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Seite 24 ^^^^(^^^^c^jc^^cy Unsere Vseimat ^s^^i^^^<^-^^-^7<^-7xI Nr. 3/4

dern das; auch an verschiedenen Orten des Kreises plötzlich Scharlachfälle aufgetreten sind. Da Schar­lach zu den Krankheiten gehört, die auch von ge­sunden Personen, welche mit Kranken in Berührung gekommen sind, sehr leicht übertragen werden kön­nen, so ist es nur zu natürlich, daß diese Krankheit hier und da auftreten muß, wenn irgendwo unbe­merkt ein Herd von ihr besteht. Sehr gering ist die Zahl der Erkrankungen an Unterleibs- T y p h u s gewesen. Die Quellwasserleitungen, die jetzt über­all ihr einwandfreies Wasser spenden, haben dieser gefürchteten Krankheit ziemlich den Garaus gemacht. Nur in einigen wenigen Orten des Kreises, in denen es die früheren Gemeindevertretungen, allen dahin­gehenden Bemühungen der 'Gesundheit^behörde zum Trotz, verstanden haben, ihrem Dorfe dieunnötige" Ausgabe für eine Wasserleitung zu ersparen, hat der Typhus seinen Besuch abgestattet. So in U l m- bach wieder, wo man jetzt die frühere Gemeinde­vertretung mit Recht verurteilt, weil sie hartnäckig verhindert hat, für etwa 80 000 Mark sich eine gute Quellwasserleitung zu schaffen, für die jetzt der neuen, den Bau der Wasserleitung fördernden Vertretung eine halbe Million abverlangt wird. Wo der Man­gel än Einsicht den Einzug des Guten hindert, sollte es Mittel geben, Wohltaten aufzuzwingen, weil es nicht immer nötig ist, daß ~ der Unschuldige auch leidet. - Als ein ungewohnter Gast hatte sich im Jahre 1919 die Ruhr im Kreise eingestellt. Offenbar aus der Gegend von Frankfurt a. M. nach Hütten eingeschleppt, hat sie dort etwa 18 Personen befallen. Mehrere Kinder sind ihr Opfer geworden. Auch hier hatte die Krankheit bereits eine gewisse Ver­breitung gewonnen, ehe die Gesundheitsbehörde Nachricht von ihrem Auftreten erhielt, sodaß eine rechtzeitige Eindämmung nicht mehr möglich war. Wie überall, so hat auch in unserem Kreise durch die Einwirkungen des Krieges mit seiner Hunger­blockade der Lungentuberkulose überaus star­ken Vorschub geleistet. 44 Todesfälle durch diese Krankheit sind der Behörde aus dem Kreise als sicher bekannt geworden. Und wieviele mögen sonst noch dieser Krankheit in unsrer Heimat erlegen sein, von denen die Akten nichts enthalten! Es ist unbedingt nötig, daß dieser tückischen Krankheit mit allen Mitteln entgegengetreten wird. Die vom Herrn Kreisarzt in Schlüchtern geleitete Fürsorgestelle hat den Zweck, allen Lungenkranken die Wege zu weisen, auf denen sie am besten ihrer Krankheit Herr werden. (Sprechstunde ist täglich von 910 Uhr!) Auch die Grippe hat noch im Frühjahr 1919 eine nicht (geringe Zahl von Todesopfern gefordert und ist dann beim Eintreten der wärmeren Jahreszeit er­loschen, um sich im vergangenen Winter wieder zu zeigen, wenn auch hierzulande bei weitem nicht in der bösartigen Form wie im Jahre vorher. Es ist ja eine alte Erfahrung, daß nach großen Krie­gen auch die beiden andern Ruten, Hunger und Krankheiten, die Völker schlagen. .Unb auch der kommende Sommer wird wohl für unser schwer lei­dendes Volk kein leichter werden. Gar mancher der Regierenden, der einen Ueberblick hat über die Vor­räte an Nahrungsmitteln im Lande, die Möglich­keit, solche zu beschaffen, den Mangel an Rohproduk­ten und alle die andern Hemmungen und Wirrnisse, die einem Genesungsbeginn und Aufsteigen aus der Tiefe unserem Volk im Wege stehen, mag alle be­

