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Heimat «^ß^ß^ß^^ß^ß^ß^ß^^ß^ßi? Nr. s/e
kommt nicht nur der gemeine Wassersalamander, sondern auch der in der Laichzeit mit scharfgezacktem Rückenkamm und feuerroter Leibseite geschmückte Bergsalamander vor.
Letzteren kann man in nicht geringer Zahl aus den beiden Huttener Teichen in dem Wäldchen oberhalb des Elmer Braunkohlenbergwerks erbeuten, wenn das Wasser aus den Teichen abgelassen oder infolge großer Sommerhitze fast ausgetrocknet ist. Beim Ausgraben des Braunkohlenschachtes fand man vor einigen Jahren die gut erhaltenen fossilen Reste eines Sauriers, die dem Senkenbergischen Museum in Frankfurt einverleibt wurden. So reich die Vogelwelt und die Jnsektenwelt unsrer Heimat ist, so arm ist unser Oberland an Vertretern aus dem Geschlecht der Amphibien oder Lurche. Dies hat seinen Grund darin, daß es in unsrer Gebirgsgegend an größeren Flächen stehender Gewässer fehlt. Die gemütlichen Froschkonzerte, die im flachen Kreis Hanau den warmen Sommerabenden ein besonderes Gepräge geben, kennt man im Kreis Schlächtern meist nur vom Hörensagen. Wenn in größeren Teichen die Männchen des grünen Wasserfrosches ihren tiefen Ruf „le rroi“ und die Weibchen ihr langgezogenes „la rreine“ (französisch zu sprechen) ertönen lassen, so klingt dieses Konzert eigenartig und wirkt auf den Hörer belustigend. Ein Steinwurf ins Wasser macht die ganze Gesellschaft, die, mit ernstglotzenden Augen dasitzend, ihren Gesang ertönen ließ, sofort verstummen. Der braune Grasfrosch, welcher weniger wasserbedürftig ist, kommt hier nicht selten vor. Den als Wetterpropheten so beliebten Laubfrosch trifft man nur selten. Die grüne Farbe ist für den auf Bäumen lebenden Laubfroscy eine Schutzfarbe. Wäre derselbe feuerrot — wie leicht würde er entdeckt werden und seinen Feinden zur Beute fallen. Unter den Landleuten ist vielfach noch der Aberglaube verbreitet, die Frösche fräßen das junge Korn, und von dem Fressen der Korngrannen bekämen diese Tiere ein blutiges Maul. Um dies zu beweisen, fangen sie vor den Augen des Menschen, der die Wahrheit dieser Behauptung bezweifelt, einen Frosch mit den Händen aus dem Kornfeld und brechen dem Tier mit Gewalt das Maul auf. Letzteres blutet natürlich infolge solchen Gewaltaktes, und triumphierend zeigen sie dem erstaunten Zweifler das Corpus delicti. Die Sage vom Froschregen erhält stets neue Nahrung, wenn nach einem warmen Regen die jungen, fertig ausgebildeten Fröfchlein in Menge ihr seitheriges feuchtes Element verlassen und ans Land kriechen. Dem einigermaßen naturwissenschaftlich orientierten Heimatfreund muß es bekannt sein, daß der Frosch nie Pflanzennahrung zu sich nimmt, sobald er sich einmal zum vollkommenen Frosch entwickelt hat. Der Frosch frißt nur Beute, die sich bewegt, also lebende Tiere. Jeder kann die Probe machen, wenn er einem im Glas sitzenden Laubfrosch eine lebende Fliege in den Behälter setzt. Der Frosch wird bald danach ichnapven und die Beute ganz hinunterschlucken. Beute, die sich nicht bewegt, rührt er nicht an Mit dem seltenen Vorkommen der Amphibien steht auch die Seltenheit Freund Adebars, des Storches, in unsrer Heimat in Verbindung. In Schlächtern steht ein Haus, das „Storchschäfers Haus" genannt wird. Aber auf dem Dach dieses Hauses find auch nicht mehr die schwachen Reste des Versuchs zu sehen, Störche zum Nisten einzuladen.
Bereits vor 23 Jahren, als Verfasser des Artikels in dem Königlichen Lehrerseminar eine Lehrprobe über Storch und Fischreiher hielt, diente besagtes Haus dem „lieblichen Vogel" wie er in Psalm 104 heißt, nicht mehr zur ständigen Wohnung. Das historische Storchnest auf dem Steinauer Rathaus scheint ebenfalls verwaist und nur noch ein Zufluchtsort für Spatzen zu fein.
Weil es uns an größeren Gewässern fehlt, ist auch von der 5. Klasse der Wirbeltiere, den Fischen, nicht viel zu sagen. Erwähnenswert aus dem stummen Schuppengeschlecht der Fluten ist jedenfalls in erster Linie die wertvolle, köstliche Bachforelle, die Freude sowohl des lukullischen Schlemmers im Palast als auch des heimatlosen Volks der Zigeuner, welche die Forellen, wie unire Dorfjungen es verstehen, mit geschicktem Griff zu fangen wissen. Die klaren Bäche des Kreises Schlüchtern sind an Forellen außerordentlich reich. Im Elmbach Hut die Zahl der schönen Fische leider stark abgenommen.
