Seite 136 ^c^^^i^s^^^^^x^^ Unsere Heimat ^^-^^^^^-7^<^^<^-^I Nr. 5/6
zeigen die „Epigramme an den Kaiser Maximilian", in denen er Kriegslust, Ausschweifungen und Habgier des damaligen Papstes Julius II. den Tugenden des allzeit von ihm gepriesenen Kaisers gegenüberstellte.
1513 kehrte er nach Deutschland zurück. Damals wurde Markgraf Albrecht von Brandenburg Erzbischof von Mainz. Er war ein Freund des neuen Geistes, gebildet, kunstverständig und freigiebig. Eitelwolf von Stein, der an seinem Hofe lebte, empfahl dem Fürsten den Heimkehrenden. Hütten wurde eingeladen, schrieb ein Lobgedicht auf Albrecht und wurde von ihm dafür mit 200 Goldgulden und einer Anstellung belohnt. Im Frühjahr 1515 weilte Hütten in Ems, um seinen siechen Leib in den warmen Quellen des Bades zu kräftigen. Doppelte Trauerkunde unterbrach seine Kur: Eitelwolf von Stein war gestorben und sein Vetter Hans von Hütten von Mörderhand gefallen. Der Tod seines edlen Gönners schmerzte ihn tief; noch stärker aber erregte ihn das schmähliche Ende seines Verwandten. Huttens Kampfnatur geriet in leidenschaftliches Feuer. Es galt einen Meuchelmörder, den Herzog Ulrich von Württemberg, zu brandmarken, eo galt die Beschimpfung einer adligen Familie zu rächen. In fünf hinreißenden Reden verbammte er den Mörder, widerlegte dessen Rechtfertigung, pries die Tugenden des Gemordeten, beklagte die trauernden Angehörigen und forderte Kaiser, Fürsten und Adel auf, „das Schwert der Gerechtigkeit aus der Scheide der Zögerung zu reißen" und den Verbrecher zu richten. Diese rednerischen Angriffe im Dienste derer von Hütten stimmten alle Verwandten dem fahrenden Ritter gegenüber milder. Selbst der hartnäckige Vater sühnte sich halb und halb mit ihm aus und beschaffte ihm Geld unter der Bedingung, daß er nun in Italien sein angefangenes Rechtsstudium vollende. Wieder pilgerte Ulrich von Hütten über die Alpen; diesmal zog er in die „heilige Stadt," in Rom ein, und Rom wurde dem scharfen, unbestechlichen Beobachter ein entscheidendes Erlebnis. Er lernte die geistlichen Führer seines glühend geliebten Vaterlandes aus nächster Nähe kennen, und das, was er sah, stieß dem wahrheitsliebenden Mann fast das Herz ab. Mit bitteren Worten machte er sich Luft in Epigrammen an seinen Freund Rubianus.
„Also sah ich sie denn, Roms halbzertrümmerte Mauern,
Wo mit dem Heiligen man selber den Gott auch verkauft,
Sah den erhabenen Priester, o Freund, mit dem heiligen Rate
Und Kardinäle, geschart, prächtig in schleppendem 3ug.
Schreiber soviel und Troß von überflüssigen Menschen, Die mit den Pferden zugleich wallend der Purpur bedeckt.
Tätig die einen, im schandbaren Werk, die andern leidend,
Unter dem heiligen Schein fröhnend der wildesten Lust.
