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Seite 78 c^c^c^c^c^^t^c^^^c^^ Unsere

Uns aller Ehren wert.

Denn kurz und gut: wo ist ein Land, Das nicht der Bauer nährt"?

Das sind im Grunde stolze Worte, die leider Bauern von heute selber als „zu altmodisch" in den Ohren klingen mögen; denn es sind gar viele bemüht, ihm seinen berechtigten Bauernstolz gründlich auszu- treiben. Fingen doch schon am Bahnhöfe zwölfjährige Frankfurter Schulbuben an, hinter unserer Nieder- zeller Schuljugend herzuspotten, als sie vor Jahren den „Zoologischen" besuchten. Hab's selber gehört, das: „Bauernpack!" und „Landpomeranze!", mit dem ein paar käsig aussehende Buben nach uns warfen. Es hat mir weh' getan, um der Dorfkinder willen, die ganz ernste Gesichter kriegten und nach uns Alten umschauten und erst wieder fröhlich wurden, als ich gesagt: „Schadet nix, Kinder, die sind auf dem Wege nach der Zwangserziehung!" Viele warten schon lange darauf, daß auch der Bauer das auf- gibt, was vielen im Wege ist, nämlich die Zufrieden­heit, die Liebe zur Scholle, zur Heimat und — den Stolz auf seine Arbeit. Wenn der Bauer aber ge­scheit ist, bleibt er dem treu, was er an Gutem er­erbt von den Vätern und läßt die drei Eichen nicht antasten, die sein Haus schirmen: Gottesglauben, Familiensinn, Heimatliebe. Der in seiner Liebe zum Bauernstand unübertreffliche badische Pfarrer und Volksschriftsteller Hansjakob rief vor Jahren: „Mir ist nur ein Stolz angenehm — der Bauernstolz. Der nimmt aber in unsern Tagen immer mehr ab. Niemand will gern mehr Bauer sein. Der Bauern­stolz hat allein auch seine Berechtigung; denn der Bauer ist der wichtigste Mann im Volksleben und der notwendigste Kulturträger." Drum läßt auch Chamisso den Riesen zur Tochter sagen, die den Pflüger zum Zeitvertreib mit auf die Burg ge­nommen : „Der Bauer ist kein Spielzeug." Dr. Luther hat gemeint: „Der Bauern Arbeit ist am fröhlichsten und voller Hoffnung." Wenn aber sein Hoffen ver­hagelt, ist er gar übel dran; denn es gibt auch ver­nichtetes Hoffen, hinter den: keine Versicherung steht. Was sind das für bittere Wege, wenn er auf der Dienstbotensuche ist und die Hoffnung unter Null steht, und in den Städten muß man sich fast den Kopf zerbrechen, um die Arbeitslosen zu versorgen. Oder wenn das Heu auf den Wiesen verfault und er an der Lektion lernt, daß vergebliche Arbeit ein gar sauer Kräutlein ist. Und Bismarck hat 1885 vom Bauernstand auch ein gar feines Wörtlein ge­sagt: „Hat der Bauer Geld, so hat's die ganze Welt. Der Bauer hat den großen Vorzug vor dem Groß- grundbesißer, daß er sich immer nach der Decke streckt. Er ist der Ruhe und der Ordnung in keiner Weise gefährlich." Wie weit das stimmt, kann ja überall nachgeprüft werden.

Wenn man in der deutschen Literatur nach Ur­teilen über den Bauern sucht, gibt das einen feinen Spiegel für den Landmann, und es schadet ihm gar nichts, wenn er beim Hineinschauen da und dort ein Flecklein bemerkt, das auf die säubernde Hand wartet. Wenn er gelobt wird, hört er das, wie alle Menschen, gern; ein rechter Mann muß aber auch die Wahrheit vertragen können, selbst wenn sie bitter schmeckt. Wenn der alte Weber in seinem „Demokritos" sagt: „Der Bauer ist ein Fruchtbaum,

Heimat ^r^^t^^i^^^^^^^ Nr. 7/8/9 alle übrigen Stände mehr die Raupen, die von sei­nen Blättern schmausen," so kitzelt ihn das bis in die Fußspitzen. Er hängt's sogar als uraltes Spott­verslein an die Stubenwand. Hab'v erst vor ein paar Tagen wieder von einer solchen die Eintreten­den anulken sehen:

„Der Fürst will haben seine Pflicht;

Herr Kleius spricht: das rührt mich nicht.