neiden, die das alles nicht sehen, nicht zu sehen brau­chen, weil ihr Platz wo anders ist. Um so mehr labet ist es Pflicht aller, die Behörden bei ihrem Werk unter den gegenwärtigen, z T. unsagbar schwierigen Verhältnissen zu stützen und sich des blöden Schimpfens und Murrens zu enthalten. Wie bitter war auch das für jeden, der es mit unserem Volke wirklich gut meint, als die ersten Keime neuen Hoffens und die Ansätze von Besserung der wirt­schaftlichen und politischen Lage durch neue Gärung, neue Unruhen zerschlagen und damit neue in ihren Folgen unabsehbare Verwicklungen und Kämpfe in­mitten unseres Volkes hervorgerufen wurden. Deut­sche gegen Deutsche unter Waffen: weich' ein Bild des Elends, des Jammers! Dazu ein erneutes Vor­rücken der Besatzungstruppen Frankreichs, mit dem i dochFriede" geschlossen worden ist, in unser wehrloses Land. Wie muß das auch dem Gleich­gültigsten und Abgestumpften zum Bewußtsein brin­gen, in welche Tiefe wir gestürzt sind! Aber selbst das noch läßt Ungezählte aus ihrem Dahindämmern oder ihrem Taumel nicht erwachen, wenn auch manches in dieser Beziehung sich zu bessern scheint. Vielleicht greift ein allgemeines Sichselbstbesinnen Platz, wenn erst die neuen Steuern noch fühlbarer werden. Wenn das geschieht, wirb freilich eine neue Welle des Unmuts losbrechen; Einsichtslose werden aufs neue die alte Zeit mit der Gegenwart vergleichen, vergessen, daß zwischen damals und jetzt ein furcht­barer, verlorener Krieg sich ab spielte, der unmeß- bare Werte unwiederbringlich inNichts verwandelt hat, und Schuldlosen den Steuerdruck aufs Konto setzen. Deshalb schadet's wohl nichts, wenn wir für Einsichtige einige Sätze eines bekannten Volksmannes hierhersetzen, die er als eine ernste Mahnung in un­ser Volk hineingerufen hat:Man mag Kritik üben an Einzelheiten der neuen unb der zukünftigen Steuern. Aber darüber sei man sich klar, daß es kein Steuersystem gibt, das unsere Milliardenbe- dürfnisse befriedigt und daS trotzdem unsere Volks­wirtschaft nicht in der schwersten Weise treffen, ja sogar erschüttern würde. Die Steuern finb der letzte Versuch der Rettung. Dhne sie ist der Zusammen- bruch unausbleiblich. Wir haben die Wahl zwischen Staatsbankrott unb furchtbaren Steuern. Der Staatsbankrott ist die allerbrutalste Form der Finanzreform; er würde aber zur politischen und wirtschaftlichen Anarchie (Gesetz- und Zuchtlosigkeit) führen. Besonders die neuen Reichen sollten beden- ken, daß für sie viel auf dem Spiel steht. Auch, sollten die Steuerzahler nie vergessen, daß sie die Steuern in Papier bezahlen. Es muh einer ein großer Esel sein, wenn er sich einbildet, er sei reicher geworden, weil sein Warenlager, das er vor dem Kriege vielleicht in Goldmark mit 100 000 Mark be­wertete, jetzt in Papiermark viel höher bewertet wird." Ja, so sieht es aus - und so muß die Sache angesehen werden. Eiserne Notwendigkeit mahnt und zwingt zum Verzicht auf vielen Gebie­ten um des Ganzen willen, trotzdem erträglich, wenn die Seele, Äas Denken, Fühlen und Wollen des Men­schen, sich barauf einstellt, und man sich genügen läßt, zurückkehrend zu bescheidenem, labenderem Sichfreuen an den Gaben der Heimat in Natur und herzlicher Gemeinschaft mit lieben, treuen Wegge­nossen. Es bleibt uns viel! Möge Gott allen die Äugen dafür öffnen! Freilich das Gemeinschafts-