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alles Merkwürdige bemüht wäre. Sie bilden gewissermaßen die erste Ankündigung der bevorstehenden Gründung des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung", die einige Jahre später als die erste ihrer Art erfolgte. Charakteristisch ist in dem Satze, der scharf umrissen die Ziele dieses ältesten aller territorialen Geschichtsvereine kennzeichnet, die Verbindung „Kunstj Natur und Altertum" für die Vereinigung der Bemühungen um die Gründung von Museen und Vereinen von Freunden der Heimatkunde und der lokalen Geschichtsforschung, eine Vereinigung, die allen diesen Vereinen in der ersten Zeit ihres Bestehens eigentümlich war. Diesen Bestrebungen stand anregend und fördernd der größte Vaterlandsfreund der damaligen Zeit, der Freiherr von Stein, nahe. Unrichtig aber ist es, wenn in einem unserer bekanntesten 'Konversationslexika die von Stein am 20. Januar 1819 in Frankfur gegründete „Gesellschaft für Deutschlands ältere Geschichtskunde", welche sich die kritische Gesamtausgabe der Quellenschriftsteller des deutschen Mittelalters zur Aufgabe stellte, gewissermaßen als Prototyp der historischen Vereine und Gesellschaften Hingestellt wird, welche, wie es dort weiter heißt, „teils die Sammlung, teils die Nutzbarmachung des Materials für Geschichte und Altertumskunde einzelner Provinzen, Städte und Gaue zum Zwecke setzten". Eben diese Beschränkung auf die Quellen und Denkmäler einer speziellen Landschaft, die unseren territorialen und lokalen Geschichtsvereinen eigentümlich ist, lag der Gesellschaft für Deutschlands ältere Geschichtskunde nach der Absicht ihres Stifters, wie schon der Name zeigt, fern. Fern lag ihr daher auch die Verirrung auf 'partikularistische Bahnen. Das war, wie wir sahen, nicht in demselben Grade der Fall bei unseren lokalen Geschichtsvereinen, mit denen wir es hier zu tun haben, auch dann noch nicht, nachdem solchen Bestrebungen wenigstens auf praktisch-politischem Gebiete durch die Entwickelung unserer nationalen Verhältnisse der Böden entzogen war, oder, wie wir nach den jüngsten Erfahrungen leider sagen müssen, entzogen zu sein schien. Aber sind denn diese Erfahrungen — so wird man mir vielleicht entgegenhalten — und die ihnen zu Grunde liegenden tief bedauerlichen Erscheinungen im Süden und Norden, im Osten wie im Westen unseres Vaterlandes nicht geeignet, uns vor einem zu liebevollen Eingehen auf die Lokalgeschichte zu warnen und wiederum in den Trägern dieser Geschichtsforschung, territorialen Geschichtsvereinen Brutstätten partikula- ristischer Bestrebungen zu erkennen? Ich glaube nicht,daß diese Gefahr heute besteht, nachdem diese Vereine ein volles Menschenalter lang sich gewöhnt Haben, ihre Aufgabe im steten Hinblicke auf die Reichs- und Nationalgeschichte zu erfüllen. Vor allem aber besteht sie dann nicht, wenn sie diese Aufgabe in dem Geiste zu erfüllen suchen, in dem die ersten dieser Vereine vor einem Jahrhundert gegründet sind.
