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Seite 66 ^^^^^t^^^^r^ß^ß^ Unsere Heimat i^^^^r^^r^^r^i^ gir. 7/8/9

art:Doas glaawe Se aach net". Nur nach wieder­holten Beteuerungen, daß ihm alles geglaubt würde, erzählte er von der vorzüglichen Wirkung des Zwie­belsaftes, des heißen Kamillentees und anderer be­kannter und weniger bekannter aber ganz vorzüg- licher Heilmittel. In seiner Familie werden diese Kenntnisse erhalten bleiben und Früchte tragen. Ob auch die Nachbarn in dieseEehrimwissenschaft" Ein­blick bekommen, muß sehr dahingestellt bleiben. Ge­heim werden leider gar manche Mittel gehalten, welche der Allgemeinheit nützen könnten. Mit Un­recht geschieht dies! Hoffentlich bringt auch hier die neue Zeit" Wandel, indem sie dieses Gute Alte sich aneignet und fleißig verwendet zu Nutz und Freud von jedermann. Auch hier liegt ein gelb für soziale Arbeit offen! Auch die Schule könnte hier mitwirken. Die bei uns häufig vorkommenden Heilpflanzen könnten besprochen werden, ihre Ver­wendung könnte mitgeteilt und empfohlen werden. So würde die Kenntnis der Heilpflanzen der Hei­matflur immer mehr verbreitet werden, sie würden im Hause als gern gesehene Hausmittel immer mehr Eingang finden und wären stets vorhanden, wenn die Not ihre Verwendung verlangt. Wir werden damit auch Geld sparen, und Sparsamkeit ist gerade jetzt eine bittere Pflicht./

Für jedes Leiden gibt es eine Menge Mittel. Ein­mal hilft dieses besser, ein andermal ein anderes. Das kommt auf den Krankheitsfall und denKun­digen" und das Dorf an. Alle angegebenen Heil­mittel werden heute noch im Kreise Schlüchtern be­nutzt. Gegen Husten und Lungenleiden wer­den eine lange Reihe von Heilmitteln verwandt: 1. Aus Blättern, Blüten und Stengeln der Schaf­garbe (Schofsrepp) wird ein Tee gekocht; 2. Aus den Blättern des Huflattichs (Latteblärrer) wird Lungentse" bereitet; 3. Der Tee aus den Blüten des Schwarzdorns (Schläh'); 4. Der Tee aus dem Lungenmoos", einer Flechte, die gern an alten Bu­chen wächst, und der äußersten dünnen Rinde von jungen Eichen sÄchespiegelrenne); 5. Sehr gut für Lungenkranke soll fein ein Tee aus Blättern des Spitzwegerichs, des Gänseblümchens, des Weiden­röschens (Epilobium angustifolium = Äwerretze) und des Fieberklees (Menyanthes trifoliala = Viberklee); 6. Eibischkraut- (Althaca) wurzel zu Tee; 7. Brombeerblättertee (Borbär); 8. Lindenblütentee (Lenneblüt); 9. Tee aus dem Stengel desBitter­süß"; 10. Die Früchte der Rose werden mit Zucker zu einem Safte verkocht und dieser getrunken; 11. Die getrockneten Blüten der Schlüsselblume werden zu einem Hustentee verwandt; 12. Die Wurzel vom Aronstab wird getrocknet, zu Pulver gestoßen und mit Honig eingenommen; sie muß gesammelt wer­den, wenn die Pflanze blüht; 13. Fichtennadel- spitzen werden im Mai gesammelt und daraus Tee gekocht, sogenannterMaihonig", ein gutes Mittel gegen Husten; 14. Zum Schluß sei noch ein sehr gebräuchliches Hustenmittel genannt: gehäckseltes Haferstroh mit Kandiszucker braun gebrannt.

