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Nr. 5/6

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Schafgarbe („Schafsrippche") ist ebenfalls Heil? 1 und kräftig. — Ein Universalmittel ist der Tee aus den Blüten und dem Kraut des Tausendgülden­krautes. Er entfernt Sodbrennen und Magen­schmerzen. Er ist ein gut lösendes Mittel bei Ver­stopfung. Er bringt Hilfe bei Blutstörungen oder Blutmangel. Auch gegen Unreinigkeiten der Haut

trinke man diesen Tee. — Ein ganz vorzügliches Mit­tel gegen die Ruhr verdient besonders hervorge­hoben zu werden. Es ist die Blutwurz oder Tor- mentillwurzel. In unseren Wäldern, auf Triften und Bergwiesen kommt das gelbblühende, niederlie­gende mit 3zähligen Blättern versehene Pflänzchen sehr häufig vor. Der aus dem dicken Wurzelstock be­reitete Tee bringt dieselbe Wirkung hervor wie gleich­wertige aber teuere ausländische Drogen und wie das Tannin mit seinen Abkömmlingen aus den chemi­schen Fabriken. Das Mittel ist für Mensch und Tier von gleich großer Bedeutung. Ein Ver­wandter der Blutwurz ist das an Wegen und Grä­ben häufig vorkommende Gänsefingerkraut, welches bei allen krampfartigen Erscheinungen Ver­wendung findet. Auf Mauern und Dächern fin­det man in unseren Dörfern häufig die Haus- oder Dachwurz. Ihre dicken, fleischigen Blätter werden gegen Kopfweh mit Erfolg verwandt.

Von den vielen anderen Heilpflanzen des Sommers sollen nun noch genannt werden: Die weiße Taub­nessel, die Wollblume, das Stiefmütterchen, der echte Ehrenpreis, die Feldulme oder Rüster, der Stein­klee, der Augentrost, das Johanniskraut, der Dösten, der Teufels-Abbiß, der Wermut, der Beifuß, der Lein, die Heidelbeere, der Wundklee, der Garten­salbei, die Ringelblume, der Heilziest, der Gauchheil, der Vitterklee (Fieberklee), das Hirtentäschel, die Hansnessel, der Hühnerdarm (gemeine Sternmiere), der Kalmus, das Heidekraut, und die Wegwarte. Mitteilungen über die Verwendung dieser Pflanzen würden zu weit führen.

Auch im Herbst können noch eine Reihe von Heil­pflanzen gesammelt werden. In feuchten Wäldern

Gebüschen wächst bei uns sehr häufig der Wurmfarn. Ein aus dem Wurzelstock bereitetes Pulver ist ein bekanntes Mittel gegen den Band­wurm und gegen Eingeweidewürmer. Eine andere Wurzel, nämlich die des Baldrians wird auch meist im Herbst gesammelt. Auf feuchten Wiesen, in Gräben und Wäldern kommt diese ästige bis ein Meter hohe Pflanze häufig vor. Die Blätter sind gefiedert, der Blütenstand ist eine Trugdolde, die Blüten sind hellrötlich und- wohlriechend. Der Wur­zelstock zeigt einen eigentümlichen, starken Geruch, wel­cher den Katzen angenehm ist (Katzenkraut). Ein aus der Wurzel bereiteter Tee oder ein Tee, der aus dem Pulver der getrockneten Wurzel hergestellt wird, wird mit Erfolg gegen nervösen Kopfschmerz, gegen nervöse Magenverstimmungen, gegen Heizkrampf und andere Leiden angewandt. Die Wurzeln, Blät­ter und Samen der Klette sind ebenfalls heilkräf­tig. Die jungen Sprossen und die reifen Beeren des Wach hol ders wirken schweißtreibend, nerven­stärkend und blut- und magenreinigend. Der meist in Gärten angebaute Alant ist eine in der Volks­medizin gebräuchliche Pflanze. Die Wurzel wirkt er­leichternd bei Atemnot und Schwindsucht. Im Spätherbst und Winter können die jungen Zweige und Blätter der Mistel („Schnozlöffel"), dieses Schmarotzers unserer Obstbäume noch gesammelt wer­den. Der Tee aus diesen Pflanzenteilen wird gegen Fallsucht und Krämpfe gebraucht.

Wie diese kleine Zusammenstellung zeigt, birgt un­sere Heimatflur recht viele erprobte Heilpflanzen, die zum Teil ein vollwertiger Ersatz für ausländische oder künstliche Heilmittel sind. Wir wollen hoffen und wünschen, daß sie wieder zu der Anerkennung kommen, die sie verdienen. Es wurde schon eingangs gesagt, daß viele dieser Heilpflanzen auch jetzt noch in un­serem Kreise Verwendung finden. Ueber diese Ver­wendung im Kreise Schlüchtern, auch über die aber­gläubische Benutzung von Pflanzen soll in einem be­sonderen Aufsätze im nächsten Hefte gesprochen werden.

Keller.

Der Streit um das Kloster Schlüchtern zwischen Hanau und Würzburg,

Von Dr. H. Koltermann-Hanau.

Fortsetzung.

III. Der Prozeß am Neichsftofrat.

Jm ausgesprochenen Gegensatze zu der sprichwört­lichen Langsamkeit des Kammergerichtes stand die Schnelligkeit des Verfahrens in diesem Pro­zeß am Reichshofrat. Schon am 30. Dez. 1624 er­schien ein Notar mit dem Restitutionsmandat in Hanau. Die Gräfin Katharina Belgika weigerte sich, ihn persönlich zu empfangen und wies ihn in die Kanzlei ').

Das Mandat gab zuerst die Würzburger Auf­fassung des Streites wieder. Weil alle anderen Rechtsmittel erfolglos gewesen, hätte der Bischof seine Klage bei dem „Rechten Brunnquell der Justitien", nämlich bei dem Kaiser angebracht. Der Bescheid lautete: Hanau soll „bey Poen viertzig Marckh Löttigeß Eeldtt" das Kloster genau so restituieren,

’) Protokoll des Insinuation: M. Schlucht. Repert. I. 49.

„wie eß ao 1567 aufs ableiben deß Letzsten Katho­lischen abbte Petri Lotichii beschaffen gewesen". Da­zu soll der Graf alle „dar von Biß dahero emp­fangene Nutzungen, oder welche ein guter Hauß- Halter dar von auffheben hat möge(n)".

Für Einspruch wurden nur 3 Monate bewilligt. Natürlich brauchte Hanau viel mehr Zeit; die Ab­wesenheit des jungen Grafen, die große Entfernung und die Langsamkeit und Unsicherheit der Post wur­den angeführt. Wirklich erlangte der Hanauer Ver­treter in Wien, Johann Lew, eine erhebliche Ver­längerung des Termines auf den 7./17. Sept. 1625 2).

Die Frage, ob auch der Reichshofrat in Reli- gionssachen entscheiden könne, war ein alter und hef­tiger Streit zwischen Protestanten und Katholiken. Die Gräfin forderte sofort juristische Gutachten ein

2) M. Schlucht. Repert. I, 49.