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haben. Uebersehen wollen wir aber auch die abergläubische Verwendung mancher Pflanzen nicht, über die wir uns wundern müssen und die wir als moderne Menschen lächerlich finden.
Die Flora des Kreises Schlüchtern ist sehr reich, wie an dieser Stelle schon bemerkt worden ist. Auch die Anzahl der Heilpflanzen ist demgemäß sehr groß. Es mögen mehrere Hundert sein. Fast jede Pflanze wurde von unseren Vorfahren zur Heilung ganz bestimmter Leiden benutzt. Die volkstümlichen Namen der Pflanzen verraten uns ihre frühere oder auch noch ihre jetzige Verwendung. Vielen von diesen Pflanzen kommen wirklich heilkräftige Wirkungen zu, vielen aber auch nicht. Von dieser großen Zahl sollen nur die wichtigsten, gebräuchlichsten und interessantesten genannt werden. - -
Eine unserer ersten Frtihlingspflanzen ist der Huflattich. Er ist ein Korbblütler. Seine gelben Blü- tenköpfchen erscheinen lange vor den Blättern. Er kommt bei uns überall vor. Die Blätter werden in der Heilkunde benutzt. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil des Brüstte es, der zur Reinigung der Atmungsorgane dient. Huflattich wird auch in neuerer Zeit als Tabakersatz sehr empfohlen. Dieser Tabak soll einen wohltuenden Einfluß auf Brust und Lunge ausüben. Also: sammeln! — Früher wurden Wurzel und Kraut des Scharbockskrautes bei Brustkrankheiten, Haemorrohoiden, Skorbut usw. medizinisch verwendet. Die Pflanze wächst an jeder Hecke. Sie blüht zeitig im Frühjahr. Sie erhebt sich wenig vom Boden. Die Blüten sind gelb, die Blätter sind gestielt, nierenförmig, fleischig, glänzend, kahl; die Wurzeln sind dick, fleischig, keulenförmig. -Blätter und Blüten der dunklen gelben Art unserer Schlüsselblumen sind von heilkräftiger Wirkung. Der aus den Blüten bereitete Tee wirkt schweißtreibend und bei Gelenkrheumatismus schmerzstillend.
Unser Maibaum, die Birke, liefert uns in seinen jungen Blättern und seiner jungen Rinde vorzügliche Mittel gegen eine Reihe von Krankheiten. Der aus den Blättern bereitete Tee ist als sicher wirkendes harntreibendes Mittel bekannt. Er wird deshalb angewandt bei Wassersucht, Nieren- und Blasenleiden. Er wirkt ebenfalls gut bei Eicht, Rheumatismus, Wurmkrankheiten, Skorbut und Hautausschlägen. Auch der Birkensaft findet ähnliche Verwendung. - - Die Verwendung der jungen Blätter der Erdbeere, Brombeere und Himbeere ist hinlänglich bekannt. Sie ergeben einen recht schmackhaften Tee, der dem chinesischen Genußtee wenig nachsteht, wenn die Behandlung der Blätter die richtige war. „Man darf nur junge, saubere, trockene Blätter sammeln. In einem schattigen, luftigen Raum läßt man sie hierauf etwa 12 Stunden welken. Dann werden sie fest in ein Leinensäckchen gepreßt, fest umschnürt, in ein wollenes Tuch gewickelt und warm zugedeckt. Die Teeblätter machen nun eine 12= (bei geringerer Menge 16=) stündige Gärung durch. Beim Herausnehmen fühlen sie, sich warm, bei großer Menge sogar heiß an, haben eine dunklere, fast schwärzliche Farbe angenommen und duften stark teeähnlich. Nunmehr zieht man die zusammengeballten Blätter auseinander, trocknet sie an luftiger, schattiger Stelle vollends und bewahrt sie in Blechbüchsen auf". H. Dieser Tee ist
*) Aus Gramberg, Wildnutzpflanzen, H, G. Lutz Verlag, Stuttgart 1919.
als Abendtee sehr zu empfehlen. Er ist durststillend, wirkt auflösend und harntreibend. Er ist also nicht nur ein Genuß-, sondern auch ein die Volksgesundheit hebendes Heilmittel. Es sollte deshalb jede Haushaltung im Frühjahr genügende Vorräte von diesem vorzüglichen deutschen Tee sich herstellen. Er kostet nichts, denn die notwendigen Blätter sind in Hülle und Fülle in unseren Wäldern vorhanden . Als Teezusatz finden auch- die Blätter des W a l d m e i = ist e r s und der HeideI b'e ere Verwendung.