Der Edelmann ist allzeit frei;

Der Händler treibt sein Wucherey;

Der Kaufmann ruft: Ich gebe nichts!

So muß denn Gott im Himniel walten:

Der Bauer muß all die Fresser erhalten."

Schon deshalb dürfte der Bauer niemals selber unter die Wucherer gehen!

Die Wahrhaftigkeit fordert, daß wir auch die andern zu Woit kommen lassen, die dem Bauern eins anzuhängen suchen. Jst's gut gemeint das Tadelwort, so wirkt's wie Arzenei. Da ist zunächst Wilhelm Müller mit seiner spöttischen Behauptung: „Wird der Bauer ein Edelmann, so guckt er den Pflug mit der Brille an." Er braucht manchmal so hoch gar nicht zu steigen. Es genügt manchmal schon ein Aufenthalt von ein paar Monaten in der Stadt und er kann keinen Hafer mehr von Petersilie unterscheiden. Das schlimmste Mundwerk in der Be­ziehung hat der alte Chr. Lehmann in seinem „Po­litischen Blumen-Garten"; dort hat er sich anno 1662 folgendermaßen ausgelassen „Gottes Barmhertzigkeit vnd der Bawern Schalckheit seynd vnerforschlich." Unser deutscher Sprüchwöiterschatz liefert gleich eine Handvoll gespitzter Wahrheiten:

„Bauer werden ist nicht schwer, Bauer bleiben eine Ehr!

Gibt der Bauer, so sieht er sauer.

Dann wollen wir, sagt der Bauer, wenn er muß.

Laß die Narren Freiheit singen, Düngen geht vor allen Dingen".

Damit soll's genug sein für heute, Zum Schluß nur noch ein paar Worte von einem, der selber hinter dem Pflug geht:

Wir Bauern schaffen mit schwerer Hand, Wir halten Sturm und Wetter stand, Wir sehn, wie der Hagel die Halme fällt — Der Acker wird schweigend neu bestellt. Darum ist der Bauer kein Spielzeug!

Flg.

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Bis Sondergaden für „Unsere Heimat" sandten Schwester Auguste Becker, Immenhausen 10 M, Herr Amtsrichter Hassenkamp, Neuhof 15 M., Frau Helene Hafner, Langenselbold 3 M., Frau Kleemann, Nürnberg 5 M., Ungenannt 2 M., Herr Eckhardt, Langen 5 M., Herr Lehrer Schaumburg, Gomfritz 2 M., Herr Battenhausen, hier 5 M., Herr Hafner, Mell- richstadt 5 M., Ortsgruppe Breunings 12 M., Herr Hen­ning, Offenbach 5 M., Herr Hoch, Fechenheim 5 M, Herr Lampert, Harleshaufen 5 M., Frau Flora Mayer, Biblis 10 M., Ungenannt 5 M., Herr Zinnall, hier 5 M., Herr Lehrer Lotz, Oberreichenbach 15 M.

Herzlichen Dank! Der Vorstand des Heimatbundes:

Medizinalrat Dr. Lauer.

Die vorliegende Nummer von „U. H." ist diejenige, welche im 2. Vierteljahr 1920 ausgegeben werden konnte. Weiter reichen unsere Mittel nicht.

Der Vorstand des Heimatbundes.

Als Manuskript gedruckt: H. Steinfeld Söhne, Schlüchtern. Schriftleitung: Lehrer Flemmig in Schlüchtern. Verlag des Heimatbundes in Schlüchtern. Postscheck-Konto 80311 in Frankfurt a. M.