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Nr. 7/8/9 ^^ß3^^^^«tfß3£^ß2ß^ Unsere Heimat ^r^r^t^^^£^^^ß^£^ Seite 69

in Würzburg offen gesagt und in Schlüchtern geschickt und nicht ohne Erfolg versucht.

Die Bauern in den Dörfern, die dem Kloster zins- pflichtig waren, kamen in eine sehr schwierige Lage. Sie waren wirtschaftlich von der Gunst des Klosters abhängig, aber sonst durchaus von dem Landes­herrn. Da waren Zusammenstöße nicht zu vermeiden.

Hanau hatte damals, wie Graf Albrecht erbittert schrieb, in der Obergrafschaft keinen Beamten, der „das Maul auffthut vndt sich opponiret". Beson­ders wäre der Amtmann in Steinau, Dr. Peter Keuchen unbrauchbar, „ein alter abgelebter ver­drossener Mann", der „so zusagen, vor die thür nit kommen, Vndt etwaß außrichten kann". 3) Diese Beurteilung kann richtig sein, der gelehrte Amtmann mußte sich gefallen lassen, daß der Verwalter ihm einmal ziemlich frech schreibt, er habe „in der frembte 110.^1 so viel versucht, alß vieleicht ein anderer der Juri Studirt hat". 4) In Schlüchtern selbst wohnte der Zentgraf Paul Anton Hatstein, der dem Amt- mann in Steinau untergeordnet war und ihm viele Berichte in der Sache lieferte. Weniger treten die Pfarrer, der Oberförster fauch' die Jagd im Amt Schlüchtern beanspruchte das Kloster) und- der Keller hervor.

Kaum waren die Kommissare abgereist, mußte der Amtmann den Schultheißen von Wallroth ent­setzen, der viel im Kloster sei „vnd bey gutem Essen vnd Drincken allerhand zuberichten vnd an handt Zugeben gelüsten lasset". Er hatte „lengst Zuvor Jhne, anderer seiner nopffen 5) halben" entlassen, jetzt sei das Maß voll. 6). Ueberhaupt wollten die Würzburger mit Freundlichkeit die Bauern gewin- nen. Sie behalten den Koch, der dem Kloster schon 17 Jahre diente und gestatten ihm, bei seiner alten Konfession zu bleiben 7). Als kurz nachher der Klo­sterhirte, der in Niederzell wohnte, ein Kind bekam, wurde ihm „angetragen... den Prioren oder Ver­walter zu gevettern ersuchen". Natürlich würde das Kind dann „von Ihren in der Closter Kirche getauft werden" 8).

Bald merkten die hanauischen Beamten die Fol­gen der heimlichen Verhetzung. Die schon sonst schwie­rigen Bauern wollten keine Frohndienste mehr leisten und- keine Abgaben zahlen, sie berufen sich, auf das Verbot des Verwalters. Und dieser, wenn er zur Rede gestellt wurde, beteuerte, daß er nur gesagt hätte, sie sollten ihre Schuldigkeit gegen das Kloster und- den Grafen leisten, wie früher. Schon das war zweideutig: solange die Bauern denken konnten, war der Graf auch, der Herr des Klosters gewesen. Jetzt sollten sie ihre Verpflichtungen gegen ihren Landes­herrn und- das Kloster reinlich- trennen.

Vor allen Dingen konnte man die Bauern zur größten Dankbarkeit verpflichten, wenn man ihre entsetzlichen Kriegslasten zu erleichtern versuchte. Hier­bei versagten die hanauischen Beamten, wenn wir dem Grafen Albrecht Glauben schenken wollen, sie bleiben lieber hinter dem Ofen sitzen, als daß sie den „armen leuth" gegen Einquartierungen und Re­quisitionen helfen 9). Im Sommer 1628 entstand in Schlüchtern und Umgebung eine Revolte der Bär

3) M. Schlucht. Repert. I, 55.

4) M. Schlucht. Repert. I, 61.

5) Mundartlich: böse Schrullen.

6), 7) u. 8) M. Schlucht. Repert. I, 61.

