Seite 116 ^^^^^^^^i^^i^w Unsere Heimat ^s^^^^ß^^^^^a^w Nr. 3/4
Wilhelm Urbach in Schlüchtern (80 Jahre alt). Müd- gewordene und Menschen aus vollem Wirken heraus.
Der Hilfsstrom in die Heimat aus Amerika ist noch nicht versiecht. Zahlreiche Private wurden auch in letzter Zeit von Verwandten, dank der ungünstigen Valuta, mit namhaften Summen unterstützt. Auch der Schlüchterner Freundschaftsbund in New Uork hat der Stadt Schlüchtern zur Minderung der Not bei Minderbemittelten 500 Dollar, das sind 28 ooo Mark, mit der Bestimmung überwiesen, daß 400 Dollar aus die Stadt Schlüchtern und 100 Dollar auf die Anstalt Hof Reich entfallen sollen. Letzterer wurde außerdem von Kaspar Hafner in Tontogany eine Kiste mit Schuhwaren für Zöglinge geschickt. Herzensdank allen, die Freundschaft bewahrten und bewähren!
Der neue Kreistag vom 20. Februar wählte in den neuen Kreisausschuß die Herren Parteisekretär A. Kunde, Oberschaffner Hagemann (Hütten), Hauptmann a. D. Berta (Soden), Gutsinspektor Preist (Vollmerz), Amtsgerichtsrat Hengsberger und Bürgermeister a. D. Siemon (Gundhelm). Herr Forstmeister Hebel (Salmünster) ist am 1. April in den Ruhestand getreten und hat seinen Wohnsitz nach Johannesberg bei Fulda verlegt. Seine Stelle als Kreisdeputierter wird Herr Bürgermeister Stückrath einnehmen.
Die Sammlung für Oberschlesien ertrug in der Stadt Schlüchtern 4 660 Mark.
• Auf dein Sparhof wurden 2 Falschmünzer verhaftet.
Auf dem Grieshof bei Schwarzenfels drang ein Einbrecher durch das Kartoffelloch in die Schlafstube der Besitzerin und verletzte sie schwer; auch im Anwesen der Frau von Voith wurden Gänse und Enten gestohlen. Im Krankenhause in Steinau wurde von Dieben die Vorratskammer ausgeräumt. Der Kreistag bewilligte für Ersatz 3 000 Mark. Der 21 Jahre alte Markus Münz von Altengronau erhielt vor dem Schwurgericht in Hanau 2 Jahre Gefängnis wegen versuchter Notzucht.
Am 4. April entlud sich über dem oberen Kinzig- tal ein heftiges Gewitter. Der Blitz schlug, Schaden anrichtend, doch ohne zu zünden, in den Turm der vor einigen Jahren erbauten Kirche in Niederzell, auf welcher ein Blitzableiter fehlt.
Der diesjährige Unterverbandstag der Raiffeisenleute fand am 15. 3. in Soden statt. Herr Unterverbands- direktor Pfarrer Frischkorn—Wallroth berichtete, daß die Mitgliederzahl der 20 Ratffeisenvereine des Kreises sich auf 2 800 erhöht hat, die anvertrauten Spareinlagen die Höhe von 8 Millionen erreicht haben und landwirtschaftliche Bedarfsartikel im Werte von V/a Millionen gemeinsam bezogen wurden.
So, das wäre das, was der Heimatchronist für die Heimatfernen zu berichten wüßte. Zum Schlüsse noch eins: Bei mir saß heute nachmittag ein junger, seit 1918 aus Riga vertriebener Balte. Er ist Gymnasial- abiturient, arbeitete seither in Fabriken und ist auf der Suche nach einem tüchtigen Handwerksmeister, um bei ihm zu erlernen, was ihm später Selbständigkeit ermöglichen soll. Still und getrost erzählt der aus der Heimat Vertriebene, der alle Schrecken der Bol- schewistenrevolution in seiner Heimat miterlebt und aus ihr weichen mußte, von seinem dreijährigen Wanderleben. Die Sehnsucht nach seiner Heimat hat er aus dem Herzen reißen müssen, denn die Heimkehr scheint ihm für immer unmöglich gemacht. Da aber regt sich nun die Sehnsucht nach der Heimat der Vorfahren, die ihm im Blute ruht. Er will nach Schleswig wandern und sagt: „Ohne das Meer kann ich nun einmal nicht sein." Mir war's, als ich ihn so erzählen hörte, als sollte- ich allen Heimatgenossen zurufen: „Wenn euch, die ihr noch eine Heimat habt, jemals ein in dieser Zeit der deutschen Not vertriebener Landsmann begegnet, so erzeigt ihm um Gottes und unserer deutschen Schicksalsgemeinschaft willen doppelte Liebe!" Und nun noch eins: Vor einigen Tagen erzählte mir ein anderer, der längere Zeit in der Großstadt gelebt und dort eine Reihe von Persönlichkeiten kennen gelernt, von denen ihn jetzt einige in der Heimat besuchten, daß diese ihm jetzt ganz anders erschienen seien als damals in der Fremde. Es sei, als ob zum Erkennen des Wesens des andern jene innere Ruhe und Sicherheit gehöre, die ganz besonders die Heimat geben kann denen, die sie lieb haben und in ihr weilen. Auch etwas, was wir uns noch merken wollen.
Ng.
flus einem Sriefe Ulrichs von Hütten an Pirtchmmer
(25. Oktober 1518).
an lebt auf dem Felde, in Wäldern und in jenen Bergwarten. Die Leute, die uns erhalten, sind äußerst dürftige Bauern, denen wir unsere Acker, Weingärten, Wiesen und Wälder verpachten. Der Ertrag daraus ist im Verhältnis zur aufgewendeten Mühe gering, aber man gibt sich viel Mühe, daß er groß und reichlich werde, denn wir müssen sehr fleißige Haushälter sein. Dann stehen wir notwendigerweise in einem Dienstverhältnis zu einem Fürsten, von dem wir Schutz hoffen dürfen; wäre ich dies nicht, so würden sich alle alles gegen mich erlauben; und wenn ich es auch wäre, so ist doch diese Hoffnung mit Gefahr und täglicher Besorgnis verbunden, denn wenn icb aus dem Hause hinausgehe, ist zu befürchten, daß ich denen in die Hände falle, mit denen der Fürst in Händeln und Fehde ist: an seiner Stelle fallen sie mich an und schleppen mich fort. Wenn das Unglück es will, kann ich mein halbes
Vermögen auf das Lösegeld verwenden; so treffe ich, wo ich auf Schutz gehofft, vielmehr auf Angriff. Doch dazu halten wir Pferde und schaffen Waffen an, sind von zahlreichem Gefolge umgeben, mit großen und in allem schweren Kosten, daß wir nicht fünfhundert Schritt weit ohne Waffen und Rüstung spazieren gehen dürfen. Kein Dorf kann man unbe- waffnet besuchen, nicht auf die Jagd, zum Fischen anders als gerüstet gehen. Dann gibt es häufig Streit zwischen unsern und fremden Bauern; es vergeht nicht ein Tag, wo uns nicht von irgend einem Hader berichtet wird, den wir sehr vorsichtig schlichten. Denn wenn ich zu keck mich der Meinigen annehme und ihnen angetanes Unrecht verfolge, so entsteht ein Krieg; wenn ich zu geduldig nachgebe und von meinem Rechte nachlasse, stelle ich mich den Unbilden von allen Seiten bloß; denn was einem zugestanden worden ist, das würden die andern auch für sich bewilligt sehen wollen,