Einen merkwürdigen Gegensatz gegen die flinke, wohlgestaltete und schöngezeichnete Bachforelle bildet deren Kollegin, die träge, mißgestaltete und häßliche Bachgrundel, hier „der Käuiler" genannt. Wie das verdickte Ende einer Keule endet der mit häßlichen Flossen versebene Leib des Keulerfisches in einen plumpen, unförmlichen Kopf mit stark entwickelten Kiemen. Unter Steinen u^d auf dem Grund der Bäche ist der schlecht schwimmende Keuler zu finden. Aber wie die Forelle vermag er den Aufenthalt in stillstehendem Wasser
nicht lange zu ertragen, da er bei der Atmung vielen Sauerstoffs bedarf und somit nur in schnellfließendem Wasser existieren kann. Wollte man ihn wie einen Goldfisch in der Glasglocke halten, so würde er bald zugrunde gehen. Die Dummheit der Forelle ist, groß, denn der Fisch schnappt immer wieder nach dem Köder, auch wenn er schon mit der Angel gefangen war. Die Huttener und die im Vogelsberggebiet liegenden Teiche beherbergen wohlschmeckende Schleien und Karpfen, in der Sinn kommen Hechte, Barsche und Barben vor. Dem Vorkommen der Forelle in der Kinzig dürfte wohl bei Salmünster schon die Grenze gesetzt sein.
Ist die letzte Klasse der Wirbeltiere in unsrer Heimat wenig mannigfaltig — desto zahlreicher ist die erste Klasse der wirbellosen Tiere vertreten : die Insektenwelt. Vom gewaltigen Eichenholzblock und Hirschkäfer — hier Putzgaul genannt — bis zum niedlichen und nützlichen Marienkäferchen, vom Rosenprachtkäfer bis herab.zu den Käferchen, die kaum mit bloßem Auge sichtbar sind, findet der Käfersammler reiche Auswahl. Wer das Sammeln nicht wissenschaftlich betreibt, oder sonst irgend höhere Zwecke dabei verfolgt, sollte seine Hand freilich davonlassen. Besonders Knaben, die das Sammeln als Spielerei betreiben und nur durch das Seltene und Seltsame angezogen werden, sollte man ohne Aufsicht von Erwachsenen das Fangen von Käfern und Schmetterlingen verbieten. Die Knaben werden durch eine Tätigkeit, mit welcher das Töten von Tieren — im besten Fall unter schmerzloser Betäubung mit Äther — verbunden ist, doch gar zu leicht verroht, und das Gemüt des Kindes leidet Schaden. Wer bleibt schließlich später in den Mannesjahren dieser Liebhaberei treu? Weichen Wert soll also das Sammeln für das spätere Leben besitzen? Nur Habgier und Grausamkeit werden angeregt.
Schüler, welche als Tertianer dem Verfasser heilig gelobten, stets vernünftige Sammler zu bleiben, ließen — sobald sie etwa in die Tanzstunde kamen oder würdige Primaner wurden, ohne weiteres vom Schmetterlingssammeln ab, die Freude an Naturschönheiten nahm eine andre Richtung, und von naturwissenschaftlichem Interesse war jede Spur verloren, sobald die Kindheit Abschied nahm. Diesen Leuten kann man nicht nachdrücklich genug zurusen : „Dem Schmetterling in blauer Luft, o, gönn ihm, Kind, der Blume Duft! Zerstör sein kurzes Dasein nicht, den einzigen Tag im Sonnenlicht."
Dem Manne aber, der aus wissenschaftlichem Interesse oder um über die Fauna seiner Heimat ein Werk zu schreiben, sammelt, sollte der Feldschlltz das Betreten der besten Wiesen oder der Waldhüter das Begehen der schönsten Schonungen nicht verbieten dürfen.
Liegt es doch im Interesse des Naturfreundes, daß die schönsten deutschen Tagfalter wie Schillerfalter und Eisvögel, welche Zierden unsres hessischen Laubwaldes sind, nicht aus- gerottet, sondern der Heimat erhalten werden. Deshalb wird ein vernünftiger Sammler nie mehr Exemplare fangen, als er für feine Sammlung nötig hat. Das Wegsangen des herrlichen Alpenfalters Apollo, den man auch im Kreise Schlücy- tern einbürgern könnte, ist in Oberbayern polizeilich verboten worden. In Schlesien und im Vogtland soll das Tier bereits ausgerottel sein. Seitdem auf dem hohen Vogelsberg am Hohenrodskopf Klubhäuser erbaut sind, wird der schwarze Apollo, welcher dort von Pfarrer Theobald und dem Grafen von Solms-Laubach 1851 endeckt wurde, in Muffen gefangen und an Händler verkauft. Ein so seltenes Kleinod unsrer Heimat, wie besagter Falter parmassins mnempsyre, müßte unsrer Heimat unbedingt erhalten bleiben. Er fliegt nur im Juni etwa 3 Wochen lang, und in dieser kurzen Zeit könnte man das enge Terrain, auf dem er fliegt, bewachen lassen und den Händlern das Handwerk legen.
Bereits an sonnigen Februar- und Märztagen fliegen bei uns überwinterte Tagfalter wie die beiden Füchse, das Tagpfauenauge und der Zitronenfalter. Im April kommen aber schon Tagfalter zum Vorschein, die im Winter als Puppe geruht unh nun die dumpfe Sargeshülle gesprengt haben. Eine der lieblichsten Frühlingserscheinungen ist die zarte Aurora, welche auf feinem Weiß orangerote Flecken hat.
Aus der Stunde, die du nützest, Quillt dein Eigentum, die Ruh. Du bist nichts was du besitzest, Was du tust, nur das bist du!