Warme Liebe zur Heimat, der engeren wie der weiteren, war es, die die Gründer dieser Vereine beseelte. Pflege und Schutz alles dessen, was diese Heimat schmückte und auSzeichnete, gehörte neben der Aufhellung ihrer Geschichte zu den Aufgaben der Vereine. Ohne ängstliche Beschränkung auf die durch die Namen bezeichneten Ziele haben, wie ich bereits andeutete, die Geschichts- und Altertumsvercme in der ersten Zeit ihres Bestehens, lange bevor es besondere Gesellschaften für Heimatkunde und Heimatpflege gab, die Aufgaben, die sich heute diese Gesellschaften stellen, als
Heimat r^^^^^^t^^^r^r^^ Nr. 7—10 die ihrigen angesehen, und zu den heute bestehenden historischen Museen mit mehr oder weniger eng begrenzten Programmen, wie zu den verwandten Anstalten, haben meistens die kleinen Sammlungen der Geschichtsvereine den ersten Grund gelegt. Heimatliebe war nach bem Gesagten die Voraussetzung für die Gründung unserer Geschichtsvereine. Wie verhält sich nun zu ihr die Vaterlandsliebe im üblichen Sinne des Wortes? Im französischen Na- tionalliede steht gleich neben dem Worte patrie das für den französischen Patriotismus so charakteristische gloire. Auch bei uns waren es andere als Heimatklänge, die in den Heeren erschollen, welche uns die Einheit unseres Volkes erkämpfen sollten; im Jahre .1866 das Preußenlied, welches den stammverwandten Scharen, die Preußens Beruf zur Führung der Nation nicht anerkennen wollten, ein „und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt" entgegenschmetterte. Im Jahre 1870 gebot die „Wacht am Rhein" dem Erbfeinde Halt, der die notdürftig hergestellte Einheit wieder zerstören oder doch wenigstens nach napoleoni- schen Traditionen das Ufer des deutschesten aller Ströme als Entgelt für die Erlaubnis zur nationalen Einigung für sich gewinnen wollte.
In dem letzten Kriege aber, in dem unser Volk gegen eine Welt von Feinden nach vier Fronten um seine Existenz kämpfen mußte, war die Heimat wieder zu ihrem Rechte gekommen. „In der Heimat, da gibt's ein Wiedersehen" tönte es von den ersten Tagen an aus den Reihen unserer ins Feld ziehenden Krieger; und wenn diese verwundet oder auf Urlaub zurück- kehrten und die Fluren des Heimatdorfes sorgfältig bebaut, die Straßen der Vaterstadt von einer rührigen Bevölkerung belebt sahen, dann wurden sie in der Erinnerung an die zum Teil von den eigenen Verteidigern in Brand geschossenen Städte Flanderns und der Champagne, an die von den ehemaligen Bedauern verheerten Gefilde Polens und Rußlands, aber auch an die eigenen barbarisch verwüsteten Provinzen im Osten, nicht müde, den Ihrigen zu sagen: „Seid nur ruhig, wir halten fest, wir schützen euch und die Heimat in unseren Schützengräben".
An den Direktor eines hessischen Gymnasiums schickte im zweiten Kriegsjahre der Besitzer der Gymnasial- badeanstalt, der seit Monaten bei einer Fuhrpark- Kolonne im Westen stand, eine Weihnachtskarte, die auf der Rückseite eine Momentphotographie zeigt, auf der eine Anzahl Landwehr-Dragoner behaglich an der Wand ihres Quartiers sitzen, vor ihnen der Schreiber der Karte, wie er eine Schar weißer Kaninchen füttert: „Meine Lieblinge in freien Stunden" hatte er darunter geschrieben. Das Ganze atmete Sonntag-Nachmittags- Stimmung. In dem Begleitschreiben aber heißt es u. 'a.: „Wir machen hier in Flandern bis nahe hinter der Front landwirtschaftliche Arbeiten auf verlassenem Gelände und ist, soweit das Auge reicht, schon alles grün mit angebautem Roggen und Weizen. Es rücken jetzt täglich, sobald es das Wetter zuläßt, von uns noch 60 bis 70 Ackerpflüge aus zur Vorbereitung des Feldes für Frühjahrsbestellung. 17 Monate stehen wir nun draußen in großer Geduld und Ausharren, eö gilt ja unseren Lieben und mit ihnen der lieben Heimat, sie vor Vernichtung zu schützen". Von diesem Geist war der ganze Brief erfüllt: da las man nichts von Gloire und Revanche, nichts von Aushungern und Niederschmettern der Gegner, nichts von der großen Dampfwalze, die nun in umgekehrter Richtung die