Die Blätter der Weg er i ch-Arten werden zerquetscht auf Schnittwunden gelegt und verhüten die Entzündung. Sie sind auch ein gut wirkendes Heilmittel gegen Bienen- und Wespenstiche. Der Tee aus den Blättern des Spitzwegerichs findet weiteste Verwendung bei Lungenleiden, Luströhrenkatarrh, Husten und Verschleimung. Die leicht kenntliche Bruchweide, deren dünne Aestchen sehr leicht ab- brechen, gilt ebenfalls als sehr heilkräftig. Die Rinde enthüllt Gerbsäure und Salizin. Eine Abkochung der Rinde wirkt deshalb günstig auf Fieber. Auf unseren trockenen Waldwiesen und Hügeln kommt häufig, der Odermennig, Ackermennig oder die Leberklette vor. Die Pflanze wird zuweilen über einen Meter hoch, sie blüht gelb, die Früchte sind klettenartig stachlig und hängen sich leicht an die Kleider. Der aus den Blättern bereitete Tee gilt als eines der besten Mittel gegen Leber- und Eallen- steinleiden. Eine ähnliche gelbe Blüte besitzt die Nelkwurz. Sie wächst als Unkraut unter Gebüsch in Gärten, an Zäunen und Hecken. Der Wurzelstock riecht nach Gewürznelken. Ein aus der Wurzel bereitetes Pulver wird- bei Durchfall und Ruhr verwendet. - Von den Heilpflanzen, die im Frühling blühen oder zu sammeln sind, sollen noch er- Lvähnt sein die Engelwurz an Bachufern, die Heildolde oder Sanikel, in schattigen Wäldern, der Sauerampfer, die Akelei, das Veilchen, das Zinnkraut (Acker-Schachtelhalm), die Hauhechel (Harnkraut) mit dornigem Stengel und rötlichen Schmetterlingsblüten, der Löwenzahn (Ringel-, Ketten- Kuhblume), das Wiesenschaumkraut, der Waldmeister, die Brunnenkresse der Schwarzdorn (Schlehe) und der Faulbaum.
Die Menge der im Sommer blühenden Heilkräu- ter ist bei uns eine sehr große! Die altbewährten Hausmittel Kamille, Lindenblüten, Pfefferminze und Holunderblüten (Holler!) und ihre Verwendung ist zur Genüge bekannt. Mit Recht spielt in der Volksheilkunde die Arnika („Anik") eine große Rolle. Sie kommt im Osten des Kreises vor. In der benachbarten Rhön wächst sie häufig, sodah sie leicht von den Einwohnern unseres Kreises gesammelt und verwendet werden kann. Aus ihren Blüten wird die bekannte Arnika-Tinktur hergestellt. Sie dient zum Einreiben bei Gicht, Rheumatismus und Rückenschme^en. Weiter wird sie verwendet in verdünntem Zustande zum Auswaschen von Wunden und bei Heiserkeit und Kehlkopfleiden. Ein Tee aus den Blumen oder Wurzeln leistet ebenfalls bei einer Reihe von Leiden Hilfe. — An Zäunen und Waldrändern wächst die Gundelrebe („Pißkräutche"). Es ist eine kleine rankige Pflanze mit nierenförmigen Blättern und blauen Lippenblüten. Ein Tee aus ihren Blättern wirkt bei Nieren- und Steinleiden vorzüglich. — Unser lästiges Ackerunkraut, die