abgedruckten Urkunde aus dem Jahre 1030.
In ihr gibt Abt Richard von Fulda kund, daß ein Graf Hartmann für sein und seines Bruders Dudo Seelenheil seine Eigengüter zu Flogestat und Sconeberge nebst Zubehörungen, dem Kloster zu Fulda unter der Bedingung zugewandt habe, daß an dem Orte Owa 3) ein Mönchskloster errichtet und dem Kloster Fulda unterstellt werde. Er, der Abt, habe diese Schenkung angenommen. Da er jedoch wahrgenommen habe, daß der Ort, auf den die Verfügung lautete, vom Sitze der Abtei zu weit abliege, habe er sich entschlossen, lieber ein Mönchskloster in der Nähe von Fulda zu errichten. Graf Hartmann habe dem auch freudig zugestimmt. Darauf habe er dann ein Kloster östlich von Fulda zu Ehren des Apostels Andreas 4) gegründet und es mit jener Schenkung Hartmanns dotiert. Auch habe er weiter noch die ihm zustehenden Zehnten aus Abenheim und seinen Grundbesitz an verschiedenen Orten, zu denen auch Ulmbach gehörte, zum Unterhalt der Mönche in dem neuerrichteten Kloster hinzugefügt.
Leider fehlt dieser Urkunde die volle Beweiskraft, weil gewichtige Gründe dafür sprechen, daß sie nicht echt ist. Immerhin wird man ihr deshalb noch nicht ohne Weiteres jeden geschichtlichen Wert absprechen dürfen, denn zieht man in Betracht, daß sich auch noch anderweitige Zeugnisse dafür finden, daß dem Kloster Neuenberg in verschiedenen der in der betr. Urkunde genannten Orte Güterschenkungen gemacht worden sind und daß das Kloster z. B. in Nieder-Florstadt, dem früheren Flogestat und in Ulmbach, dem früheren Uolenbach, noch bis in die neuere Zeit hinein sehr begütert gewesen ist, so spricht dies doch immerhin dafür, daß das, was die beanstandete Urkunde besagt, nicht völlig aus der Luft gegriffen ist. Das Kloster mag keine regel-
2) Haas, Die Ortsnamen des Kreises Fulda. Fuldaer Geschichtsblätter. VII. Jahrgang, Nr. 10/11.
3) Dieser Ort ist heute nicht mehr festzustellen.
“) Eben das Kloster Neuenberg.