Gegen Nieren- und Blasenleiden werden folgende Mittel benutzt: 1. Die Blätter der Peter­silie werden zu Tee gekocht; 2. Aus der ganzen Pflanze des Ackerschachtelhalms (Dauwekropp, Dauweruckch, Zinnkraut) wird Tee bereitet. Er soll sehr gut sein gegen Gries- und Steinleiden; 3. Die Wurzel der Klette wird abgekocht und die Brühe

getrunken; Die Blätter und die junge Rinde der Birken werden als harntreibendes Mittel benutzt, ebenso der Birkensaft; 5. Tee aus den jungen Trie­ben des Wacholders; 6. Das vorzüglichste Mittel soll sein die Gundelrebe, woher auch ihr landläufi­ger NamePißkräutche" kommt; 7. Bei Tieren wird auch Tee aus den Blättern des Steinbrechs (Staa- kraut) gegen Blasenleiden zur Anwendung gebracht;

8. Tee aus Hagebutten, Steinbrech und Pfefferminz;

9. Heidelbeerblättertee.

Gegen die Wassersucht sollen gut sein: 1. Tee aus Fünffingerkraut; 2. Rosmarinblätter in Wein; 3. Tee aus den Blättern des Schöllkrauts.

Mittel gegen Gicht und Rheumatismus sind die folgenden: 1. Heiß gemachter Hafer wird in ein Säckchen getan und aufgelegt; 2. junge Triebe der Fichte in Branntwein: 3. Kastanienblütenauszug in Spiritus; 4. Die Blätter und Stengel der Brennessel wurden ebenfalls früher äußerlich aufgelegt; 5. Weitzkrautblätter (Krautbläre) werden gekocht und heiß aufgelegt; 6. Unbedingt helfen soll junges Bir- kenlaub als Tee; 7. Die grüne Rinde des Hollun- ders wird abgekocht, mit Kochsalz und Senfmehl gemischt und zu Aufschlägen verwandt.

Das am meisten benutzte Blutreinigungs- und schweißtreibende Mittel sind die Hol- lunderblüten jHollerbär). Dem gleichen Zweck die­nen: Wachholderbeeren, Birkenrinde, Tausendgülden­kraut, Lindenblüten, Walnußblätter. Hat jemand Schweißfüße und hört bei einer Krankheit die Ab­sonderung des Schweißes auf, so muß diese wieder in Gang gebracht werden; dies geschieht dadurch, daß man die äußerste dünne, weiße Birkenspiegel- rinde zwischen Fußsohle und Strümpfe bringt und dies so oft erneuert, bis der Fußschweiß wieder vor­handen ist.

Gegen Magenbeschwerden gibt es ebenfalls eine Menge erprobter Hausmittel. Der Kamillen­tee steht an erster Stelle. Dann kommen Schaf- rippenblätter und Wermut (Wärmede), Rainfarn­krauttee, Pfefferminztee und Schlehrnblütentee; Bal- drianblütentee beruhigt gleichzeitig die Nerven. Kümmelsamen befördern die Verdauung, ebenso wirkt ein Auszug der Kalmuswurzel in Branntwein. Lein­samenmehl mit Kleie vermischt und auf einem lei­nenen Tuch heiß aufgelegt lindert Magenschmerzen. Die obigen Mittel werden neben den getrockneten Heidelbeeren zum^Teil auch bei Durchfall benutzt. Bei Rindern wendet man auch an Akazienblättertee und gekochte Linsen, bei Kälbern die Brühe von ge­kochter Buchenrinde. Gegen V e r st o p f u n g wirkt Lindenblütentee. Kühen wird die Brühe von ge­kochten Walnußblättern eingegeben.

Volkstümliche Mittel zum Stillen des Fiebers sind der Fieberklee und der breitblättrige Wegerich. Die frischen oder getrockneten Blätter des Wegerichs werden 24 Stunden in Wein oder Branntwein ge­legt. Der Auszug wird in Flaschen aufbewahrt und Sann jederzeit zur Linderung des Fiebers benutzt werden.

Ein im ganzen Kreise gebrauchtes Mittel gegen Kopfweh ist die Dachwurz. Ihre fleischigen Blät­ter werden zerquetscht oder gekocht oder auch ohne jede besondere Behandlung auf die Stirne gebunden. Diese Umschläge sollen vorzüglich wirken. Ebenso werden verwandt die Blätter desEisenkrauts"