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Schafgarbe („Schafsrippche") ist ebenfalls Heil? 1 und kräftig. — Ein Universalmittel ist der Tee aus den Blüten und dem Kraut des Tausendgüldenkrautes. Er entfernt Sodbrennen und Magenschmerzen. Er ist ein gut lösendes Mittel bei Verstopfung. Er bringt Hilfe bei Blutstörungen oder Blutmangel. Auch gegen Unreinigkeiten der Haut
trinke man diesen Tee. — Ein ganz vorzügliches Mittel gegen die Ruhr verdient besonders hervorgehoben zu werden. Es ist die Blutwurz oder Tor- mentillwurzel. In unseren Wäldern, auf Triften und Bergwiesen kommt das gelbblühende, niederliegende mit 3zähligen Blättern versehene Pflänzchen sehr häufig vor. Der aus dem dicken Wurzelstock bereitete Tee bringt dieselbe Wirkung hervor wie gleichwertige aber teuere ausländische Drogen und wie das Tannin mit seinen Abkömmlingen aus den chemischen Fabriken. Das Mittel ist für Mensch und Tier von gleich großer Bedeutung. Ein Verwandter der Blutwurz ist das an Wegen und Gräben häufig vorkommende Gänsefingerkraut, welches bei allen krampfartigen Erscheinungen Verwendung findet. Auf Mauern und Dächern findet man in unseren Dörfern häufig die Haus- oder Dachwurz. Ihre dicken, fleischigen Blätter werden gegen Kopfweh mit Erfolg verwandt.
Von den vielen anderen Heilpflanzen des Sommers sollen nun noch genannt werden: Die weiße Taubnessel, die Wollblume, das Stiefmütterchen, der echte Ehrenpreis, die Feldulme oder Rüster, der Steinklee, der Augentrost, das Johanniskraut, der Dösten, der Teufels-Abbiß, der Wermut, der Beifuß, der Lein, die Heidelbeere, der Wundklee, der Gartensalbei, die Ringelblume, der Heilziest, der Gauchheil, der Vitterklee (Fieberklee), das Hirtentäschel, die Hansnessel, der Hühnerdarm (gemeine Sternmiere), der Kalmus, das Heidekraut, und die Wegwarte. Mitteilungen über die Verwendung dieser Pflanzen würden zu weit führen.
Auch im Herbst können noch eine Reihe von Heilpflanzen gesammelt werden. In feuchten Wäldern
Gebüschen wächst bei uns sehr häufig der Wurmfarn. Ein aus dem Wurzelstock bereitetes Pulver ist ein bekanntes Mittel gegen den Bandwurm und gegen Eingeweidewürmer. Eine andere Wurzel, nämlich die des Baldrians wird auch meist im Herbst gesammelt. Auf feuchten Wiesen, in Gräben und Wäldern kommt diese ästige bis ein Meter hohe Pflanze häufig vor. Die Blätter sind gefiedert, der Blütenstand ist eine Trugdolde, die Blüten sind hellrötlich und- wohlriechend. Der Wurzelstock zeigt einen eigentümlichen, starken Geruch, welcher den Katzen angenehm ist (Katzenkraut). Ein aus der Wurzel bereiteter Tee oder ein Tee, der aus dem Pulver der getrockneten Wurzel hergestellt wird, wird mit Erfolg gegen nervösen Kopfschmerz, gegen nervöse Magenverstimmungen, gegen Heizkrampf und andere Leiden angewandt. Die Wurzeln, Blätter und Samen der Klette sind ebenfalls heilkräftig. Die jungen Sprossen und die reifen Beeren des Wach hol ders wirken schweißtreibend, nervenstärkend und blut- und magenreinigend. Der meist in Gärten angebaute Alant ist eine in der Volksmedizin gebräuchliche Pflanze. Die Wurzel wirkt erleichternd bei Atemnot und Schwindsucht. Im Spätherbst und Winter können die jungen Zweige und Blätter der Mistel („Schnozlöffel"), dieses Schmarotzers unserer Obstbäume noch gesammelt werden. Der Tee aus diesen Pflanzenteilen wird gegen Fallsucht und Krämpfe gebraucht.
Wie diese kleine Zusammenstellung zeigt, birgt unsere Heimatflur recht viele erprobte Heilpflanzen, die zum Teil ein vollwertiger Ersatz für ausländische oder künstliche Heilmittel sind. Wir wollen hoffen und wünschen, daß sie wieder zu der Anerkennung kommen, die sie verdienen. Es wurde schon eingangs gesagt, daß viele dieser Heilpflanzen auch jetzt noch in unserem Kreise Verwendung finden. Ueber diese Verwendung im Kreise Schlüchtern, auch über die abergläubische Benutzung von Pflanzen soll in einem besonderen Aufsätze im nächsten Hefte gesprochen werden.
Keller.
Der Streit um das Kloster Schlüchtern zwischen Hanau und Würzburg,
Von Dr. H. Koltermann-Hanau.
Fortsetzung.
III. Der Prozeß am Neichsftofrat.
Jm ausgesprochenen Gegensatze zu der sprichwörtlichen Langsamkeit des Kammergerichtes stand die Schnelligkeit des Verfahrens in diesem Prozeß am Reichshofrat. Schon am 30. Dez. 1624 erschien ein Notar mit dem Restitutionsmandat in Hanau. Die Gräfin Katharina Belgika weigerte sich, ihn persönlich zu empfangen und wies ihn in die Kanzlei ').
Das Mandat gab zuerst die Würzburger Auffassung des Streites wieder. Weil alle anderen Rechtsmittel erfolglos gewesen, hätte der Bischof seine Klage bei dem „Rechten Brunnquell der Justitien", nämlich bei dem Kaiser angebracht. Der Bescheid lautete: Hanau soll „bey Poen viertzig Marckh Löttigeß Eeldtt" das Kloster genau so restituieren,
’) Protokoll des Insinuation: M. Schlucht. Repert. I. 49.
„wie eß ao 1567 aufs ableiben deß Letzsten Katholischen abbte Petri Lotichii beschaffen gewesen". Dazu soll der Graf alle „dar von Biß dahero empfangene Nutzungen, oder welche ein guter Hauß- Halter dar von auffheben hat möge(n)".
Für Einspruch wurden nur 3 Monate bewilligt. Natürlich brauchte Hanau viel mehr Zeit; die Abwesenheit des jungen Grafen, die große Entfernung und die Langsamkeit und Unsicherheit der Post wurden angeführt. Wirklich erlangte der Hanauer Vertreter in Wien, Johann Lew, eine erhebliche Verlängerung des Termines auf den 7./17. Sept. 1625 2).
Die Frage, ob auch der Reichshofrat in Reli- gionssachen entscheiden könne, war ein alter und heftiger Streit zwischen Protestanten und Katholiken. Die Gräfin forderte sofort juristische Gutachten ein
2) M. Schlucht. Repert. I, 49.