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Nr. 7/8/9 ^mp^cv^^^^ Unsere fjeimat /^wc^c^os ^^^^kv2£^%\d Seite 67

(Potentilla anserina). Auch Baldriantee wird ge­nommen.

Zum Heilen von Wunden und eiternden Wun­den und Geschwüren leisten folgende Pflanzen treff­liche Dienste: Die Blätter der Einbeere (Paris), der Schafgarbe, des Spitzwegerichs, des Gartensalbeis, des Odermennigs, der Erle (die Klebseite des Blat­tes wird auf die Wunde gelegt). Zum Auswaschen der Wunden werden benutzt Heister Kamillentee. Sal­beitee,- Tee aus der Wurzel des Alants soll eben­falls ein gutes Desinfektionsmittel sein. Das ge­bräuchlichste Mittel ist aber das Allheilmittel Ar- nika (Anik). Es soll gerade wie Lindenblütentee für alle Krankheiten gut sein. Es kann innerlich und äusterlich Verwendung finden. "Aus den Arnikablü- tenköpfen kann Tee gekocht werden,- dieser wirkt reinigend und heilend. Die Blüten werden auch in Spiritus oder Branntwein gelegt. Der Auszug, die Arnikatinktur, wird eingenommen oder zum Ein­reiben benutzt oder zum 'Auswaschen der Wunden. Früher bestreute man eiternde Wunden mit den Sporen der Boviste. Auch die Stengel und Blätter des Ackergauchheils (Neunauerblümche) in Schweine­fett gebraten sollen heilend bei Wunden wirken. Zum Aufziehen von Schwären werden Heusamsn, Hollun- derrinde, Meerrettich und Leinsamen benutzt. Bei Augenmalen der Kinder wird zuweilen der Mauer­pfeffer (Sedum acre = Fehlkraut, von Fehler) angewandt. Die Pflanzen werden in ein Tuch. ge­näht und den Kindern um den Hals oder aus die Brust gelegt. (Die Wirkung beruht wohl nur auf Einbildung!)

Bei E eschwülsten und Verrenkungen wer­den Odermennigblätter aufgelegt. Auch bei Knochen­brüchen der Tiere soll ein Tee dieser Pflanze hei­lende Wirkungen haben. - Gegen schwache Glieder wird der Wiesenknopf (Blutkopf oder Kraftkraut) ge­nommen. Die Pflanze wird in Spiritus gelegt; der Auszug dient bei Kindern und auch Erwachsenen zum Einreiben. — Zum Vertreiben der Warzen wird Wolfsmilch (Hondmellich) benutzt. Mund­fäule wird durch Ausspülen mit Salbeitee beseitigt.

- Bei Krätze gebraucht man den Saft des Sauer- iampfers. Bei Haarausfall wird der Kopf mit Brennesselsaft eingerieben. — Rissige Haut wird ge­heilt durch Zerreiben der Blätter der Einbeere oder des Salbeis auf den wunden Stellen. — Gegen Insektenstiche ist Zwiebelschlotte gut. - Bei Zahn­weh wird die Knoblauchswurzel ins Ohr gesteckt. — Bei Asthmaanfällen wird der wilde Dösten (Döstche) genommen. — Als Schlaf- und Betäubungs­mittel wird bei kleinen Kindern eine Abkochung der Mohnköpfe leider noch angewandt. Es sei nachdrücklich, hiervor gewarnt. Die Wirkung kann eine tödliche sein!

Gegen Krankheiten der Tiere werden neben den schon genannten Pflanzen noch andere benutzt. Um die Würmer der Pferde zu vertreiben, wird Rain­farn benutzt. Heusamenbrühe erhält das Vieh bei Durchfall. Gegen Kolik der Pferde werden Kümmel­samen genommen. Wacholderbeeren werden den Pferden mit dem Hafer im Oktober und Mai beim Haaren gegeben. Beifust wird als Tee den Kühen, die schwer gekalbt haben, eingegeben. Der Kamil­lentee spielt bei Tierkrankheiten vielleicht eine noch größere Rolle wie bei den Krankheiten der Men­schen. — Bei Gebärmuttervorfall bei Tieren wird

eine Abkochung von Eichenlohe (Achelohe) benutzt. — Als 2^6 für kranke Ziegen kommt in Anwendung die Ackerröte (Sherradia aroensis ----Hünkelböllche).

Leider spielt der Aberglaube bei der Verwendung von Heilpflanzen auch jetzt noch auf unseren Dör­fern eine große Rolle. Früher wurden ja die mei­sten Tier- und Menschenkrankheiten durch „Sympa­thie", durch Beschwörung geheilt. Der Glaube an diese Mittel ist heute noch grost. Viele Leute geben mehr darauf als auf den besten Arzt. Besonders die Tiere werden jetzt noch auf diesem Wege „kuriert".

Um die Schweine vor der Rotlausseuche zu schützen, wird in das Gefäß, in dem das als Schweinefutter dienende Spülicht aufbewahrt wird, eine Wurzel des Adlerfarns (BräuMurzel; Bräune = Rotlauf) ge­legt. Dann und wann wird sie durch eine frische Wur­zel ersetzt. — Bei derselben Krankheit wird auch folgendermaßen verfahren: zwei Stückchen der „Feuerwurzel" werden dem Schweine in zwei Löcher der Ohrmuscheln gesteckt, die man vorher einge­stochen hat. Die Krankheit soll sich dann aus dem Körper hierhin ziehen und geheilt werden. Um Schweine von dem „Drach", einer Lähmung der Hinterbeine, zu heilen, steckt man eine Wurzel von der Schwarzwurzel in eine Mauerritze des Schweine­stalls und spricht dabei die Zauberformel:

„Drach, Drach, Drach, Weich aus dem Gemach.

Das tu' ich dir zur Büste:

(Hierbei steckt man die Wurzel in die Ritze)

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes". —

Um Heren zu vertreiben, wird „Duran" oder Hexenkraut über die Tür gehängt. Dann kann keine Here herein. —

Um Warzen zu entfernen, nimmt maneinenStroh- halm, bestreicht jede Warze mit einem Knoten des Strohhalms und wirft den Strohhalm stillschweigend ins Backofenfeuer. —

Ißt man von dem ersten blühenden Korn, das man sieht, drei blühende Aehren und spricht dabei die drei höchsten Namen, so bekommt man das ganze Jahr kein Sodbrennen. —

Leider können nicht mehr Beispiele angeführt wer­den. Die Verschlossenheit unserer Kreisbewohner läßt sie ihre Geheimnisse wohl bewahren. Die Mit­teilung anderer Belege wird dankbar begrüßt. Auch Mitteilungen über die Verwendung anderer Heil­pflanzen oder über andere Verwendung von ein­heimischen Heilpflanzen, auch über besondere volks­tümliche Bezeichnungen von Pflanzen will gerne sam­meln, verarbeiten und später der Allgemeinheit zur Verfügung stellen der Verfasser.

Keller.

was mich das Leben gelehrt, Hör ich, o freund, dich fragen.

Zwei Dinge flnd's von wert: Gott suchen, Menschen tragen.

Dechent.