Andre sodann, die selbst auch den Schein des Guten verschmähen,
Und mit erhobener Stirn Sitte verhöhnen und Zucht, Und mit Lust schlecht sind und mit Vollmacht; ach, und in deren
Joch das teutonische Volk leider so willig sich fügt". Sein Jähzorn brächte den deutschen Ritter in eine
gefahrvolle Lage. Er geriet mit fünf Franzosen, die den Kaiser geschmäht hatten, in Streit. Er stach einen nieder, die andern flohen beim Anblick des Toten. Das Abenteuer veranlaßte ihn aber, Rom zu verlassen. Er wandte sich nach Bologna; in dieser Stadt schrieb er zum erstenmal das Wort unter seine Werke, das er fernerhin als Leitspruch seines ganzen Strebens beibehielt: Ich Habs gewagt! ihn den Folgen eines Studentenaufruhrs zu entgehen und um vor den Nachstellungen des Papstes sicher zu sein, (er wurde als dem Banne verfallen betrachtet) trat er nach einem Besuch Ferraras und Venedigs 1517 die Rückreise nach Deutschland an.
Hier verebbte eben ein Geisteskampf, der 1511 begonnen hatte. Der berühmte Humanist Reuchlin war in eine hitzige Auseinandersetzung mit den Dominikanern Kölns geraten. Ein verwirrter Eiferer, der getaufte Jude Pfefferkorn, hatte von dein Gelehrten eine Forderung verlangt, daß alle jüdischen Bücher, das Alte Testament ausgenommen, verbrannt würden. Das hatte Reuchlin abgelehnt. Daraufhin griffen ihn die Kölner, die Pfefferkorn gleichgesinnt waren, an. Ein Prozeß wurde heraufbeschworen, der Papst angerufen, Reuchlin sollte als Ketzer verdammt werden. Der Handel kam zu keinem Ende. Aber eine andere Wirkung trat ein; die Geister schieden sich in zwei Lager, und alle Humanisten standen geschlossen zu Reuchlin, als einer der begeistertsten der Ritter von der Steckelburg. Ein Gedicht „Reuchlins Triumph" entstand. Er verherrlichte den verdienten Mann in einem Stil, der alle Zeitgenossen auf Huttens Verfasserschaft schließen ließ. Ebenso schrieb man ihm die „Briefe der Dunkelmänner" zu, die danach das denkende Deutschland beschäftigten. Wahrscheinlich war er aber nur Mitarbeiter am zweiten Teil des Buches. In ihm wurden „Pfaffen und Pfaffenfreunde" als dumme, spitzfindige, eitle und sittenlose Gesellen an den Pranger des Spottes gestellt.
Wohl ging es dem Dichter bei seinem Schaffen in erster Linie um die Sache; aber auch der Ruhm lockte sein heißes Herz; er wollte mitgenannt werden in der Reihe der besten Namen. Darum erfüllte es ihn mit Stolz, als ihm durch Maximilian die höchste öffentliche Ehrung zuteil wurde; 1517 krönte ihn der Kaiser in Augsburg mit dem Lorbeerkranz feierlich zum Dichter. Auch an andrer Anerkennung fehlte es ihm nicht. Der Erzbischof von Mainz nahm ihn in festen Dienst. In dessen Auftrag reiste er nach Frankreich, wo man ihn als berühmten Mann empfing.
1519 entschloß er sich wieder zum Kriegsleben. Der Schwäbische Bund zog aus, den Herzog Ulrich von Württemberg wegen der gewaltsamen Besetzung Reut- lingens zu bestrafen. Beim Sturz seines alten Feindes wollte Hütten nicht fehlen. Das Heer drang ungehindert ins schwäbische Land ein; der Herzog floh. Die Huttensche Familie ließ den Leichnam Hans von Huttens ausgraben und nach Franken bringen. Während des Feldzuges kam Hütten in vertrauten Verkehr mit Franz von Sickingen, der zu den Anführern im Bundesheer gehörte. Sie schliefen Seite an Seite im Zelt, und im anregenden Gespräch wuchsen AchMng und Hingebung bei beiden; sie wurden Freunde fürs Leben.
In dem Vielgereisten regte sich plötzlich die Sehnsucht nach friedlichem häuslichem Glück. Er wandte sich an einen Freund Arnold von Glauburg in Frankfurt, ihm bei der Werbung um ein Mädchen aus dessen Geschlecht behilflich zu sein. Sein Wunsch ging