9) M. Schlucht. Repert. l, 55.

ger und Bauern wegen der Soldaten. Dem Ver­walter wurde „allerseits viel schuld gegeben", be­richtet Peter Keuchen. 10).

Die Gärung dauerte fort. Es kam so weit, daß die Bauern in jedem Klosterdorf einen wählen, der den Bischof in Würzburg „vmb schütz" anflehen soll, natürlich unter Umgehung des Landesherrn. Wie­der berichtet Peter Keuchen, der Verwalter habe den Bauern gesagt, daß er schon nach Würzburg wegen der Einquartierungen geschrieben hätte. „Aber wen Sie darauff selbsten khemen, So sollen sie dessen versichert sein, dy nechst milwochens kh-eine Reuter mehr fürhanden sein w-ürdte". n) Diese Aussicht wirkte. Die Abordnung versammelte sich abends in Marjoß und wanderte in der Nacht nach Würzburg. Hier wurde sie gut ausgenommen und- bekam ein Schreiben an den Kommandeur der Reiter, das würde ihnen Erleichterung schaffen. Die Einquar­tierung mache der Graf dem Bischof „zum verdrus.., die weil seine Dörfer allein belegt würden". Aber „man erwarte alle stundt" Nachricht vom Kaiser, „alsdan wolte er (der Bischof) der suchen schleunig abgeholffen haben". Die Abordnung brauche keine Angst vor Strafe haben; der Bischof werde seine „gäste" zu schützen wissen 12).

Bei der Restitutionstagung beschwerte sich Hanau über alle mögliche Uebergriffe des Klosters, aber die Reise der Bauern wird nicht erwähnt. Offenbar war es dem Grafen peinlich, sich vor der kurbayri- schen und hessischen Kommission über seine eignen Bauern zu beschweren und die Erfolge der Gegen­reformation in seiner Obergraffchaft einzugestehn. Bezeichnend ist ein Stoßseufzer des alten Peter Keu­chen: „Es scheinet iha, alss wolten diese Leute mit gemalt gut Röm: Catholisch werden" 1S). Die „aidtvergessenen" Bauern wurden nicht in Haft ge­nommen, wie Graf Philipp Moritz befohlen hatte. Denn inzwischen fingen die heftigen Streitigkeiten über die Pfarrgärten und -wiesen an, denen der Amtmann -erst recht nicht gewachsen war.

Die evangelischen Pfarren in Schlüchtern hatten ihre „Krautgärten" in dem Bezirke, den die Kloster­mauer begrenzte, der Verwalter verbot ihnen das Betreten. Sie wandten sich nach- Hanau, und- die Kanzlei befahl ihnen, den Garten umzugräben und zu besäen. Aber sie wurden mit Drohungen mehrfach abgewiesen, und- schließlich gab Hanau nach u).

Aehnlich ging -es mit der Pfarrwiese. Das Klo­ster ließ die Mauerwiese, die zur Besoldung der evan- gelischen Pfarrer gehörte, mähen und das Heu ein­fahren. Zur Vergeltung schickte Hanau 4 Nachbarn von Elm auf die Eichwiese zum Mähen. Aber der Verwalter ließ ihnen mit Gewalt die Sensen weg­nehmen. Als Bauern von Niederzell auf Befehl die Wiese mähten, drohte er, ihr Dorf voll von Reiter zu legen. Der Zehntgraf forderte von dem Ver­walter die Sensen zurück, aber der wollte sie nur den Bauern persönlich zurückgeben. Sie stritten sich längere Zeit auf dem Klosterhofe herum, unter an­dern sagte der Verwalter, wenn er den Zentgraf auf der Wiese angetroffen, hätte er ihn in das Was­ser geworfen. Dieser erwiderte ähnlich-. Inzwischen

10) M. Schlücht. Repert. I, 61.

“) Bericht von Peter Keuchen: M. Schlucht. Repert. I, 61:

I2) Bericht des Pfarrers von Marjoß an den Amtmann.

M. Schlucht. Rerpert. I, 61.

I3) Keuchen am 13. VI.: M. Schlucht Repert I, 61.

“) W. Admin. fafc. 444.